Wie ein Kleines Wunder mich an meine Grenzen bringt

… schnell und einfach schafft sie das. Ein eigenes Kind mag der beste Therapeut / die beste Therapeutin sein – zumindest gibt es ganz viel Konfrontation mit dem eigenen Schatten seitdem ich mit dem Kleinen Wunder lebe.

Gestern trafen wir ihre Lehrerin auf dem Spielplatz und plötzlich klagte das Wunder über Bauchweh und wollte heim – und sie ist kein typisches Bauchweh-Kind. Ich ahnte gleich, dass da irgendwas im Argen liegt. Und wunderte mich ein bisschen, weil das Kleine Wunder bisher so verliebt gewesen ist in die Lehrerin.

Als wir dann abends im Bett lagen sagte sie, dass sie am nächsten Morgen auf keinen Fall zur Schule gehen wird. Huch! Bisher hatte sie sich doch immer gefreut. Sehr vehement war sie. Aber warum sie nicht gehen wollte, das konnte sie mir nicht sagen. Fragen machten sie wütend und verschlossener. Und sie hustete und nieste künstlich ohne auch nur im geringsten krank zu sein.

Heute früh ging es dann nahtlos mit Totalverweigerung weiter. Sie kam nicht aus dem Bett, versteckte sich unter der Bettdecke, wütend und grimmig und verzweifelt auch. Und ich? In mir stiegen Ungeduld und Wut hoch. Der Uhrzeiger tickte unaufhörlich und ich fühlte mich hilflos, weil sie mich mal wieder so gar nicht an sich ranließ.

Erinnerungen kamen hoch, an meine eigene Schulangst, an meine Unfähigkeit diese Angst auch nur ansatzweise auszudrücken. Daran, dass ich einfach brav war und keinen Mucks gesagt habe und voller Angst immer wieder hingegangen bin. Daran, dass meine Eltern davon rein gar nichts bemerkt haben. Wie allein ich mich gefühlt habe. Tränen schossen in mir hoch. Und ich fühlte mich wie eine Versagerin. Als Mutter, als Sorgeberechtige, und wahnsinnig hilflos und ängstlich.

Dann aber konnte ich mit dem Mitgefühl, dass dieser Prozess in mir ausgelöst hat, meine Ungeduld und Wut überwinden und ich machte ihr ein Hörspiel an und brachte ihr das Frühstück ans Bett. Und habe ihr erzählt, dass meine Lehrerin mich in der Grundschule mal ausgeschimpft hat, weil ich zu laut geniest habe und ich das so ungerecht fand, dass ich auch nie wieder in die Schule wollte.

Und als ich das nächste Mal ins Zimmer kam und mich auf ihr Bett setzte, da brach sie in Tränen aus und erzählte von einer Aufgabe, die sie gestern nicht lösen konnte und die sie heute weiter bearbeiten muss und dass sie das nicht hinkriegt und nicht will und das ihr Freund M ihr auch nicht helfen kann, weil der nämlich nicht mehr ihr Freund sein will, seit drei Tagen schon. Und da hab ich sie fest in den Arm genommen und gespürt, wie sie sich entspannte. Da musste ich nicht mehr viel sagen, denn das Reden, das hat ihr schon geholfen. Danach hat sie sich angezogen und wir sind zur Schule gegangen. Und ich habe mich für Ihr Vertrauen bedankt und gesagt, dass ich immer für sie da sein werde. Und das sie Fehler machen darf und nicht alles können muss und dass es mir nicht wichtig ist, dass sie alles richtig macht in der Schule.

Danach saß ich hier auf meinem Sofa und musste erstmal durchatmen. Niemals hätte ich gedacht, dass es so ist, wenn man ein Kind hat. So intensiv. So aufwühlend. Und ich war ein kleines bisscehn stolz auf mich und froh, dass die Situation noch so eine gute Wendung genommen hat – auch wenn ich nicht genau weiß, wo der Knackpunkt lag.

Ich hoffe, sie hatte einen guten Tag heute.

4 Kommentare zu „Wie ein Kleines Wunder mich an meine Grenzen bringt

  1. Ich wollte auch einmal nicht in die Schule gehen, weil ich eine Aufgabe nicht lösen konnte. Damals brach ich mitten in der Stunde in Tränen aus und traute mich nicht einmal zu Lehrerin zu gehen um nach Hilfe zu fragen. Zum Glück, hatte ich eine sehr aufmerksame Lehrerin, welche das gleich bemerkte und extra für mich die ganze Klasse stoppte, damit ich nicht das Gefühl hatte weit hinter den anderen mit meiner Aufgabe zu sein.
    Ich freue mich, dass es auch bei euch ein gutes Ende gegeben hat!
    Liebe Grüße,
    Sarah

    Gefällt 1 Person

    1. Ich hoffe, ich kann meinem Wunder beibringen sich nicht so doll unter Druck zu setzen. Danke für Deinen Erfahrungsbericht. wenn das noch öfter vorkommt, werde ich mal mit der Lehrerin darüber sprechen. Meine Tochter ist in solchen Situationen sehr verschlossen. Alles Liebe, plejade

      Gefällt 1 Person

      1. Irgendwann wird sie schon merken, dass man sich nicht immer so unter Druck setzen kann. Wahrscheinlich muss sie da sogar selber draufkommen. Was jedoch nicht heißt, dass sie keine Unterstützung braucht :).
        Lieben Gruß,
        Sarah

        Gefällt 1 Person

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s