Adrett oder Gesund?

Guten Morgen! Gerade habe ich einen ganz langen Kommentar bei Ganz normale Mama hinterlassen und da ich das Thema ziemlich wichtig finde und es nicht nur Mütter, sondern alle Frauen betrifft, möchte ich dies hier teilen.

Im Ausgangsartikel geht es darum, wie zerlebt man sich als Mama manchmal fühlt, wie zermatscht und häßlich von dem Stress und Schlafmangel, den Sorgen und der Zerreißprobe zwischen Arbeit, Kindern, Alltag, Haushalt und dem Wiederfinden und dennoch nicht Erfüllen-Können der eigenen Bedürfnisse.

Und dann führst Du plötzlich solche Selbstgespräche in denen Du Dich im Grunde zu (noch) mehr Selbstdisziplin mahnst, um Dich um Deine Schönheit Deine äußere Anpassung zu kümmern und versuchst Dich selbst aufzuheitern:

Ach Mensch. Schau Dich doch mal an. Wie siehst Du nur wieder aus?! Diese feine Linie zwischen Deinen Augenbrauen, die war doch gestern noch nicht da? Ist da nicht auch eine kleine Falte zwischen Nase und Mund? Ist mir vorher gar nicht aufgefallen. Mensch, Du wirst alt. Du hattest doch früher keine Augenringe! Achso, Du […]

über Wie siehst Du nur wiederaus? — Ganz normale Mama

Darf denn niemand sehen, wie anstrengend das Leben mit Kindern manchmal ist? Das die Doppel- und Dreifachbelastung einfach (zu) viel ist? Dürfen wir das nicht sichtbar machen? Um Hilfe bitten? Wo sind denn die adretten Väter, die sich täglich rasieren und in Schale schmeißen um dann den Kindern den Brei in den Mund zu löffeln und mit Ihnen Pfützenspaziergänge zu machen oder Kotze weg zu wischen wenn eines mal wieder krank ist? Könnten die nicht auch mal ab und zu was anderes mit ihren Haaren machen als immer nur jeden Tag die gleiche langweilige Kurzhaarfrisur zu tragen, die nach dem Waschen in 10 Minuten von selbst getrocknet ist?

Diesen Text sollte man mal versuchsweise an einen Vater richten statt an eine Mutter … ähem. Such den Fehler. Die Ansprüche sind einfach viel zu hoch. Sowohl die von außen auf uns zukommen, als auch die, die wir längst verinnerlicht haben.

Kümmer Dich gut um Dich, kann auch heißen:
– sich eine ruhige Tasse Tee zu gönnen anstatt eben schnell noch zwischendurch die Nägel zu pflegen.
– Ein Nickerchen zu machen anstatt wegen ein paar grauer Haare eine Tönung aufzutragen.
– Spazieren zu gehen und einfach den blauen Himmel zu genießen anstatt sich die Beine zu rasieren obwohl Du sowieso eine lange Hose trägst.
– Dich auf dem Spielplatz bequem anzuziehen, anstatt unpraktisch und vielleicht sogar im kurzen Rock mit den Kindern die Rutsche zu rutschen und sich nachher auch noch um drei teile mehr in der Wäsche oder zum Flicken zu kümmern.

Das verstehe ich unter Selbstliebe! Hübsch bist Du, wenn es Dir gut geht und das hat nichts mit der Frisur zu tun. Und lächeln tust Du am Besten morgens zu Deinem eigenen Spiegelbild, weil es toll ist, wie gut Du alles meisterst, – und nicht um irgendwem zu beweisen, dass Du weiterhin eine hübsche, harmlose Frau bist. Du bist stark und geschickt und vernünftig und verspielt und hilfst neuem Leben auf seinem Weg in die Welt!

Und wir sollten diese Leistung endlich anerkennen als das was sie ist: Eine großartige und kluge Tat für eine Zukunft in der Menschen heranwachsen die sich geliebt fühlen und dieses Gefühl weiter in die Welt geben können. Und bitte Mädchen heranreifen lassen, die tief im Innern wissen, dass ihre äußere Schönheit nur ein Zuckerguss auf dem Leben ist. Die auch als ausgewachsene Frauen wissen, wie wertvoll sie sind, was immer sie auch tun, wie immer sie auch aussehen und sich kleiden. Ihnen so ein Gefühl von Werthaftigkeit ihrer Selbst geben, dass es sich lohnt, ja dass es eine Selbstverständlichkeit für sie ist, sich wirklich um sich zu kümmern. In Selbstliebe.

Aber diesen Mut zu sich selbst müssen wir Ihnen vorleben, damit sie es wirklich innerlich verstehen können, in der Flut der anderen Bilder und Ansprüche, der next Topmodels und Beauty Challenges die auf sie Hereinströmen.

Jetzt!

 

P.S.: Natürlich müssen wir das Gleiche auch den Jungen vorleben.

5 Kommentare zu „Adrett oder Gesund?

  1. Danke für deinen Komme tat bei mir und deine Gedanken dazu. Ich bin eigentlich meistens zufrieden mit meinem Aussehen – und all die Verschönerungsaktionrn mache ich letztlich für mich. Aber es gibt diesen Moment am Morgen, wo man sich wirklich fragt, ob man langsam alt wird. Das hat nix mit Anpassung zu tun oder dem gefallen wollen. Es geht darum, dass ich mir selbst etwas Gutes tue, wenn ich mich hübsch mache. Mich selbst gut fühle. Ps Mit feminismus hatte mein Trxt übrigens gar nix zu tun!

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  2. „Spazieren zu gehen und einfach den blauen Himmel zu genießen anstatt sich die Beine zu rasieren obwohl Du sowieso eine lange Hose trägst.“
    Das habe ich ohnehin noch nie verstanden, das mache nicht Mal ich, so ganz ohne Kind und mit mehr Zeit.Aber natürlich ist das nur ein Beispiel und ich finde das sehr wahr, was du da schreibst! Ich werde es mir zum Beispiel nehmen, wenn ich selbst Mal Mutter sein werde 🙂

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    1. Der Druck ist einfach immens. Was da so alles auf uns Frauen einprasselt. Gute Mama sein, immer da sein, gut aussehen, ausgehen, am Leben teilhaben, nicht langweilig sein, arbeiten, bloß das Kind nicht in die Krippe geben, stillen, Sex haben … das ist ja nur ein Miniausschnitt all dessen, was wir tun, sein und geben sollen …

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    1. Ja, es scheint wichtig zu sein, das immer wieder zu betonen. Ich habe als Mama auch slebst immer wieder mit so vielen Selbstzweifeln zu kämpfen. Das ist doch schade, dass wir so uns noch immer so verunsichern lassen / bzw. verunsichert sind.

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