Mit Schmerzen umgehen

Gestern hatte ich endlich meinen ersten Termin beim Schmerzarzt. Ich leide schon lange, viele Jahre, unter Rückenschmerzen. In den letzten Jahren hat sich das verschärft. Es sind neue Schmerzstellen dazu gekommen, die Schmerzen sind immer häufiger so stark, dass sie mir den Schlaf rauben, meine Puls in die Höhe jagen und mich einfach zermürben.

Das war gestern ein positives Erlebnis! Endlich einer, der zuhört, das (mich) ernst nimmt und genau nachfragt. Nach diesem ersten Anamnese-Gespräch führe ich seit gestern ein Schmerztagebuch (ich trage mindestens 3x tgl. ein wie groß die Schmerzen auf einer Skala von 1–10 sind) und in zwei Wochen habe ich dann einen nächsten Termin, wo es dann um erste Maßnahmen gehen wird. Das kann dann gezielte Physiotherapie, Feldenkrais, ein Entspannungskurs, evtl. Medikamente, Psychotherapie, eine Selbsthilfegruppe … sein. Das nenne ich ganzheitlich.

Das Leben als französischer Film

T  ist momentan 1 x die Woche für ca. 24 Stunden zu Hause. Er wollte was mit uns unternehmen, aber ich hatte Das Kleine Wunder und mich schon wohlweislich und vorrausschauend verplant und ihm geschrieben, dass ich mich nun erstmal ein bisschen sortieren muss.

Dann trete ich am Samstag zum ersten Mal an diesem Tag vor die Tür. Und wem laufe ich direkt vor meine Haustür in die Arme? T! Warum ist das Leben immer genau so? Was folgte war ein Gespräch mit ungewöhnlich großem räumlichen Abstand zwischen uns, keine <Umarmung zur Begrüßung wie gewohnt. Unsicherheit auf beiden Seiten. Und Small-Talk in dem mehrmals von beiden Seiten aus die gleichen Sätze wiederholt wurden. Manchmal ist das Leben wie eine französiche Komödie. Nur, dass ich es nicht richtig lustig finde als Beteiligte.

Krönchen gerichtet …

… ein klitzeskleines bisschen zumindest. Mein Beitrag heute Morgen war meine ganz erste Reaktion und genau für sowas wollte ich das Blog ja nutzen. Ungefilterte Worte.

Es wurde von Euch gefragt, was er denn schrieb und ob er nicht wertschätzend geschrieben hat. Doch, hat er. Sehr nett und mit herzlichen Grüßen. Das er mich sehr, sehr mag und möchte, dass wir Freunde fürs Leben sind.

Ich habe gerade in der letzten Zeit zum Glück recht viel positives Feedback von Männern bekommen und nehme mich selbst als attraktiv war. Früher habe ich solche positves Feedback glaub ich einfach nicht wahrgenommen, weil ich gar nicht offen dafür war. Weil ich mich selbst so wenig leiden mochte. Früher hätte ich in einer solchen Situation vor allem vermutet, dass ich ihm zu häßlich bin. Da kann ich heute drüber lachen.

Obwohl ich mich schon frage, was für ihn denn eigentlich nicht stimmt. Denn wir verstehen uns tatsächlich gut, lachen viel zusammen, führen tiefsinnige Gespräche und ich bin ein wirklich netter und fürsorglicher Mensch. Möglicherweise die Multiple Sklerose flüstert da etwas. Möglicherweise, weil er keine Lust auf eine Frau mit Kind hat, er hat schon zwei und empfindet da auch vieles als Stress, flüstert es. Ja, möglichwerweise. Aber das ist nicht relevant. An mir ist es jetzt, nicht in Grübelei zu verfallen. Die Grübelei nicht noch weiter zu führen. Gegrübelt hab ich über T und unser Verhältnis schon genug. Die leise Ahnung, dass er einfach zu feige für was Neues ist, bleibt.

Und dann auch eine leise Ahnung, dass ich mir nicht von ungefähr IHN ausgesucht habe, in dieser Phase meines Lebens. Ihn, der sich nicht auf mich einlassen will. Das ist ja dann auch schön ungefährlich für mich … ich habe nämlich eine Scheißangst vor der Liebe mittlerweile.

Und ich hatte schon immer ein Faible für Männer, die aus irgendwelchen Gründen mit verschiedensten Mitteln Distanz aufgebaut haben. Alkohol, andere Frauen, Hochmut, Drogen, Sprachlosigkeit. Und die Angst mir immer wieder den Falschen auszusuchen und damit auf die Nase zu fallen und immer wiederkehrend alte Muster zu wiederholen ist groß. Und vielleicht ist T einfach klüger als ich. Weil wir vielleicht auch gegenseitig ganz gut unsere alten Muster bedienen würden. Ich hatte eine Chance darin gesehen, es dieses Mal anders zu machen, doch eventuell war das nur die feine Stimme meines Coabhängigen Anteils, der mir meine Gefühle schön reden wollte.

Nur wann werde ich mirch jemals in einen Mann verlieben, der wirklich gut für mich ist? Gut nicht im Sinne von Lektionen lernen, gut im Sinne von: Ich habe meine Lektionen gelernt und kann nun echte Beziehung aufbauen.

Und das was ich wollte hab ich ja erreicht: Zu meinen Gefühlen stehen. Doch wenn ich ihm gegenüber treten muss, wird das nochmal richtig schwer für mich: mich so verletzlich gemacht zu haben und dann nicht wieder ins Abblocken und in Kühlheit zu verfallen. Ich fühle mich so furchtbar klein bei dem Gedankena neine Begegnung.

Es wird in den nächsten Tagen / Wochen noch viel Gefühls-Auf- und-Ab geben bei mir.

Immerhin habe ich ihm eine gute Antwort geschickt, denn neben dem bedürftigem Kind gibt es u.a. auch einen richtig erwachsenen Anteil in mir. Einen Anteil, der glaubt, dass das alles seine Richtigkeit hat. Einen Anteil der nicht lange trauert, sondern hinnimmt und annimmt. Denn am Ende haben sich solche Enttäuschungen in meinem Leben meist als Segen heraus gestellt.

 

Klarkommen

Jetzt ist es natürlich so, dass ich mich doch ganz furchtbar schäme und mich am Liebsten verstecken würde, wie ein Kind, das etwas getan hat, was es nicht tun sollte.

T hat mit einer whatsapp-Nachricht geantwortet (was ich feige finde und mir vielleicht langfristig hilft es / ihn loszulassen) und ich würde ihm am Liebsten erstmal gar nicht mehr begegen. Aber er ist mein Nachbar und ich passe gerade auf seine Wohnung auf und gucke nach Post. Und diese Freundschaft ist wichtig für mich, ich brauche Freunde.

Jetzt ist erstmal mein Handy aus, weil ich gar nicht will, dass er weiß, dass ich diese Nachricht von ihm schon gelesen habe. Was auch irgendwie Quatsch ist. Ich komme mir gerade unglaublich dumm vor.

Das Kleine Wunder hat schon gefragt, ob ihre Freundin (T’s Tochter) am Wochenende wieder hier ist. Und jetzt habe ich das Gefühl auch das verbockt zu haben. Denn auf so eine Begegnung in Anwesenheit der Kinder steht mir der Sinn ganz besonders gar nicht.

Ich fand meinen Brief trotz allem schön und wenn er das nicht liest und für sich nutzt, dann ist er Idiot.

Und wieder geht es für mich darum, Gefühle auszuhalten, nicht weg zu schieben, da sein zu lassen. Denn natürlich hatte ich eine leise Hoffnung und natürlich bin ich enttäuscht.

Brief, überfällig

Lieber T,

was jetzt kommt, ist eventuell so eine Art Belastungserprobung. Für mich auf jeden Fall. Und anstatt lang rumzuschwafeln, falle ich gleich mit der Tür ins Haus. Ich habe Dich einfach in mein Herz geschlossen, und das zu verleugnen wäre eine ziemliche Dummheit. Gefühle die unerwünscht oder unangebracht erscheinen zu verleugnen, wegzudrücken, zu überspielen – mein ganzes Leben lang schon eine meiner leichtesten Übungen. Aber auch eine meiner ungesündesten Angewohnheiten.
„Ich darf es mir erlauben, neue Wege zu gehen.“ – das ist meine aktuelle Affirmation mit der ich arbeite. Vielleicht ist dieser Brief Teil dieser neuen Wege. Ich war schon oft irritiert über Dein Verhalten. Verbindlich – unverbindlich. Distanziert – nah. Das macht es mir noch schwerer, diesen Brief zu schreiben. Aber eigentlich egal, ich kann sowas sowieso nicht gut. Du wünschst Dir einen entspannten Umgang miteinander. Den wünsche ich mir auch. Und zu einer Freundschaft gehört Ehrlichkeit. Und die Wahrheit ist, dass ich Gefühle für Dich habe, die über eine Freundschaft hinaus gehen. Ich wünsche mir mehr Nähe zu Dir.
Und vielleicht ist das ja auch hilfreich für Dich, das zu wissen. Das da ein Mensch ist, der Dich so mag, wie Du bist und der findet, dass all die Gedanken über Unzulänglichkeit unangebracht sind, – weil Du einfach ein toller Mensch bist.
Ich weiß, das dieses Geständnis etwas zwischen uns verändern wird, aber ich hoffe trotzdem Deine Freundin bleiben zu können. Diesen Brief durfte meine Seele schreiben und mein Kopf durfte gerade mal eine Pause machen.
Das ist einfach die Wahrheit und das bin ich. Und bevor mich der Mut verlässt, lasse ich das so stehen und tue es einfach.

In Verbundenheit, plejade