Willkommen in meiner Wunderwelt

Ich wundere mich jeden Tag. Eigentlich habe ich mich schon immer irgendwie anders gefühlt. Aber vielleicht fühlt sich jeder Mensch anders. Mit diesem Text nehme an einer Blogparade teil. Danke Andrea für die Anregungen! http://www.at-buecher.de/%C3%BCber-mich/ich-bin-anders/

 

Ich bin Synästhetikerin –

das äußert sich in meinem Fall so, dass ich Worte, Buchstaben, Geräusche, Musik, Düfte, taktile Empfindungen, Geschmack, ja: sogar Gefühle gleichzeitig auch visuell wahrnehme. Egal welcher Sinn also angesprochen wird, es wird zugleich auch ein visueller Reiz in meinem Gehirn ausgelöst. Alle meine Sinne sind damit verknüpft. Die Bilder, die ich sehe, sehe ich natürlich nicht wirklich. Es sind auch keine Halluzinationen, ich sehe sie wie auf einer Art innerer Leinwand – aber auch das trifft es nicht. Ich sehe sie und das ist einfach so. Ich kann mir eine Erlebniswelt ohne das kaum vorstellen, es wäre wie eine Art Blindheit für mich. Da sowohl mein Bruder, als auch meine Mutter ebenfalls Synästhetiker sind, hielt ich das anfangs für völlig normal. Irgendwann wurde mir aber klar, dass die wenigsten Menschen so visuell hören, sehen, schmecken, riechen, fühlen … und dann habe ich gemerkt, dass es besser ist, nicht darüber zu sprechen. In den 80ern fanden das die meisten Leute nämlich seltsam oder hielten das für ausgedachten Nonsens meinerseits.

 

Hochsensibel bin ich auch.

Das weiß ich erst seit ein paar Jahren. Ich wusste natürlich schon immer, dass ich besonders sensibel bin, aber dass es dafür auch eine Bezeichnung gibt, das wusste ich nicht. Meine Sinne sind schnell überreizt, es ist mir schnell zu laut, zu hell, zu viel. Zu viel von allem. Neugierig und interessiert war ich schon immer an vielem – aber das überlastet mich leider oft, da mein Nervensystem von all den äußeren Einflüssen und Empfindungen die sie mit sich bringen, gern ein bisschen durchdreht. Dann pfeifen die Ohren, es flimmert vor den Augen, mein Herz fängt an zu rasen, ich bin müde und wach.

 

Seit meiner Kindheit leide ich an Ängsten, Panikstörung und Agoraphobie.

Vieles, dass für die meisten Menschen ganz normal ist, habe ich noch nie gemacht. Ich habe noch nie allein in einem Hotel übernachtet. Ich war noch nie alleine in einem großen Kaufhaus. Ich bin noch nie allein gereist. Manches konnte ich phasenweise und dann wieder nicht. So konnte ich eine zeitlang bestimmte Strecken allein mit dem Zug fahren oder innerhalb der Stadt ein bisschen mit dem Auto fahren. Auch konnte ich früher einmal Taxi fahren (gewisse Entfernungen). Dafür gab es auch Zeiten, in denen ich Angst hatte, das Haus überhaupt zu verlassen oder zu meinem Briefkasten zu gehen. Ja, es gab sogar eine Zeit in der ich Herzrasen bekam, wenn ich in der eigenen Wohnung das Zimmer wechselte.
Heute kann ich kleine Spaziergänge alleine machen, ich kann allein einkaufen gehen und zu meiner Arbeit fahren. Was ich nicht kann ist in die Innenstadt zu gehen oder alleine meine Freunde in anderen Stadtteilen oder gar Städten besuchen.

 

Seit 4 Jahren habe ich nun auch noch eine diagnostizierte Multiple Sklerose.

Das bedeutet, dass manche Nerven nicht mehr richtig funktionieren. So fühlen sich meine Fußsohlen seit kurzem seltsam taub an. Wenn ich den Kopf beuge, habe ich das Gefühl einen Stromstoß im Steißbereich zu bekommen. Im Schub hatte ich mal die Situation, dass sich beim Duschen das Wasser auf der rechten Körperhälfte warm, links aber kalt anfühlte.

 

Ich mache vieles, interessiere mich für vieles. Aber ich mache es so, wie ich es für mich für richtig halte.

Ich esse vegetarisch, ich esse vegan – aber nicht immer. Im Winter esse ich manchmal Fleisch. Ich mache Yoga, aber würde mich nicht als Yogini bezeichnen. In einer Gruppe von Leuten, die sich für einen bestimmten Musikstil begeistern, würde ich aus dem Rahmen fallen, weil ich mich auch für völlig andere Musikstile begeistere. So zieht sich das durch mein Tun, mein Schaffen, mein Fühlen, mein Leben.

Oft ecke ich an. Weil ich mir eine eigene Meinung bilde oder mich traue, keine richtige Meinung zu haben, weil mir die Welt manchmal viel zu komplex ist. Ich denke selbst. Meine Neurologin z.B. findet es furchtbar, dass ich die von ihr empfohlenen Medikamente nicht nehme. Aber ich weiß für mich ist das nicht der richtige Weg zur Zeit.

Ich bin 41 und fahre manchmal Skateboard (ohne es zu können). Ich gehe mit meinem eigenen Beutel zum Bäcker, damit keine Papiertüte im Müll landet. Ich bin finanziell arm, aber ich leiste mir eine Putzhilfe – obwohl es verpönt ist. Ich bin Feministin. Ich erziehe mein Kind nicht, fühle  mich aber überhaupt nicht als Teil der unerzogen-Bewegung und ich betreibe auch kein Attachment Parenting. Ich mache wie immer mein eigenes Ding, so, wie es sich für mich und mein Kind am Besten anfühlt und klug erscheint.
Ich bin vieles und ich bin nichts was in eine Schublade passt.

Das hat mich schon oft in meinem Leben verzweifeln lassen, ich hätte gern mal irgendwo dazu gehört.

Irgendwo ankommen, zu Hause sein.

Ich finde es schon unangenehm das alles hier zu schreiben, ich möchte eigentlich gar nichts besonderes sein und jede*r Mensch ist doch etwas besonderes. Aber doch finde ich in den letzten Jahren immer mehr auf einen Weg mich selbst so zu akzeptieren wie ich bin.
Vieles, von dem, was ich oben schrieb habe ich nach außen verborgen oder tue es noch. Meine Sensibilität und Verletzlichkeit, auch die Angst, verstecke ich unter einem Stahlmantel aus Kühle und Kühnheit. Ich gelte als tough. Ich überlege gut, wem ich meine Emotionen zeige. Ich kann mich gut beherrschen. Innerlich zitternd. Sogar auf Bühnen stand ich schon mit Panikattacken die in mir tobten –und keiner konnte es wahrnehmen – ich wirkte sicher. ich kann im Kino zu Tränen gerührt sein und lautlos weinen und wenn das Licht angeht, sitze ich mit versteinertem Gesicht da und schiebe Ironie vor mich.
Sehr oft ärgere ich mich über mich selbst, dass ich mich wieder nicht gezeigt habe. Oft geht in Situationen eine Tür zu und schließt für mich selbst die Emotionen ein. Erst wenn ich allein bin, kann ich wieder fühlen. Das gilt für „negative“, aber auch für positive Emotionen.
Aber ich übe. Ich lerne. Und ich merke es zumindest schon manches Mal, auch wenn ich es noch nicht ändern kann.

Je älter ich werde, desto empathischer und toleranter werde ich gleichzeitig. Ich kann mich mit mehr Milde betrachten, aber auch und besonders andere. Ich be- und verurteile weniger. Und tatsächlich habe ich, glaube ich, schon vielen Menschen Mut gemacht sich selbst besser zu akzeptieren. In der Theorie weiß ich gut, wie das geht. Denn ich habe mich schon so viel damit beschäftigt.

Und getan hat sich bei auch was. So finde ich mich seit ein paar Jahren schön, wirklich schön! 37 Jahre meines Lebens fand ich mich häßlich. Aber das ist nochmal ein anderes Kapitel …

Adrett oder Gesund?

Guten Morgen! Gerade habe ich einen ganz langen Kommentar bei Ganz normale Mama hinterlassen und da ich das Thema ziemlich wichtig finde und es nicht nur Mütter, sondern alle Frauen betrifft, möchte ich dies hier teilen.

Im Ausgangsartikel geht es darum, wie zerlebt man sich als Mama manchmal fühlt, wie zermatscht und häßlich von dem Stress und Schlafmangel, den Sorgen und der Zerreißprobe zwischen Arbeit, Kindern, Alltag, Haushalt und dem Wiederfinden und dennoch nicht Erfüllen-Können der eigenen Bedürfnisse.

Und dann führst Du plötzlich solche Selbstgespräche in denen Du Dich im Grunde zu (noch) mehr Selbstdisziplin mahnst, um Dich um Deine Schönheit Deine äußere Anpassung zu kümmern und versuchst Dich selbst aufzuheitern:

Ach Mensch. Schau Dich doch mal an. Wie siehst Du nur wieder aus?! Diese feine Linie zwischen Deinen Augenbrauen, die war doch gestern noch nicht da? Ist da nicht auch eine kleine Falte zwischen Nase und Mund? Ist mir vorher gar nicht aufgefallen. Mensch, Du wirst alt. Du hattest doch früher keine Augenringe! Achso, Du […]

über Wie siehst Du nur wiederaus? — Ganz normale Mama

Darf denn niemand sehen, wie anstrengend das Leben mit Kindern manchmal ist? Das die Doppel- und Dreifachbelastung einfach (zu) viel ist? Dürfen wir das nicht sichtbar machen? Um Hilfe bitten? Wo sind denn die adretten Väter, die sich täglich rasieren und in Schale schmeißen um dann den Kindern den Brei in den Mund zu löffeln und mit Ihnen Pfützenspaziergänge zu machen oder Kotze weg zu wischen wenn eines mal wieder krank ist? Könnten die nicht auch mal ab und zu was anderes mit ihren Haaren machen als immer nur jeden Tag die gleiche langweilige Kurzhaarfrisur zu tragen, die nach dem Waschen in 10 Minuten von selbst getrocknet ist?

Diesen Text sollte man mal versuchsweise an einen Vater richten statt an eine Mutter … ähem. Such den Fehler. Die Ansprüche sind einfach viel zu hoch. Sowohl die von außen auf uns zukommen, als auch die, die wir längst verinnerlicht haben.

Kümmer Dich gut um Dich, kann auch heißen:
– sich eine ruhige Tasse Tee zu gönnen anstatt eben schnell noch zwischendurch die Nägel zu pflegen.
– Ein Nickerchen zu machen anstatt wegen ein paar grauer Haare eine Tönung aufzutragen.
– Spazieren zu gehen und einfach den blauen Himmel zu genießen anstatt sich die Beine zu rasieren obwohl Du sowieso eine lange Hose trägst.
– Dich auf dem Spielplatz bequem anzuziehen, anstatt unpraktisch und vielleicht sogar im kurzen Rock mit den Kindern die Rutsche zu rutschen und sich nachher auch noch um drei teile mehr in der Wäsche oder zum Flicken zu kümmern.

Das verstehe ich unter Selbstliebe! Hübsch bist Du, wenn es Dir gut geht und das hat nichts mit der Frisur zu tun. Und lächeln tust Du am Besten morgens zu Deinem eigenen Spiegelbild, weil es toll ist, wie gut Du alles meisterst, – und nicht um irgendwem zu beweisen, dass Du weiterhin eine hübsche, harmlose Frau bist. Du bist stark und geschickt und vernünftig und verspielt und hilfst neuem Leben auf seinem Weg in die Welt!

Und wir sollten diese Leistung endlich anerkennen als das was sie ist: Eine großartige und kluge Tat für eine Zukunft in der Menschen heranwachsen die sich geliebt fühlen und dieses Gefühl weiter in die Welt geben können. Und bitte Mädchen heranreifen lassen, die tief im Innern wissen, dass ihre äußere Schönheit nur ein Zuckerguss auf dem Leben ist. Die auch als ausgewachsene Frauen wissen, wie wertvoll sie sind, was immer sie auch tun, wie immer sie auch aussehen und sich kleiden. Ihnen so ein Gefühl von Werthaftigkeit ihrer Selbst geben, dass es sich lohnt, ja dass es eine Selbstverständlichkeit für sie ist, sich wirklich um sich zu kümmern. In Selbstliebe.

Aber diesen Mut zu sich selbst müssen wir Ihnen vorleben, damit sie es wirklich innerlich verstehen können, in der Flut der anderen Bilder und Ansprüche, der next Topmodels und Beauty Challenges die auf sie Hereinströmen.

Jetzt!

 

P.S.: Natürlich müssen wir das Gleiche auch den Jungen vorleben.