Co-Verhalten?

Immer wieder komme ich in Situationen, in denen ich mich frage, ob gerade mein Co-Abhängiger Anteil agiert und fühlt oder ich mich ganz normal und gesund verhalte und fühle.

Da ist T und ich mag ihn wirklich gern. Und das entwickelt sich nach und nach zu einer richtig guten Freundschaft. Er ist allerdings so ein bisschen schlecht greifbar, lebt teils glaube ich, ganz gut in seinem Schneckenhaus, obwohl er sehr viele Freunde und Bekannte hat. Manche Menschen sind so. Ich merke bei mir aber so ein Ziehen, – heißt: Ich kann das schlecht aushalten. Menschen, die so eine Unnahbarkeit an den Tag legen, wecken in mir oft so eine Sehnsucht, besonders Männer.

Ich kenne dieses Gefühl nur zu gut. Da ist jemand da und doch nicht da. Als XY trank hab ich ihn auch nie zu fassen bekommen, und habe meine Bemühungen in die Richtung immer weiter verstärkt. Hilflos meinen Fokus auf ihn gerichtet und mich selbst dabei häufiger außer Acht gelassen. Seinen Gefühlen und seinem Wohlbefinden einen höheren Stellenwert gegeben als meinem. Und auch da war das nicht neu. Zuvor gab es zwar keine Beziehungen in meinem Leben in denen eine stoffgebundene Sucht eine Rolle gespielt hat, aber das Gefühl war ähnlich.Es gab einen Mann, der öfter mal Drogen nahm und vor allem ganz viel zeit nur für sich brauchte. Es gab einen Mann, dessen Geliebte ich war (mir gegenüber behauptete er lange, nur mit seiner Ex zusammen zu wohnen. War aber gar keine Ex.) Danach gab es einen Fernbeziehungs(!)-Mann, der mich mehrfach betrogen hat. Bei XY dachte ich anfangs glücklich, dass ich mein Muster durchbrochen hätte – weil er sehr viel Nähe zu ließ. Wie ich heute weiß, war unser Kennenlernen (Liebe auf den ersten Blick!) und der Anfang unserer Beziehung ziemlich typisch für eine Abhängigkeits-Beziehung. Der Rest auch. 😉

Und auch in Freundschaften zu Männern habe ich das immer wieder erlebt. Ein verständnisvolles, hilfloses hinter jemandem her Rennen  meinerseits. Gerne wurde meine Energie angenommen – aber zurück kam wenig.

Und nun freue ich mich, einen neuen Freund gefunden zu haben, mit dem ich super quatschen und lachen kann. Und: aber!!! Da taucht auch immer wieder dieses Gefühl auf, dieses schmerzhafte Ziehen. Weil ich eigentlich irgendwie mehr Nähe will. Dabei bin ich nun auch nicht die Person, die gut Nähe zulassen kann. Und wenn er wegen etwas traurig ist, habe ich gleich den Impuls, helfen zu wollen.

Gestern hab ich spontan eine kleine Bellis im Topf gekauft um ihn aufzuheitern. Er war so gestresst und so eine kleine Freude tut ihm doch sicher gut. Die wollte ich ihm vorbei bringen. Ist aber irgendwie auch peinlich.Hab ich dann aber doch gelassen. Mein Gott! Er ist erwachsen und solche Probleme wie er gerade hat jeder mal. Dann haben wir uns heute verabredet und ich hatte das Töpfchen in der Hand. Ich sollte die Blume einfach selbst behalten. Jacke angezogen, die Blume wieder weg gestellt. Immer geben, geben, geben! Verrückt ist das! Schal und Mütze auf den Kopf. Aber warum nicht einfach eine kleine Freude machen?. Blume wieder in der Hand. Hat er Dir schon mal ein Geschenk gemacht? Du hast ihm schon häufiger was mitgebracht. Raus zur Tür. Vielleicht versteht er es auch falsch. Wieder in die Wohnung und die Blume zurück gebracht. Tür zu, Treppe runter. Du denkst einfach zu viel nach. Was ist dabei ein netter Mensch zu sein? Wieder hoch gelaufen, Tür aufgeschlossen, Blume geholt. Echt jetzt?

Ich frage mich, was passiert, wenn ich mich mal wieder ernsthaft verlieben sollte? Ich habe eine regelrechte Angst davor mich wieder zu verlieren.

 

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