3 x dankbar, 28.02.2017

  • Mein leckeres, gesundes Frühstück – ich freue mich schon auf das morgige 🙂
  • Vertrag für die Betreuung im Kinderhort ist unter Dach und Fach, eine Sorge weniger
  • Die Putzhilfe (mein Luxus!) war nach vier Wochen mal wieder hier und ich genieße die Sauberkeit, die ich selbst selten hinkriege

„Ich bin auch müde.“

So viel Müdigkeit. Das ist sie wieder die dunkle Schwester, die ihren schweren Mantel auf mich legt: Fatigue. Heut ist alles mühsam. Vor allem das Augen offen halten.

Das Kleine Wunder wird groß und ich habe das Gefühl, das gerade zu verpassen. Und so war ich mit XY beim Hort um den Betreuungsvertrag zu unterschreiben. Es war nicht so leicht einen Platz zu ergattern und XY hat sich da irgendwie keinerlei Gedanken drum gemacht. Dabei braucht er ja auch viel Zeit für seine Musik und würde nicht ab 12 das Grundschulkind um sich haben wollen. Und in mir grollt wieder der Ärger. Und XY sagt: „Ich vermisse Dich.“. Und ich denke:„Merk ich gar nicht.“

Vorhin klingelte es und das Kleine Wunder stand nebst bestem Freund vor der Tür um Sandspielsachen zu holen. Sie waren vom Kindergarten alleine zu mir gelaufen und stolz wie ein Bienenstock voll emsiger Bienen. Papa wartete am Kindergarten und sie sind groß und stolz die Straße runter und wieder um die Ecke. Huch!

Kurz im Büro nach Post gucken und der Kollege fragt wie es geht. Ich erkläre ihm wie müde ich bin und er sagt:„Ich bin auch müde. Ich mache gleich Feierabend.“ Ich bin auch müde. Das ist ein Satz, den ich schon oft gehört habe. Eine Freundin Bekannte meinte neulich, als ich ihr von meinem Schub schrieb, auffordernd, dass sie es vor Weihnachten richtig genossen hätte, als sie erkältet zwei Wochen krank geschrieben war. Wie schön für sie. Wahrscheinlich war sie auch müde.

 

Stimmungsloch

Die letzte Dosis Kortison habe ich am Samstag genommen. Ich weiß, dass meine miese Stimmung auch damit zusammenhängt, dass mein Körper nun seine Cortisolproduktion wieder selbst aufnehmen muss. Weiß ich.

Das Auge tut wieder weh, das Sehvermögen ist schlecht. Dazu brennt meine Haut, – das hatte ich in den drei Kortisonnächten und seit gestern Nacht nun besonders stark. So ein wunderschöner Frühlingstag und ich liege die meiste Zeit auf dem Sofa und warte auf ein Wunder. Mit jedem Tag wächst die Angst darum, was mit meinem Auge sein wird. Wie und wann ich wieder arbeiten kann.

Ich fühle mich allein. Viele nette Hilfsangebote habe ich in den letzten Wochen bekommen und sicher auch ernst gemeinte („wenn Du was brauchst, sag Bescheid!“), aber ich kann wenig damit anfangen. Was ich bräuchte, wäre Zuwendung, Mitgefühl, einfach ein bisschen Begleitung. Besuch zu bewirten ist mir aber körperlich zu anstrengend.

Es fällt mir schon schwer, dass hier zu schreiben. Ich will nicht selbstmitleidig sein und auch nicht sinnlos jammern.

Ich kann mich erinnern, die beiden Male, die ich in meinem Leben im Krankenhaus lag, da kam Besuch Tag ein Tag aus. So, dass es mir zu viel wurde. Da stand mein Nachttisch voller Blumen und Geschenke und Postkarten und das Telefon klingelte und ich sprach mir die Stimme heiser.

Und was darf ich eigentlich von dem Mann erwarten, der sich noch immer mein Freund nennt? Er hat mich zu den Ärzten gefahren und begleitet, ein paar Mal auf Bestellung 1, 2 Dinge für mich vom Einkaufen mitgebracht, 1x eine Blume mit gebracht und er geht jeden Tag mit mir spazieren. Ist es vermessen, mir zu wünschen, dass er mir mal etwas kochen würde? Oder sich seinen Tee selbst aufgießt, wenn er mal (selten) hier ist oder mich fragt, ob er mir einen Tee machen kann? Oder vielleicht die Wäsche aufhängen? Die ja zu einem nicht unerheblichen Anteil aus Kleidungsstücken des Kleinen Wunders besteht, das ja immerhin auch sein Kind ist? Es scheint alles so mühsam für ihn zu sein. Vielleicht bin ich mühsam.

Ich weiß nicht  mehr, wie Beziehung geht. Ich weiß nicht mehr, was „normal“ ist, ob meine Bedürfnisse überzogen sind. Ob meine Erwartungen und Hoffnungen auch bei anderen Menschen diesen Druck auslösen würden. Ich versuche mich zu erinnern, wie es früher war, als ich noch mit M zusammen war. Der brauchte viel Zeit für sich. Aber ich weiß noch, dass ich manchmal ein paar Tage bei ihm gewohnt habe, wenn ich krank war und er mir ein Hörspiel angemacht hat und mich zugedeckt hat. Und einfach da war. Der Gedanke daran rührt mich zu Tränen.

Klar, wir hatten kein gemeinsames Kind. Was ja auch Zeit in Anspruch nimmt. Und wir hatten vor allem nicht so eine gemeinsame Vergangenheit voller schlimmster Verletzungen. XY ist jetzt seit bald einem Jahr trocken. Es hat sich was verändert. er hat sich verändert. Ich auch. Aber er scheint noch immer so seltsam bezugslos zu sein manchmal. Als seine Mutter letztes Jahr am Herzen operiert wurde … da hat er den OP-Tag einfach vergessen … und sich erst am nächsten Tag nach ihrem Befinden erkundigt. Das erschreckt mich.

Und jetzt habe ich mich verzettelt in diesem Text. Ich bin schon lange so traurig und die Sache mit XY, die beschäftigt mich seit 6 Jahren jetzt und raubt Energie und ich kann meine Gefühle nicht auseinander halten und hänge fest zwischen Sehnsucht, Wut und Ahnungslosigkeit.

Wie alles begann – Agoraphobie und andere Ängste, Teil 2

Nun hatte ich also verstanden und erfahren, dass ich Angst hatte. Diffuse Angst davor, das etwas Schlimmes passieren könnte. Und konkrete Angst davor, verrückt zu werden. Ich sprach nicht darüber, denn ich fühlte mich schon so verrückt, dass ich befürchtete, die Verrücktheit würde sich mit dem Aussprechen meiner Gefühle richtig Bahn brechen.

Ich hatte Alpträume, Herzrasen.

Ich lebte mein Leben. Ich blieb unauffällig. Ich war eine gute und brave Schülerin, die aber auch ihre Meinung sagen konnte. So richtig angepasst war ich nie. Ich kaufte mir Schuhe in Schwarz und das gleiche Paar noch einmal in Pink und trug immer je eine Farbe an einem Fuß. Und trotzdem war ich nicht ich. Konnte mich niemandem zeigen. Und trug meine Angst jeden Tag mit mir herum.

Ich hatte Angst etwas zu essen, dass Übelkeit auslösen konnte. Ich aß keine Pilze, keinen Fisch, keine Mayonnaise. Ich aß eigentlich nie auswärts und wenn dann nur mit Angst.

Auf Klassenfahrten und -Ausflügen reagierte ich schon Tage bis Wochen vorher mit Angstgefühlen, dort angekommen, hatte ich Schlafstörungen und körperliche Beschwerden.

Ich war aber auch Klassensprecherin.

In Kaufhäusern hatte ich manchmal Panikattacken. Ich fühlte mich im Neonlicht in Klassenzimmer unwohl. Ich ging nicht mit meinen Freundinnen zum Schwimmen. Aber das durfte ich auch gar nicht. Denn das war Teil eines Vermeidungsverhaltens, das gar nicht meines war: Meine Mutter hatte Angst um mich. Sie erlaubte wenig. Ich durfte so gut wie nie bei Freundinnen schlafen. Ich durfte nicht auf Jugendfreizeiten. Ich durfte nicht alleine mit dem Rad zu meinen Freundinnen fahren. Ich durfte abends nicht ins Kino gehen. Und wenn ich doch etwas durfte, dann wurde ich von ihr im Auto hin gebracht und zu einer vorher vereinbarten Zeit wieder abgeholt. Und wenn ich nicht pünktlich dort aus dem Haus trat, klingelte sie und kam rein und schimpfte mit mir. Auch als ich schon 15, 16, 17 war. So viel Scham.

Es gab also gar keine Fragen. Die Sachen, vor denen ich Angst hatte, die durfte ich nicht machen. Also bemerkte auch niemand meine Angst.

Irgendwann in dieser Zeit zwischen 13 und 16 las ich einen Artikel in einer Frauenzeitschrift, der krankhafte Angst und Agoraphobie thematisierte. Zwei kurze Seiten, oberflächlich. Aber für mich eine Erleichterung! Ich war gar nicht verrückt! Danach ging es mir über einen richtig langen Zeitraum richtig viel besser. Der Artikel hatte einen Teil der Ängste von mir genommen.

Dann kam der Sommer in dem ich mit meiner Mutter (wem sonst?) nach England in den Urlaub fuhr. England, war ein Traum für mich. Zwei Wochen mit meiner Mutter auf einem winzigen Bed- and Breakfastzimmer eher ein Alptraum. Diese Frau, die meine beste Freundin sein wollte, aber meine Mutter war. Und ich voller Teenager-Sehnsucht nach Freiheit und Abenteuer. Voller Sehnsucht nach meinen Freunden und Eigenständigkeit. Andere machten zu der Zeit schon Interrail. Ich hätte mich mit niemand anderem als mit meiner Mutter in den Urlaub getraut.

Beim Einkauf in einer Boutique in Torquay hatte ich dann wieder eine meiner schlimmsten Panikattacken. Es überfiel mich einfach. Hitze, Schwindel, Übelkeit, Herzrasen. Wir mussten den kleinen Laden fluchtartig verlassen.

Den Rest des Urlaubes verbrachte ich in diffuser Angst. Auf der Hinfahrt hatte mir der Aufenthalt in London auf dem Bahnhof noch gefallen, konnte die Fährfahrt trotz Ängsten als Abenteuer erleben. Die Rückreise war eine einzige Tortur. Angst, Angst, Angst. Gefahr, überall Gefahr.

Daran inwieweit sich neuerlich erlebte heftige Panikattacke nach meiner Rückkehr auf  meinen Alltag auswirkte, kann ich mich nicht erinnern. Das 10. Schuljahr scheint  mir dennoch ein recht fröhliches Jahr gewesen zu sein. Aber klar war, dass ich nicht mit auf die große Klassenübergreifende Jahrgangsstufenfahrt zum Ski fahren mit fahren würde. Niemals! Obwohl ich gut integriert war, nette Freunde und Freundinnen hatte. Niemals wäre ich mit auf diese Fahrt gegangen. Aber auch da, keine Frage: Meine Mutter fand es gut, dass ich nicht mit fahren würde. Sie wollte mich ja kontrollieren können. Sie fragte auch nicht, warum ich nicht fahren will. „Keine Lust“ reichte ihr als willkommener Grund.

Erst schoben wir das fehlende Geld vor. Da gab es aber Zuschüsse und Hilfen. Alle wollten mir das Mitfahren ermöglichen.

Dann tat ich so, als würde ich aus Umweltschutzgründen nicht mit fahren wollen. Skifahren? Nein? Das zerstört die Umwelt. So konnte ich zu Hause bleiben. Traurig und froh zugleich. Ich fühlte mich ausgeschlossen und einsam.

Hier geht es zu Teil 1

Teil 3

Adrett oder Gesund?

Guten Morgen! Gerade habe ich einen ganz langen Kommentar bei Ganz normale Mama hinterlassen und da ich das Thema ziemlich wichtig finde und es nicht nur Mütter, sondern alle Frauen betrifft, möchte ich dies hier teilen.

Im Ausgangsartikel geht es darum, wie zerlebt man sich als Mama manchmal fühlt, wie zermatscht und häßlich von dem Stress und Schlafmangel, den Sorgen und der Zerreißprobe zwischen Arbeit, Kindern, Alltag, Haushalt und dem Wiederfinden und dennoch nicht Erfüllen-Können der eigenen Bedürfnisse.

Und dann führst Du plötzlich solche Selbstgespräche in denen Du Dich im Grunde zu (noch) mehr Selbstdisziplin mahnst, um Dich um Deine Schönheit Deine äußere Anpassung zu kümmern und versuchst Dich selbst aufzuheitern:

Ach Mensch. Schau Dich doch mal an. Wie siehst Du nur wieder aus?! Diese feine Linie zwischen Deinen Augenbrauen, die war doch gestern noch nicht da? Ist da nicht auch eine kleine Falte zwischen Nase und Mund? Ist mir vorher gar nicht aufgefallen. Mensch, Du wirst alt. Du hattest doch früher keine Augenringe! Achso, Du […]

über Wie siehst Du nur wiederaus? — Ganz normale Mama

Darf denn niemand sehen, wie anstrengend das Leben mit Kindern manchmal ist? Das die Doppel- und Dreifachbelastung einfach (zu) viel ist? Dürfen wir das nicht sichtbar machen? Um Hilfe bitten? Wo sind denn die adretten Väter, die sich täglich rasieren und in Schale schmeißen um dann den Kindern den Brei in den Mund zu löffeln und mit Ihnen Pfützenspaziergänge zu machen oder Kotze weg zu wischen wenn eines mal wieder krank ist? Könnten die nicht auch mal ab und zu was anderes mit ihren Haaren machen als immer nur jeden Tag die gleiche langweilige Kurzhaarfrisur zu tragen, die nach dem Waschen in 10 Minuten von selbst getrocknet ist?

Diesen Text sollte man mal versuchsweise an einen Vater richten statt an eine Mutter … ähem. Such den Fehler. Die Ansprüche sind einfach viel zu hoch. Sowohl die von außen auf uns zukommen, als auch die, die wir längst verinnerlicht haben.

Kümmer Dich gut um Dich, kann auch heißen:
– sich eine ruhige Tasse Tee zu gönnen anstatt eben schnell noch zwischendurch die Nägel zu pflegen.
– Ein Nickerchen zu machen anstatt wegen ein paar grauer Haare eine Tönung aufzutragen.
– Spazieren zu gehen und einfach den blauen Himmel zu genießen anstatt sich die Beine zu rasieren obwohl Du sowieso eine lange Hose trägst.
– Dich auf dem Spielplatz bequem anzuziehen, anstatt unpraktisch und vielleicht sogar im kurzen Rock mit den Kindern die Rutsche zu rutschen und sich nachher auch noch um drei teile mehr in der Wäsche oder zum Flicken zu kümmern.

Das verstehe ich unter Selbstliebe! Hübsch bist Du, wenn es Dir gut geht und das hat nichts mit der Frisur zu tun. Und lächeln tust Du am Besten morgens zu Deinem eigenen Spiegelbild, weil es toll ist, wie gut Du alles meisterst, – und nicht um irgendwem zu beweisen, dass Du weiterhin eine hübsche, harmlose Frau bist. Du bist stark und geschickt und vernünftig und verspielt und hilfst neuem Leben auf seinem Weg in die Welt!

Und wir sollten diese Leistung endlich anerkennen als das was sie ist: Eine großartige und kluge Tat für eine Zukunft in der Menschen heranwachsen die sich geliebt fühlen und dieses Gefühl weiter in die Welt geben können. Und bitte Mädchen heranreifen lassen, die tief im Innern wissen, dass ihre äußere Schönheit nur ein Zuckerguss auf dem Leben ist. Die auch als ausgewachsene Frauen wissen, wie wertvoll sie sind, was immer sie auch tun, wie immer sie auch aussehen und sich kleiden. Ihnen so ein Gefühl von Werthaftigkeit ihrer Selbst geben, dass es sich lohnt, ja dass es eine Selbstverständlichkeit für sie ist, sich wirklich um sich zu kümmern. In Selbstliebe.

Aber diesen Mut zu sich selbst müssen wir Ihnen vorleben, damit sie es wirklich innerlich verstehen können, in der Flut der anderen Bilder und Ansprüche, der next Topmodels und Beauty Challenges die auf sie Hereinströmen.

Jetzt!

 

P.S.: Natürlich müssen wir das Gleiche auch den Jungen vorleben.

Wie alles begann – Agoraphobie und andere Ängste, Teil 1

Meine erste bewusst als solche erlebte Panikattacke hatte ich im Alter von 13 Jahren in einem Einkaufzentrum. Es war Sommer und wir verbrachten zwei Wochen in den Ferien bei meinem Opa in der Nähe einer Großstadt. Es war das Jahr in dem mein Vater ausgezogen war.

Ich war mit meiner Mutter unterwegs, wir waren in einem Kaufhaus ganz am Ende der Einkaufspassage –  von hier aus, war der Ausgang am Weitesten entfernt.

Meine Mutter wollte in der Schuhabteilung gucken und ich nebenan bei den Süßigkeiten, schon ganz kurz nachdem ich Richtung Süßigkeiten los bin, fühlte ich auf einmal Übelkeit und wollte zu meiner Mutter zurück kehren, die ich eigentlich noch direkt hinter mir wähnte. Aber sie war nicht da. Und ich geriet in Panik, fühlte mich auf einmal völlig allein und gefangen in diesem Kaufhaus und wollte nur an die frische Luft, weil ich Angst hatte mich dort mit in der Schuhabteilung übergeben zu müssen. Also rannte ich los, raus aus dem Kaufhaus, durch den Gang voller Leute quer durch das ganze Einkaufszentrum. Ich rannte so schnell ich nur konnte, mit einem zerspringendem Herz, trockener Kehle und zitternd. Ich rempelte rücksichtslos die Menschen an, die mir im Weg waren. ich wollte nur raus.

Endlich draußen angelangt, setzte ich mich auf einen Blumenkübel und inhalierte die kühlere Luft. Ich beruhigte mich etwas. Aber ich wollte auf gar keinen Fall wieder da rein. Nur meine Mutter wusste ja gar nicht wo ich bin. Eine Zwickmühle. Denn weiter hier draußen allein zu sein, das machte mir auch schon wieder Angst.

Also lief ich auf eine Frau zu, die nett aussah, wie ich fand. Ich war ziemlich aufgelöst. Ich war 12 Jahre alt. Und ich sagte ihr, dass mir so schlecht sei, aber meine Mutter mich suchen würde. Ob sie bitte für mich in das Kaufhaus gehen könne um einen Ausruf machen zu lassen, dass ich draußen wartete? Sie sagte nein. Und ging einfach weiter.

Heute ist es Teil meiner Ängste, dass mir draußen zwischen all den Leuten niemand hilft, wenn es mir schlecht geht.

Ich schämte mich unendlich.

Da ich mich sehr verzweifelt fühlte, blieb mir kein anderer Ausweg als noch einmal in das EKZ zu gehen. Ich rannte. Ich raste den Weg zurück durch die Menschenmenge zum Kaufhaus. Genauso panisch wie zuvor. Zitternd kam ich am Kaufhaus an, vor dem ein Verkaufsstand aufgebaut war hinter dem zwei Verkäuferinnen standen. Ich fühlte mich überhaupt nicht in der Lage dieses Kaufhaus noch einmal zu betreten. Ich war Angst. Mein ganzer Körper war Panik. Ich bettelte also die beiden Frauen an das für mich zu übernehmen. Sie wollten nicht, diskutieren, aber schließlich konnte ich sie überzeugen. Und raste sofort wieder zurück an die rettende Frischluft.

Wieder an meinem Blumenkübel angelangt, setzte ich mich und wartete. An diese Zeit kann ich mich nicht erinnern, aber dann kam irgendwann meine Mutter verwirrt aus dem Gebäude und ich fing an mich wieder besser zu fühlen. Ich weiß nicht  mehr, was ich meiner Mutter erzählt habe oder was sie gesagt hat. Ich weiß nur, dass ich mich sehr beschämt fühlte und nach wie vor voller Angst.

Die Panik wirkte nach. Tage und wochenlang. Sie schwelt ein mir. Besonders abends, wenn ich im Bett lag und versuchte zu schlafen. Ich wusste wovor ich Angst hatte: mich irgendwann wieder so tödlich unsicher zu fühlen. Jemals wieder so eine Panikattacke erleben zu müssen.

Heute weiß ich, dass die Panik nicht aus heiterem Himmel kam. Schon am Tag zuvor war ich mit meiner im Kaufhaus auf einer Rolltreppe, als ich plötzlich unsagbare Kopfschmerzen im Hinterkopf bekam, von jetzt auf gleich. Wir sind sofort zurück zu meinem Opa gefahren, ich wollte einfach nur Ruhe. Niemand konnte sich diese plötzliche Kopfschmerzattacke erklären. Nie wieder hatte ich in meinem Leben solche Kopfschmerzen. Aber mein Opa hatte Tabletten (ich habe heute den Verdacht, dass er damit auch Missbrauch betrieb, weil er manchmal starke Stimmungsschwankungen hatte), er hatte einen Arzt in seinem Freundeskreis von dem er eigentlich rezeptpflichtige Sachen so bekam. Er gab mir also ein starkes Schmerzmittel von dem ich dann innerhalb ein paar Minuten eingeschlafen bin und Stunden tief schlief. Danach waren die Schmerzen weg, aber ich fühlte mich wie nicht mehr von dieser Welt. Ich denke, dass die Panikattacke am nächsten Tag von dem Medikament angestoßen wurde – aber auch die Kopfschmerzattacke war ja schon nicht normal. Da bahnte sich ohnehin etwas an.

Angst hatte ich immer. Lange schon. Trennungsangst in der Grundschule. Obwohl ich mich wohl fühlte in meiner Klasse, mich nicht anstrengen musste und trotzdem Klassenbeste war, viele Freund*innen hatte. Aber es gab Zeiten, da hatte ich Angst davor in die Schule zu gehen. Heute weiß ich, dass das Trennungsangst war. Und in dieser Zeit entwickelte ich auch eine Emetophobie – Angst vor dem Erbrechen. Ich sprach mit niemandem über die Ängste und erfand Ausreden.

Ich hatte mindestens zwei Mal in der Grundschulzeit abends kurz vor dem Einschlafen Panikattacken (habe weder ich, noch sonst jemand als solche erkannt damals) mit starkem Herzrasen, so dass der Kinderarzt gerufen wurde. Oft erwachte ich nachts voller Angst und legte mich zu meinen Eltern ins Bett. Am nächsten Morgen tat ich immer so, als könne ich mich nicht erinnern und sei geschlafwandelt. Schon damals, mit 8, 9 Jahren habe ich mich geschämt.

Soviel für heute.

Lies hier Teil 2

Teil 3

Saftiger Orangenkuchen mit Schokostückchen #vegan #zuckerfrei #backen #Genuß

Vom Kortison beflügelt und mit Heißhunger auf Süßes ausgestattet, hab ich mich in die Küche gestellt und mir einen zuckerfreien Kuchen gebacken. Seeehr lecker! Und viel zu viel für mich. Ich klingel Miorgen bei meinen Nachbarn und bringe Ihnen was.

Vorab: Wer mag kann alle Zutaten durch vegane Varianten ersetzen. Also Butter durch die gleiche Menge Öl, Eier durch Sojamehl (1 Ei = 1 EL Sojamehl + 1 EL Wasser), Sahne durch Sojasahne und die Schokolade als vegane Variante kaufen (gibt’s alles in gut sortierten Bio- oder Veganläden).

  • 125 g Butter, weiche
  • 3  Ei(er) – oder eines oder mehrere der Eier je mit einem EL Sojamehlt + 1 EL Wasser ersetzen (die Hühner müssen heutzutage unglaublich viel mehr Eier legen als es natürlicherweise der Fall wäre, deshalb behandle ich Eier als kostbare Nahrung)
  • 200 g  Zucker – oder gesünder: Xylit (gleiche Menge)
    etwas gemahlene Vanille
  • 1 EL, gestr. Backpulver
  • 1 Tasse Orangensaft, 100 % Fruchtgehalt – am Besten frisch gepresst!
  • 250 g  Weizenmehl (kann auch Vollkorn sein, oder Du mischst es)
  • 200 ml Schlagsahne
  • abgeriebene Schale zweier Bio-Orangen
  • Eine Tafel Zartbitterschokolade in grobe Stückchen gebrochen
  1. Die Butter mit (Eiern), Zucker/Xylit und Vanilleschaumig schlagen.
  2. Mehl, evtl Sojamehl und Wasser als Ei-Ersatz, Backpulver und Orangensaft nach und nach unterrühren.
  3. Die Sahne unterrrühren.
  4. Orangenschale und Schikolade unterheben.
  5. Den Teig in eine Gugelhupfform geben und bei 180 Grad ca. 45 Minuten backen.

Wer mag kann den Kuchen nach dem Abkühlen auch noch mit einer Glasur aus Puderzucker und Orangensaft bestreichen.

3 x dankbar

  • Ein wunderbarer, langer! Sonnenspaziergang mit XY, und ich bin nur ganz am Ende 1x mit dem Bein weg geknickt
  • Für eine richtig schöne Zeit mit dem Kleinen Wunder – sie hat sogar einen Kaffeetisch gedeckt und  mich eingeladen. 🙂 Und Blumen hat sie mir auch mitgebracht.
  • Jetzt wieder allein zu sein, die Stille zu genießen und zu wissen, dass ich Morgen ausschlafen kann 🙂20170225_203531.jpgIhr Kaffeetisch nach meiner Einladung beim Kleinen Wunder – alles selbst zusammengestellt von ihr.;)