Stimmungsloch

Die letzte Dosis Kortison habe ich am Samstag genommen. Ich weiß, dass meine miese Stimmung auch damit zusammenhängt, dass mein Körper nun seine Cortisolproduktion wieder selbst aufnehmen muss. Weiß ich.

Das Auge tut wieder weh, das Sehvermögen ist schlecht. Dazu brennt meine Haut, – das hatte ich in den drei Kortisonnächten und seit gestern Nacht nun besonders stark. So ein wunderschöner Frühlingstag und ich liege die meiste Zeit auf dem Sofa und warte auf ein Wunder. Mit jedem Tag wächst die Angst darum, was mit meinem Auge sein wird. Wie und wann ich wieder arbeiten kann.

Ich fühle mich allein. Viele nette Hilfsangebote habe ich in den letzten Wochen bekommen und sicher auch ernst gemeinte („wenn Du was brauchst, sag Bescheid!“), aber ich kann wenig damit anfangen. Was ich bräuchte, wäre Zuwendung, Mitgefühl, einfach ein bisschen Begleitung. Besuch zu bewirten ist mir aber körperlich zu anstrengend.

Es fällt mir schon schwer, dass hier zu schreiben. Ich will nicht selbstmitleidig sein und auch nicht sinnlos jammern.

Ich kann mich erinnern, die beiden Male, die ich in meinem Leben im Krankenhaus lag, da kam Besuch Tag ein Tag aus. So, dass es mir zu viel wurde. Da stand mein Nachttisch voller Blumen und Geschenke und Postkarten und das Telefon klingelte und ich sprach mir die Stimme heiser.

Und was darf ich eigentlich von dem Mann erwarten, der sich noch immer mein Freund nennt? Er hat mich zu den Ärzten gefahren und begleitet, ein paar Mal auf Bestellung 1, 2 Dinge für mich vom Einkaufen mitgebracht, 1x eine Blume mit gebracht und er geht jeden Tag mit mir spazieren. Ist es vermessen, mir zu wünschen, dass er mir mal etwas kochen würde? Oder sich seinen Tee selbst aufgießt, wenn er mal (selten) hier ist oder mich fragt, ob er mir einen Tee machen kann? Oder vielleicht die Wäsche aufhängen? Die ja zu einem nicht unerheblichen Anteil aus Kleidungsstücken des Kleinen Wunders besteht, das ja immerhin auch sein Kind ist? Es scheint alles so mühsam für ihn zu sein. Vielleicht bin ich mühsam.

Ich weiß nicht  mehr, wie Beziehung geht. Ich weiß nicht mehr, was „normal“ ist, ob meine Bedürfnisse überzogen sind. Ob meine Erwartungen und Hoffnungen auch bei anderen Menschen diesen Druck auslösen würden. Ich versuche mich zu erinnern, wie es früher war, als ich noch mit M zusammen war. Der brauchte viel Zeit für sich. Aber ich weiß noch, dass ich manchmal ein paar Tage bei ihm gewohnt habe, wenn ich krank war und er mir ein Hörspiel angemacht hat und mich zugedeckt hat. Und einfach da war. Der Gedanke daran rührt mich zu Tränen.

Klar, wir hatten kein gemeinsames Kind. Was ja auch Zeit in Anspruch nimmt. Und wir hatten vor allem nicht so eine gemeinsame Vergangenheit voller schlimmster Verletzungen. XY ist jetzt seit bald einem Jahr trocken. Es hat sich was verändert. er hat sich verändert. Ich auch. Aber er scheint noch immer so seltsam bezugslos zu sein manchmal. Als seine Mutter letztes Jahr am Herzen operiert wurde … da hat er den OP-Tag einfach vergessen … und sich erst am nächsten Tag nach ihrem Befinden erkundigt. Das erschreckt mich.

Und jetzt habe ich mich verzettelt in diesem Text. Ich bin schon lange so traurig und die Sache mit XY, die beschäftigt mich seit 6 Jahren jetzt und raubt Energie und ich kann meine Gefühle nicht auseinander halten und hänge fest zwischen Sehnsucht, Wut und Ahnungslosigkeit.

2 Kommentare zu „Stimmungsloch

  1. Das ist kein selbstmitleidiger Text – das ist das Leben, mit all seinen Hindernissen, die uns manchmal zum Verzweifeln bringen. Ich wünsch dir so sehr, dass du dich anlehnen kannst.
    Während ich deinen Text las, hat es hier eben zu schneien angefangen 😶 das hat dann irgendwie gepasst(allerdings geht es mir gerade auch eher so wie dir)

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  2. Danke elefantenblau. Das ist immer meine Befürchtung, dass ich jemandem zur Last fallen könnte und sei es durch Jammerei. Ich verstehe nicht so ganz wo all meine Freunde hin sind und komme immer wieder dazu, die Ursache danach bei mir zu suchen. Danke, dass Du das ein bisschen gerade gerückt hast, das tut gut.

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