Nicht zumutbar

Oftmals fühle ich mich anderen Menschen nicht zumutbar so wie ich bin. Das ist mir im Lauf des letzten Jahres bewusst geworden weil ich viel darüber nachdenke, wie und ob es mit XY weiter gehen kann. XY kennt mich wie ich bin und er nimmt das alles so an. Er verurteilt mich nicht für meine Ängste und bagatellisiert sie auch nicht. Er sagt, er liebt mich. Er ist einer der wenigen Menschen, die in Bezug auf die Ängste und mein Vermeidungsverhalten noch nie zu mir gesagt haben: „Mensch, mach es doch einfach mal.“ oder so etwas in der Art, das mit „wenn Du Dich zusammen reißt, wird es schon gehen.“ übersetzt werden könnte.

Ich trage die Angststörung und die anderen Folgen des emotionalen Missbrauchs in meiner Kindheit (emotionaler Missbrauch!? – das kommt mir noch immer vor, wie eine Lüge. Aber wenn meine Therapeutin es so sieht, wird wohl auch was dran sein) mein ganzes bisheriges Leben lang mit mir rum. Ich habe mich immer dafür geschämt, ich habe mich deshalb immer unzulänglich gefühlt, hilflos und unfähig.

Nun kam vor 5 Jahren noch die Diagnose einer körperlichen Erkrankung dazu, die zudem mit Behinderungen einhergeht. Bisher habe ich nur leichte Einschränkungen durch die Multiple Sklerose. Verhältnismäßig leichte. Denn die Fatigue (starke Erschöpfung und Ermüdung) ist schon sehr beeinträchtigend an vielen Tagen. Aber an manchen Tagen kann ich auch nicht gut gehen. Ich kann immer noch sehr gut gehen, viele Kilometer lang und ich bin dafür sehr dankbar. Nur an manchen Tagen fühlen sich meine Beine steif und schwach an und dann ist ein Spaziergang so anstrengend, dass ich am Ende schlurfe und/oder einknicke und danach schlafen muss.

Auch dass manche Körperempfindungen geschwunden sind, empfinde ich als Behinderung. Es ist schwer zu beschreiben. Ich war schon immer ein empfindsamer Mensch, seelisch und auch körperlich. Und nun sind z.B. meine Bauchreflexe weg. Das ist überhaupt nicht schlimm, es gibt weitaus schlimmere Beeinträchtigungen die die MS hervorrufen kann. Aber es macht mich traurig. Denn es ist ein Verlust. Ich, ich war immer die, die bei jeder Berührung am Bauch sofort zusammenzuckte – ein qualvoll schönes Gefühl. Das ist jetzt weg, das werde ich nie wieder empfinden. Und ich weiß auch nicht genau, wie mein Körper sich in den letzten Jahren bzgl. der sexuellen Empfindsamkeit verändert hat, da ich schon lange keine Gelegenheit mehr hatte, das wirklich zu überprüfen.

Aufgrund meiner Phobie kann ich nur wenige Dinge alleine erledigen. Ich kann nicht alleine zu meinen Fachärzten gehen, nicht zu meinem Physiotherapeuten. Ich kann nicht alleine einen längeren Spaziergang machen. Ich kann meine Tochter bei manchen ihrer Freunde nicht abholen, weil sie ein paar Straßen zu weit entfernt wohnen. Ich kann manches, was beruflich wichtig ist, nicht allein erledigen. Ich kann nur mit mir sehr vertrauten Personen ins Kino gehen, spazieren gehen, Ubahn fahren, Ausflüge machen …

Aufgrund der MS bin ich sehr oft sehr müde. Ich schlafe viel mehr als andere Menschen. Ich gehe nur sehr selten abends weg, meine Kraft reicht nicht dafür. Ich überlege vorher, ob ich mich für Samstag Vormittag auf dem Markt verabrede ODER ob ich am Nachmittag eine Freundin treffe. Für beides reicht – vor allem plus Kind – meine Energie nur selten. Seitdem das Kleine Wunder in die Krippe ging, habe ich ca. alle 1–2 Monate eine Erkältung. Erkältungen spülen längst überwunden geglaubte MS-Symptome wieder nach vorn. Ich muss dann noch mehr schlafen, ausruhen und kann schlechter gehen. Ich habe dann auch noch mehr Angst vor den Wegen draußen, weil Schwindel und Schwäche meine Angst stark triggern.

Ich fühle mich nicht zumutbar.

Mit XY habe ich viel Schlimmes erlebt. Als er noch getrunken hat, gab es einige Situationen, in denen er mich aufs Übelste beschimpft hat – zu Hause oder auch auf offener Straße. Er hat mich belogen, sehr oft belogen. Wegen Alkohol und wegen Geld und ich nehme an, auch wegen anderen Dingen. Ich würde nicht unterschreiben, dass er mir treu war, obwohl er das nach wie vor behauptet.

XY hat auch viele gute Seiten. Es gibt vieles, was uns verbindet. Der Humor zum Beispiel. Unser gemeinsames Kind. Unsere Kunst, wir haben ein gemeinsames Projekt. Er kann weinen und sich entschuldigen – das kenne ich auch anders von meinen Ex-Freunden. Aber wiegt das die Gewalterfahrungen die ich mit ihm machen musste auf? (Nein, es gab keine körperliche Gewalt, aber auch Beschimpfungen sind Gewalt. Und noch heute zeugt eine große Beule in meinem Kühlschrank und ein zerbeulter metallener Aktenschrank von seiner Gewalt. Er hat außerdem meinen Drucker zerschlagen, ein Schränkchen im Bad zertreten und den Tritt des Kleinen Wunders in Stücke gehauen. Alles Dinge, die ich besorgt und bezahlt hatte, die er mir niemals ersetzt hat.) Und auch heute, nach einem Jahr Trockenheit, hat er nach wie vor so seine Ausraster.

Einer Freundin würde ich sagen: „Lass diesen Menschen los. Er hat Dir nicht gut getan und daran wird sich auch in Zukunft nicht allzuviel ändern, auch wenn Du das hoffst und hoffst und hoffst.“

XY ist für mich eigentlich nicht zumutbar. Aber ich weiß, dass ich ihm mich zumuten kann. Und irgendwann im Sommer letzten Jahres als ich ein Date hatte (das sich im Nachhinein als nicht-Date heraus gestellt hat – darauf wurde dann die Freundschaft zu S.) habe ich zum ersten Mal realisiert, für wie wenig zumutbar ich mich halte. Wer will mit so einer Frau zusammen sein? Und bin ich bereit mich nochmal jemandem zu öffnen? All meine Schwächen auszubreiten? Und wie überhaupt? Nach dem 2. Treffen:„Übrigens, ich habe eine unheilbare schwere Nervenerkrankung.“ und beim 3. Treffen: „Ich war zuletzt in einer coabhängigen Beziehung zu einem Alkoholiker und habe es bisher noch nicht geschafft mich daraus wirklich zu lösen.“ und dann beim 4. Treffen: „Übrigens, ich habe eine schwere Angsterkrankung und kann so gut wie nichts alleine bewältgen.“. Beim 5. Treffen kann ich dann noch zugeben, dass ich ein massives Vertrauensproblem habe, weil ich von XY belogen, hintergangen und beschimpft wurde, davor von Mann 4 mehrfach mit verschiedenen Frauen betrogen wurde und Mann 3 mir gegenüber unerwähnt ließ, dass ich eigentlich nur seine Geliebte war und seine Mitbewohnerin nach wie vor seine feste Freundin?

Ich finde T. interessant, schon von Anfang an. Wir kennen uns jetzt seit zwei Jahren. Neuerdings habe ich den Eindruck, er könnte mehr in mir sehen als eine gute Freundin.

Und ich weiß gerade überhaupt nicht damit umzugehen.

Wohin die Reise geht?

Da ist sie wieder, die Angst.

Eine teuflische Unruhe hat sich im letzten Jahr eingeschlichen. Ich fühlte mich immer mehr gehetzt, unter Druck, überfordert. Dann immer mal wieder kurze Phasen der Entspannung und der Gedanke: „Quatsch, schaffst Du schon alles. Schaffen andere ja auch.“. Der Dezember war unglaublich stressig – und ich weiß gar nicht mehr so genau warum. Ich wurde immer fahriger, vergesslicher, hektischer, ungeduldiger, gereizter.

Dann hatte ich drei Wochen frei und es ging mir besser. Schon am 2. Arbeitstag setzte die Unruhe wieder ein. Das Gefühl alles nicht mehr zu schaffen, mit allem überfordert zu sein. Alles zu viel. Von allem. Dann wurde das Kleine Wunder krank und ich fiel aus, dann wurde ich krank. Danach – oder währenddessen – habe ich dann nochmal ein paar Tage gearbeitet. Dann setzte der Schub ein. Irgendwie erwartet. Nun bin ich seit 7 Wochen zu Hause, es ist etwas Ruhe eingekehrt. Nach und nach habe ich wieder angefangen von daheim etwas zu arbeiten und Dinge zu regeln (ALG2 Antrag, Wohngeldantrag, mal wieder zur Therapie fahren, seit 3 Wochen 2x die Woche Physio- und 1x die Woche Yogatherapie, wiede rmehr für das Kleine Wunder da sein, mal wieder richtig aufräumen …) und Zack! die Rastlosigkeit ist wieder da. Überreiztheit.

So langsam stelle ich mir die Frage, ob ich nicht an so etwas wie einem Burn Out leide und der Schub nur eine sichtbare, körperliche Konsequenz davon ist.

Mittwoch auf dem Elternabend Schwindel und Angst, nahe der Panik. Ich fühlte mich seltsam. Anders. Weit weg. Gefährdet. Hoffentlich kann ich bald nach Hause.

Gestern lag ich beim Physiotherapeuten auf der Liege, übernächtigt, weil ich eine unruhige, schlaflose Nacht hinter mir hatte und fühlte mich so außer mir. Ich wartete auf den Therapeuten und war sicher jetzt verrückt zu werden. Wahnvorstellungen zu entwickeln. Ich fühlte mich greifbar bedroht. Die Massage hat mich dann wieder runter gebracht und ich konnte guter Dinge den Tag verbringen.

Heute Morgen packte mich auf dem Radweg mit XY Richtung Neuro-Praxis wieder Angst. Auf dem Rückweg auf der Brücke an der großen Straße mit den Hochhäusern wurde die Angst zur Panik. Atmen. Es geht wieder vorbei. Es geht immer vorbei. Du bist nicht verrückt.

Es steht Kopf. Ich stehe Kopf. Oder liege ich schon am Boden? Ich habe Angst um meinen Körper, um meine Sinne. Ich will nicht, dass mir die Nerven wegbrutzeln. Tun sie aber, die MS ist da.

Es geht nicht so weiter wie bisher. So viel ist klar. Ich kann nicht wieder so einsteigen. Als der Schub los ging, bin ich ausgestiegen. Aus der Nor heraus. Aus Notwendigkeit. Aus Klugheit. Kann ich jetzt so klug sein, nicht wieder einzusteigen? Wie soll das gehen? Das Geld muss verdient werden. Das Kind muss umsorgt werden. Mein Körper muss vielvielviel schlafen –die Tage sind deshalb kurz –, und er braucht Sport und Yoga und Meditation. Ich brauche gutes Essen. Ich vermisse meine Kunst, eine körperlich-schmerzhafte Sehnsucht nach Schaffen. Und Freundschaften, ich brauche Freundschaften und Austausch, viel mehr als das in den letzten Jahren der Fall war.

Wie verdammt nochmal soll das gehen? Es ist zu viel. Und ich sehe keinen Weg der Änderung. Ich sehe ihn einfach nicht, obwohl er vermutlich fett und breit und einladend vor mir liegt. Und ich bleibe seit Jahren an dieser Stelle hier kleben und schlage mich mit XY rum und mit schlechtem Gewissen und Grübeleien, mit Abhängigkeiten und Angst vor Verlust und davor Fehler zu machen und vor Einsamkeit und Vereinsamung.

Ein Kreis schließt sich

Wie ich gestern Nacht schon geschrieben habe, war ich gestern in Bremen auf einem Konzert. Als der Krankheitsschub Anfang Februar losging, zählte tatsächlich „Oh nein, das Konzert!“ zu meinen ersten Gedanken. Die Karten hatte ich schon länger auf dem Schreibtisch liegen und die Vorfreude war groß.

Als ich 2013 zu Depeche Mode wollte, hatte ich einen Magen-Darm-Virus. Bei Musée Mécanique war das Kleine Wunder krank. Die We Are Scientists Karte, die ich XY zum Geburtstag geschenkt hatte, verfiel, weil er er an dem Tag plötzlich krank war und ich sie vor Ort auch nicht mehr losgeworden bin. Meinem Vater hatte ich zu Weihnachten Karten für Shadowland II geschenkt – an dem Termin im Januar hatte er die Grippe (verpasst hat er aber nichts weltbewegendes. Ich fand die Show sehr enttäuschend, vor allem bei den Ticketpreisen!). Ich habe zum Glück viele solcher Dinge schon vergessen. Es gab in den letzten Jahren sehr viele Vorhaben, die ich kurzfristig absagen musste, weil ich krank war.

Nun hab ich mich zum Glück wieder fit genug gefühlt für unser Vorhaben nach Bremen zu fahren. Da XY ein Auto hat, ging das auch sehr komfortabel. Eine Fahrt mit Zug und Straßenbahnen und mehrmaligem umsteigen wäre zu anstrengend für mich gewesen. Und XY ist für mich die Begleitung, die mir das größtmögliche Sicherheitsgefühl gibt.

Erstaulicherweise hatte ich unter diesen Bedingungen keinerlei Angst im Vorfeld. Bremen ist so schnuckelig, Freunde von mir und Verwandtschaft von XY wohnen dort – ich kann mich dort relativ wohl fühlen, obwohl Reisen in fremde Städte für mich oft kleine Höllentrips sind. Ich habe in der Nacht zuvor supergut geschlafen, hab nicht über Waswärewenns gegrübelt und war nur insofern aufgeregt, als das ich Vorfreude verspürte.

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Sogar als wir im Stau standen: Keine Angst. Keine Beklemmungen.

Wir waren mit XYs Verwandte zuvor noch essen – auch eine Situation (mit mir nicht so bekannten Menschen in einem Restaurant sitzen), die mich schon oft in Panik versetzt hat – ebenso wie Wege in fremden Städten zu Fuß bewältigen zu müssen, vor allem bei Dunkelheit.

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Im Yalla Yalla im Steintorviertel

Als wir später mit dem Auto auf dem Weg durch die Nacht ins Tivoli waren kamen Angstgefühe in mir hoch – alles wirkte so fremd und bedrohlich. Einer Eingebung folgend bat ich XY mit mir zusammen ein paar OM SHIVA Mantren zu singen: Das hat sofort geholfen! 🙂

Die Location war dann auch noch ziemlich klein und noch nicht einmal voll besucht. Für die Band natürlich schade, für mich eine Erleichterung.

Vom Band liefen die ganzen alten und mir wohlbekannten Indie-Grufti-Songs … Anne Clark, Philip Boa, Dead Can Dance, Kate Bush … dazu umwaberte mich die altbekannte Mischung aus Patchouli-Duft und Schwefel-Nebel. Das war ein Trip zurück in meine späte Jugend. Ein schöner Trip zurück in eine Zeit, in der bei mir Aufbruchsstimmung und Freundschaft und Musik und Vanilletee und Räucherstäbchen und liebevolle Gefühle und Melancholie und Fremdartigkeit und erste Lieben und tiefer Schmerz und Gemeinschaftlichkeit mein Leben bestimmten.

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Vorband Bayuk

Punk 20.30 Uhr ging’s los (sowas kenne ich aus Hannover gar nicht mehr). Mit Bayuk präsentierte sich uns eine großartige und sehr passende Vorband, wirklich richtig gut!

Und Klez.e … was soll ich sagen. Düster, schmerzvoll, politisch, sehend, berührend und bewegend. Ich musste tanzen und weinen und lachen und da sein. Meine müden Beine sind zum Leben erwacht, die Fatigue hat sich schlafen gelegt und meine Seele zog sehnsuchtsvolle Kreise.

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Klez.e

Als ich den Bandmitgliedern hinterher erzählt habe, wie großartig ich ihre Konzerte fand, hat mir Klez.e Sänger Tobias Siebert auch noch angeboten mir einen Gästelistenplatz zu geben für das morgige Konzert in Celle. Glücksgefühl!

❤ ❤ ❤

Nachtrag: Ich bin so unglaublich dankbar, dass mein Körper sich schon wieder so gut erholt hat. Meine Beine tragen mich noch immer. Das ich tanzen kann! Das mir heute mein volles Teeglas mal so eben aus der Hand glitt, weil meine Nerven wohl manchmal nicht merken, wie fest ich zupacken muss … was soll’s? Ich war müde, hatte zu wenig Schlaf auf der Mütze. Dafür. Kann. Ich. Gehen. Und. tanzen. Und. Hüpfen!

Der schwarze Ring

Wo kommt er her, der dunkle Ring der sich um meine Augen zusammen zieht? Die Nacht war friedlich. Aber an meinem Herzen zieht heut ein schwerer Stein.

Ich weiß nicht, ob es Angst ist? Der bevorstehende Kundentermin, der erste seit Wochen, heut am Nachmittag? Eine sehr nette und freundliche Frau, es gibt nichts zu befürchten. Außer, dass ich versagen könnte.

Das könnte ein Auftrag werden, der Spaß macht, ich glaube, sie und ich, wir passen zusammen. Außer, ich bin so müde, dass ich keinen klaren Gedanken fassen kann. Außer, mein Herz stolpert so stark, dass ich in Atemnot gerate.

Ich werde das Kleine Wunder zu ihrer Nachbarsfreundin bringen und eine halbe Stunde vor dem Termin im Büro sein, um etwas Ordnung zu machen und mich einzustimmen. Außer, ich komme gar nicht dort an, weil mich Panik ergreift, weil ich zusammen breche oder weil ich verloren gehe.

Es wird alles gut laufen und Zeit hat es auch, wie sie sagte. Es wird ein Auftrag ohne Druck. Außer, der Auftrag kommt zustande, und ich schaffe ihn nicht. Da liegen schließlich noch einige Sachen auf dem Tisch, die ich verschieben musste, weil ich krank bin.

Liebes Außer, bitte mach jetzt mal Platz für das Jetzt. Denn jetzt sitze ich am Schreibtisch und es ist ruhig und ich fühle mich ein bisschen gedämpft, ein bisschen angstvoll und ein bisschen traurig und erschöpft. Aber all das ist nur jetzt gerade so. Und es sind nur Gefühle. Und Gefühle sind flüchtig wie Wolken die am Himmel ziehen.

 

3 x dankbar, 06.03.2017

Kostet mich heut Überwindung. Aber sicher finden sich drei. Los geht’s:

  • Eine gute Nacht gehabt, 10 Stunden friedlich geschlafen
  • Nicht beim erzwungenem Schwarzfahren erwischt worden (der Automat nahm heute ausschließlich Münzen, ich hatte aber keine. Und wollte meinen Termin um keinen Preis verpassen, also mussten wir die halbe Stunde schwarz fahren)*
  • Jetzt ins Bett zu können, ich bin hundemüde

 

* stimmt nicht ganz. Ich hätte Kleingeld für zwei Einzeltickets gehabt, aber wir wollten ja noch weitere drei Fahrten an diesem Tag fahren – dann hätte ich die 5 Euro irgendwas noch zusätzlich zahlen müssen. Und das habe ich nicht eingesehen. Nein. So viel Rebellion muss sein.

Zuckerfasten – für mehr Energie und Wohlgefühl

Es ist Fastenzeit und ich mag den Gedanken, eine zeitlang freiwillig auf etwas zu verzichten. Das kann einen im Leben nur weiter  bringen.

Seit einigen Jahren nutze ich die Fastenzeit zum Zuckerfasten. Kein Industriezucker und keine Produkte die Industriezucker beinhalten. Das war anfangs gar nicht so leicht, denn Zucker ist ja fast überall drin!! Zum Beispiel im Fruchtjoghurt mit dem ich Morgens so gern mein Müsli anrühre. Naturjoghurt ist aber auch sehr lecker. 🙂 Da rühre ich manchmal dann noch Sanddornsaft oder Apfelmark unter. Momentan esse ich mein Müsli aber ohnehin lieber mit Pflanzendrinks, da ich im Schub weniger tierische Produkte esse – also eine Tendenz zum veganen Essen habe. Das ist Teil einer entzündungshemmenden Ernährung. Es kollidiert ein bisschen mit meinem Bestreben plastikarm zu leben – die Reis-, Soja-,Mandel- und Hanfdrinks bekomme ich hier leider nur im Tetrapack. In dem Fall geht meine Gesundheit dann aber vor.

Wenn ich doch mal Lust auf Kuchen habe, backe ich mir einen mit Xylit und in Ausnahmefällen verwende ich auch mal Ahornsirup (aber immer seltener).

Im Lauf der Jahre wurde es immer einfacher für mich, weil ich mich durch das jährliche Zuckerfasten ohnehin an weniger Zuckerkonsum gewöhne. Nur in der Weihnachtszeit lasse ich mehr als Fünfe gerade sein und wenn ich im Urlaub an der Nordsee bin gehört eine Ostfriesentee mit Waffel + heißen Kirschen + Eis einfach dazu! 🙂

Anfangs hatte ich bei Müdigkeit auch immer das Bedürfnis etwas zuckerhaltiges zu Essen um wacher zu werden. Doch nach einiger Zeit habe ich deutlich gespürt, dass ich ohne Zucker wesentlich wacher und fitter bin. Da ich phasenweise durch die Multiple Sklerose an starker Fatigue leide empfinde ich das als ungemeine Bereicherung.

Ein sehr schnell sichtbarer Effektist außerdem der auf meine Haut, die Zyklusbedingt zu Unreinheiten neigt. Meine Haut ist ohne Zucker so viel frischer und pickelfreier!

Habt Ihr auch schonmal gefastet?

„Ich bin auch müde.“

So viel Müdigkeit. Das ist sie wieder die dunkle Schwester, die ihren schweren Mantel auf mich legt: Fatigue. Heut ist alles mühsam. Vor allem das Augen offen halten.

Das Kleine Wunder wird groß und ich habe das Gefühl, das gerade zu verpassen. Und so war ich mit XY beim Hort um den Betreuungsvertrag zu unterschreiben. Es war nicht so leicht einen Platz zu ergattern und XY hat sich da irgendwie keinerlei Gedanken drum gemacht. Dabei braucht er ja auch viel Zeit für seine Musik und würde nicht ab 12 das Grundschulkind um sich haben wollen. Und in mir grollt wieder der Ärger. Und XY sagt: „Ich vermisse Dich.“. Und ich denke:„Merk ich gar nicht.“

Vorhin klingelte es und das Kleine Wunder stand nebst bestem Freund vor der Tür um Sandspielsachen zu holen. Sie waren vom Kindergarten alleine zu mir gelaufen und stolz wie ein Bienenstock voll emsiger Bienen. Papa wartete am Kindergarten und sie sind groß und stolz die Straße runter und wieder um die Ecke. Huch!

Kurz im Büro nach Post gucken und der Kollege fragt wie es geht. Ich erkläre ihm wie müde ich bin und er sagt:„Ich bin auch müde. Ich mache gleich Feierabend.“ Ich bin auch müde. Das ist ein Satz, den ich schon oft gehört habe. Eine Freundin Bekannte meinte neulich, als ich ihr von meinem Schub schrieb, auffordernd, dass sie es vor Weihnachten richtig genossen hätte, als sie erkältet zwei Wochen krank geschrieben war. Wie schön für sie. Wahrscheinlich war sie auch müde.