Das große Finale als Anfang?

Es ist so viel. Es ist immer so viel. Wann kann das endlich aufhören? Ich will doch nur ein friedliches Leben führen …

XY ist in der Psychatrie, endlich. Er ist weg, er lässt sich helfen. Das ist eine große Entlastung. Und doch fühle ich mich kaum erleichtert. Die Probleme bleiben.

Das Wochenende mit dem Kleinen Wunder war ein mütterlicher Kraft-Akt. Bettnässen, Wutanfälle, Anlehungsbedürftigkeit, Alpträume und unruhiger Schlaf. Weiterhin nicht-in-die Schule-Wollen und auch nicht in den Hort. Mir tut alles weh. Vor allem das Herz. Dazu sind wir beide richtig stark erkältet.

Meine Mutter hilft. Das Wunder ist jetzt bei ihr. Damit ich mich ein bisschen ausruhen kann. Und damit der alte Rhythmus einigermaßen bestehen bleiben kann. Und doch fühle ich mich so allein mit allem. Der zweite Elternteil fehlt. Immer fehlt er. Schon immer. Ich mache mir das Leben schwer, weil ich allen Entscheidungen diesbezüglich eine große Schwere gebe.

Ich möchte das Kleine Wunder beschützen, doch ich kann es nicht. Und ich kann nicht alles wieder gut machen, was ihr Vater vielleicht verbockt hat. Was ich verbockt habe. Ich kann es nicht. Und ich kann ihr auch nicht die Last abnehmen, dass sie eine chronisch kranke Mutter hat. Eine Mutter mit Multiple Sklerose. Eine mit starker Angst-Störung und Depression. Und einen Vater mit Depression. Einen Alkoholiker. Der vielleicht sogar eine Persönlichkeitsstörung hat. Und eine Oma mit Angstproblematik, traumatisiert. Und eine andere Oma, die erst vor drei Jahren einen Suizidversuch unternommen hat. Was sind das für Lasten?

Wie soll ihre Zukunft aussehen? Wie meine? Wie unsere gemeinsame? Nach ein paar Wochen Therapie wird ihr Papa kein neuer Mensch sein.

Alles kommt mir bleischwer vor.

12 Kommentare zu „Das große Finale als Anfang?

  1. Ach du meine Güte, es hört sich alles, wie du sagst, bleischwer, an. Jedoch vermeine ich, dennoch einen Hauch von Hoffnung zwischen den Zeilen zu lesen, zumindest verspüre ich ihn- wenn man wirklich etwas möchte, dann schafft man das auch- ich weiss, wovon ich spreche – erstmal alles Revue passieren lassen- Hilfe holen, nur wenige Tage oder Stunden mit Erholungsphasen können schon sehr viel Kraft geben. Kraft und Energie sind nicht grenzenlos vorhanden, also in einem Menschen, jedoch viel mehr als man denkt, und wenn man ein Ziel vor Augen hat, so ist es um einiges leichter, darauf zuzugehen- drück dich und schicke dir ne liebe Umarmung und Kraft, Geduld und Ausdauer- Glg Herta

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  2. Deine Tochter kriegt ein ganz schönes Päckchen mit, da muss ich Dir Recht geben. Aber es gibt so viele Kinder, die schlimmer dran sind. Sie hat eine liebevolle Mutter, die sich gern kümmern möchte und, so gut es ihre Kräfte ihr erlauben, sich kümmert. Und die sich ihrer Grenzen häufig bewusst ist (glaub mir, da hast Du vielen Menschen und vor allem vielen Müttern was voraus!). Solange sie eine liebevolle Bezugsperson haben, wachsen sie, trotz allem. Ich könnte jetzt langatmig die Geschichte meiner Lieblignstante wiedergeben, die wirklich eine beschissene Kindheit hatte. OHNE Eltern. Bei Stiefeltern, die sie behandelt haben wie den letzten Dreck. Wo körperliche Gewalt und Hunger an der Tagesordnung waren. Aus ihr ist einer der liebevollsten Menschen geworden, die ich kenne, sie hat eine intakte Familie trotz ihrer eigenen chronischen Krankheit. Ich verstehe, dass Du Dir Sorgen machst, aber: Deine Tochter schafft das. Auch wenn die Zeit jetzt schwieri ist. Ich bin froh, dass ihr Vater in der Psychiatrie ist. SIe wird das packen. Kümmer Du Dich bitte ganz gut um Dich selbst, damit Du Dich auch gut um sie kümmern kannst.

    Was den Vater angeht: Notfalls musst Du den Kontakt unterbinden. Auch das können Kinder üeberleben. Der Mensch ist härter, als man so denkt. Lass Deinen Frust und Dampf ruhig bei uns ab. Und auch für Kinder gibt es mitunter so was wie Selbsthilfegruppen (Auch die AA haben eine speziell für Angehörige!!!) und Stark-Mach-Programme. Wenn es zu viel wird: Lass Dir eine Kur verschreiben, Mutter-Kind. Dann hast Du Zeit für Dich UND Kannst Dich um die Maus kümmern. Haushalt und Arbeit fallen dann weg. Im Januar sind die Krankenkassen in der Regel gnädig bei so was. Ruf dort an, lass Dir ein Formular schicken. Du brauchst eins für Dich (Hausärztin), eins für Deine Tochter, wo der Kinderarzt bescheinigen muss, dass sie mitfahren muss (in der Regel reicht es, zu sagen, sie ist zu klein um ohne Dich zu sein). Falls Du das längst weißt – sorry, ich will Dich nicht belästigen. Aber manchmal ist es hilfreich,wenn man konkret schreibt, was man machen muss. Ihr schafft das! Übrigens scheint in meiner Familie Demenz zu liegen. Alle älteren Geschwister meiner Mutter sind daran erkrankt, nur sie als Jüngste noch nicht. Wir blicken diesbezüglich also auch nicht so optimistisch in die Zukunft, außerdem haben wir alle von beiden Seiten ein erhöhtes Risikko für Darmkrebs geerbt. Jede Familie hat so ihre Päckchen zu tragen. Ich will nicht jammern und auch kein Mitleid, nur: Du kannst den anderen nur vor den Kopf schauen, weißt nicht, was für Krankheiten ihnen drohen.
    Und noch mal: Deine Tochter darf in einem der reichsten Länder der Welt aufwachsen, wird gegen schlimme Krankheiten, an denen woanders Kinder sterben, geimpft. Sie hat immer genug zu Essen, sauberes Wasser, ein Dach überm Kopf. Sie darf zur Schule gehen. Damit hat sie so vielen Kindern viel voraus. Und: Sie kann sich glücklich schätzen, Dich als Mutter zu haben!!!

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    1. Danke fürs Kopf etwas gerade rücken. Du hast recht, ich habe gestern auch mit der Lehrerin telefoniert und die hat auch angedeutet, dass mein Kleines Wunder es noch sehr gut hat trotz allem.

      Wegen des Umgangsrechts werde ich mich beraten lassen, was das Beste ist. Es sind so schwierige Entscheidungen.
      Liebe Grüße an Dich

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      1. Naja, es ist halt immer alles Grauzone mit Interpretationsspielraum. Er selbst hat die ganze Zeit gesagt, dass er in der Lage ist, sich adäquat um sie zu kümmern. Er ist zweiter Sorgeberchtigter und Umgangsrecht hat er ja sowieso.
        Natürlich könnte ich ihm das Kind einfach vorenthalten, dann müsste er klagen.
        Aber selbst ein starker Alkoholiker bekommt sein Umgangsrecht. Kindeswohlgefährdung muss man irgendwie nachweisen und das ist dem Fall nicht so einfach, denn es gibt ja keine körperliche Gewalt.

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    1. Ich war Anfang des Jahres 2x bei einer Kinderpsycholgin, aber noch ohne das Wunder. Dann sind wir zur Mutter-Kind-Kur und sie wwar so viel ausgeglichner, hat sich so super entwickelt, das sich dachte, es geht so.
      Jetzt hab ich nächste Woche einen Beratungstermin woanders mit dem Ziel, dass sie dort hingehen kann. (die anere Psychologin war nicht so passend für mich)

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