Um meine Augen zieht die Nacht sich, wie ein Ring zusammen

Dieses Gedicht von Else Lasker-Schüler hat mir schon in der 11. Klasse so sehr aus der Seele gesprochen und zur Zeit kommt es mir wieder sehr oft in den Sinn. Es wäre so schön, leichten Fußes durch das Leben zu gehen, aber das scheint nicht mein Programm zu sein. Seit gestern nehme ich Johanniskraut, zum Venlafaxin konnte ich mich wirklich nicht durchringen.


Gott hör …

Um meine Augen zieht die Nacht sich
Wie ein Ring zusammen.
Mein Puls verwandelte das Blut in Flammen
Und doch war alles grau und kalt um mich.

O Gott und bei lebendigem Tage,
Träum ich vom Tod.
Im Wasser trink ich ihn und würge ihn im Brot.
Für meine Traurigkeit gibt es kein Maß auf deiner Waage.

Gott hör … In deiner blauen Lieblingsfarbe
Sang ich das Lied von deines Himmels Dach –
Und weckte doch in deinem ewigen Hauche nicht den Tag.
Mein Herz schämt sich vor dir fast seiner tauben Narbe.

Wo ende ich? – 0 Gott!! Denn in die Sterne,
Auch in den Mond sah ich, in alle deiner Früchte Tal.
Der rote Wein wird schon in seiner Beere schal …
Und überall – die Bitternis – in jedem Kerne.

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