Wie alles begann / Multiple Sklerose, Teil I

Im Spätsommer 2002 hatte ich eine ziemlich starke Erkältung. Ich weiß noch, dass ich total erschöpft war und ganz viel Husten musste. Und da fing es an, dass ich manchmal beim Sprechen kurz lallte und gleichzeitig meinen rechten Arm nicht mehr so recht unter Kontrolle hatte. Nur ganz kurz und das Lallen fiel niemandem auf – ich wurde halt gefragt, was ich gerade genuschelt habe. Ich habe zu der Zeit in einem Callcenter gejobbt, was ich als ziemlich stressig empfand und meine Selbstdiagnose lautete: Stress + Infekt – und vielleicht bilde ich mir das auch alles nur ein. („Das bildest Du Dir ein.“ ist ein Satz, den ich in meiner Kindheit des Öfteren zu hören bekam. Aber das ist eine andere Geschichte, die von emotionalem Missbrauch erzählt.)

Aber im Oktober landete ich dann doch beim Neurologen. Mein Opa ist nämlich an einem Schlaganfall aufgrund eines Aneurysmas gestorben, weshalb ich seit meiner Jugend mit der Angst vor einem Schlaganfall lebte. Daraufhin folgte das erste EEG (Hirnstrommessung) meines Lebens, das ich voller Angst durchstand – ich hatte den Wahn, man könne erkennen wie verrückt ich bin mich fühlte. Zu der Zeit litt ich schon seit vielen Jahren an einer starken Angststörung / Agoraphobie. Außerdem wurde ein MRT (oder war es ein CT?) gemacht. Diagnose: Alles in Ordnung. Psychosomatisch. Stress.

Ich versuchte die Sache also ad acta zu legen. Die Symptome traten auch nicht mehr ganz so oft auf.

Im April 2003 fühlte sich dann eines Sonntags Morgens eine Stelle meines Rückens irgendwie taub an. Klarer Fall für den Orthopäden, dachte ich. Kannte ich ja schon, dass ich Rückenprobleme hatte. Montag machte mein Orthopäde gerade einen Inventur- oder Buchhaltungstag oder sowas und die Sprechstundenhilfe gab mir den Rat in das nahe gelegene Krankenhaus zu gehen und mich dort in der Neurologie zu melden. Komisch fand ich das. Hab das aber so gemacht. Und auf dem Weg dorthin merkte ich, dass meine Beine sich sehr schwer bewegen ließen, als hätte ich dicke Manschetten über den Knieen. Da kroch dann Angst in mir hoch.

Im Eingangsgespräch erwähnte ich, dass mein Papa Multiple Sklerose hat. Schwupps, wurde ich eingewiesen, verbrachte daraufhin zwei Horrorwochen auf der neurologischen Station und wurde mit 1A Gerätemedizin auf den Kopf gestellt. Ich habe diese zwei Wochen als richtig traumatisch in Erinnerung, mein behandelnder Artzt war ein AIPler (Arzt im Praktikum), unglaublich unsensibel und unmenschlich. Ich wurde überhaupt nicht über den Sinn der vielen Untersuchungen aufgeklärt und mittendrin gab es dann auch noch was zu sehen in meinem Kopf. Etwas das da nicht hingehört und „… auch ein Tumor sein könnte … aber, mh, leider an einer nicht operablen Stelle … warum gucken Sie denn so ängstlich? Könnte auch ein Aneurysma sein.“ so sprach der angehende Arzt zu mir. das ich an einer massiven Angststörung litt hatte ich mehrmals zu Protokoll gegeben, u.a. deshalb weil ich mich vor lauter Angst nicht allein auf dem Klinikgelände und innerhalb des Hauses bewegen konnte. Ich musste oft zu Untersuchungen das Haus wechseln und dabei begleitete mich dann immer ein Pfleger oder Zivi. Aber ansonsten war die Angst kein Thema für die Ärzte und den Umgang mit mir.

Mein Zimmer teilte ich mit zwei älteren Damen, – eine mit MS im fortgeschrittenen Stadium, gelähmt und leider auch ziemlich verbittert („So hat das bei mir auch angefangen, wie bei Dir!“ – herzlichen Dank!), die andere bekam ihre MS-Diagnose im Verlauf des Krankenhausaufenthaltes in meinem Beisein im Bett sitzend mitgeteilt.

Fortsetzung folgt …

 

 

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