Das große Finale als Anfang?

Es ist so viel. Es ist immer so viel. Wann kann das endlich aufhören? Ich will doch nur ein friedliches Leben führen …

XY ist in der Psychatrie, endlich. Er ist weg, er lässt sich helfen. Das ist eine große Entlastung. Und doch fühle ich mich kaum erleichtert. Die Probleme bleiben.

Das Wochenende mit dem Kleinen Wunder war ein mütterlicher Kraft-Akt. Bettnässen, Wutanfälle, Anlehungsbedürftigkeit, Alpträume und unruhiger Schlaf. Weiterhin nicht-in-die Schule-Wollen und auch nicht in den Hort. Mir tut alles weh. Vor allem das Herz. Dazu sind wir beide richtig stark erkältet.

Meine Mutter hilft. Das Wunder ist jetzt bei ihr. Damit ich mich ein bisschen ausruhen kann. Und damit der alte Rhythmus einigermaßen bestehen bleiben kann. Und doch fühle ich mich so allein mit allem. Der zweite Elternteil fehlt. Immer fehlt er. Schon immer. Ich mache mir das Leben schwer, weil ich allen Entscheidungen diesbezüglich eine große Schwere gebe.

Ich möchte das Kleine Wunder beschützen, doch ich kann es nicht. Und ich kann nicht alles wieder gut machen, was ihr Vater vielleicht verbockt hat. Was ich verbockt habe. Ich kann es nicht. Und ich kann ihr auch nicht die Last abnehmen, dass sie eine chronisch kranke Mutter hat. Eine Mutter mit Multiple Sklerose. Eine mit starker Angst-Störung und Depression. Und einen Vater mit Depression. Einen Alkoholiker. Der vielleicht sogar eine Persönlichkeitsstörung hat. Und eine Oma mit Angstproblematik, traumatisiert. Und eine andere Oma, die erst vor drei Jahren einen Suizidversuch unternommen hat. Was sind das für Lasten?

Wie soll ihre Zukunft aussehen? Wie meine? Wie unsere gemeinsame? Nach ein paar Wochen Therapie wird ihr Papa kein neuer Mensch sein.

Alles kommt mir bleischwer vor.

Mit Schmerzen umgehen

Gestern hatte ich endlich meinen ersten Termin beim Schmerzarzt. Ich leide schon lange, viele Jahre, unter Rückenschmerzen. In den letzten Jahren hat sich das verschärft. Es sind neue Schmerzstellen dazu gekommen, die Schmerzen sind immer häufiger so stark, dass sie mir den Schlaf rauben, meine Puls in die Höhe jagen und mich einfach zermürben.

Das war gestern ein positives Erlebnis! Endlich einer, der zuhört, das (mich) ernst nimmt und genau nachfragt. Nach diesem ersten Anamnese-Gespräch führe ich seit gestern ein Schmerztagebuch (ich trage mindestens 3x tgl. ein wie groß die Schmerzen auf einer Skala von 1–10 sind) und in zwei Wochen habe ich dann einen nächsten Termin, wo es dann um erste Maßnahmen gehen wird. Das kann dann gezielte Physiotherapie, Feldenkrais, ein Entspannungskurs, evtl. Medikamente, Psychotherapie, eine Selbsthilfegruppe … sein. Das nenne ich ganzheitlich.

Was mir nachts so passiert

Heute Nacht zum Beispiel. Da bin ich aufgewacht, weil ich erkältet bin und husten musste. Und dann wollte ich einen Schluck Wasser trinken und stellte dabei mit Schrecken fest, dass mein linker Arm nicht voll beweglich war. Ich konnte ihn zwar heben, aber nicht so ganz und dann sank er unwillkürlich auch schon wieder herab, weil die Kraft nicht reichte. Schub! Lähmung! das schoss mir gleich in den Sinn, mein Herz raste.

Dann fiel mir ein, dass ich lange schon Probleme mit der linken Schulter habe, total verkrampfte Muskulatur, und wahrscheinlich zusätzlich noch doof drauf gelegen habe. Tatsächlich konnte ich nach ein paar Minuten meinen Arm wieder ganz normal bewegen. Nur ein paar kurze Gedanken, Bewertungen und Körper und Geist sind in Aufruhr.

Heute bin ich wieder ein Stückchen dankbarer dafür, dass ich meine Arme und Beine so wunderbar bewegen kann. Der Körper ist ein Wunderwerk.

Nach dem Hochseilgarten ist vor dem Hochseilgarten

Gestern war Adrenalin-Tag. Ich wollte es unbedingt tun, doch schon am Morgen nach dem Aufwachen saß mir die Angst in Bauch, Brust und Kehle.

Doch dann sind wir einfach los geradelt, entschieden uns, die Stadtbahn komplett links liegen zu lassen und bei dem schönen Wetter die 10 Kilometer  mit dem Rad zu fahren. Vorteilhaft für mich, weil das wesentlich angstfreier geht. Aber es war ein langer und für mich unbekannter Weg – potentiell also doch eher beängstigend. Aber die Panik hab ich einfach zu Hause gelassen. Vielleicht auch deshalb, weil sie die Angst eher auf unser Ziel fokussiert hat. Und weil ich mich mit T gerade so wohl fühle vermutlich auch.

Im Hochseilgarten angekommen haben wir erstmal unsere mitgebrachten Stullen gemampft und uns mit dem Gelände vertraut gemacht. T hatte auch Angst, aber er war dabei so witzig, dass ich meine fast vergessen konnte. Dann war das Gelände viel kleiner und überschaubarer als ich es mir ausgemalt hatte. Und dann liefen mir S und R in die Arme. Gute Bekannte. S war schon durch, während R noch in den Seilen hing. 😉 Der kämpfte auch deutlich mit Angst, aber das hat mich irgendwie beruhigt. So ein Hochseilgarten ist ein Ort an dem man Angst haben darf. An dem sogar Erwachsene mehr Angst haben dürfen als Kinder. Es ist ganz normal dort. Natürlich darf man überall Angst haben. Aber ein Teil von mir sieht das deutlich anders, es ist der Teil, der sich für Angst so sehr schämt, dass er nach außen meistens schweigt.

Nach der Einweisung mussten wir erstmal ein bisschen den Umgang mit den Karabinerhaken üben – und ich hab mich richtig doof angestellt. 😀 Ich hatte alle Instruktionen zwar gehört, aber dann sofort wieder vergessen. Aber da war ja T, der meine Aufregung gespürt und mir ganz verständnisvoll geholfen hat. Und dann gings los!

Und ich sage Euch, das war der Hammer! Schon der erste, „kleine“ Parcours hatte es für uns in sich. Meine Nebennieren pumpten unaufhörlich Adrenalin in meine Adern. Meine Strategie: Nicht lang fackeln, Augen zu und durch – bloß der aufsteigenden Panik keinen Raum lassen. Ts Strategie, der vor mir ging, war anders: Alles ruhig angehen, auf Sicherheit bedacht und langsam vortasten. Sehr interessant wie unterscheidlich das ist.

Als wir die erste Runde durch hatten fiel T mir in die Arme und bedankte sich dafür, dass ich ihn überredet hatte mitzukommen. 😀 Wieder festen Boden unter den Füßen spürte ich Erleichterung, – aber auch den Mut auch den 2. Parcours anzugehen. Und auch T war überraschenderweise sofort dazu entschieden!

Dieses Mal ging ich vor – wow! Einige Stellen waren wirklich schwierig, manches kostete viel Überwindung, aber als ich erstmal da oben drin war, wusste ich: Für mich würde es kein Zurück geben, ich ziehe das durch. Manches war dann auch leichter als es aussah. An anderen Stellen hab ich mich gefragt, warum ich mir das bloß antue. Aber dann wieder musste ich so viel lachen – auch über unsere Angst.

Als wir durch waren, waren wir  vor allem erstmal eins: Froh. Aber auch stolz und gestärkt.

Den 3. und schwierigsten Parcours haben wir uns für das nächste Mal aufgehoben, denn es wird ganz sicher ein nächstes Mal geben. Für gestern hat’s gereicht und wir wollten die Zeit lieber nutzen um auch den Rückweg mit dem Rad zu fahren, anstatt die Räder mit in die Bahn zu nehmen.

20 Km mit dem Rad, das ist für eine stramme Leistung für mich. Hat gerade irgendwer vergessen, dass ich MS habe? Ich habe es gestern vergessen! Und entgegen meiner Befürchtungen geht es mir heute körperlich gut.

So ein wunderbarer Tag gestern! Und T dabei an meiner Seite zu haben war einfach toll. Man ist ja da oben ganz schön viel mit sich selbst beschäftigt, voller Angst, Mut und sehr konzentriert. Aber wir haben uns gegenseitig unterstützt (ich hoffe, dass sich das für T ebenso gut angefühlt hat wie für mich) und es war für mich ein tolles Gefühl, nicht wie so oft in meinem Leben alles alleine auskämpfen zu müssen, sondern jemanden dabei zu wissen, der ein Auge auf mich hat.

Und wenn das auf Dauer eine Freundschaft bleibt, dann haben wir mit der Aktion gestern einige Grundmauern gefestigt.

Ich bin noch da

… aber ich arbeite wieder ganz normal. Wobei es „normal“ in meinem Leben gar nicht gibt. Aber ich arbeite eben so viel wie ich es schaffe zu arbeiten, ohne dabei komplett auszubrennen. Und das heißt, dass ich viel vor dem Computer sitze. Und das wiederrum heißt, dass ich wenig Lust habe, dies in meiner Freizeit dann auch noch zu tun um zum Beispiel Blogeintröge zu verfassen. Das ist traurig und doof, zumal ich eigentlich viel inneren Schreibbedarf habe, besonders zur Zeit. Ich weiß abe rnicht, wie ich es momentan ändern soll.

Dabei weiß ich, DASS ich etwas ändern MUSS, damit es mir gut gehen kann. Da hake ich seit Monaten dran. Und es wird nicht besser. Ich sehe gerade ein, dass ich eine Depression entwickle, oder habe? Aber keine Therapie mehr. Außerdem leide ich unter chronischen Schmerzen, habe aber bisher den Weg zum Schmerzarzt gescheut, weil dies wohl regelmäßige Termine nach sich ziehen würde. Das würde noch mehr Stress verursachen. Und ich wüsste auch gar nicht, wie ich das machen sollte. Ich bräuchte jedes Mal Begleitung zu den Terminen wegen dieser meiner verf*ten Agoraphobie. Ich habe aber keine Begleitung. Meine Mutter würde das machen. Aber das wäre so dermaßen ungesund für mich, dass es mir dann eher noch schlechter gehen würde. Von XY habe ich mich endlich getrennt.

Bis bald, ich gehe jetzt heim und mache Dehnungsübungen gegen die Rückenschmerzen.

Nicht zumutbar

Oftmals fühle ich mich anderen Menschen nicht zumutbar so wie ich bin. Das ist mir im Lauf des letzten Jahres bewusst geworden weil ich viel darüber nachdenke, wie und ob es mit XY weiter gehen kann. XY kennt mich wie ich bin und er nimmt das alles so an. Er verurteilt mich nicht für meine Ängste und bagatellisiert sie auch nicht. Er sagt, er liebt mich. Er ist einer der wenigen Menschen, die in Bezug auf die Ängste und mein Vermeidungsverhalten noch nie zu mir gesagt haben: „Mensch, mach es doch einfach mal.“ oder so etwas in der Art, das mit „wenn Du Dich zusammen reißt, wird es schon gehen.“ übersetzt werden könnte.

Ich trage die Angststörung und die anderen Folgen des emotionalen Missbrauchs in meiner Kindheit (emotionaler Missbrauch!? – das kommt mir noch immer vor, wie eine Lüge. Aber wenn meine Therapeutin es so sieht, wird wohl auch was dran sein) mein ganzes bisheriges Leben lang mit mir rum. Ich habe mich immer dafür geschämt, ich habe mich deshalb immer unzulänglich gefühlt, hilflos und unfähig.

Nun kam vor 5 Jahren noch die Diagnose einer körperlichen Erkrankung dazu, die zudem mit Behinderungen einhergeht. Bisher habe ich nur leichte Einschränkungen durch die Multiple Sklerose. Verhältnismäßig leichte. Denn die Fatigue (starke Erschöpfung und Ermüdung) ist schon sehr beeinträchtigend an vielen Tagen. Aber an manchen Tagen kann ich auch nicht gut gehen. Ich kann immer noch sehr gut gehen, viele Kilometer lang und ich bin dafür sehr dankbar. Nur an manchen Tagen fühlen sich meine Beine steif und schwach an und dann ist ein Spaziergang so anstrengend, dass ich am Ende schlurfe und/oder einknicke und danach schlafen muss.

Auch dass manche Körperempfindungen geschwunden sind, empfinde ich als Behinderung. Es ist schwer zu beschreiben. Ich war schon immer ein empfindsamer Mensch, seelisch und auch körperlich. Und nun sind z.B. meine Bauchreflexe weg. Das ist überhaupt nicht schlimm, es gibt weitaus schlimmere Beeinträchtigungen die die MS hervorrufen kann. Aber es macht mich traurig. Denn es ist ein Verlust. Ich, ich war immer die, die bei jeder Berührung am Bauch sofort zusammenzuckte – ein qualvoll schönes Gefühl. Das ist jetzt weg, das werde ich nie wieder empfinden. Und ich weiß auch nicht genau, wie mein Körper sich in den letzten Jahren bzgl. der sexuellen Empfindsamkeit verändert hat, da ich schon lange keine Gelegenheit mehr hatte, das wirklich zu überprüfen.

Aufgrund meiner Phobie kann ich nur wenige Dinge alleine erledigen. Ich kann nicht alleine zu meinen Fachärzten gehen, nicht zu meinem Physiotherapeuten. Ich kann nicht alleine einen längeren Spaziergang machen. Ich kann meine Tochter bei manchen ihrer Freunde nicht abholen, weil sie ein paar Straßen zu weit entfernt wohnen. Ich kann manches, was beruflich wichtig ist, nicht allein erledigen. Ich kann nur mit mir sehr vertrauten Personen ins Kino gehen, spazieren gehen, Ubahn fahren, Ausflüge machen …

Aufgrund der MS bin ich sehr oft sehr müde. Ich schlafe viel mehr als andere Menschen. Ich gehe nur sehr selten abends weg, meine Kraft reicht nicht dafür. Ich überlege vorher, ob ich mich für Samstag Vormittag auf dem Markt verabrede ODER ob ich am Nachmittag eine Freundin treffe. Für beides reicht – vor allem plus Kind – meine Energie nur selten. Seitdem das Kleine Wunder in die Krippe ging, habe ich ca. alle 1–2 Monate eine Erkältung. Erkältungen spülen längst überwunden geglaubte MS-Symptome wieder nach vorn. Ich muss dann noch mehr schlafen, ausruhen und kann schlechter gehen. Ich habe dann auch noch mehr Angst vor den Wegen draußen, weil Schwindel und Schwäche meine Angst stark triggern.

Ich fühle mich nicht zumutbar.

Mit XY habe ich viel Schlimmes erlebt. Als er noch getrunken hat, gab es einige Situationen, in denen er mich aufs Übelste beschimpft hat – zu Hause oder auch auf offener Straße. Er hat mich belogen, sehr oft belogen. Wegen Alkohol und wegen Geld und ich nehme an, auch wegen anderen Dingen. Ich würde nicht unterschreiben, dass er mir treu war, obwohl er das nach wie vor behauptet.

XY hat auch viele gute Seiten. Es gibt vieles, was uns verbindet. Der Humor zum Beispiel. Unser gemeinsames Kind. Unsere Kunst, wir haben ein gemeinsames Projekt. Er kann weinen und sich entschuldigen – das kenne ich auch anders von meinen Ex-Freunden. Aber wiegt das die Gewalterfahrungen die ich mit ihm machen musste auf? (Nein, es gab keine körperliche Gewalt, aber auch Beschimpfungen sind Gewalt. Und noch heute zeugt eine große Beule in meinem Kühlschrank und ein zerbeulter metallener Aktenschrank von seiner Gewalt. Er hat außerdem meinen Drucker zerschlagen, ein Schränkchen im Bad zertreten und den Tritt des Kleinen Wunders in Stücke gehauen. Alles Dinge, die ich besorgt und bezahlt hatte, die er mir niemals ersetzt hat.) Und auch heute, nach einem Jahr Trockenheit, hat er nach wie vor so seine Ausraster.

Einer Freundin würde ich sagen: „Lass diesen Menschen los. Er hat Dir nicht gut getan und daran wird sich auch in Zukunft nicht allzuviel ändern, auch wenn Du das hoffst und hoffst und hoffst.“

XY ist für mich eigentlich nicht zumutbar. Aber ich weiß, dass ich ihm mich zumuten kann. Und irgendwann im Sommer letzten Jahres als ich ein Date hatte (das sich im Nachhinein als nicht-Date heraus gestellt hat – darauf wurde dann die Freundschaft zu S.) habe ich zum ersten Mal realisiert, für wie wenig zumutbar ich mich halte. Wer will mit so einer Frau zusammen sein? Und bin ich bereit mich nochmal jemandem zu öffnen? All meine Schwächen auszubreiten? Und wie überhaupt? Nach dem 2. Treffen:„Übrigens, ich habe eine unheilbare schwere Nervenerkrankung.“ und beim 3. Treffen: „Ich war zuletzt in einer coabhängigen Beziehung zu einem Alkoholiker und habe es bisher noch nicht geschafft mich daraus wirklich zu lösen.“ und dann beim 4. Treffen: „Übrigens, ich habe eine schwere Angsterkrankung und kann so gut wie nichts alleine bewältgen.“. Beim 5. Treffen kann ich dann noch zugeben, dass ich ein massives Vertrauensproblem habe, weil ich von XY belogen, hintergangen und beschimpft wurde, davor von Mann 4 mehrfach mit verschiedenen Frauen betrogen wurde und Mann 3 mir gegenüber unerwähnt ließ, dass ich eigentlich nur seine Geliebte war und seine Mitbewohnerin nach wie vor seine feste Freundin?

Ich finde T. interessant, schon von Anfang an. Wir kennen uns jetzt seit zwei Jahren. Neuerdings habe ich den Eindruck, er könnte mehr in mir sehen als eine gute Freundin.

Und ich weiß gerade überhaupt nicht damit umzugehen.

Wohin die Reise geht?

Da ist sie wieder, die Angst.

Eine teuflische Unruhe hat sich im letzten Jahr eingeschlichen. Ich fühlte mich immer mehr gehetzt, unter Druck, überfordert. Dann immer mal wieder kurze Phasen der Entspannung und der Gedanke: „Quatsch, schaffst Du schon alles. Schaffen andere ja auch.“. Der Dezember war unglaublich stressig – und ich weiß gar nicht mehr so genau warum. Ich wurde immer fahriger, vergesslicher, hektischer, ungeduldiger, gereizter.

Dann hatte ich drei Wochen frei und es ging mir besser. Schon am 2. Arbeitstag setzte die Unruhe wieder ein. Das Gefühl alles nicht mehr zu schaffen, mit allem überfordert zu sein. Alles zu viel. Von allem. Dann wurde das Kleine Wunder krank und ich fiel aus, dann wurde ich krank. Danach – oder währenddessen – habe ich dann nochmal ein paar Tage gearbeitet. Dann setzte der Schub ein. Irgendwie erwartet. Nun bin ich seit 7 Wochen zu Hause, es ist etwas Ruhe eingekehrt. Nach und nach habe ich wieder angefangen von daheim etwas zu arbeiten und Dinge zu regeln (ALG2 Antrag, Wohngeldantrag, mal wieder zur Therapie fahren, seit 3 Wochen 2x die Woche Physio- und 1x die Woche Yogatherapie, wiede rmehr für das Kleine Wunder da sein, mal wieder richtig aufräumen …) und Zack! die Rastlosigkeit ist wieder da. Überreiztheit.

So langsam stelle ich mir die Frage, ob ich nicht an so etwas wie einem Burn Out leide und der Schub nur eine sichtbare, körperliche Konsequenz davon ist.

Mittwoch auf dem Elternabend Schwindel und Angst, nahe der Panik. Ich fühlte mich seltsam. Anders. Weit weg. Gefährdet. Hoffentlich kann ich bald nach Hause.

Gestern lag ich beim Physiotherapeuten auf der Liege, übernächtigt, weil ich eine unruhige, schlaflose Nacht hinter mir hatte und fühlte mich so außer mir. Ich wartete auf den Therapeuten und war sicher jetzt verrückt zu werden. Wahnvorstellungen zu entwickeln. Ich fühlte mich greifbar bedroht. Die Massage hat mich dann wieder runter gebracht und ich konnte guter Dinge den Tag verbringen.

Heute Morgen packte mich auf dem Radweg mit XY Richtung Neuro-Praxis wieder Angst. Auf dem Rückweg auf der Brücke an der großen Straße mit den Hochhäusern wurde die Angst zur Panik. Atmen. Es geht wieder vorbei. Es geht immer vorbei. Du bist nicht verrückt.

Es steht Kopf. Ich stehe Kopf. Oder liege ich schon am Boden? Ich habe Angst um meinen Körper, um meine Sinne. Ich will nicht, dass mir die Nerven wegbrutzeln. Tun sie aber, die MS ist da.

Es geht nicht so weiter wie bisher. So viel ist klar. Ich kann nicht wieder so einsteigen. Als der Schub los ging, bin ich ausgestiegen. Aus der Nor heraus. Aus Notwendigkeit. Aus Klugheit. Kann ich jetzt so klug sein, nicht wieder einzusteigen? Wie soll das gehen? Das Geld muss verdient werden. Das Kind muss umsorgt werden. Mein Körper muss vielvielviel schlafen –die Tage sind deshalb kurz –, und er braucht Sport und Yoga und Meditation. Ich brauche gutes Essen. Ich vermisse meine Kunst, eine körperlich-schmerzhafte Sehnsucht nach Schaffen. Und Freundschaften, ich brauche Freundschaften und Austausch, viel mehr als das in den letzten Jahren der Fall war.

Wie verdammt nochmal soll das gehen? Es ist zu viel. Und ich sehe keinen Weg der Änderung. Ich sehe ihn einfach nicht, obwohl er vermutlich fett und breit und einladend vor mir liegt. Und ich bleibe seit Jahren an dieser Stelle hier kleben und schlage mich mit XY rum und mit schlechtem Gewissen und Grübeleien, mit Abhängigkeiten und Angst vor Verlust und davor Fehler zu machen und vor Einsamkeit und Vereinsamung.

Ein Kreis schließt sich

Wie ich gestern Nacht schon geschrieben habe, war ich gestern in Bremen auf einem Konzert. Als der Krankheitsschub Anfang Februar losging, zählte tatsächlich „Oh nein, das Konzert!“ zu meinen ersten Gedanken. Die Karten hatte ich schon länger auf dem Schreibtisch liegen und die Vorfreude war groß.

Als ich 2013 zu Depeche Mode wollte, hatte ich einen Magen-Darm-Virus. Bei Musée Mécanique war das Kleine Wunder krank. Die We Are Scientists Karte, die ich XY zum Geburtstag geschenkt hatte, verfiel, weil er er an dem Tag plötzlich krank war und ich sie vor Ort auch nicht mehr losgeworden bin. Meinem Vater hatte ich zu Weihnachten Karten für Shadowland II geschenkt – an dem Termin im Januar hatte er die Grippe (verpasst hat er aber nichts weltbewegendes. Ich fand die Show sehr enttäuschend, vor allem bei den Ticketpreisen!). Ich habe zum Glück viele solcher Dinge schon vergessen. Es gab in den letzten Jahren sehr viele Vorhaben, die ich kurzfristig absagen musste, weil ich krank war.

Nun hab ich mich zum Glück wieder fit genug gefühlt für unser Vorhaben nach Bremen zu fahren. Da XY ein Auto hat, ging das auch sehr komfortabel. Eine Fahrt mit Zug und Straßenbahnen und mehrmaligem umsteigen wäre zu anstrengend für mich gewesen. Und XY ist für mich die Begleitung, die mir das größtmögliche Sicherheitsgefühl gibt.

Erstaulicherweise hatte ich unter diesen Bedingungen keinerlei Angst im Vorfeld. Bremen ist so schnuckelig, Freunde von mir und Verwandtschaft von XY wohnen dort – ich kann mich dort relativ wohl fühlen, obwohl Reisen in fremde Städte für mich oft kleine Höllentrips sind. Ich habe in der Nacht zuvor supergut geschlafen, hab nicht über Waswärewenns gegrübelt und war nur insofern aufgeregt, als das ich Vorfreude verspürte.

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Sogar als wir im Stau standen: Keine Angst. Keine Beklemmungen.

Wir waren mit XYs Verwandte zuvor noch essen – auch eine Situation (mit mir nicht so bekannten Menschen in einem Restaurant sitzen), die mich schon oft in Panik versetzt hat – ebenso wie Wege in fremden Städten zu Fuß bewältigen zu müssen, vor allem bei Dunkelheit.

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Im Yalla Yalla im Steintorviertel

Als wir später mit dem Auto auf dem Weg durch die Nacht ins Tivoli waren kamen Angstgefühe in mir hoch – alles wirkte so fremd und bedrohlich. Einer Eingebung folgend bat ich XY mit mir zusammen ein paar OM SHIVA Mantren zu singen: Das hat sofort geholfen! 🙂

Die Location war dann auch noch ziemlich klein und noch nicht einmal voll besucht. Für die Band natürlich schade, für mich eine Erleichterung.

Vom Band liefen die ganzen alten und mir wohlbekannten Indie-Grufti-Songs … Anne Clark, Philip Boa, Dead Can Dance, Kate Bush … dazu umwaberte mich die altbekannte Mischung aus Patchouli-Duft und Schwefel-Nebel. Das war ein Trip zurück in meine späte Jugend. Ein schöner Trip zurück in eine Zeit, in der bei mir Aufbruchsstimmung und Freundschaft und Musik und Vanilletee und Räucherstäbchen und liebevolle Gefühle und Melancholie und Fremdartigkeit und erste Lieben und tiefer Schmerz und Gemeinschaftlichkeit mein Leben bestimmten.

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Vorband Bayuk

Punk 20.30 Uhr ging’s los (sowas kenne ich aus Hannover gar nicht mehr). Mit Bayuk präsentierte sich uns eine großartige und sehr passende Vorband, wirklich richtig gut!

Und Klez.e … was soll ich sagen. Düster, schmerzvoll, politisch, sehend, berührend und bewegend. Ich musste tanzen und weinen und lachen und da sein. Meine müden Beine sind zum Leben erwacht, die Fatigue hat sich schlafen gelegt und meine Seele zog sehnsuchtsvolle Kreise.

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Klez.e

Als ich den Bandmitgliedern hinterher erzählt habe, wie großartig ich ihre Konzerte fand, hat mir Klez.e Sänger Tobias Siebert auch noch angeboten mir einen Gästelistenplatz zu geben für das morgige Konzert in Celle. Glücksgefühl!

❤ ❤ ❤

Nachtrag: Ich bin so unglaublich dankbar, dass mein Körper sich schon wieder so gut erholt hat. Meine Beine tragen mich noch immer. Das ich tanzen kann! Das mir heute mein volles Teeglas mal so eben aus der Hand glitt, weil meine Nerven wohl manchmal nicht merken, wie fest ich zupacken muss … was soll’s? Ich war müde, hatte zu wenig Schlaf auf der Mütze. Dafür. Kann. Ich. Gehen. Und. tanzen. Und. Hüpfen!

Versprochen

Ich hatte es elefantenblau versprochen: Ich wollte noch erzählen, wie mein Friseurinnenbesuch vorletzte Woche abgelaufen ist. Ich will das jetzt endlich nachholen. Warum habe ich dafür so lange gebraucht. Weil ich geloost habe. Weil ich mein typisches Vermeidungsverhalten an den Tag gelegt habe.

Aber der Reihe nach: Als der Termin vereinbart wurde, fühlte ich mich noch ganz gut, hatte noch keinen akuten MS-Schub. Meine Freundin A. und ich haben uns angewöhnt gemeinsam zur Friseurin zu gehen, um uns wenigstens dort mal zu treffen und zu quatschen. Und weil ich mich einfach nicht traue allein zu gehen. Ich möchte aber eigentlich auch üben, dort wieder allein hingehen zu können. Früher bin ich ein paar Jahre immer mit dem Auto hingefahren und habe direkt davor geparkt. Ich muss dazu sagen, dass der Laden im gleichen Stadtteil ist in dem ich wohne. Also nicht wirklich weit weg, mit dem Rad so fünf Minuten.

Der Termin neulich war so geplant, dass A. um 13 Uhr dran sein sollte und dann auch bald gehen würde, damit sie ihr Kind aus dem Kindergarten holen kann. Mein eigener Termin war um 14 Uhr. Ich wollte eigentlich von der Arbeit (mein Büro liegt so ungefähr auf halber Strecke zwischen meiner Wohnung und dem Friseurladen) kurz nach 13 Uhr allein dort hin fahren und dann auch eine bisschen ohne A. da bleiben, weil diese ja schon gegen 14.30 los musste.

Nun war ich aber ja gar nicht auf der Arbeit und hätte direkt von zu Hause fahren müssen (aus selbst für mich nicht wirklich nachvollziehbaren Gründen sehr viel schwieriger für mich). Und ich fühlte mich übernächtigt. Und erschöpft vom Schub. Und gucken konnte ich auch nicht richtig, was mich sowieso die ganze Zeit in die Angst getriggert hat, weil alles so surreal wirkte dadurch.

Kapitulation.

Ich rief A. an und bat sie mich abzuholen und sagte ihr, dass ich mich so gar nicht nach Konfrontation fühle und dann mit ihr zusammen den Laden verlassen werde. Immerhin das.

Bisher hab ich in solchen Situationen selbst meine liebste A. (selbst Sozialpädagogin und in einer Beratungsstelle tätig) einfach angelogen vor lauter Scham. Sie weiß seit Jahren über meine Phobie Bescheid. Und trotzdem kann ich oft selbst ihr gegenüber nicht offen damit umgehen.

Der Friseurin gegenüber sagte ich, das ich noch arbeiten müsste und deshalb schon um 14.30 los muss. Ergebnis: Für  mein Haar blieb nur eine halbe Stunde Zeit und das fand ich schon schade, weil ich eigentlich Lust auf was Neues gehabt hätte.

So schränkt die Angst mein Leben ein. Massiv und nach außen hin kaum sichtbar.

 

Willkommen in meiner Wunderwelt

Ich wundere mich jeden Tag. Eigentlich habe ich mich schon immer irgendwie anders gefühlt. Aber vielleicht fühlt sich jeder Mensch anders. Mit diesem Text nehme an einer Blogparade teil. Danke Andrea für die Anregungen! http://www.at-buecher.de/%C3%BCber-mich/ich-bin-anders/

 

Ich bin Synästhetikerin –

das äußert sich in meinem Fall so, dass ich Worte, Buchstaben, Geräusche, Musik, Düfte, taktile Empfindungen, Geschmack, ja: sogar Gefühle gleichzeitig auch visuell wahrnehme. Egal welcher Sinn also angesprochen wird, es wird zugleich auch ein visueller Reiz in meinem Gehirn ausgelöst. Alle meine Sinne sind damit verknüpft. Die Bilder, die ich sehe, sehe ich natürlich nicht wirklich. Es sind auch keine Halluzinationen, ich sehe sie wie auf einer Art innerer Leinwand – aber auch das trifft es nicht. Ich sehe sie und das ist einfach so. Ich kann mir eine Erlebniswelt ohne das kaum vorstellen, es wäre wie eine Art Blindheit für mich. Da sowohl mein Bruder, als auch meine Mutter ebenfalls Synästhetiker sind, hielt ich das anfangs für völlig normal. Irgendwann wurde mir aber klar, dass die wenigsten Menschen so visuell hören, sehen, schmecken, riechen, fühlen … und dann habe ich gemerkt, dass es besser ist, nicht darüber zu sprechen. In den 80ern fanden das die meisten Leute nämlich seltsam oder hielten das für ausgedachten Nonsens meinerseits.

 

Hochsensibel bin ich auch.

Das weiß ich erst seit ein paar Jahren. Ich wusste natürlich schon immer, dass ich besonders sensibel bin, aber dass es dafür auch eine Bezeichnung gibt, das wusste ich nicht. Meine Sinne sind schnell überreizt, es ist mir schnell zu laut, zu hell, zu viel. Zu viel von allem. Neugierig und interessiert war ich schon immer an vielem – aber das überlastet mich leider oft, da mein Nervensystem von all den äußeren Einflüssen und Empfindungen die sie mit sich bringen, gern ein bisschen durchdreht. Dann pfeifen die Ohren, es flimmert vor den Augen, mein Herz fängt an zu rasen, ich bin müde und wach.

 

Seit meiner Kindheit leide ich an Ängsten, Panikstörung und Agoraphobie.

Vieles, dass für die meisten Menschen ganz normal ist, habe ich noch nie gemacht. Ich habe noch nie allein in einem Hotel übernachtet. Ich war noch nie alleine in einem großen Kaufhaus. Ich bin noch nie allein gereist. Manches konnte ich phasenweise und dann wieder nicht. So konnte ich eine zeitlang bestimmte Strecken allein mit dem Zug fahren oder innerhalb der Stadt ein bisschen mit dem Auto fahren. Auch konnte ich früher einmal Taxi fahren (gewisse Entfernungen). Dafür gab es auch Zeiten, in denen ich Angst hatte, das Haus überhaupt zu verlassen oder zu meinem Briefkasten zu gehen. Ja, es gab sogar eine Zeit in der ich Herzrasen bekam, wenn ich in der eigenen Wohnung das Zimmer wechselte.
Heute kann ich kleine Spaziergänge alleine machen, ich kann allein einkaufen gehen und zu meiner Arbeit fahren. Was ich nicht kann ist in die Innenstadt zu gehen oder alleine meine Freunde in anderen Stadtteilen oder gar Städten besuchen.

 

Seit 4 Jahren habe ich nun auch noch eine diagnostizierte Multiple Sklerose.

Das bedeutet, dass manche Nerven nicht mehr richtig funktionieren. So fühlen sich meine Fußsohlen seit kurzem seltsam taub an. Wenn ich den Kopf beuge, habe ich das Gefühl einen Stromstoß im Steißbereich zu bekommen. Im Schub hatte ich mal die Situation, dass sich beim Duschen das Wasser auf der rechten Körperhälfte warm, links aber kalt anfühlte.

 

Ich mache vieles, interessiere mich für vieles. Aber ich mache es so, wie ich es für mich für richtig halte.

Ich esse vegetarisch, ich esse vegan – aber nicht immer. Im Winter esse ich manchmal Fleisch. Ich mache Yoga, aber würde mich nicht als Yogini bezeichnen. In einer Gruppe von Leuten, die sich für einen bestimmten Musikstil begeistern, würde ich aus dem Rahmen fallen, weil ich mich auch für völlig andere Musikstile begeistere. So zieht sich das durch mein Tun, mein Schaffen, mein Fühlen, mein Leben.

Oft ecke ich an. Weil ich mir eine eigene Meinung bilde oder mich traue, keine richtige Meinung zu haben, weil mir die Welt manchmal viel zu komplex ist. Ich denke selbst. Meine Neurologin z.B. findet es furchtbar, dass ich die von ihr empfohlenen Medikamente nicht nehme. Aber ich weiß für mich ist das nicht der richtige Weg zur Zeit.

Ich bin 41 und fahre manchmal Skateboard (ohne es zu können). Ich gehe mit meinem eigenen Beutel zum Bäcker, damit keine Papiertüte im Müll landet. Ich bin finanziell arm, aber ich leiste mir eine Putzhilfe – obwohl es verpönt ist. Ich bin Feministin. Ich erziehe mein Kind nicht, fühle  mich aber überhaupt nicht als Teil der unerzogen-Bewegung und ich betreibe auch kein Attachment Parenting. Ich mache wie immer mein eigenes Ding, so, wie es sich für mich und mein Kind am Besten anfühlt und klug erscheint.
Ich bin vieles und ich bin nichts was in eine Schublade passt.

Das hat mich schon oft in meinem Leben verzweifeln lassen, ich hätte gern mal irgendwo dazu gehört.

Irgendwo ankommen, zu Hause sein.

Ich finde es schon unangenehm das alles hier zu schreiben, ich möchte eigentlich gar nichts besonderes sein und jede*r Mensch ist doch etwas besonderes. Aber doch finde ich in den letzten Jahren immer mehr auf einen Weg mich selbst so zu akzeptieren wie ich bin.
Vieles, von dem, was ich oben schrieb habe ich nach außen verborgen oder tue es noch. Meine Sensibilität und Verletzlichkeit, auch die Angst, verstecke ich unter einem Stahlmantel aus Kühle und Kühnheit. Ich gelte als tough. Ich überlege gut, wem ich meine Emotionen zeige. Ich kann mich gut beherrschen. Innerlich zitternd. Sogar auf Bühnen stand ich schon mit Panikattacken die in mir tobten –und keiner konnte es wahrnehmen – ich wirkte sicher. ich kann im Kino zu Tränen gerührt sein und lautlos weinen und wenn das Licht angeht, sitze ich mit versteinertem Gesicht da und schiebe Ironie vor mich.
Sehr oft ärgere ich mich über mich selbst, dass ich mich wieder nicht gezeigt habe. Oft geht in Situationen eine Tür zu und schließt für mich selbst die Emotionen ein. Erst wenn ich allein bin, kann ich wieder fühlen. Das gilt für „negative“, aber auch für positive Emotionen.
Aber ich übe. Ich lerne. Und ich merke es zumindest schon manches Mal, auch wenn ich es noch nicht ändern kann.

Je älter ich werde, desto empathischer und toleranter werde ich gleichzeitig. Ich kann mich mit mehr Milde betrachten, aber auch und besonders andere. Ich be- und verurteile weniger. Und tatsächlich habe ich, glaube ich, schon vielen Menschen Mut gemacht sich selbst besser zu akzeptieren. In der Theorie weiß ich gut, wie das geht. Denn ich habe mich schon so viel damit beschäftigt.

Und getan hat sich bei auch was. So finde ich mich seit ein paar Jahren schön, wirklich schön! 37 Jahre meines Lebens fand ich mich häßlich. Aber das ist nochmal ein anderes Kapitel …