Kontrolle ist gut, Vertrauen ist besser

… und zwar zuallererst in sich selbst. In die eigene Wahrnehmung und in die eigene (Handlungs-)Kompetenz. Zumindest für mich ist das ein großes Thema.

 

Seminarerfahrungen

Am Samstag war ich dann doch im zweiten Teil meines seit Langem gebuchten Achtsamkeit-Seminars. Es war ein Meditationsworkshop und man könnte meinen, das sei entspannend. Ist es auch. Aber gerade auch dadurch, dass ich durch die Erkältung sehr geschwächt war, habe ich gemerkt, dass dies eben doch auch mühevoll ist und mit viel Disziplin verbunden ist. Während der Sitzmeditationen sehnte ich mich danach zu liegen, der theoretische Teil beinhaltete keinen neuen Input für mich und ich war schon kurz davor zu gehen … um dann zu Hause … zu liegen! Aber ich hielt durch.

Die für mich wirklich softe Yoga-Sequenz bot mir eine besondere Herausforderung: Nämlich zu akzeptieren, dass ich Hier und Jetzt selbst das sehr anstrengend finde und meine körperlichen Grenzen so tief lagen, dass ich dem Drang darzustellen, dass ich Yoga „ja schon gut kann“ wiederstehen musste. Und es doch nicht in Gänze tat. Es. War. So. Anstrengend. Dabei waren das Pipifax-Asanas für mich. Bleibt die Frage offen: Warum muss ich eigentlich mein „Können“ zur Schau stellen? Yoga ist nicht Können, Yoga ist tun. Yoga ist Jetzt. Yoga ist: in den eigenen Grenzen zu bleiben und Yoga ist nicht Ehrgeiz und Zielerreichung.

Und dann gab es noch die Imaginatonsreise zum Thema Vertrauen. In der Nachbesprechung fiel mir dann auch wieder ein, dass das auch schon im Titel des Kurses eingefügt war. Irgendwas mit Achtsamkeit und Vertrauen. Hatte ich (un)bewusst aus einer Vielzahl von angebotenen Achtsamkeits-Seminaren ausgewählt. Und dann wieder vergessen. Na sowas! Und in der Übung und Nachbesprechung wurde mir einiges klar. Nämlcih, dass ich ein riesengroßes Vertrauensproblem habe. Und das nicht erst seit gestern. Wem vertraue ich in meinem momentanem Leben? Die ernüchternde Antwort: Niemandem zu 100%. Es gibt ein paar 60, 70 oder vielleicht auch 80% Kandiat*innen. Am allermeisten vertraue ich meinem Kind.

 

Als-ob-Mädchen

Ich habe in den letzten 10, 15 Jahren viele Erfahrungen machen müssen, die mich als die Betrogene, Belogene zurück ließen. Aber das fußte vor allem darauf, dass ich mir selbst nicht vertraut habe. Denn die vermeintlichen Geheimnisse meiner Gegenüber, denen ich so naiv deren Worte glaubte, entblößten sich doch eigentlich in ihren Handlungen, die ich wahrnahm, deren Schrägheit ich erspürte  – um dann das Gefühl dazu weg zu sperren.

Und weiter zurück? Wem habe ich in meiner Kindheit vertraut? Meinen Eltern nicht. Zumindest nicht so, dass ich mich zeigen konnte. Ich habe immer so getan als ob. Als ob ich fröhlich wäre. Als ob ich mich über ein Geschenk freuen würde. Als ob ich keine Angst hätte. Als ob ich mich wohl fühlen würde. Als ob ich gern zur Schule gehen würde. als ob alles in Ordnung wäre. Ich habe nicht erzählt, dass mich ein Mann im Auto mitnehmen wollte.

Nachdem mein Vater ausgezogen ist, habe ich so getan als ob auch ich – wie meine Mutter – keinen Appetit hätte und im Essen gestochtert. Weil das doch ein deprimierendes Ereignis war und man nicht mehr genießen und lachen durfte. Und dann, als etwas Zeit vergangen war und ich wirklich deprimiert war, dannhabe ich wieder so getan, als wäre alles gut. Meine Noten waren gut. Ich habe alles „richtig“ gemacht. Als ob ich das einfach so wegstecke. Das meine Mutter  mit Selbstmord droht. Das ich keinen Kontakt zu meinem Vater habe. Das mein großer Bruder dicht macht und kein großer Bruder sein kann. Ich habe nicht erzählt, dass der Sportlehrer in die Mädchenduschen kam, dann und wann.

Ich habe ein Vertrauensproblem. Ein sehr großes. Und das macht mich traurig.

 

Geburt

Aber es gab da was … das Gebären. Das war eine erleuchtende Erfahrung der Hingabe für mich. Ich hatte keine Angst. Ich! Ich, die doch immer und vor allem Angst hat! Ich habe immer gesagt: Ach, zur Not würde ich das Kind auch allein zu Hause auf die Welt bringen. Haben schon Millionen Frauen vor mir geschafft. Ich habe mich eingebettet gefühlt in die Menschheitsgeschichte. In eine Geschichte voller gebärender Frauen. In einem immer wiederkehrenden Kreislauf von Geburt und Tod. Ich habe, ja tatsächlich, ich habe vertraut! Die Geburt im Geburtshaus, ich habe Glück gehabt, es hat nur ein paar Stunden gedauert und alles lief so glatt wie es nur laufen kann. Nicht einmal verletzt war ich. Ich war ein Tier, ein Werkzeug des Universums, es ist mir mir geschehen. Ich konnte es geschehen lassen.

Der gleiche Prozess passiert in klein manchmal, wenn ich schreibe. All mein guten Texte sind so entstanden. Sie sind nur durch mich hindurch geflossen, durch mich als Kanal und dann auf das Papier.

 

Immer der Anfang

Und das ist eine Ressource.  Dort finde ich mein Vertrauen, in diesem Erlebnis. Und ganz passend spürte ich in der geführten Meditation zum Thema Vertrauen das Gefühl dazu in meinem Unterleib.

Und das ist das wertvollste, was ich aus diesem Seminar mit nach Hause genommen habe: Die Neugier auf diese Ressource die da in mir schlummert. Die Neugier darauf, was passieren wird, wenn ich lerne zu vertrauen. Denn Neugierde ist immer der Anfang vom Tun.

Leuchtfeuer – Jahresrückblick

Für meinen, mittlerweile ganz schön späten, Jahresrückblick 2017 fand ich hier die passenden Fragen: https://www.zeitblueten.com/

Welche Ereignisse/Erlebnisse haben das vergangene Jahr besonders bereichert?

  • Die Vertiefung einiger Freundschaften, im Grunde ausgelöst durch den Krankheitsschub im Februar
  • Das Bloggen!
  • Die intensivere Beschäftigung mit dem Achtsamkeits-Gedanken. Das Lesen vieler Bücher dazu und auch die praktische Umsetzung von ein paar neuen Gewohnheiten. Kleine Schritte, aber Schritte.
  • Die Einschulung vom Kleinen Wunder, bzw. ihre parallel dazu gemachten Entwicklungsschritte. Wir sind uns so nah wie nie zuvor, – so fühlt es sich zumindest an. Zu sehen, wie gut sie alles meistert, lässt mein Herz leichter schlagen und gibt mir die Gewissheit ein paar grundlegende Sachen im Umgang richtig gemacht zu haben, so viele Zweifel hatte ich.

 

Welches war Ihr schönstes Erlebnis?

  • Spontan und als erstes fällt mir der Ausflug zum Hochseilgarten ein. Das war ein so schöner Tag, an dessen Abend ich mich inmitten einer Phase der Depression tatsächlich glücklich und zufrieden gefühlt habe.

 

Wer hat dazu beigetragen, dass es zum schönsten Erlebnis wurde?

  • Das gute Wetter, meine Freundschaft zu T und vor allem aber auch mein Mut es überhaupt zu tun. Und, dass wir die ganze lange Strecke mit dem Rad gefahren sind.

 

Was erfüllt Sie mit Stolz und Freude?

  • Das Kleine Wunder!
  • Meine gemütliche Wohnung
  • Das ich Joggen kann
  • Meine Arbeit
  • Freundschaften und das ich offensichtlich gemocht und geliebt werde, so wie ich bin. Mit allen Macken, Neurosen und Gebrechen.

 

Was hat Sie besonders berührt (in welcher Form auch immer)?

  • Die Einschulung des Kleinen Wunders und der damit einhergehende (innere) Wachstumsschub.
  • Die Trennung von XY
  • Meine Gefühle für T
  • Viele, viele Blogeinträge von Euch, viele Kommentare zu meinen Einträgen und ganz speziell die Einblicke in das Leben vom rummelschubser und dem monsterherz. Sie waren sehr hilfreich, aufbauend und ein Leuchtfeuer in für mich in diesem Jahr.

 

Was ist Ihnen im Leben wertvoll, was wichtig?

  • Mein liebstes Kleines Wunder
  • Freundschaft und liebevolles Miteinander
  • Meine Gesundheit und mein Wohlbefinden

 

Haben Sie im vergangenen Jahr dem, was Ihnen wertvoll ist, die entsprechende Aufmerksamkeit/Zeit/Priorität gewidmet?

  • Ich habe es tatsächlich geschafft, meine Prioritäten neu zu hinterfragen und anders zu gewichten. Aber ich stehe da noch ziemlich am Anfang. Ich habe mir mehr Regenerationszeit gegeben und auch dem Kleinen Wunder mehr gute Aufmerksamkeit gegeben. Aber mir ist am Ende des Jahres, durch die Hilfe meiner Ergotherapeutin aufgefallen, dass ein wichtiger Punkt oft untergeht: Freizeit. Denn was ich für Freizeit hielt, war oft Regenerationszeit. Vielleicht müsste ich meinen Stundenlohn mal erhöhen …

 

Wenn nein, warum nicht?

  • Ich könnte jetzt schreiben: Weil ich es einfach nicht hinbekommen habe, weil ich zu faul, zu doof, zu dumm, zu eitel, zu … war. aber das ist doch eigentlich nicht wahr. Denn ich habe mein Bestes gegeben. Das was ich konnte: Deshalb lautet die Antwort auf diese Frage:
  • Gut Ding will Weile haben.

 

Was lief nicht so, wie Sie es sich vorgestellt/gewünscht/erwartet haben?

  • Ich hatte mir eine bessere Gesundheit erhofft, die neue Sehnerventzündung hat mich ziemlich kalt erwischt und mir Angst gemacht, vor allem auch, dass sich die Schäden dieses Mal nicht so gut zurück gebildet haben.
  • Ich hatte gehofft, dass es mir viel besser gehen würde 2017, auch seelisch. Selbst die MutterKindKur hat mir nicht so gut getan wie erhofft, weil ich massiv unter Ängsten und Depression gelitten habe.
  • Mit Ende des Sommers bin ich dann endgültig in einer Depression gelandet

 

Und vor allem: Warum lief es nicht so? (Die Beantwortung dieser Frage führt oft zu lehrreichen Erkenntnissen/Einsichten.)

Auf den MS-Schub hatte ich wohl relativ wenig Einfluss. Ja, ich hatte Ende 2016 wirklich sehr viel Stress (vor allem wegen der Arbeit), aber ob das nun den neuerlichen Schub ausgelöst hat, steht in den Sternen. Denn in den Jahren zuvor hatte ich auch oft schlimmen seelischen Stress.

Was die Psyche betrifft, so habe ich vor allem zu lange in ungesunden Mustern und einer ungesunden Beziehung verharrt. Es nützt nichts, mich deswegen nun zu martern, denn auch hier habe ich wirklich das Beste versucht. Meine Absichten waren jedenfalls immer gut, meine Lösungsstrategien aber leider zu konfliktvermeidend

 

Welche Begegnung oder welche Person, die Sie kennengelernt haben, stellt eine große Bereicherung dar?

M scheint eine Bereicherung zu sein. Auch, dass ich J. wieder getroffen habe ist eine Bereicherung, wenn auch nur eine kleine ;o)

Meine Nachbarin J – es ist so schön sich gegenseitig immer mal wieder kleine Freuden zu machen und Präsente vor der Tür zu finden.

 

Welcher Mensch hat Ihnen am meisten geholfen, Sie am meisten unterstützt?

  • Auf einer Ebene sicherlich meine Mutter, denn sie entlastet mich klaglos immer wieder, wenn ich es nicht allein schaffe mit dem Kleinen Wunder. Speziell auch in der Zeit, als ich den Schub hatte.
  • T hat mich psychisch sehr unterstützt, durch sein da-sein und zuhören.
  • Ebenso meine Freundinnen A und N und auch K
  • Auch XY hat mir sehr geholfen, in dem er mich Therapien, Ärzten und zu Kur begleitet hat

 

 

Welcher Abschied ist Ihnen schwergefallen?

  • Der Abschied vom Kindergartenkind hin zum Schulkind
  • Der Abschied von meinem gesunden Sehvermögen in Folge der Sehnerventzündung
  • Die Paar-Beziehung zu XY zu beenden
  • Das N und L aufs Land gezogen sind (für mich nun leider nicht mehr erreichbar)
  • Als A zurück nach Portugal geflogen ist

 

Was haben Sie dazugelernt, welche Fähigkeiten und welches Wissen erworben, das Sie vor einem Jahr noch nicht hatten?

Das kann ich gerade noch schlecht in Worte fassen, aber ich spüre, dass ich gerade in diesem Jahr wahnsinng viel gelernt habe.

 

Was werden Sie, wenn sich die Gelegenheit ergibt, das nächste Mal anders machen?

Ich gehe jetzt viel offener mit meinen Erkrankungen um, das behalte ich auf jeden Fall bei. Ich vertraue dem Kleinen Wunder und seinen Fähigkeiten stärker. Ich gebe jemandem wie XY weniger gut gemeinte Hilfestellung – die aber doch nur dazu führt, dass das Leid länger währt.

Die Angst an die Hand genommen

Seit einiger Zeit meditiere ich täglich mit Hilfe einer wunderbaren App: https://7mind.de/ – ich weiß nicht, ob es wirklich Meditation ist, was ich da mache. Denn meist bin ich so erschöpft, dass ich dabei liege und oft auch einschlafe. Dennoch merke ich nach 38 Tagen, dass die Übungen eine Wirkung entfalten.

Momentan arbeite ich mit 7Mind in einer Übungsreihe zum Thema Angst. Und damit ist es mir tatsächlich gelungen meiner Angst ein Gesicht zu geben. Diesen Rat habe ich ja schon öfter gehört – mit der Angst reden, eine Form für sie finden. Aber es blieb immer ein diffuses Bild. Nun sehe ich, dass ich es mit einem kleinen, mal Schwarz, mal Weiß gekleidetem Mädchen zu tun habe. Es klammert sich ganz oft an meine Beine, will mich aufhalten, zögert, weint und braucht sehr viel Liebe. Im Grunde will es mich vor Einsamkeit bewahren.

Am letzten Freitag haben wir es zusammen zur Friseurin geschafft. Ich wollte unbedingt meinen Pony nachschneiden lassen und hab vorher mit dem Angst-Mädchen gesprochen, dass ich es mitnehmen werde. Das ich nicht, wie sonst, um jeden Preis versuchen will sie loszuwerden und allein draußen stehen zu lassen. Ich habe ihr versprochen, dass sie auf meinem Schoß sitzen und dabei bleiben darf. Und das wir das trotzdem zusammen machen und nicht weglaufen werden.

Und tatsächlich hat mir dieses Bild geholfen und ich konnte mit frisch geschnittenem Pony zum Mittagstreff mit T. gehen. Wir haben gezittert und Luft geholt und in den Spiegel gesehen und fast geweint vor Angst. Aber wir sind geblieben bis die Angst fort war.

Am Abend habe ich mich kurz über meine Erschöpfung gewundert – aber, Leute! Ich! War! Beim! Friseur! Und danach dann dieses spontane Treffen mit T. – wieso wundere ich mich über Erschöpfung????

 

P.S.: Gestern war ich zusammen mit dem Angst-Mädchen beim „ich kann nicht singen-Chor“ – auch hier wollte das Angst-Mädchen mich aufhalten und ist dann einfach mit gekommen.

 

Brief, überfällig

Lieber T,

was jetzt kommt, ist eventuell so eine Art Belastungserprobung. Für mich auf jeden Fall. Und anstatt lang rumzuschwafeln, falle ich gleich mit der Tür ins Haus. Ich habe Dich einfach in mein Herz geschlossen, und das zu verleugnen wäre eine ziemliche Dummheit. Gefühle die unerwünscht oder unangebracht erscheinen zu verleugnen, wegzudrücken, zu überspielen – mein ganzes Leben lang schon eine meiner leichtesten Übungen. Aber auch eine meiner ungesündesten Angewohnheiten.
„Ich darf es mir erlauben, neue Wege zu gehen.“ – das ist meine aktuelle Affirmation mit der ich arbeite. Vielleicht ist dieser Brief Teil dieser neuen Wege. Ich war schon oft irritiert über Dein Verhalten. Verbindlich – unverbindlich. Distanziert – nah. Das macht es mir noch schwerer, diesen Brief zu schreiben. Aber eigentlich egal, ich kann sowas sowieso nicht gut. Du wünschst Dir einen entspannten Umgang miteinander. Den wünsche ich mir auch. Und zu einer Freundschaft gehört Ehrlichkeit. Und die Wahrheit ist, dass ich Gefühle für Dich habe, die über eine Freundschaft hinaus gehen. Ich wünsche mir mehr Nähe zu Dir.
Und vielleicht ist das ja auch hilfreich für Dich, das zu wissen. Das da ein Mensch ist, der Dich so mag, wie Du bist und der findet, dass all die Gedanken über Unzulänglichkeit unangebracht sind, – weil Du einfach ein toller Mensch bist.
Ich weiß, das dieses Geständnis etwas zwischen uns verändern wird, aber ich hoffe trotzdem Deine Freundin bleiben zu können. Diesen Brief durfte meine Seele schreiben und mein Kopf durfte gerade mal eine Pause machen.
Das ist einfach die Wahrheit und das bin ich. Und bevor mich der Mut verlässt, lasse ich das so stehen und tue es einfach.

In Verbundenheit, plejade

Mein Zögern / Mut sammeln

Ok. Ich habe verstanden.
Menschen bereuen auf dem Sterbebett selten Dinge, die sie getan haben. Vielmehr bereuen sie Dinge die sie nicht getan haben.

T und ich und die Kinder, wir haben in den letzten Wochen so viel Zeit miteinander verbracht. Entspannte Zeit. Gute Zeit. Irgendwie scheint das Aussprechen dessen, das wir nur Freundschaft voneinander wollen etwas (aus-)gelöst zu haben. Ihn scheint das entspannt zu haben. Bei mir hat es eine Welle von Emotionen ausgelöst, die ich aber bisher dennoch ganz gut in Schach halten kann. Wohlwissend, dass dies ein sehr ungesundes Verhalten für mich ist. Ich möchte noch mehr Zeit mit ihm verbringen und ich möchte mehr und andere Nähe. Es wäre gesünder für mich, dies zu fühlen und ihm zu zeigen.

Noch steht mir die Angst im Weg.

Ich habe Angst ihn durch ein Aussprechen davon zu verlieren, weil er dann vielleicht auf Distanz geht.

Ich habe Angst vor einer Absage und was das mit mir machen würde. Wieder: Angst vor Gefühlen.

In etwas mehr als drei Wochen geht er für mindestens sechs Wochen in eine Klinik. Lasse ich ihn bis dahin besser mit meinem Anliegen in Ruhe? Oder ist das Gegenteil der Fall und ich sollte nun schnell handeln? Was ist das für eine blöde Timeline die ich mir selbst damit setze?

Ich denke und denke und denke und vergesse dabei zu leben.

 

Ich habs verstanden. Der für mich richtige Weg ist Ehrlichkeit und Offenheit. Doch ich muss noch Mut sammeln. Noch reicht er nicht.

Und während ich dies schrieb, spülte das Universum diesen Song, den ich komischerweise bisher gar nicht kannte, aus dem www zu mir – kurios!:

(Früher habe ich gerne Mixtapes aufgenommen die durch die Songauswahl geheime Botschaften enthielten. Aber die Jungs haben das nie verstanden. Ich hatte schon in meiner Jugend schlechte Strategien in Liebesdingen 😂)

 

Have you got color in your cheeks‘
Do you ever get the feeling that you can’t shift the tide
That sticks around like something’s in your teeth
And some aces up your sleeve
I had no idea that you’re in deep
I dreamt about you near me every night this week
How many secrets can you keep‘
‚Cause there’s this tune I found that makes me think of you somehow
When I play it on repeat
Until I fall asleep
Spilling drinks on my settee

(Do I wanna know?)
If this feeling flows both ways
(Sad to see you go)
Was sorta hoping that you’d stay
(Baby we both know)
That the nights were mainly made for saying
things that you can’t say tomorrow day

Crawlin‘ back to you.

Ever thought of calling when you’ve had a few?
‚Cause I always do
Maybe I’m too busy being yours to fall for somebody new
Now I’ve thought it through

Crawling back to you

So have you got the guts?
Been wondering if your heart’s still open and
if so I wanna know what time it shuts
Simmer down and pucker up
I’m sorry to interrupt it’s just I’m constantly
on the cusp of trying to kiss you
I don’t know if you feel the same as I do
But we could be together, if you wanted to

(Do I wanna know?)
If this feeling flows both ways
(Sad to see you go)
Was sorta hoping that you’d stay
(Baby we both know)
That the nights were mainly made for saying
things that you can’t say tomorrow day

Crawling back to you

Ever thought of calling when you’ve had a few? (calling when you’ve had a few)
‚Cause I always do (‚cause I always do)
Maybe I’m too busy being yours to fall for somebody new
Now I’ve thought it through

Crawling back to you, (do I wanna know?)
If this feeling flows both ways
(Sad to see you go)
Was sorta hoping that you’d stay
(Baby we both know)
That the nights were mainly made for saying
things that you can’t say tomorrow day

(Do I wanna know?)
Too busy being yours to fall
(Sad to see you go)
Ever thought of calling darling?
(Do I wanna know)
Do you want me crawling back to you?

Unbeholfen

… in Liebesdingen. Ich konnte das noch nie, schon in meiner Jugend wusste ich nicht, wie das geht. Ich kann die Zeichen nicht deuten und ich nicht die richtigen Signale senden. Die Ursache dafür liegt vielleicht in Unsicherheit und Angst vor Abweisung.

Ich brauche von der anderen Seite sehr deutliche Signale. Aber es gibt ja Menschen, die ebenfalls eher etwas subtiler und unsicher unterwegs sind – und in der Regel sind das die mir sympathischeren Menschen.

Seitdem wir das Thema neulich so zaghaft angeschnitten haben, sehen wir uns noch viel öfter / haben mehr Kontakt. Klar, oft auch mit den Kindern und die verstehen sich so gut, dass wir dann entspannte Zeit haben. Ausflüge etc. klappen einfach besser, wenn man nicht nur mit einem Kind unterwegs ist, sondern noch einen Freund oder eine Freundin vom Kind dabei hat. Aber das kann doch nicht der einzige Grund dafür sein, so viel Zeit miteinander zu verbringen!?

Mehrere Menschen haben unabhängig voneinander zu mir gesagt, dass T. mich so ansieht. So wie man jemanden nicht anguckt, wenn man nur Freunde sein will. Eine Freundin meinte, dass er sich vielleicht auch einfach nur nicht traut. Aber er hat doch klipp und klar gesagt, dass er die Freundschaft vorzieht. War das wirklich klipp und klar?

Und ich schwanke zwischen:
„Wenn es sein soll, soll es sein … das eilt ja nicht.“,
„Vielleicht braucht er einfach Zeit.“
„Ich renne dem auf keinen Fall hinterher!“
„Man muss die Dinge angehen, so ist es vertane Zeit.“
„Vielleicht lasse ich da eine Chance verstreichen.“
„Ich will jetzt sofort mehr Nähe und werde ihm das sagen!“
„Die Freundschaft ist mir so wichtig, ich will sie nicht aufs Spiel setzen.“
„Meine Gefühle wetrden wieder vergehen sind vielleicht sowieso nur ein Strohfeuer.“
„Wenn Du es nicht probierst, wirst Du es nie wissen.“
„Er mag Dich, will aber auf keinen Fall mehr Nähe, das hat er ja gesagt.“
„Das werde ich respektieren.“
„Willst Du Dein Leben lang Deinen Ängsten nachgeben, trau Dich einfach!“

… etc. …

Ich glaube, ich brauche Rat.

 

 

 

Nach dem Hochseilgarten ist vor dem Hochseilgarten

Gestern war Adrenalin-Tag. Ich wollte es unbedingt tun, doch schon am Morgen nach dem Aufwachen saß mir die Angst in Bauch, Brust und Kehle.

Doch dann sind wir einfach los geradelt, entschieden uns, die Stadtbahn komplett links liegen zu lassen und bei dem schönen Wetter die 10 Kilometer  mit dem Rad zu fahren. Vorteilhaft für mich, weil das wesentlich angstfreier geht. Aber es war ein langer und für mich unbekannter Weg – potentiell also doch eher beängstigend. Aber die Panik hab ich einfach zu Hause gelassen. Vielleicht auch deshalb, weil sie die Angst eher auf unser Ziel fokussiert hat. Und weil ich mich mit T gerade so wohl fühle vermutlich auch.

Im Hochseilgarten angekommen haben wir erstmal unsere mitgebrachten Stullen gemampft und uns mit dem Gelände vertraut gemacht. T hatte auch Angst, aber er war dabei so witzig, dass ich meine fast vergessen konnte. Dann war das Gelände viel kleiner und überschaubarer als ich es mir ausgemalt hatte. Und dann liefen mir S und R in die Arme. Gute Bekannte. S war schon durch, während R noch in den Seilen hing. 😉 Der kämpfte auch deutlich mit Angst, aber das hat mich irgendwie beruhigt. So ein Hochseilgarten ist ein Ort an dem man Angst haben darf. An dem sogar Erwachsene mehr Angst haben dürfen als Kinder. Es ist ganz normal dort. Natürlich darf man überall Angst haben. Aber ein Teil von mir sieht das deutlich anders, es ist der Teil, der sich für Angst so sehr schämt, dass er nach außen meistens schweigt.

Nach der Einweisung mussten wir erstmal ein bisschen den Umgang mit den Karabinerhaken üben – und ich hab mich richtig doof angestellt. 😀 Ich hatte alle Instruktionen zwar gehört, aber dann sofort wieder vergessen. Aber da war ja T, der meine Aufregung gespürt und mir ganz verständnisvoll geholfen hat. Und dann gings los!

Und ich sage Euch, das war der Hammer! Schon der erste, „kleine“ Parcours hatte es für uns in sich. Meine Nebennieren pumpten unaufhörlich Adrenalin in meine Adern. Meine Strategie: Nicht lang fackeln, Augen zu und durch – bloß der aufsteigenden Panik keinen Raum lassen. Ts Strategie, der vor mir ging, war anders: Alles ruhig angehen, auf Sicherheit bedacht und langsam vortasten. Sehr interessant wie unterscheidlich das ist.

Als wir die erste Runde durch hatten fiel T mir in die Arme und bedankte sich dafür, dass ich ihn überredet hatte mitzukommen. 😀 Wieder festen Boden unter den Füßen spürte ich Erleichterung, – aber auch den Mut auch den 2. Parcours anzugehen. Und auch T war überraschenderweise sofort dazu entschieden!

Dieses Mal ging ich vor – wow! Einige Stellen waren wirklich schwierig, manches kostete viel Überwindung, aber als ich erstmal da oben drin war, wusste ich: Für mich würde es kein Zurück geben, ich ziehe das durch. Manches war dann auch leichter als es aussah. An anderen Stellen hab ich mich gefragt, warum ich mir das bloß antue. Aber dann wieder musste ich so viel lachen – auch über unsere Angst.

Als wir durch waren, waren wir  vor allem erstmal eins: Froh. Aber auch stolz und gestärkt.

Den 3. und schwierigsten Parcours haben wir uns für das nächste Mal aufgehoben, denn es wird ganz sicher ein nächstes Mal geben. Für gestern hat’s gereicht und wir wollten die Zeit lieber nutzen um auch den Rückweg mit dem Rad zu fahren, anstatt die Räder mit in die Bahn zu nehmen.

20 Km mit dem Rad, das ist für eine stramme Leistung für mich. Hat gerade irgendwer vergessen, dass ich MS habe? Ich habe es gestern vergessen! Und entgegen meiner Befürchtungen geht es mir heute körperlich gut.

So ein wunderbarer Tag gestern! Und T dabei an meiner Seite zu haben war einfach toll. Man ist ja da oben ganz schön viel mit sich selbst beschäftigt, voller Angst, Mut und sehr konzentriert. Aber wir haben uns gegenseitig unterstützt (ich hoffe, dass sich das für T ebenso gut angefühlt hat wie für mich) und es war für mich ein tolles Gefühl, nicht wie so oft in meinem Leben alles alleine auskämpfen zu müssen, sondern jemanden dabei zu wissen, der ein Auge auf mich hat.

Und wenn das auf Dauer eine Freundschaft bleibt, dann haben wir mit der Aktion gestern einige Grundmauern gefestigt.

Hochseilgarten, vorher

Ja. Richtig gelesen. Hochseilgarten. Plejade, eine der größten Angsthäsinnen unter der Sonne, geht heute freiwillig in einem Hochseilgarten klettern. Ich habe irgendwie nicht wirklich eine Ahnung was mich erwartet und ich habe Angst. Ich habe schon vor dem Weg dorthin Angst.

Schon lange finde ich die Idee reizvoll das mal auszuprobieren. In einem sehr kontrolliertem Rahmen Ängste zu überwinden. Und die Dinge einfach zu machen anstatt ewig aufzuschieben. Höhenangst hat nichts mit meinem Hauptproblem Agoraphobie zu tun. Aber Angst hab ich trotzdem. Nun hab ich endlich jemanden überreden können das mit mir zu machen. T und ich fahren in 10 Minuten los. Immerhin hat T auch Höhenangst.

Gewohnheiten ändern, Ziele erreichen. Ich stelle mich meinen Ängsten – Fazit Tag 5 bis 15

Ich teste einen neuen Onlinekurs, in dem es darum geht seine Gewohnheiten zu ändern. Lies hier mein Ziel und den Beginn. Achtung: Das ist nicht zu verwechseln mit Angstübungen, die im Rahmen einer Konfrontationstherapie stattfinden!

Ups! Nun ist schon die Hälfte des Kurses um und ich habe es leider vernachlässigt Euch auf dem Laufenden zu halten. Über Ostern gab es eine kleine Pause,

Das war Tag 5:
Samstag, 15.04., 10.30–11.30 Uhr, 5. Aktion
Samstag. Zur Bücherei fahren und danach noch zum Einkaufen zu Denn’s

Belohnung: Eine Packung Earl Grey kaufen

Hat super geklappt!

Tag 6:
Sonntag, 16.04., wann es passt, 6. Aktion
Ein kleiner Spaziergang allein in M. – mit wenigstens einmal um die Ecke biegen und dann noch eine Straßenecke weitergehen.
Hat einfach nicht gepasst. Daher habe ich es ausfallen lassen

Tag 7:
Hier hatte ich nichts geplant, da ich den ganzen Tag chillend mit dem Kleinen Wunder verbracht habe.

Tag 8:
Dienstag, 18.04., 6. Aktion
Einkaufen und dann mit XY bei der Kinderpsychologin treffen und dort offen und ehrlich das geplante Gespräch führen
Das war die erste Aktion, die nicht wirklich was mit meiner Agoraphobie zu tun hatte. Aber in diesem Kurs geht es mir ja darum mich meinen Ängsten insgesamt zu stellen und einfach jeden Tag etwas zu tun, vor dem mir ein wenig die Beine schlottern. Die Aktion an dem Tag war auch nicht leicht. Nach der Pause fiel es mir erstmal sowieso sehr schwer überhaupt aus dem Haus zu gehen, dazu die Aufregung vor dem Gespräch. Da war viel Anspannung im Spiel. Aber ich habe alles richtig gut gepackt. 🙂

Tag 9:
Pause. Aber am Abend vorher war ich noch auf einer Party, wo ich nur den Gastgeber kannte

Tag 10:
Zu Fuß zum Markt und in aller Ruhe dort einkaufen ohne zu vorzeitig zu flüchten.

Tag 11:
Pause

Tag 12:
Ausflug mit B und dem Kleinen Wunder – auch ein Angstthema für mich. So ultragut kenne ich B noch nicht und wir sind einige Kilometer gefahren

Tag 13:
Langer Spaziergang mit T – inklusive leicht aufsteigender Panik. Aber ich habe dann an all das gedacht,was ich schon ind en Tagen davor geschafft habe und das half mir.

Tag 14:
Mit dem Rad zu einer bestimmten Stelle im Park und dort auf einer Bank sitzen bis die Angst deutlich nachlässt

Tag 15, also heute:
Besuch bei der Hausärztin und anschließend wieder Glas wegbringen

Mein Fazit nach der Hälfte des Kurses: Die Sachen geplant und schriftlich fixiert zu haben, hilft mir ungemein dabei, sie dann auch am nächsten Tag umzusetzen. Und mittlerweile trage ich die bereits gelungenen Aktionen wie eine Fahne vor mir her. Das Wissen um das bisherige Gelingen und was ich alles schon geschafft habe, erleichtert es mir die Angst auszuhalten.

Ich habe schon viele, viele Anläufe hinter mir in denen ich richtige Konfrontationsübungen gemacht habe (also schwierigere Aufgaben und alles ohne Rettungsanker – da muss also auch das Handy zu Hause bleiben). Es hat mich jedes Mal so erschöpft, dass ich nach wenigen Tagen krank wurde und aussetzen musste.

Nun mache ich also jeden Tag etwas, was ich sonst eher vermeiden würde, ohne in die Vollen zu gehen. Und das klappt nun also ganz gut und ist besser, als NICHTS zu machen. So mache ich auch Fortschritte. Nur noch kleinere. Aber es sind Fortschritte, Und wer weiß, vielleicht habe ich ja dann auch bald die Kraft es wieder richtig anzugehen …?