Heute nicht, 1

Heute schaffe ich es nicht mehr. Ich habe einen Spaziergang mit T gemacht und dann bin ich nach Hause gegangen und nun liege ich mit Wärmflasche im Bett und im Regal steht eine Duftlampe mit einem stimmungsaufhellendem Duft, die ich angezündet habe.

Ich schaffe es heute nicht aufzuräumen, den Haushalt zu machen, eine gute Freundin zu sein. Den geplanten Museumsbesuch mit B habe ich abgesagt. Ich vermisse mein Kind. Sie ist heute mit ihrem Papa unterwegs mit Übernachtung. Ich bin froh, dass sie nicht hier ist und ich mich nur um mich selbst zu kümmern habe. Aber ich vermisse sie dennoch.

Gestern ist es so blöd gelaufen und ich habe heute das Gefühl, alles falsch gemacht zu haben. Eine schlechte Mutter zu sein und auch für mich falsche Entscheidungen getroffen zu haben.

Zuerst:
Das Kleine Wunder hatte sich sehr auf den Ausflug mit B gefreut, weil wir zu einer Pferdekoppel fahren wollten. Sie hat morgens gleich Möhren und Äpfel gewaschen und klein geschnitten und im Halbstunden- (oder auch 5-Minuten-)Takt gefragt, wann es los geht. Weil ich nicht wusste, was genau uns dort erwartet, habe ich ihr gesagt, dass es sein kann, dass wir die Pferde gar nicht füttern dürfen. Sie wollte dann, dass ich B danach frage. Aber er wusste es auch nicht. Und ich habe dann zu ihr gesagt: „Wenn da keine anderen Leute sind, machen wir das einfach!“

Als wir dann ankamen, waren da viele Pferde, aber auch einige Menschen. Und das Wunder, dass doch so voller Vorfreude gewesen war – wollte nicht einmal aus dem Auto aussteigen! „Weil da andere Menschen sind.“ Schüchternheit? Ich sagte ihr, dass die bestimmt freundlich sind, dass wir ja zusammen hingehen und ich bei ihr bin. Das wir das schaffen. Schließlich stieg sie aus dem Auto, denn ich hatte ihr angeboten, erstmal in die andere Richtung zu gehen um zu gucken, ob es dort vielleicht auch noch eine Pferdekoppel gibt. Aber schon nach kurzer Zeit wollte sie nicht weiter. Blieb stehen, hielt mich fest, jammerte, wurde wütend und verzweifelte. Da mit mittlerweile klar war, dass da auch weiter hinten vermutlich keine weiteren Pferde stehen würden, bot ich an umzukehren. B ging ein Stück weiter um herauszufinden, dass das Feld tatsächlich leer war.

Als wir wieder auf der Höhe des Autos waren, wollte sie dort einsteigen. Ich wollte nun aber selbst einmal zu den Pferden und hatte natürlich auch die Hoffnung, dass sie mir folgen würde. Aber sie versteckte sich zwischen den Autos und weinte und schrie. Ihre Begründung war nach wie vor, dass da andere Menschen waren. Also entschlossen wir uns zu einer Koppel zu fahren, die wir auf dem Hinweg gesehen hatten. Dort standen zu zwei Pferde, aber es war weit und breit kein Mensch zu sehen. Aber auch dort wollte das Wunder partout nicht aussteigen und mir auch nicht die Tüte mit dem Pferdefutter geben.

Mission also völlig missglückt. Und ich fühlte mich einfach hilflos. Kind unglücklich, Begleitung / Fahrer genervt und ich fühlte mich auch schlecht. Mittlerweile ist mir klar, dass das alles mit meiner Äußerung „Wenn da keine anderen Leute sind, machen wir das einfach!“ zu tun hatte. Das Wunder wollte sich an die Regeln halten, hatte wohl Angst etwas falsch zu machen.

Eine ähnliche Situation gab es dann noch im Café. Wir wollten draußen sitzen, B suchte einen Platz, während ich mit dem Kleinen Wunder das Café betrat um eine Toilette zu suchen, weil sie Pipi musste.

Mama, wir müssen vorher fragen, ob wir die Toilette benutzen dürfen.“
Ich ging in die Hocke, sah ihr in die Augen und sagte: „Nein, hier müssen wir das nicht. Denn wir wollen hier ja Kaffee trinken. Dann darf man die Toilette ohne zu fragen benutzen.“

Aber auch hier fing das Wunder an zu weinen und an mir zu zerren und wiederholte hartnäckig, dass wir fragen müssen. Ich zog sie dann einfach Richtung Toilette, aber zufrieden waren wir damit beide nicht.

Ich verstehe: Es geht um Regeln, es geht um Sicherheiten und es geht um die Angst, Fehler zu machen. Aber warum vertraut sie mir, ihrer Mama, in so einer Situation nicht und kann sich nicht auf  meine Vorgehensweise einlassen?

Habt Ihr Ideen dazu? Ich seh den Wald vor lauter Bäumen nicht.

10 Kommentare zu „Heute nicht, 1

    1. Doch, das hilft mir Anna. Ich höre immer nur „Du musst dies, Du musst das, Erziehung geht so … oder so. Mach jenes, sei strenger, Kinder brauchen Grenzen …“ Ich gebe wirklich das Beste, das ich geben kann. Aber ich führe einen Kampf mit mir selbst und mit meiner Familie und mir fehlt selbst die innere Führung. Vielleicht ist es einfach nur Mitgefühl, dass ich brauche. Alles richtig machen zu können ist ohnehin eine Illusion.

      Gefällt 1 Person

      1. Ja, man kann nie alles richtig machen. Ich vermute, dass du und das Kleine Wunder am besten gemeinsam herausfinden könnt, was für euch gut ist und was nicht. Und da wünsche ich euch, dass euch das immer öfter gelingen möge 🙂

        Gefällt 1 Person

  1. Ich habe auch deinen zweiten Beitrag gelesen. Kann es sein, dass in dir ein starkes Antifehlerpogramm wirkt? (Ich kenne das von mir) Kinder spiegeln uns. Vielleicht trauen uns Kinder oft nicht ganz, weil sie spüren, dass wir uns selbst nicht ganz (ver)trauen? Hier hilft meiner Meinung nach Ehrlichkeit. Ich würde zu meinen Kindern folgendes sagen: Ich kann deine Angst verstehen, mir geht es oft auch so, aber in dieser Sache bin ich mir ganz sicher. Meist hilft das ganz gut 😊 Aber sei dir gewiss. Ich habe vier Kinder, versuche sehr bewusst zu sein und mache trotzdem genug Fehler. Aber mittlerweile sehe ich das so: ich gebe in jeder Situation mein Bestes. Aus Fehlern lernen wir (ich weiß, das klingt ein bisschen abgedroschen) und was wäre eine „perfekte“ Mama für eine Bürde für Kinder. Alles Liebe dir! Ich hoffe ich konnte dir ein bisschen helfen 🙂

    Gefällt 1 Person

    1. Ich möchte gerne nochmals dazu sagen: das mit dem Spiegeln ist keineswegs als Vorwurf oder Schuldzuweisung gemeint! In unserer Gesellschaft wird Fehlermachen sehr negativ bewertet. Kinder spüren bzw. wissen das. Wie ich es meist versuche es zu handhaben (und ich mache das bestimmt nicht immer richtig), habe ich deshalb geschrieben, weil du nach Ideen gefragt hast. Ich dachte du meinst das im pädagogischen Sinne ☺️

      Gefällt 1 Person

      1. Ich empfand keinen Deiner Kommentare als Vorwurf oder ähnliches. Du schreibst sehr einfühlsam, vielen Dank dafür. „Aber in diesem Fall bin ich mir sicher“ – das ist eine gute Idee. Ich werde es so versuchen. Manchmal fehlen mir einfach die richtigen Worte. Und solche konkreten Hinweise und Beispiele finde ich sehr hilfreich.

        Und ja, je länger ich darüber nachdenke, desto sonnenklarer wird mir, dass ich selbst ein riesengroßes Vertrauensproblem habe. Es fällt mir schwer, mir selbst zu vertrauen, meiner Wahrnehmung zu vertrauen – daran arbeite ich schon lange. Und mein Vertrauen in andere Menschen ist in den letzten Jahren stark erschüttert worden. Besonders im zwischenmenschlichen Bereich und vor allem als Mutter habe ich viel Angst davor Fehler zu machen. Du hast den Nagel auf den Kopf getroffen, vielen Dank für diesen Augenöffner! Liebe Grüße, plejade

        Gefällt 1 Person

      2. Ich freue mich sehr, dass ich dir etwas helfen konnte. Alles Liebe dir und dem kleinen Wunder (ich lese so gerne deine Dankbarkeitsreihe und kleines Wunder ist die allerallerschönste Bezeichnung für ein Kind – ich glaube eine schönere gibt es nicht)

        Gefällt 1 Person

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s