Kontrolle ist gut, Vertrauen ist besser

… und zwar zuallererst in sich selbst. In die eigene Wahrnehmung und in die eigene (Handlungs-)Kompetenz. Zumindest für mich ist das ein großes Thema.

 

Seminarerfahrungen

Am Samstag war ich dann doch im zweiten Teil meines seit Langem gebuchten Achtsamkeit-Seminars. Es war ein Meditationsworkshop und man könnte meinen, das sei entspannend. Ist es auch. Aber gerade auch dadurch, dass ich durch die Erkältung sehr geschwächt war, habe ich gemerkt, dass dies eben doch auch mühevoll ist und mit viel Disziplin verbunden ist. Während der Sitzmeditationen sehnte ich mich danach zu liegen, der theoretische Teil beinhaltete keinen neuen Input für mich und ich war schon kurz davor zu gehen … um dann zu Hause … zu liegen! Aber ich hielt durch.

Die für mich wirklich softe Yoga-Sequenz bot mir eine besondere Herausforderung: Nämlich zu akzeptieren, dass ich Hier und Jetzt selbst das sehr anstrengend finde und meine körperlichen Grenzen so tief lagen, dass ich dem Drang darzustellen, dass ich Yoga „ja schon gut kann“ wiederstehen musste. Und es doch nicht in Gänze tat. Es. War. So. Anstrengend. Dabei waren das Pipifax-Asanas für mich. Bleibt die Frage offen: Warum muss ich eigentlich mein „Können“ zur Schau stellen? Yoga ist nicht Können, Yoga ist tun. Yoga ist Jetzt. Yoga ist: in den eigenen Grenzen zu bleiben und Yoga ist nicht Ehrgeiz und Zielerreichung.

Und dann gab es noch die Imaginatonsreise zum Thema Vertrauen. In der Nachbesprechung fiel mir dann auch wieder ein, dass das auch schon im Titel des Kurses eingefügt war. Irgendwas mit Achtsamkeit und Vertrauen. Hatte ich (un)bewusst aus einer Vielzahl von angebotenen Achtsamkeits-Seminaren ausgewählt. Und dann wieder vergessen. Na sowas! Und in der Übung und Nachbesprechung wurde mir einiges klar. Nämlcih, dass ich ein riesengroßes Vertrauensproblem habe. Und das nicht erst seit gestern. Wem vertraue ich in meinem momentanem Leben? Die ernüchternde Antwort: Niemandem zu 100%. Es gibt ein paar 60, 70 oder vielleicht auch 80% Kandiat*innen. Am allermeisten vertraue ich meinem Kind.

 

Als-ob-Mädchen

Ich habe in den letzten 10, 15 Jahren viele Erfahrungen machen müssen, die mich als die Betrogene, Belogene zurück ließen. Aber das fußte vor allem darauf, dass ich mir selbst nicht vertraut habe. Denn die vermeintlichen Geheimnisse meiner Gegenüber, denen ich so naiv deren Worte glaubte, entblößten sich doch eigentlich in ihren Handlungen, die ich wahrnahm, deren Schrägheit ich erspürte  – um dann das Gefühl dazu weg zu sperren.

Und weiter zurück? Wem habe ich in meiner Kindheit vertraut? Meinen Eltern nicht. Zumindest nicht so, dass ich mich zeigen konnte. Ich habe immer so getan als ob. Als ob ich fröhlich wäre. Als ob ich mich über ein Geschenk freuen würde. Als ob ich keine Angst hätte. Als ob ich mich wohl fühlen würde. Als ob ich gern zur Schule gehen würde. als ob alles in Ordnung wäre. Ich habe nicht erzählt, dass mich ein Mann im Auto mitnehmen wollte.

Nachdem mein Vater ausgezogen ist, habe ich so getan als ob auch ich – wie meine Mutter – keinen Appetit hätte und im Essen gestochtert. Weil das doch ein deprimierendes Ereignis war und man nicht mehr genießen und lachen durfte. Und dann, als etwas Zeit vergangen war und ich wirklich deprimiert war, dannhabe ich wieder so getan, als wäre alles gut. Meine Noten waren gut. Ich habe alles „richtig“ gemacht. Als ob ich das einfach so wegstecke. Das meine Mutter  mit Selbstmord droht. Das ich keinen Kontakt zu meinem Vater habe. Das mein großer Bruder dicht macht und kein großer Bruder sein kann. Ich habe nicht erzählt, dass der Sportlehrer in die Mädchenduschen kam, dann und wann.

Ich habe ein Vertrauensproblem. Ein sehr großes. Und das macht mich traurig.

 

Geburt

Aber es gab da was … das Gebären. Das war eine erleuchtende Erfahrung der Hingabe für mich. Ich hatte keine Angst. Ich! Ich, die doch immer und vor allem Angst hat! Ich habe immer gesagt: Ach, zur Not würde ich das Kind auch allein zu Hause auf die Welt bringen. Haben schon Millionen Frauen vor mir geschafft. Ich habe mich eingebettet gefühlt in die Menschheitsgeschichte. In eine Geschichte voller gebärender Frauen. In einem immer wiederkehrenden Kreislauf von Geburt und Tod. Ich habe, ja tatsächlich, ich habe vertraut! Die Geburt im Geburtshaus, ich habe Glück gehabt, es hat nur ein paar Stunden gedauert und alles lief so glatt wie es nur laufen kann. Nicht einmal verletzt war ich. Ich war ein Tier, ein Werkzeug des Universums, es ist mir mir geschehen. Ich konnte es geschehen lassen.

Der gleiche Prozess passiert in klein manchmal, wenn ich schreibe. All mein guten Texte sind so entstanden. Sie sind nur durch mich hindurch geflossen, durch mich als Kanal und dann auf das Papier.

 

Immer der Anfang

Und das ist eine Ressource.  Dort finde ich mein Vertrauen, in diesem Erlebnis. Und ganz passend spürte ich in der geführten Meditation zum Thema Vertrauen das Gefühl dazu in meinem Unterleib.

Und das ist das wertvollste, was ich aus diesem Seminar mit nach Hause genommen habe: Die Neugier auf diese Ressource die da in mir schlummert. Die Neugier darauf, was passieren wird, wenn ich lerne zu vertrauen. Denn Neugierde ist immer der Anfang vom Tun.

DIE MAGIE EINER AUFSTELLUNG. Oder wie ich erst nichts verleihen wollte, dann gerne geben mochte und zu guter Letzt gar keine Notwendigkeit bestand

Heute wollte XY sich Geld von mir leihen. Eigentlich hatte ich beschlossen, ihm nie wieder etwas zu leihen. Also weder Geld noch sonst irgendwas. Denn allzuoft musste ich den Dingen dann hinterrennen und galt dabei noch als „spießig“ oder „Krämerseele“. Ich beginne gerade erst zu begreifen, dass auch dieser Teil der Geschichte ein Puzzlestück im Leben eines Menschen mit Suchtproblematik ist.

Da das Thema gerade akut war, hab ich es in der Ergotherapie bearbeitet. Wir haben Aufstellungsarbeit gemacht und das war sehr hilfreich. Eine Stunde Ergotherapie und so viele Einblicke. In mir ist ein Gefühl von Zufriedenheit und Stolz.

Die erste Überraschung war für mich, welchen Gegenstand ich mir als Symbol für mich ausgesucht habe: eine brennende Kerze in einem Papierstern. So schön. So eine schöne Vorstellung von mir. Voller Licht und Wärme, in sich ruhend, bewegt und strahlend schön.

Die Fragestellung ob ich ihm das Geld leihen sollte: ja oder nein. Im Grunde erwartete ich eine Bestärkung im Nein-sagen.

Was aber für mich dabei rauskam, war: Ich möchte das Geld gerne leihen, aber nicht als große Gönnerin, die sich dann toll fühlen kann und die diese Entscheidung alleine trifft und die Verantwortung dafür übernimmt. Sondern als Freundin auf Augenhöhe. Zuerst standen dort zwei Symbole auf dem Tisch: ich und das Geld (was dann aber auch gleich zur Symbolfigur von XY wurde – ein kleine Piratenfigur, die mit einem Fuß auf einer Schatzkiste stand), dann gab es Barrieren und es gesellten sich Berater dazu. Außerdem ein Löwe, der als heimlicher Gewinn dieser Situation inter mir stand. Das sah zwischendurch ziemlich unausgewogen aus. Ich riesengroß und hell mit einer Schar Berater (die Barrieren und auch der heimliche Gewinn hatten sich in Berater verwandelt und einen konsprativen Kreis gebildet) um mich. Dem gegenüber XY allein und klein. Da wurde mir klar, was für ein grausames Bild das ist, das ich da mit mir heraum trage.

So bekam XY ein Pferd und wuchs damit, die Figur stand ziemlich wackelig, aber mit viel Geduld stand sie dort auf dem Pferd – wie passend. Er bekam eine Schar Berater an die Seite gestellt und zu guter Letzt noch ein großes strahlendes Glas-Kristall als Ressource.

Meine Lösung: Ja, ich leihe ihm das Geld, möchte aber meinen Monitor und meinen Notenständer zurück haben, die schon ewig bei ihm sind. Und ich möchte mit ihm gemeinsam überlegen, was er mir als Pfand überlassen kann, bis ich das Geld zurück habe.

Der Clou: Er hatte in der Zwischenzeit eine andere, sehr einfache Lösung für das Problem gefunden. Nämlich Ratenzahlung.

Wow!

 

Brief, überfällig

Lieber T,

was jetzt kommt, ist eventuell so eine Art Belastungserprobung. Für mich auf jeden Fall. Und anstatt lang rumzuschwafeln, falle ich gleich mit der Tür ins Haus. Ich habe Dich einfach in mein Herz geschlossen, und das zu verleugnen wäre eine ziemliche Dummheit. Gefühle die unerwünscht oder unangebracht erscheinen zu verleugnen, wegzudrücken, zu überspielen – mein ganzes Leben lang schon eine meiner leichtesten Übungen. Aber auch eine meiner ungesündesten Angewohnheiten.
„Ich darf es mir erlauben, neue Wege zu gehen.“ – das ist meine aktuelle Affirmation mit der ich arbeite. Vielleicht ist dieser Brief Teil dieser neuen Wege. Ich war schon oft irritiert über Dein Verhalten. Verbindlich – unverbindlich. Distanziert – nah. Das macht es mir noch schwerer, diesen Brief zu schreiben. Aber eigentlich egal, ich kann sowas sowieso nicht gut. Du wünschst Dir einen entspannten Umgang miteinander. Den wünsche ich mir auch. Und zu einer Freundschaft gehört Ehrlichkeit. Und die Wahrheit ist, dass ich Gefühle für Dich habe, die über eine Freundschaft hinaus gehen. Ich wünsche mir mehr Nähe zu Dir.
Und vielleicht ist das ja auch hilfreich für Dich, das zu wissen. Das da ein Mensch ist, der Dich so mag, wie Du bist und der findet, dass all die Gedanken über Unzulänglichkeit unangebracht sind, – weil Du einfach ein toller Mensch bist.
Ich weiß, das dieses Geständnis etwas zwischen uns verändern wird, aber ich hoffe trotzdem Deine Freundin bleiben zu können. Diesen Brief durfte meine Seele schreiben und mein Kopf durfte gerade mal eine Pause machen.
Das ist einfach die Wahrheit und das bin ich. Und bevor mich der Mut verlässt, lasse ich das so stehen und tue es einfach.

In Verbundenheit, plejade

Nach dem Hochseilgarten ist vor dem Hochseilgarten

Gestern war Adrenalin-Tag. Ich wollte es unbedingt tun, doch schon am Morgen nach dem Aufwachen saß mir die Angst in Bauch, Brust und Kehle.

Doch dann sind wir einfach los geradelt, entschieden uns, die Stadtbahn komplett links liegen zu lassen und bei dem schönen Wetter die 10 Kilometer  mit dem Rad zu fahren. Vorteilhaft für mich, weil das wesentlich angstfreier geht. Aber es war ein langer und für mich unbekannter Weg – potentiell also doch eher beängstigend. Aber die Panik hab ich einfach zu Hause gelassen. Vielleicht auch deshalb, weil sie die Angst eher auf unser Ziel fokussiert hat. Und weil ich mich mit T gerade so wohl fühle vermutlich auch.

Im Hochseilgarten angekommen haben wir erstmal unsere mitgebrachten Stullen gemampft und uns mit dem Gelände vertraut gemacht. T hatte auch Angst, aber er war dabei so witzig, dass ich meine fast vergessen konnte. Dann war das Gelände viel kleiner und überschaubarer als ich es mir ausgemalt hatte. Und dann liefen mir S und R in die Arme. Gute Bekannte. S war schon durch, während R noch in den Seilen hing. 😉 Der kämpfte auch deutlich mit Angst, aber das hat mich irgendwie beruhigt. So ein Hochseilgarten ist ein Ort an dem man Angst haben darf. An dem sogar Erwachsene mehr Angst haben dürfen als Kinder. Es ist ganz normal dort. Natürlich darf man überall Angst haben. Aber ein Teil von mir sieht das deutlich anders, es ist der Teil, der sich für Angst so sehr schämt, dass er nach außen meistens schweigt.

Nach der Einweisung mussten wir erstmal ein bisschen den Umgang mit den Karabinerhaken üben – und ich hab mich richtig doof angestellt. 😀 Ich hatte alle Instruktionen zwar gehört, aber dann sofort wieder vergessen. Aber da war ja T, der meine Aufregung gespürt und mir ganz verständnisvoll geholfen hat. Und dann gings los!

Und ich sage Euch, das war der Hammer! Schon der erste, „kleine“ Parcours hatte es für uns in sich. Meine Nebennieren pumpten unaufhörlich Adrenalin in meine Adern. Meine Strategie: Nicht lang fackeln, Augen zu und durch – bloß der aufsteigenden Panik keinen Raum lassen. Ts Strategie, der vor mir ging, war anders: Alles ruhig angehen, auf Sicherheit bedacht und langsam vortasten. Sehr interessant wie unterscheidlich das ist.

Als wir die erste Runde durch hatten fiel T mir in die Arme und bedankte sich dafür, dass ich ihn überredet hatte mitzukommen. 😀 Wieder festen Boden unter den Füßen spürte ich Erleichterung, – aber auch den Mut auch den 2. Parcours anzugehen. Und auch T war überraschenderweise sofort dazu entschieden!

Dieses Mal ging ich vor – wow! Einige Stellen waren wirklich schwierig, manches kostete viel Überwindung, aber als ich erstmal da oben drin war, wusste ich: Für mich würde es kein Zurück geben, ich ziehe das durch. Manches war dann auch leichter als es aussah. An anderen Stellen hab ich mich gefragt, warum ich mir das bloß antue. Aber dann wieder musste ich so viel lachen – auch über unsere Angst.

Als wir durch waren, waren wir  vor allem erstmal eins: Froh. Aber auch stolz und gestärkt.

Den 3. und schwierigsten Parcours haben wir uns für das nächste Mal aufgehoben, denn es wird ganz sicher ein nächstes Mal geben. Für gestern hat’s gereicht und wir wollten die Zeit lieber nutzen um auch den Rückweg mit dem Rad zu fahren, anstatt die Räder mit in die Bahn zu nehmen.

20 Km mit dem Rad, das ist für eine stramme Leistung für mich. Hat gerade irgendwer vergessen, dass ich MS habe? Ich habe es gestern vergessen! Und entgegen meiner Befürchtungen geht es mir heute körperlich gut.

So ein wunderbarer Tag gestern! Und T dabei an meiner Seite zu haben war einfach toll. Man ist ja da oben ganz schön viel mit sich selbst beschäftigt, voller Angst, Mut und sehr konzentriert. Aber wir haben uns gegenseitig unterstützt (ich hoffe, dass sich das für T ebenso gut angefühlt hat wie für mich) und es war für mich ein tolles Gefühl, nicht wie so oft in meinem Leben alles alleine auskämpfen zu müssen, sondern jemanden dabei zu wissen, der ein Auge auf mich hat.

Und wenn das auf Dauer eine Freundschaft bleibt, dann haben wir mit der Aktion gestern einige Grundmauern gefestigt.

Ich bin noch da

… aber ich arbeite wieder ganz normal. Wobei es „normal“ in meinem Leben gar nicht gibt. Aber ich arbeite eben so viel wie ich es schaffe zu arbeiten, ohne dabei komplett auszubrennen. Und das heißt, dass ich viel vor dem Computer sitze. Und das wiederrum heißt, dass ich wenig Lust habe, dies in meiner Freizeit dann auch noch zu tun um zum Beispiel Blogeintröge zu verfassen. Das ist traurig und doof, zumal ich eigentlich viel inneren Schreibbedarf habe, besonders zur Zeit. Ich weiß abe rnicht, wie ich es momentan ändern soll.

Dabei weiß ich, DASS ich etwas ändern MUSS, damit es mir gut gehen kann. Da hake ich seit Monaten dran. Und es wird nicht besser. Ich sehe gerade ein, dass ich eine Depression entwickle, oder habe? Aber keine Therapie mehr. Außerdem leide ich unter chronischen Schmerzen, habe aber bisher den Weg zum Schmerzarzt gescheut, weil dies wohl regelmäßige Termine nach sich ziehen würde. Das würde noch mehr Stress verursachen. Und ich wüsste auch gar nicht, wie ich das machen sollte. Ich bräuchte jedes Mal Begleitung zu den Terminen wegen dieser meiner verf*ten Agoraphobie. Ich habe aber keine Begleitung. Meine Mutter würde das machen. Aber das wäre so dermaßen ungesund für mich, dass es mir dann eher noch schlechter gehen würde. Von XY habe ich mich endlich getrennt.

Bis bald, ich gehe jetzt heim und mache Dehnungsübungen gegen die Rückenschmerzen.

Mein Therapieweg, Station 3

In dieser Reihe beschreibe ich nach und nach all die Therapien die ich versucht habe um meiner Agoraphobie zu entwachsen.

1992–irgendwann 1993

Therapie bei einem Neurologen

1996

Mit 21 war ich 3, 4 x bei einem tiefenpsychologisch arbeitenden Therapeuten

1996

Ging ich regelmäßig zur Frau meines damaligen Hausarztes. Sie war Maltherapeutin, malte aber nicht mir, sondern sprach mit mir und verordnete mir Bachblüten. Ehrlich gesagt kann ich mich kaum an diese „Therapie“ erinnern. Ich weiß noch, dass ich gern hingegangen bin, aber eher unregelmäßig Termine hatte, glaube ich. Die Gespräche taten mir gut und ich habe ihr auch ein bisschen vertraut. Auf jeden Fall ein bisschen mehr, als den beiden Therapeuten davor. 😀 Die Angst blieb aber unverändert bei mir.

1997–2003

konsultierte ich wegen meiner Ängste eine Homöopathin

1996

begann ich eine Therapie bei einem Verhaltenstherapeuten, die er 1998 irgendwann abbrach, weil er nicht mehr in unserer Stadt praktizierte

Ende 2000–Anfang 2004(?)

Gesprächstherapie bei einer Psychologin

Oktober–Dezember 2001

Psychosomatische Reha in Bad Salzuflen, 8 Wochen

Ende 2004–2006

Hypnosetherapie und tiefenpsychologisch angehauchte Gespräche bei einer Therapeutin für Heilkunde & Psychotherapie

2008–Mitte 2010

Verhaltentherapie bei einem Psychologen

Mitte 2012–heute

Psychotherapie, Verhaltenstherapie, Traumatherapie mit EMDR

Oktober 2012–Januar 2013

Psychosomatische Reha in einer Tagesklinik, 13 Wochen

Mein Therapieweg, Station 2

In dieser Reihe beschreibe ich nach und nach all die Therapien die ich versucht habe um meiner Agoraphobie zu entwachsen.

1992–irgendwann 1993

Therapie bei einem Neurologen

1996

Mit 21 war ich 3, 4 x bei einem tiefenpsychologisch arbeitenden Therapeuten.

Meine Mutter fuhr mich hin und wartete dann, soweit ich weiß, in der Nähe im Auto. Die Therapie fand im Privathaus des Therapeuten statt. Man klingelte und direkt hinter der Haustür war ein Wohnungsflur, der auch zugleich das Wartezimmer war. Am Ende des Flurs gab es eine kleine Treppe die in den Wohnbereich des Ehepaars führte. Im Flur selbst gab es zwei Türen. Die eine, lederbeschlagene, führte in das kleine, sich im Souterrain befindliche Therapiezimmer. Es gab ein kleines Fenster, links an der Wand stand eine Liege, direkt recht neben der Tür ein Stuhl für die Patient*innen, daneben der Schreibtisch des Arztes. Der Rest des Raumes war mit Bücherregalen vollgestopft. Der Raum war düster, alt und ich fühlte mich nicht wohl.
Der Arzt war auch schon etwas älter und trug einen langen graugelblichen Bart. Er hatte eine gebückte Körperhaltung, war klein und ich würde ihn als hutzelig und ungepflegt beschreiben. Ich kann mich nicht daran erinnern, was gesprochen wurde. Außer daran, dass er mich nach meinem Sexleben mit meinem Freund befragte und eine offene Beziehung vorschlug. Meine damalige Beziehung war eine der wenigen Umstände mit denen ich damals überaus zufrieden war. Weiterhin erzählte er mir, dass er, wenn er auf Fortbildungen sein, er ja auch desöftern … und seine Frau sei damit einverstanden. Was das alles mit meinem Problem der Angst zu tun haben sollte … ich weiß es nicht!

Er bot außerdem 1x wöchentlich von ihm angeleitetes Autogenes Training für eine Gruppe von Patient*innen an. Einmal bin ich dort hingegangen und hatte während der ganzen Sitzung starke Angstgefühle und mit extremen Schwindel zu kämpfen. Da er mir vorher auch nicht viel erklärt hat, kam ich mir wieder einmal einfach nur verrückt vor und verschwieg mein Unwohlsein.

Nachdem er in den Therapiestunden mehrfach das Sexthema angeschnitten hatte und ich mich damit einfach nur schlecht und unwohl gefühlt habe, entschloss ich mich, dort nicht mehr hin zu gehen. Die richtige Entscheidung, heute würde ich sein Verhalten als Belästigung einstufen. Jahre später erfuhr ich von einer Freundin, dass sie auch bei ihm gewesen ist. Dort auf seiner Liege lag, ihre Bluse weit öffnen und atmen sollte und er ihr immer näher kam. Bis sie aufgesprungen ist und die Praxis fluchtartig verlassen hat.

1996

Ging ich regelmäßig zur Frau meines damaligen Hausarztes. Sie war Maltherapeutin, malte aber nicht mir, sondern sprach mit mir und verordnete mir Bachblüten

1997–2003

konsultierte ich wegen meiner Ängste eine Homöopathin

1996

begann ich eine Therapie bei einem Verhaltenstherapeuten, die er 1998 irgendwann abbrach, weil er nicht mehr in unserer Stadt praktizierte

Ende 2000–Anfang 2004(?)

Gesprächstherapie bei einer Psychologin

Oktober–Dezember 2001

Psychosomatische Reha in Bad Salzuflen, 8 Wochen

Ende 2004–2006

Hypnosetherapie und tiefenpsychologisch angehauchte Gespräche bei einer Therapeutin für Heilkunde & Psychotherapie

2008–Mitte 2010

Verhaltentherapie bei einem Psychologen

Mitte 2012–heute

Psychotherapie, Verhaltenstherapie, Traumatherapie mit EMDR

Oktober 2012–Januar 2013

Psychosomatische Reha in einer Tagesklinik, 13 Wochen

Wohin die Reise geht?

Da ist sie wieder, die Angst.

Eine teuflische Unruhe hat sich im letzten Jahr eingeschlichen. Ich fühlte mich immer mehr gehetzt, unter Druck, überfordert. Dann immer mal wieder kurze Phasen der Entspannung und der Gedanke: „Quatsch, schaffst Du schon alles. Schaffen andere ja auch.“. Der Dezember war unglaublich stressig – und ich weiß gar nicht mehr so genau warum. Ich wurde immer fahriger, vergesslicher, hektischer, ungeduldiger, gereizter.

Dann hatte ich drei Wochen frei und es ging mir besser. Schon am 2. Arbeitstag setzte die Unruhe wieder ein. Das Gefühl alles nicht mehr zu schaffen, mit allem überfordert zu sein. Alles zu viel. Von allem. Dann wurde das Kleine Wunder krank und ich fiel aus, dann wurde ich krank. Danach – oder währenddessen – habe ich dann nochmal ein paar Tage gearbeitet. Dann setzte der Schub ein. Irgendwie erwartet. Nun bin ich seit 7 Wochen zu Hause, es ist etwas Ruhe eingekehrt. Nach und nach habe ich wieder angefangen von daheim etwas zu arbeiten und Dinge zu regeln (ALG2 Antrag, Wohngeldantrag, mal wieder zur Therapie fahren, seit 3 Wochen 2x die Woche Physio- und 1x die Woche Yogatherapie, wiede rmehr für das Kleine Wunder da sein, mal wieder richtig aufräumen …) und Zack! die Rastlosigkeit ist wieder da. Überreiztheit.

So langsam stelle ich mir die Frage, ob ich nicht an so etwas wie einem Burn Out leide und der Schub nur eine sichtbare, körperliche Konsequenz davon ist.

Mittwoch auf dem Elternabend Schwindel und Angst, nahe der Panik. Ich fühlte mich seltsam. Anders. Weit weg. Gefährdet. Hoffentlich kann ich bald nach Hause.

Gestern lag ich beim Physiotherapeuten auf der Liege, übernächtigt, weil ich eine unruhige, schlaflose Nacht hinter mir hatte und fühlte mich so außer mir. Ich wartete auf den Therapeuten und war sicher jetzt verrückt zu werden. Wahnvorstellungen zu entwickeln. Ich fühlte mich greifbar bedroht. Die Massage hat mich dann wieder runter gebracht und ich konnte guter Dinge den Tag verbringen.

Heute Morgen packte mich auf dem Radweg mit XY Richtung Neuro-Praxis wieder Angst. Auf dem Rückweg auf der Brücke an der großen Straße mit den Hochhäusern wurde die Angst zur Panik. Atmen. Es geht wieder vorbei. Es geht immer vorbei. Du bist nicht verrückt.

Es steht Kopf. Ich stehe Kopf. Oder liege ich schon am Boden? Ich habe Angst um meinen Körper, um meine Sinne. Ich will nicht, dass mir die Nerven wegbrutzeln. Tun sie aber, die MS ist da.

Es geht nicht so weiter wie bisher. So viel ist klar. Ich kann nicht wieder so einsteigen. Als der Schub los ging, bin ich ausgestiegen. Aus der Nor heraus. Aus Notwendigkeit. Aus Klugheit. Kann ich jetzt so klug sein, nicht wieder einzusteigen? Wie soll das gehen? Das Geld muss verdient werden. Das Kind muss umsorgt werden. Mein Körper muss vielvielviel schlafen –die Tage sind deshalb kurz –, und er braucht Sport und Yoga und Meditation. Ich brauche gutes Essen. Ich vermisse meine Kunst, eine körperlich-schmerzhafte Sehnsucht nach Schaffen. Und Freundschaften, ich brauche Freundschaften und Austausch, viel mehr als das in den letzten Jahren der Fall war.

Wie verdammt nochmal soll das gehen? Es ist zu viel. Und ich sehe keinen Weg der Änderung. Ich sehe ihn einfach nicht, obwohl er vermutlich fett und breit und einladend vor mir liegt. Und ich bleibe seit Jahren an dieser Stelle hier kleben und schlage mich mit XY rum und mit schlechtem Gewissen und Grübeleien, mit Abhängigkeiten und Angst vor Verlust und davor Fehler zu machen und vor Einsamkeit und Vereinsamung.

Mein Therapieweg, Station 1

In dieser Reihe beschreibe ich nach und nach all die Therapien die ich versucht habe um meiner Agoraphobie zu entwachsen.

1992–irgendwann 1993

Therapie bei einem Neurologen. Bestand aus 3 x die Woche Biofeedback und 1 x im Monat Gespräch bei ihm. Ob das so stimmt, weiß ich nicht mehr. Vielleicht waren es auch 5 x die Woche Biofeedback und alle 14 Tage Gespräch? Ich kann mich ganz gut daran erinnern, wie ich – irgendwann tatsächlich sehr entspannt – unter dem Biofeedbackgerät lag. An Gespräche kann ich mich nur dunkel erinnern, an zwei, drei Fetzen.

Es war kurz vor den Herbstferien, ich schaffte es nicht mehr in die Schule. Ich muss meiner Mutter dann wohl gestanden haben, dass mir nicht wirklich Morgens schlecht war, sondern ich nur nackte Angst spürte. Aber auch daran habe ich keine Erinnerung. Ich weiß nur noch, wie ich Morgens mal in der Küche stand, die Angst mein Herz zu einer vibrierenden Wäschetrommel machte und die Fußbodenkacheln auf mich zukamen. Und dann sagte. „Ich kann heute nicht in die Schule, mir ist so schlecht.“

Die Praxis war dunkel, die Möbel aus dunklem, schweren Holz. Der Neurologe saß hinter einem riesigen Schreibtisch mit Lederbezug. Weit weg von mir und viel höher hinter seiner Schreibtisch-Barriere. Es gibt eine schwammige Erinnerung daran, dass ich mich ausziehen musste und er die übliche neurologische Untersuchung mit mir machte. Ich war voller Scham nackt vor diesem alten Mann zu stehen. Ich war voller Angst, dass er etwas gravierendes heraus finden könnte – ich verrückt sei.

In der ersten Stunde war meine Mutter dabei. Es ging darum, dass Klausurphase war und ich mich nicht in der Lage sah überhaupt einen Fuß in die Schule zu setzen oder den Weg dorthin zu bewältige. Geschweige denn eine Klausur zu schreiben! Ich weiß noch sehr gut, dass der Arzt meinte, wenn ich nicht zur Schule ginge, müsste er mich in eine Klinik einweisen. Bämm! Das saß! Dieser Satz war meine große und einzige Motivitation wie auch immer die Schule zu besuchen. Klinik? Das! War! Meine! Größte! Angst! Darum ging es ja. Ich hatte Angst davor in der Klapse (das Wort passt zu dem, was ich mir damals darunter vorstellte) zu landen: Fixierung, Elektroschocks, Medikamente, Wesensveränderung …

Er verschrieb mir ein Anti-Depressivum, dass ich fortan sehr gewissenhaft einnahm. Er sagte, ich solle jeden Morgen Wechselduschen machen und 100x Seilspringen, was ich fortan jeden Morgen gewissenhaft tat. Ich wollte nur, dass diese Angst, diese grausame Panik verschwand und nie wieder auftauchte. Und er gab mir einen Tranquilizer, den ich 1x in den Herbstferien ausprobieren sollte und wenn ich ihn vertrug dann für meine Englischklausur nehmen sollte.

Tatsächlich weiß ich nicht, wie ich die riesige Tablette dann eines Morgens nach den Ferien schluckte. Meine Mutter fuhr mich kurz vor dem Klausurtermin direkt zur Schule, wartete zwei Stunden im Auto und dann fuhr sie mich wieder nach Hause. Heute frage ich mich, ob der Tranquilizer in Wirklichkeit ein Placebo war, wenn ich hatte ANGST. Ich schrieb die Klausur in nicht endender Panik, einzig und allein angetrieben durch den Gedanken NICHT in eine Klinik zu wollen. Mit trockener Kehle, kaltschweißig, bebend, zwei Stunden Herzrasen.

In einer späteren Stunde riet der Arzt mir, mal alleine ins Kino zu gehen. ???? Ich konnte ja noch nicht mal in Begleitung ins Kino gehen. Ich konnte nicht alleine zu diesem gehen, der seine Praxis nur eine Straße von unserer Wohnung entfernt hatte. Und schon gar nicht konnte ich mit dem Fahrstuhl hoch in die Praxis fahren. Aber all das erzählte ich dem Arzt gar nicht. Ich hatte keinerlei Vertrauen und er vermittelte mir auch kein Interesse an mir.

Um nicht zu viel vorweg zu nehmen: Das Biofeedback half irgendwann tatsächlich temporär. Und damit endete die „Therapie“

1996

War ich 3, 4 x bei einem tiefenpsychologisch arbeitenden Therapeuten

1996

Ging ich regelmäßig zur Frau meines damaligen Hausarztes. Sie war Maltherapeutin, malte aber nicht mir, sondern sprach mit mir und verordnete mir Bachblüten

1996–2003

konsultierte ich wegen meiner Ängste eine Homöopathin

1997

begann ich eine Therapie bei einem Verhaltenstherapeuten, die er 1998 irgendwann abbrach, weil er nicht mehr in unserer Stadt praktizierte

Ende 2000–Anfang 2004(?)

Gesprächstherapie bei einer Psychologin

Oktober–Dezember 2001

Psychosomatische Reha in Bad Salzuflen, 8 Wochen

Ende 2004–2006

Hypnosetherapie und tiefenpsychologisch angehauchte Gespräche bei einer Therapeutin für Heilkunde & Psychotherapie

2008–Mitte 2010

Verhaltentherapie bei einem Psychologen

Mitte 2012–heute

Psychotherapie, Verhaltenstherapie, Traumatherapie mit EMDR

Oktober 2012–Januar2013

Psychosomatische Reha in einer Tagesklinik, 13 Wochen

Mein Therapieweg

Da lag ich neulich nachts wach und mir kam in den Sinn, wieviel Therapie ich schon hinter mir habe. Das ist es wert, mal fest gehalten zu werden. Auch wenn ich die genauen Daten nicht weiß habe ich versucht es so gut wie möglich zu rekonstruieren. Ich werde nach und nach Artikel zu den einzelnen Stationen schreiben.

1992–irgendwann 1993

Therapie bei einem Neurologen

1996

War ich 3, 4 x bei einem tiefenpsychogisch arbeitenden Therapeuten

1996

Ging ich regelmäßig zur Frau meines damaligen Hausarztes. Sie war Maltherapeutin, malte aber nicht mir, sondern sprach mit mir und verordnete mir Bachblüten

1996–2003

konsultierte ich wegen meiner Ängste eine Homöopathin

1997

begann ich eine Therapie bei einem Verhaltenstherapeuten, die er 1998 irgendwann abbrach, weil er nicht mehr in unserer Stadt praktizierte

Ende 2000–Anfang 2004(?)

Gesprächstherapie bei einer Psychologin

Oktober–Dezember 2001

Psychosomatische Reha in Bad Salzuflen, 8 Wochen

Ende 2004–2006

Hypnosetherapie und tiefenpsycholgisch angehauchte Gespräche bei einer Therapeutin für Heilkunde & Psychotherapie

2008–Mitte 2010

Verhaltentherapie bei einem Psychologen

Mitte 2012–heute

Psychotherapie, Verhaltenstherapie, Traumatherapie mit EMDR

Oktober 2012–Januar2013

Psychosomatische Reha in einer Tagesklink, 13 Wochen