Kontrolle ist gut, Vertrauen ist besser

… und zwar zuallererst in sich selbst. In die eigene Wahrnehmung und in die eigene (Handlungs-)Kompetenz. Zumindest für mich ist das ein großes Thema.

 

Seminarerfahrungen

Am Samstag war ich dann doch im zweiten Teil meines seit Langem gebuchten Achtsamkeit-Seminars. Es war ein Meditationsworkshop und man könnte meinen, das sei entspannend. Ist es auch. Aber gerade auch dadurch, dass ich durch die Erkältung sehr geschwächt war, habe ich gemerkt, dass dies eben doch auch mühevoll ist und mit viel Disziplin verbunden ist. Während der Sitzmeditationen sehnte ich mich danach zu liegen, der theoretische Teil beinhaltete keinen neuen Input für mich und ich war schon kurz davor zu gehen … um dann zu Hause … zu liegen! Aber ich hielt durch.

Die für mich wirklich softe Yoga-Sequenz bot mir eine besondere Herausforderung: Nämlich zu akzeptieren, dass ich Hier und Jetzt selbst das sehr anstrengend finde und meine körperlichen Grenzen so tief lagen, dass ich dem Drang darzustellen, dass ich Yoga „ja schon gut kann“ wiederstehen musste. Und es doch nicht in Gänze tat. Es. War. So. Anstrengend. Dabei waren das Pipifax-Asanas für mich. Bleibt die Frage offen: Warum muss ich eigentlich mein „Können“ zur Schau stellen? Yoga ist nicht Können, Yoga ist tun. Yoga ist Jetzt. Yoga ist: in den eigenen Grenzen zu bleiben und Yoga ist nicht Ehrgeiz und Zielerreichung.

Und dann gab es noch die Imaginatonsreise zum Thema Vertrauen. In der Nachbesprechung fiel mir dann auch wieder ein, dass das auch schon im Titel des Kurses eingefügt war. Irgendwas mit Achtsamkeit und Vertrauen. Hatte ich (un)bewusst aus einer Vielzahl von angebotenen Achtsamkeits-Seminaren ausgewählt. Und dann wieder vergessen. Na sowas! Und in der Übung und Nachbesprechung wurde mir einiges klar. Nämlcih, dass ich ein riesengroßes Vertrauensproblem habe. Und das nicht erst seit gestern. Wem vertraue ich in meinem momentanem Leben? Die ernüchternde Antwort: Niemandem zu 100%. Es gibt ein paar 60, 70 oder vielleicht auch 80% Kandiat*innen. Am allermeisten vertraue ich meinem Kind.

 

Als-ob-Mädchen

Ich habe in den letzten 10, 15 Jahren viele Erfahrungen machen müssen, die mich als die Betrogene, Belogene zurück ließen. Aber das fußte vor allem darauf, dass ich mir selbst nicht vertraut habe. Denn die vermeintlichen Geheimnisse meiner Gegenüber, denen ich so naiv deren Worte glaubte, entblößten sich doch eigentlich in ihren Handlungen, die ich wahrnahm, deren Schrägheit ich erspürte  – um dann das Gefühl dazu weg zu sperren.

Und weiter zurück? Wem habe ich in meiner Kindheit vertraut? Meinen Eltern nicht. Zumindest nicht so, dass ich mich zeigen konnte. Ich habe immer so getan als ob. Als ob ich fröhlich wäre. Als ob ich mich über ein Geschenk freuen würde. Als ob ich keine Angst hätte. Als ob ich mich wohl fühlen würde. Als ob ich gern zur Schule gehen würde. als ob alles in Ordnung wäre. Ich habe nicht erzählt, dass mich ein Mann im Auto mitnehmen wollte.

Nachdem mein Vater ausgezogen ist, habe ich so getan als ob auch ich – wie meine Mutter – keinen Appetit hätte und im Essen gestochtert. Weil das doch ein deprimierendes Ereignis war und man nicht mehr genießen und lachen durfte. Und dann, als etwas Zeit vergangen war und ich wirklich deprimiert war, dannhabe ich wieder so getan, als wäre alles gut. Meine Noten waren gut. Ich habe alles „richtig“ gemacht. Als ob ich das einfach so wegstecke. Das meine Mutter  mit Selbstmord droht. Das ich keinen Kontakt zu meinem Vater habe. Das mein großer Bruder dicht macht und kein großer Bruder sein kann. Ich habe nicht erzählt, dass der Sportlehrer in die Mädchenduschen kam, dann und wann.

Ich habe ein Vertrauensproblem. Ein sehr großes. Und das macht mich traurig.

 

Geburt

Aber es gab da was … das Gebären. Das war eine erleuchtende Erfahrung der Hingabe für mich. Ich hatte keine Angst. Ich! Ich, die doch immer und vor allem Angst hat! Ich habe immer gesagt: Ach, zur Not würde ich das Kind auch allein zu Hause auf die Welt bringen. Haben schon Millionen Frauen vor mir geschafft. Ich habe mich eingebettet gefühlt in die Menschheitsgeschichte. In eine Geschichte voller gebärender Frauen. In einem immer wiederkehrenden Kreislauf von Geburt und Tod. Ich habe, ja tatsächlich, ich habe vertraut! Die Geburt im Geburtshaus, ich habe Glück gehabt, es hat nur ein paar Stunden gedauert und alles lief so glatt wie es nur laufen kann. Nicht einmal verletzt war ich. Ich war ein Tier, ein Werkzeug des Universums, es ist mir mir geschehen. Ich konnte es geschehen lassen.

Der gleiche Prozess passiert in klein manchmal, wenn ich schreibe. All mein guten Texte sind so entstanden. Sie sind nur durch mich hindurch geflossen, durch mich als Kanal und dann auf das Papier.

 

Immer der Anfang

Und das ist eine Ressource.  Dort finde ich mein Vertrauen, in diesem Erlebnis. Und ganz passend spürte ich in der geführten Meditation zum Thema Vertrauen das Gefühl dazu in meinem Unterleib.

Und das ist das wertvollste, was ich aus diesem Seminar mit nach Hause genommen habe: Die Neugier auf diese Ressource die da in mir schlummert. Die Neugier darauf, was passieren wird, wenn ich lerne zu vertrauen. Denn Neugierde ist immer der Anfang vom Tun.

Ich sehne mich nach Leichtigkeit, – zurück ins Licht

Heute Abend übe ich mich in achtsamer Akzeptanz. Vor vier! Monaten habe ich einen Wochenend-Kurs gebucht, Thema: Achtsamkeit. Heute Abend sollte es losgehen. Und nun? Ich kann da unmöglich hingehen. Ich huste und huste, ich würde stören. Außerdem habe ich eine üble Bindehautentzündung, die ja bekanntlich sehr ansteckend ist. Und ganz ehrlich: ich fühle mich auch so elend, dass ich mich gar nicht mehr vom Sofa weg bewegen mag. Das Kleine Wunder freut sich, bei ihrer Lieblingsfreundin schlafen zu können. Ich habe alles super organisiert: wie und vom wem sie vom Hort abgeholt wird, wo sie sich dann aufhalten kann, bis sie um 19 Uhr zur Freundin kann, wo sie dann bis Morgen Abend bleibt, bis der Kurs zu Ende ist. Das war mit Hindernissen verbunden. Die erste Verabredung wurde nämlich spontan heute krank und so mussten mehrere Leute verschiedene Etappen übernehmen. Aber ich habe es dank sehr hilfsbereiter, liebevoller Familien geschafft. Dafür bin ich dankbar. Das ist so toll!

Und nun übe ich mich darin: Kein schlechtes Gewissen zu haben, so viele Leute eingespannt zu haben und dann zu schwächeln. Denn die Realität ist: Ich bin froh, dass das Wunder nicht hier ist und ich mich ausruhen kann. Froh, dass ich sie auf diese Weise weniger wahrscheinlich mit der Bindehautentzündung anstecke. Sie selbst freut sich wie das erste Schneeglöckchen und wird ein wundervolles Wochenende haben.

Es ist schade ums Geld, aber meine Entscheidung ist vernünftig und gut und schützt zudem einige andere Leute davor sich von mir anzustecken. Warum zur Hölle hadere ich dann trotzdem? Es ist mir in den letzten Jahren so verdammt oft passiert, dass ich Karten für eine Veranstaltung hatte, mich zu einem Kurs angemeldet hatte, langwierig verabredet war … und dann krank geworden bin. Das ärgert mich. das schöne Geld! Und dieses Gefühl, nun verschiedenste Leute eingespannt zu haben, nur damit ich den Kurs machen kann, den ich dann gar nicht mache … plejade! Es darf Dir gut gehen. Du darfst für dich sorgen. Du darfst tun was du möchtest und für dich richtig ist. Wann wirst du das verstehen? Und wo verflixt nochmal, ist denn nun diese Leichtigkeit und dieses Licht, nach denen du dich so sehnst???

Das Kleine Wunder wundert sich

vermutlich sehr darüber, was mit Papa los ist. Sie war von Sonntag Abend bis einschließlich Mittwoch früh bei ihm und hatte jeden Tag Bauchweh. Heute Morgen wollte sie nicht in die Schule, weil sie „zu müde“ war. Aber sie wollte so ganz und gar nicht. So wenig, dass ich mich an Kindergartenzeiten erinnert habe. Mit Schreien und Hauen und auf den Boden werfen. Auch draußen auf dem Bürgersteig.

Ihren Freund, der an der Ecke auf sie wartete, schickte ich dann alleine los. Irgendwann war ich selbst sehr wütend (Hilflosigkeit äußert sich dann oft so bei mir). Ich hatte weder gefrühstückt, noch geduscht, ich war auch nicht passend für die Witterung gekleidet, denn, dass ich mich so lange oder überhaupt draußen aufhalten würde, war nicht geplant. Und zog sie ärgerlich mit mir um die nächste Straßenecke Richtung Schule. Aber dann machte es auch schon „Plopp“ in mir, ich hielt an und nahm sie erstmal ganz fest in den Arm.

Sie weinte bitterlich. Nein, ich will nicht. Zu müde. Und die anderen Gründe erzähle ich Dir nicht. Wir schafften es dann aber bis zur Schule, bis vor das Klassenzimmer. Wo ich klopfte und die Lehrerin bat kurz raus zu kommen. Die reagierte – verständlicherweise – unwirsch. Es ist nicht erwünscht, dass Eltern mit in die Schule kommen und schon gar nicht ins Klassenzimmer. Es gibt einige Kinder, die häufig zu spät kommen und das stört natürlich sehr. Aber als die Lehrerin so unfreundlich reagierte, kamen auch mir die Tränen. Zu viel.

In der Nacht bin ich von einer scheußlichen Panikattacke aufgeschreckt, mit schlimmer Luftnot und dem Gefühl gar keinen Sauerstoff mehr einzuatmen, extremes Herzrasen – das hing mir noch nach.

Die Lehrerin kam dann aber doch vor die Tür und sprach mit uns und Das Kleine Wunder ging dann ins Klassenzimmer. Und die Lehrerin nahm mich in den Arm. Wir redeten noch kurz und nach der Schule hab ich Das Wunder direkt abgeholt und die ausnahmsweise nicht zum Hort gebracht.

Sie ist durcheinander, reagiert schnell ungehalten, schreit mich an. Jetzt ist eine Freundin hier, das tut ihr sichtlich gut.

Und ich? Habe jetzt festgelegt, dass der Papa sich um sich zu kümmern hat und Das Wunder erst wieder zu sich nehmen kann, wenn er sich besser fühlt. Sie wird ihn vermissen, aber sie braucht ein stabiles Zuhause. Papa ist krank und kann sich gerade nicht richtig um sie kümmern.

Die Lehrerin weiß Bescheid, die Leute im Hort wissen Bescheid.

Ich habe Rückenschmerzen, bin müde, sehr müde und aufgewühlt. Wie die nächsten Wochen aussehen werden, weiß ich nicht. Aber ich werde die Seele meines Wunders schützen und ich werde meine Seele schützen so gut ich nur kann. Morgen vereinbare ich einen Termin mit der Schulsozialarbeiterin. Ich hole mir so viel Unterstützung wie ich kann.

DIE MAGIE EINER AUFSTELLUNG. Oder wie ich erst nichts verleihen wollte, dann gerne geben mochte und zu guter Letzt gar keine Notwendigkeit bestand

Heute wollte XY sich Geld von mir leihen. Eigentlich hatte ich beschlossen, ihm nie wieder etwas zu leihen. Also weder Geld noch sonst irgendwas. Denn allzuoft musste ich den Dingen dann hinterrennen und galt dabei noch als „spießig“ oder „Krämerseele“. Ich beginne gerade erst zu begreifen, dass auch dieser Teil der Geschichte ein Puzzlestück im Leben eines Menschen mit Suchtproblematik ist.

Da das Thema gerade akut war, hab ich es in der Ergotherapie bearbeitet. Wir haben Aufstellungsarbeit gemacht und das war sehr hilfreich. Eine Stunde Ergotherapie und so viele Einblicke. In mir ist ein Gefühl von Zufriedenheit und Stolz.

Die erste Überraschung war für mich, welchen Gegenstand ich mir als Symbol für mich ausgesucht habe: eine brennende Kerze in einem Papierstern. So schön. So eine schöne Vorstellung von mir. Voller Licht und Wärme, in sich ruhend, bewegt und strahlend schön.

Die Fragestellung ob ich ihm das Geld leihen sollte: ja oder nein. Im Grunde erwartete ich eine Bestärkung im Nein-sagen.

Was aber für mich dabei rauskam, war: Ich möchte das Geld gerne leihen, aber nicht als große Gönnerin, die sich dann toll fühlen kann und die diese Entscheidung alleine trifft und die Verantwortung dafür übernimmt. Sondern als Freundin auf Augenhöhe. Zuerst standen dort zwei Symbole auf dem Tisch: ich und das Geld (was dann aber auch gleich zur Symbolfigur von XY wurde – ein kleine Piratenfigur, die mit einem Fuß auf einer Schatzkiste stand), dann gab es Barrieren und es gesellten sich Berater dazu. Außerdem ein Löwe, der als heimlicher Gewinn dieser Situation inter mir stand. Das sah zwischendurch ziemlich unausgewogen aus. Ich riesengroß und hell mit einer Schar Berater (die Barrieren und auch der heimliche Gewinn hatten sich in Berater verwandelt und einen konsprativen Kreis gebildet) um mich. Dem gegenüber XY allein und klein. Da wurde mir klar, was für ein grausames Bild das ist, das ich da mit mir heraum trage.

So bekam XY ein Pferd und wuchs damit, die Figur stand ziemlich wackelig, aber mit viel Geduld stand sie dort auf dem Pferd – wie passend. Er bekam eine Schar Berater an die Seite gestellt und zu guter Letzt noch ein großes strahlendes Glas-Kristall als Ressource.

Meine Lösung: Ja, ich leihe ihm das Geld, möchte aber meinen Monitor und meinen Notenständer zurück haben, die schon ewig bei ihm sind. Und ich möchte mit ihm gemeinsam überlegen, was er mir als Pfand überlassen kann, bis ich das Geld zurück habe.

Der Clou: Er hatte in der Zwischenzeit eine andere, sehr einfache Lösung für das Problem gefunden. Nämlich Ratenzahlung.

Wow!

 

Leuchtfeuer – Jahresrückblick

Für meinen, mittlerweile ganz schön späten, Jahresrückblick 2017 fand ich hier die passenden Fragen: https://www.zeitblueten.com/

Welche Ereignisse/Erlebnisse haben das vergangene Jahr besonders bereichert?

  • Die Vertiefung einiger Freundschaften, im Grunde ausgelöst durch den Krankheitsschub im Februar
  • Das Bloggen!
  • Die intensivere Beschäftigung mit dem Achtsamkeits-Gedanken. Das Lesen vieler Bücher dazu und auch die praktische Umsetzung von ein paar neuen Gewohnheiten. Kleine Schritte, aber Schritte.
  • Die Einschulung vom Kleinen Wunder, bzw. ihre parallel dazu gemachten Entwicklungsschritte. Wir sind uns so nah wie nie zuvor, – so fühlt es sich zumindest an. Zu sehen, wie gut sie alles meistert, lässt mein Herz leichter schlagen und gibt mir die Gewissheit ein paar grundlegende Sachen im Umgang richtig gemacht zu haben, so viele Zweifel hatte ich.

 

Welches war Ihr schönstes Erlebnis?

  • Spontan und als erstes fällt mir der Ausflug zum Hochseilgarten ein. Das war ein so schöner Tag, an dessen Abend ich mich inmitten einer Phase der Depression tatsächlich glücklich und zufrieden gefühlt habe.

 

Wer hat dazu beigetragen, dass es zum schönsten Erlebnis wurde?

  • Das gute Wetter, meine Freundschaft zu T und vor allem aber auch mein Mut es überhaupt zu tun. Und, dass wir die ganze lange Strecke mit dem Rad gefahren sind.

 

Was erfüllt Sie mit Stolz und Freude?

  • Das Kleine Wunder!
  • Meine gemütliche Wohnung
  • Das ich Joggen kann
  • Meine Arbeit
  • Freundschaften und das ich offensichtlich gemocht und geliebt werde, so wie ich bin. Mit allen Macken, Neurosen und Gebrechen.

 

Was hat Sie besonders berührt (in welcher Form auch immer)?

  • Die Einschulung des Kleinen Wunders und der damit einhergehende (innere) Wachstumsschub.
  • Die Trennung von XY
  • Meine Gefühle für T
  • Viele, viele Blogeinträge von Euch, viele Kommentare zu meinen Einträgen und ganz speziell die Einblicke in das Leben vom rummelschubser und dem monsterherz. Sie waren sehr hilfreich, aufbauend und ein Leuchtfeuer in für mich in diesem Jahr.

 

Was ist Ihnen im Leben wertvoll, was wichtig?

  • Mein liebstes Kleines Wunder
  • Freundschaft und liebevolles Miteinander
  • Meine Gesundheit und mein Wohlbefinden

 

Haben Sie im vergangenen Jahr dem, was Ihnen wertvoll ist, die entsprechende Aufmerksamkeit/Zeit/Priorität gewidmet?

  • Ich habe es tatsächlich geschafft, meine Prioritäten neu zu hinterfragen und anders zu gewichten. Aber ich stehe da noch ziemlich am Anfang. Ich habe mir mehr Regenerationszeit gegeben und auch dem Kleinen Wunder mehr gute Aufmerksamkeit gegeben. Aber mir ist am Ende des Jahres, durch die Hilfe meiner Ergotherapeutin aufgefallen, dass ein wichtiger Punkt oft untergeht: Freizeit. Denn was ich für Freizeit hielt, war oft Regenerationszeit. Vielleicht müsste ich meinen Stundenlohn mal erhöhen …

 

Wenn nein, warum nicht?

  • Ich könnte jetzt schreiben: Weil ich es einfach nicht hinbekommen habe, weil ich zu faul, zu doof, zu dumm, zu eitel, zu … war. aber das ist doch eigentlich nicht wahr. Denn ich habe mein Bestes gegeben. Das was ich konnte: Deshalb lautet die Antwort auf diese Frage:
  • Gut Ding will Weile haben.

 

Was lief nicht so, wie Sie es sich vorgestellt/gewünscht/erwartet haben?

  • Ich hatte mir eine bessere Gesundheit erhofft, die neue Sehnerventzündung hat mich ziemlich kalt erwischt und mir Angst gemacht, vor allem auch, dass sich die Schäden dieses Mal nicht so gut zurück gebildet haben.
  • Ich hatte gehofft, dass es mir viel besser gehen würde 2017, auch seelisch. Selbst die MutterKindKur hat mir nicht so gut getan wie erhofft, weil ich massiv unter Ängsten und Depression gelitten habe.
  • Mit Ende des Sommers bin ich dann endgültig in einer Depression gelandet

 

Und vor allem: Warum lief es nicht so? (Die Beantwortung dieser Frage führt oft zu lehrreichen Erkenntnissen/Einsichten.)

Auf den MS-Schub hatte ich wohl relativ wenig Einfluss. Ja, ich hatte Ende 2016 wirklich sehr viel Stress (vor allem wegen der Arbeit), aber ob das nun den neuerlichen Schub ausgelöst hat, steht in den Sternen. Denn in den Jahren zuvor hatte ich auch oft schlimmen seelischen Stress.

Was die Psyche betrifft, so habe ich vor allem zu lange in ungesunden Mustern und einer ungesunden Beziehung verharrt. Es nützt nichts, mich deswegen nun zu martern, denn auch hier habe ich wirklich das Beste versucht. Meine Absichten waren jedenfalls immer gut, meine Lösungsstrategien aber leider zu konfliktvermeidend

 

Welche Begegnung oder welche Person, die Sie kennengelernt haben, stellt eine große Bereicherung dar?

M scheint eine Bereicherung zu sein. Auch, dass ich J. wieder getroffen habe ist eine Bereicherung, wenn auch nur eine kleine ;o)

Meine Nachbarin J – es ist so schön sich gegenseitig immer mal wieder kleine Freuden zu machen und Präsente vor der Tür zu finden.

 

Welcher Mensch hat Ihnen am meisten geholfen, Sie am meisten unterstützt?

  • Auf einer Ebene sicherlich meine Mutter, denn sie entlastet mich klaglos immer wieder, wenn ich es nicht allein schaffe mit dem Kleinen Wunder. Speziell auch in der Zeit, als ich den Schub hatte.
  • T hat mich psychisch sehr unterstützt, durch sein da-sein und zuhören.
  • Ebenso meine Freundinnen A und N und auch K
  • Auch XY hat mir sehr geholfen, in dem er mich Therapien, Ärzten und zu Kur begleitet hat

 

 

Welcher Abschied ist Ihnen schwergefallen?

  • Der Abschied vom Kindergartenkind hin zum Schulkind
  • Der Abschied von meinem gesunden Sehvermögen in Folge der Sehnerventzündung
  • Die Paar-Beziehung zu XY zu beenden
  • Das N und L aufs Land gezogen sind (für mich nun leider nicht mehr erreichbar)
  • Als A zurück nach Portugal geflogen ist

 

Was haben Sie dazugelernt, welche Fähigkeiten und welches Wissen erworben, das Sie vor einem Jahr noch nicht hatten?

Das kann ich gerade noch schlecht in Worte fassen, aber ich spüre, dass ich gerade in diesem Jahr wahnsinng viel gelernt habe.

 

Was werden Sie, wenn sich die Gelegenheit ergibt, das nächste Mal anders machen?

Ich gehe jetzt viel offener mit meinen Erkrankungen um, das behalte ich auf jeden Fall bei. Ich vertraue dem Kleinen Wunder und seinen Fähigkeiten stärker. Ich gebe jemandem wie XY weniger gut gemeinte Hilfestellung – die aber doch nur dazu führt, dass das Leid länger währt.

Endlich Licht

Seit Wochen sitze ich immer wieder vor dem leeren WordPress-Fenster, schreibe ein paar Worte und klappe dann den Monitor wieder zu. Es ist zu viel gewesen.

Seit der Beratung ist XY ziemlich durchgedreht und ich hab mich mit wirbeln lassen. Es gab die ganze Palette. Betteln, beschimpfen, unbegründete Eifersucht, jammern, Mitleid erregen, das Äußern von Suizid-Gedanken, Drohung des Rückfalls in die Alkoholabhängigkeit, Unzuverlässigkeit bzgl. der Termine mit dem Kleinen Wunder und zuletzt auch noch nicht kindgerechte Erklärungen ihr gegenüber.

Ich bin bedient. Mitgefühl bis Mitleid, Sorge, Angst, Hilflosigkeit, Schuldgefühle, Zweifel (ja, auch die haben sich leider wieder mal gemeldet), Zorn, Traurigkeit – all das hat mich bewegt.

Mehrfach musste das Kleine Wunder spontan dann zu mir, an anderen Tagen rief er an, ich solle sie holen, dann doch nicht, dann doch, dann doch wieder nicht.

XY war verzweifelt. Äußerte Suzid-Gedanken. Er tat mir leid. Ich habe viel Energie aufgewendet, um ihm zu helfen. Telefonnummern für Hilfe recherchiert, mit ihm geredet, mich immer wieder auf Gespräche eingelassen. Letzte Woche wollte er sich einweisen lassen. Ich habe alles umorganisiert, weil er Das Kleine Wunder eigentlich hätte nehmen müssen an dem Tag. Hab sogar einen (Neu-)Kunden sitzen lassen, von dem ich in dem ganzen Chaos vergessen hatte mir die Kontaktdaten zu notieren.

Dann hat er sich umentschieden und zudem auch noch entschieden, dass Das Wunder doch zu ihm kann. Während meine Mutter schon mit ihr auf dem Weg war um sie vom Hort zu mir zu bringen. Vor dem Kleinen Wunder dann mit meiner Mutter gestritten, weil er nun doch …

An dem Abend war mir klar: Das war das letzte Mal, dass ich drauf eingestiegen bin. Ab jetzt muss er sich selbst helfen. Oder jedenfalls: Ich stehe dafür nicht mehr zur Verfügung.

In der Woche drauf folgte dann noch ein Drama, an dem aber das Wunder im Mittelpunkt stand.
„Papa soll bei uns übernachten! Papa hat nichts dagegen. Und Du, Mama?“
Mama hatte was dagegen …
da fing das Kleine Wunder an zu weinen: „Ich möchte, dass wir alle wieder zusammen ziehen. Papa möchte das auch. Nur Du willst das nicht. Weil Du Papa nicht mehr traust. Obwohl er doch gar nicht mehr so ist wie er war und sich verändert hat. Du traust ihm nicht mehr.“
Sie war sehr zornig. Verständlich.

Ratet, wer noch zornig war. Ich. XY stritt ab, dass er ihr das gesagt hat. Doch so etwas überlegt sich eine 6jährige nicht selbst. Zumal es genau sein Wortlaut war.

Das Kleine Wunder war so wütend auf mich, so traurig, dass es die Hosen runterzog und in mein Wohnzimmer pinkelte.

Wir leben seit 3 Jahren getrennt. Aber erst jetzt wird mir wirklich klar, was ich die ganze Zeit mit mir habe veranstalten lassen, wie wenig ich mir selbst wert war. Nicht der Alkohol war das Problem. XYs Sucht war nur ein Symptom. Ich öffne die Augen.

Ich habe Angst vor der Zukunft und was da noch kommen mag. Ich habe Angst, wie XY reagiert, wenn er mich mal mit einem anderen Mann sehen wird. Ich habe Angst davor, was er dem Kleinen Wunder zukünftig erzählen wird und vor weiteren schlimmen Konflikten rund um Das Kleine Wunder und was das mit ihr machen wird.

Aber doch ist da zum ersten Mal seit Jahren das Gefühl, das ab jetzt alles besser werden kann. Für mich. Und auch für Das Kleine Wunder.

 

Brief, überfällig

Lieber T,

was jetzt kommt, ist eventuell so eine Art Belastungserprobung. Für mich auf jeden Fall. Und anstatt lang rumzuschwafeln, falle ich gleich mit der Tür ins Haus. Ich habe Dich einfach in mein Herz geschlossen, und das zu verleugnen wäre eine ziemliche Dummheit. Gefühle die unerwünscht oder unangebracht erscheinen zu verleugnen, wegzudrücken, zu überspielen – mein ganzes Leben lang schon eine meiner leichtesten Übungen. Aber auch eine meiner ungesündesten Angewohnheiten.
„Ich darf es mir erlauben, neue Wege zu gehen.“ – das ist meine aktuelle Affirmation mit der ich arbeite. Vielleicht ist dieser Brief Teil dieser neuen Wege. Ich war schon oft irritiert über Dein Verhalten. Verbindlich – unverbindlich. Distanziert – nah. Das macht es mir noch schwerer, diesen Brief zu schreiben. Aber eigentlich egal, ich kann sowas sowieso nicht gut. Du wünschst Dir einen entspannten Umgang miteinander. Den wünsche ich mir auch. Und zu einer Freundschaft gehört Ehrlichkeit. Und die Wahrheit ist, dass ich Gefühle für Dich habe, die über eine Freundschaft hinaus gehen. Ich wünsche mir mehr Nähe zu Dir.
Und vielleicht ist das ja auch hilfreich für Dich, das zu wissen. Das da ein Mensch ist, der Dich so mag, wie Du bist und der findet, dass all die Gedanken über Unzulänglichkeit unangebracht sind, – weil Du einfach ein toller Mensch bist.
Ich weiß, das dieses Geständnis etwas zwischen uns verändern wird, aber ich hoffe trotzdem Deine Freundin bleiben zu können. Diesen Brief durfte meine Seele schreiben und mein Kopf durfte gerade mal eine Pause machen.
Das ist einfach die Wahrheit und das bin ich. Und bevor mich der Mut verlässt, lasse ich das so stehen und tue es einfach.

In Verbundenheit, plejade

Ich darf es mir erlauben neue Wege zu gehen

– das ist meine Affirmation für die nächsten Wochen. Das flüstere ich mir ein. Klingt so einfach. Ist doch klar, dass das erlaubt ist! Tja, für mich scheinbar nicht. Und das in vielen Aspekten.

Seit heute ist T in der Klinik um seine Depression behandeln zu lassen. Ich war traurig darüber, dass er nun mindestens sechs Wochen weg sein wird. Seine Anwesenheit war in den letzten Wochen auch ein bisschen Halt für mich. Ein Freund, der gleich nebenan in der Straße wohnt. Jemand der irgendwie da ist.
Aber jetzt glaube ich, dass es gut ist. Abstand. Mal mit Abstand auf diese Geschichte blicken. Und momentan hab ich auch eine Wut auf ihn, die ist vielleicht irrational, aber es gibt Gründe dafür. Sich immer rauswinden, auf nichts festlegen, den Weg bestimmen.
Ich achte ein bisschen auf seine Wohnung, gieße Blumen, gucke nach der Post. Und eben war ich zum ersten Mal allein in seiner Wohnung und habe gemerkt, dass das vielleicht auch eine Art Therapie für mich ist. Ich hatte im Geist schon geplant, dass ich zu seiner Rückkehr den Balkon mit schönen Herbstastern bepflanzen will und ungefragt ein paar Sachen einkaufen. Solche Dinge habe ich mir eigentlich schon immer gewünscht für mich. Das jemand auf diese Art für mich da ist. Und dann habe ich eben beschlossen, dass ich lieber meinen eigenen Balkon verschönere. Für mich.

Gestern habe ich ein Päckchen los geschickt, das ihn in den nächsten Tagen in der Klinik erreichen wird. Ein kleines Survivalpaket für die ersten schweren Tage. Schokolade, Tee, ein Notizbuch, eine lustige Karte, ein Foto von unseren Kindern. Auch sowas, was ich für mich schön gefunden hätte bei meinen Klinikaufenthalten, dass jemand auf diese Art an mich denkt. Ich habe das Paket gestern schon mit einem Grummeln im Bauch aufgegeben, aber die Sachen hatte ich ja schon gekauft und ich packe gerne Päckchen, das hat Spaß gemacht. Und ich dachte mir, dass die Welt eher besser davon wird, es trotz meiner wütenden Gefühle abzuschicken. Trotzdem eine Freude machen. Gestern Abend hab ich ihm noch einen Satz geschrieben: „Wünsche Dir eine gute Nacht.“ Die letzte Nacht zu Hause, ich kenne die Aufregeung und Angst vor dem, was da auf einen zukommt. Ich habe noch nicht einmal eine klitzekleine Antwort bekommen.

Mein Zögern / Mut sammeln

Ok. Ich habe verstanden.
Menschen bereuen auf dem Sterbebett selten Dinge, die sie getan haben. Vielmehr bereuen sie Dinge die sie nicht getan haben.

T und ich und die Kinder, wir haben in den letzten Wochen so viel Zeit miteinander verbracht. Entspannte Zeit. Gute Zeit. Irgendwie scheint das Aussprechen dessen, das wir nur Freundschaft voneinander wollen etwas (aus-)gelöst zu haben. Ihn scheint das entspannt zu haben. Bei mir hat es eine Welle von Emotionen ausgelöst, die ich aber bisher dennoch ganz gut in Schach halten kann. Wohlwissend, dass dies ein sehr ungesundes Verhalten für mich ist. Ich möchte noch mehr Zeit mit ihm verbringen und ich möchte mehr und andere Nähe. Es wäre gesünder für mich, dies zu fühlen und ihm zu zeigen.

Noch steht mir die Angst im Weg.

Ich habe Angst ihn durch ein Aussprechen davon zu verlieren, weil er dann vielleicht auf Distanz geht.

Ich habe Angst vor einer Absage und was das mit mir machen würde. Wieder: Angst vor Gefühlen.

In etwas mehr als drei Wochen geht er für mindestens sechs Wochen in eine Klinik. Lasse ich ihn bis dahin besser mit meinem Anliegen in Ruhe? Oder ist das Gegenteil der Fall und ich sollte nun schnell handeln? Was ist das für eine blöde Timeline die ich mir selbst damit setze?

Ich denke und denke und denke und vergesse dabei zu leben.

 

Ich habs verstanden. Der für mich richtige Weg ist Ehrlichkeit und Offenheit. Doch ich muss noch Mut sammeln. Noch reicht er nicht.

Und während ich dies schrieb, spülte das Universum diesen Song, den ich komischerweise bisher gar nicht kannte, aus dem www zu mir – kurios!:

(Früher habe ich gerne Mixtapes aufgenommen die durch die Songauswahl geheime Botschaften enthielten. Aber die Jungs haben das nie verstanden. Ich hatte schon in meiner Jugend schlechte Strategien in Liebesdingen 😂)

 

Have you got color in your cheeks‘
Do you ever get the feeling that you can’t shift the tide
That sticks around like something’s in your teeth
And some aces up your sleeve
I had no idea that you’re in deep
I dreamt about you near me every night this week
How many secrets can you keep‘
‚Cause there’s this tune I found that makes me think of you somehow
When I play it on repeat
Until I fall asleep
Spilling drinks on my settee

(Do I wanna know?)
If this feeling flows both ways
(Sad to see you go)
Was sorta hoping that you’d stay
(Baby we both know)
That the nights were mainly made for saying
things that you can’t say tomorrow day

Crawlin‘ back to you.

Ever thought of calling when you’ve had a few?
‚Cause I always do
Maybe I’m too busy being yours to fall for somebody new
Now I’ve thought it through

Crawling back to you

So have you got the guts?
Been wondering if your heart’s still open and
if so I wanna know what time it shuts
Simmer down and pucker up
I’m sorry to interrupt it’s just I’m constantly
on the cusp of trying to kiss you
I don’t know if you feel the same as I do
But we could be together, if you wanted to

(Do I wanna know?)
If this feeling flows both ways
(Sad to see you go)
Was sorta hoping that you’d stay
(Baby we both know)
That the nights were mainly made for saying
things that you can’t say tomorrow day

Crawling back to you

Ever thought of calling when you’ve had a few? (calling when you’ve had a few)
‚Cause I always do (‚cause I always do)
Maybe I’m too busy being yours to fall for somebody new
Now I’ve thought it through

Crawling back to you, (do I wanna know?)
If this feeling flows both ways
(Sad to see you go)
Was sorta hoping that you’d stay
(Baby we both know)
That the nights were mainly made for saying
things that you can’t say tomorrow day

(Do I wanna know?)
Too busy being yours to fall
(Sad to see you go)
Ever thought of calling darling?
(Do I wanna know)
Do you want me crawling back to you?