Das Kleine Wunder hatte Angst

… und das zu Recht!

Gegen 20:30 klingelte es an meiner Tür (es war schon dunkel!). Über die Gegensprechanlage hörte ich nur mein Kind weinen. Da ich wusste, dass sie mit Papa bei Ikea war, dachte ich, sie kommen spät wieder und klingeln bei mir, weil sie mir was mitgebracht hat und sie weint, weil sie gerade gestritten haben.

Aber dann kommt das Wunder allein und ohne Jacke und Socken die Treppe hoch. Mit rasendem Herzen und schluchzend. Papa ist mal wieder einkaufen gegangen und sei aber viel länger weg als sonst und das Hörspiel war schon zu Ende und das neue hat angefangen und da habe sie Angst bekommen.

Eine halbe Stunde zuvor fragte mich ein Freund ob ich mit ins Kino komme. Ich habe mich nach Zögern dagegen entschieden, ich fand mich noch zu krank. Gott sei Dank! Was wäre passiert, wenn ich nicht zu Hause gewesen wäre??

„Warum ist Papa so lange weg? Bestimmt ist Papa was passiert! Ich will dahin wo Papa ist!“

„Wir müssen zu Papa, der schimpft mit mir, wenn ich nicht zu Hause bin!“

„Heute Morgen hat er im Supermarkt auch ganz doll mir mir geschimpft!“

Und dann das:
Wunder: „Papa musste einkaufen gehen, weil Butter und Saft alle sind.“
Ich : „Mag sein, aber ich werde Papa sagen, dass er die Dinge in Zukunft besorgen soll, bevor er Dich abholt.“
Wunder: „Aber Mama. Papa hat einen ganz anderen Beruf als Du. Der muss immer hier hin fahren und dort hin fahren. Der weiß gar nicht, wo ihm der Kopf steht.“

Wie es in mir gebrodelt hat! Papa zahlt nämlich keinen Cent Unterhalt. Ich schmeiße hier den Laden und wenn das Wunder Kleidung braucht, bin ich es, die sie kauft. Ich kaufe auch ihr Fahrrad und sogar den Autokindersitz, obwohl ich gar kein Auto habe. Ich sorge für die Arzttermine und kümmere mich um den Hortplatz etc. pp.!

Da kommt einiges zusammen. Ich habe so eine Wut dass ich hier schon die Dinge vermische. Es geht ja gerade darum, dass er das Wunder immer wieder allein lässt.

2014 (da war sie gerade drei) traf ich ihn im Park –  joggend – während ich die beiden zusammen wähnte. Diskussionen, angebliche Einsicht. Dann macht er es aber immer wieder so. Sie durfte in der Zeit Fernsehen gucken.

Vor genau einem Jahr kam raus (da trank er noch), dass er sie nachts mehrfach alleine ließ um beim Nachbarn DVDs zu gucken. Ohne ihr vorher zu sagen, wo er ist. Ohne überhaupt zu sagen dass er evtl weg geht. Diskussion. Einsicht? Das läge nur daran, weil er getrunken hat und ihm das Trinken da wichtiger war, er habe nicht nachgedacht. Das mache er nie wieder.

Neulich war er morgens Joggen und beim Bäcker während sie schlief – „Ich wusste, dass sie nicht aufwacht.“ Hellseher?? Dieskussion. Streit. Na, ich schrieb ja drüber. Geredet hat er bis heute nicht mit ihr.

Was kann ich tun? Ich fühle mich da total hilflos.

22 Kommentare zu „Das Kleine Wunder hatte Angst

    1. Ein Zauberstab liegt hier. Aber die einzige, die damit zaubern kann, ist das Wunder selbst. 😉
      Ich hoffe ja stark, dass er nun ein bisschen besser versteht. Immerhin hat er selbst einen riesigen Schreck gekriegt als sie weg war. Allerdings hat er mir bereits gesagt, dass er findet, dass ich übertreibe.

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  1. Grrrrrr!
    Der werte Herr weiß glaube ich nicht, was er da anrichtet. Und es scheint auch nicht so, als könntest du da groß zu ihm durchdringen. Klingt, als sei das zwischen euch ein rotes Tuch.
    Gibt es vielleicht jemand Dritten, der das ansprechen könnte?
    Vielleicht ist das für ihn völlig normal, vielleicht kennt er das selbst aus seiner Kindheit. Ich habe mittlerweile auch einige kennengelernt, die Kameras im Kinderzimmer haben und die dann auf dem Handy verfolgen, während sie etwas trinken gehen. Oder Zettel schreiben.
    Die finden das alle nicht so schlimm. Und ich auch viele ohne Kind, wie ich, finden das nicht schlimm. Sogar etliche, die das selbst so erlebt haben.
    Ich finde das gar nicht okay. Vor allem nicht, wenn ein Kind Angst bekommt – dann sollte da gefälligst Schluß damit sein.
    Es ist noch ganz schön früh – aber ein simples schwarz-weiß Handy, mit deiner eingespeicherten Nummer? Natürlich ist es blöd, dass es keine so rechte Lösung gibt, die garantiert, dass er sich daran hält und seine Tochter nicht mitbekommen lässt, dass er so gestresst ist und deshalb nicht einkaufen gehen kann. Aber wir können eben nur bei uns selbst ansetzen und vielleicht schafft es die starke Bindung zwischen dem kleinen Wunder und dir und der Gewissheit, dass sie sich via Handy jederzeit bei dir melden kann, diese Unsicherheit auszugleichen.
    Das ist nicht gerade fair, aber für das kleine Wunder vielleicht am besten.
    💚

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    1. Das mit dem Handy hatte ich auch schon überlegt, aber das scheidet aus. Sie ist noch zu klein. Das müsste sie ja z.B. dann auch immer aufladen wenn sie bei ihm ist – daran denkt sie nicht. Und so richtig gut auf ihre Dinge aufpassen, das kann sie auch noch nicht. Vielleicht wenn sie in der Schule ist.
      Und dann denke ich auch … ich weiß gerade nicht, wie ich es in Worte fassen soll. Aber so ein Handy als Sicherheit … mir macht das ein komisches Gefühl. Vielleicht weil ich mit meiner Phobie sehr lange ohne Handy als Sicherheitsanker gar nicht aus dem Haus gehen konnte. Sowas ist aber letztlich angstverstärkend. Und wenn das Handy dann mal ausfällt ist die Angst unermesslich. Und dann ist das doch auch recht viel (Eigen-)Verantwortung für so ein kleines Kleines Wunder. Ich denke nochmal drüber nach.
      Das wichtigste was ich wohl erstmal machen kann und klar selbst in der Hand habe, ist selbst mal einen klaren Strich unter die Beziehung zu XY zu ziehen.

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      1. Ja, da hast du Recht. Wenn die Sache zwischen euch geklärt ist, dann kann auch in den Rest mehr Klarheit einziehen.
        Und ich hab schon an so ein uralt-ding gedacht, dass zwei Wochen hält, ohne es aufladen zu müssen. Aber ich verstehe deine Bedenken absolut.
        Und es tut mir leid, dass ihr in so einer Situation seid 😳

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    1. Hallo,
      „Diese Hände“ sind ihr Vater und der hat das Sorgerecht genau wie ich. Wie soll das gehen, das nicht zulassen? Ich wusste ja vorher nicht von den Aktionen. Das er nachts weg gegangen ist während sie schläft – das hab ich erst erfahren als er schon nicht mehr getrunken hat. Da gab es dann im Nachklapp lange Gespräche und er sagte, er findet es im Nachhinein selbst schlimm.
      Aber ob ein Elternteil morgens das 15 Minuten Kind alleine lässt um was zu besorgen etc. liegt tatsächlich in dessen Ermessen. 😦
      Das Jugendamt weiß über die Vorfälle Bescheid, da hab ich mich nämlich bereits 2x beraten lassen wegen dieser Sachen.
      Wenn Du magst, lies doch auch meinen Kommentar zum Kommentar von Klabauterfrau, da hab ich noch einiges erläutert.
      Liebe Grüße, plejade

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  2. Ui. Ich halte nicht viel von Besuchsverboten ect von Eltern zu ihren Kindern. Aber du hast doch nicht wirklich dein Kind zu ihm gegeben,als er noch getrunken hat? Auch wenn ich wüsste,das er immer wieder das Kind alleine läßt,sorry. Das geht nicht!!!!Auch nicht von dir. Mit 6 Jahren finde ich es nicht so dramatisch,wenn es vorher abgesprochen wird (Mutter Kind und Vater),als mit einem 3jährigen. …

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    1. Liebe Klabauterfrau,
      doch habe ich. Er ist der Vater und hat das Sorgerecht. Ich verstehe, dass Dich das aufregt, vor allem wenn Du ähnliches erlebt hast. Solche Situationen und auch das Trinkverhalten von Alkoholikern sind ziemlich individuell.

      Er war immer Quartalstrinker, kein Spiegeltrinker. Im Alltag ging es dabei um 2, 3 Bier, abgestürzt ist er zwar eine zeitlang auch regelmäßig ca. 1 x im Monat, aber nur in bestimmten Situationen wenn er außer Haus getrunken hat (Partys, Auftritte …).
      2014 ist er hier auf meine Initiative hin ausgezogen und der Stand der Dinge war zu der Zeit, dass er nicht mehr trinkt (so mein damaliges Wissen). Als ich dann gemerkt habe, dass er doch wieder Bier trinkt war das natürlich Thema, aber er hat nie in ihrer Anwesenheit getrunken zu der Zeit. Nur hat sich das wohl schleichend verändert. Aber ich habe ja keine Überwachungskamera in seiner Wohnung (das wäre auch hochgradig coabhängig!) und wusste einfach nicht, dass er nun auch Bier trinkt wenn das Wunder bei ihm übernachtet. Allerdings ging es bei ihm immer nur drum einen Entspannungszustand zu erreichen – d.h. er war nicht krass betrunken.

      Das er sie nachts alleine ließ um zu seinem Nachbarn im Haus zu gehen, das war Anfang 2016 in einer Phase in der er einen Rückfall hatte von dem ich nichts wusste. Das hab ich auch erst erfahren, als er schon wieder trocken war und das längst nicht mehr gemacht hat.

      Aber ob ein Elternteil das Kind alleine lässt um was zu besorgen etc. liegt tatsächlich in dessen Ermessen 😦 – in diesen Fällen spricht er das ja auch mit dem Wunder vorher ab und sie darf dann in der Zeit Fernsehen gucken oder Hörspiel hören. Mir gefällt das ganz und gar nicht, aber es liegt keine akute Kindeswohlgefährung vor. Das Jugendamt weiß über die Vorfälle Bescheid, da hab ich mich nämlich bereits 2x beraten lassen wegen dieser Sachen.

      Liebe Grüße und danke für Deine Gedanken, plejade

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      1. Ich drücke Dir sehr die Daumen, das er sich darauf einlässt. Leider glauben manche ja, alles selbst am besten zu wissen und verweigern sich jeglichem Ratschlag von außen. Auch oder gerade wenn es um ihre Kinder geht.
        Möge xy keiner von diesen Idioten sein – auch und vor allen Dingen im Interesse des kleinen Wunders.

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  3. Oje, das ist übel. Ich hätte Dir jetzt auch zum Jugendamt geraten, aber wenn er im Recht ist, ist das schwierig. Dann ist er eben einfach nur ein unsensibles Arschloch und Deine Maus einfach noch zu klein. Ich würde mit ihm mal ein Gespräch suchen und ihm sagen, dass Du das nicht magst und dass Du Dir Sorgen machst. Ich lasse meine Große mittlerweile auch mal ein Stündchen allein, aber hey, die weiß nicht nur selbst, wie das TV angeht, die kann mich auch auf dem Handy anrufen. Fürs Handy ist es noch zu früh – Ihr bräuchtet so was wie einen Pager. Ich hab das aber auch noch nicht kapiert, Ihr wohnt im gleichen Haus? Dann ginge doch auch ein Babyphone? Oder so was in der Art?

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    1. Gespräche gab es über dieses Verhalten schon mehrfach. Es sind dann immer wieder neue, aber ähnliche Situationen. Irgendwie kapiert er es nicht / überschätzt das Kind oder ihm fehlt da Empathiefähigkeit. Nein, wir wohnen nicht im gleichen Haus, sondern zwei Straßen voneinander entfernt, das sind so 200 Meter – allerdings mit um die Ecke und einmal über die Straße gehen. Das Kleine Wunder ist also gegen 20.30 Uhr alleine draußen rum gelaufen. >-(

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      1. Neee! Das geht gar nicht! Sorry, aber da würde ich DEFINITIV noch mal mit dem Jugendamt sprechen. Wie alt ist Dein Kind noch mal? Ich will mir gar nicht ausmalen, was DA hätte passieren können. Sorry, Liebes, aber da hilft nur eins: Fahr die Klauen aus. Und! Kämpfe!

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