Der hat auch Angst

Manchmal, wenn ich unterwegs bin und mich die Angst befällt, schaue ich mir die Menschen in meiner Umgebung an und überlege, dass einige von Ihnen sicher auch Angst und Panikattacken kennen. Das hilft mir.

Dehalb lese ich gerade das „Ich bin mal eben wieder tot – wie ich lernte mit Angst zu leben“ von Nicholas Müller. Nicholas Müller war bis 2014 Frontman der Band Jupiter Jones. Ich finde es immer wieder ausgesprochen mutig, wenn Menschen ihre Angsterkrankung öffentlich machen. Noch mehr als Depression scheint eine Angstneurose ein Tabuthema. Eine Phobie vor Spinnen oder Mäusen oder die Angst Fahrstuhl zu fahren ist vielleicht gesellschaftsfähig. Aber ich eine „ich gehe nicht aus dem Haus-“Angst wie die Agoraphobie unter der ich leide, oder auch die Sozialphobie scheinen in unserer Gesellschaft mit der Anmutung von Schwäche verknüpft. Ich habe das selbst stark internalisiert – d.h. dieser Glaubenssatz hat sich in mir fest gefressen. Ich schäme mich dafür, dass ich es trotz wiederholter Therapien einfach nicht schaffe, die Angst Angst sein zu lassen und trotzdem so zu leben, wie ich es möchte.

Vor lauter Scham habe ich es über die Jahre gelernt, meine Angst und meine diesbezügliche Erkrankung virtous zu verstecken. Ich lasse die meisten Menschen einfach nicht so nah an mich heran, dass sie etwas bemerken können. Sie bemerken nicht, dass ich nur in einem winzigen Radius im Park jogge und niemals allein im anderen Teil des Parks zu sehen bin. Sie wissen nicht, dass ich zu jeden Termin  außerhalb eines vielleicht 1 Kilometer großen Radius eine vertraute Person zur Begleitung brauche. Sie ahnen nicht, dass es Tage gibt, in denen ich nur mit Herzrasen überhaupt vor die Tür treten kann oder sogar hyperventiliere wenn ich einfach nur allein in meiner schönen, sicheren Wohnung sitze. Selbst eine Panikattacke beim Arzt während der Blutdruckmessung blieb unbemerkt – weil mein Blutdruck trotzdem noch im oberen Normbereich war. Ja, ich habe sogar schon mehrfach mit schwerer Panik auf der Bühne gestanden und nach außen souverän meinen Text vortragen können.

Wieviele Lügen ich schon erzählt habe, wieviel Ausreden, warum ich früher gehe oder gar nicht erst irgendwo erscheine. Ich habe es sogar ohne große Verluste geschafft, dass ich nur ca. 2 x im Jahr Kundengespräche führen muss, die nicht in meinem Büro stattfinden. Wenn es doch anders sein muss, nehme ich mir jemanden mit, der mich hinbringt und irgendwo sehr in der Nähe auf mich wartet. Und kämpfe in der Regel dennoch massiv mit Angst. In zwei Tagen ist es wieder soweit und in meiner Tassche leuchten die zwei Tavor Tabletten, die mir der Arzt in der Mutter-Kind-Kur für den Notfall gab. Aber im Grunde traue ich mich noch nicht einmal dieses Medikament zu nehmen. Weil ich nicht weiß, wie ich darauf reagiere. So bleibt auch dieser Ausweg verschlossen.

Und jetzt lese ich das oben genannte Buch und während des Lesens steigt tatsächlich schon wieder Angst in mir hoch. Weil Nicholas Müller irgendwann total zusammengebrochen ist. Und ich Angst vor genau so einem Zusammenbruch habe. Ich bin doch Mutter! Und der Vater ist gerade wegen Depression und Angst in einer Klinik. (Ja, er ist zusammengebrochen. Und das ist auch irgendwie so typisch in dieser Konstellation. Denn ich funktioniere weiter und bin für unser Kind da. Ist das jetzt eine Stärke oder eine Schwäche?). Dennoch tut das Lesen gut. Weil es jemand geschrieben hat, den man kennt. Den ich kenne, weil er in der Öffentlichkeit stand. Und der das zugibt, dieses Angst. Dieses lächerliche Sich-vor-allem-möglichen-ängstigen, während es einem doch eigentlich viel zu gut geht. Herr Müller ist mittlerweile übrigens Schirmherr der DASH – Deutsche Angst-Selbsthilfe. Er hat es geschafft aus seiner Erkrankung etwas Gutes zu ziehen und hilft mit seinen Erfahrungen nun anderen. Ich wünschte, ich könnte das auch. Und ich wünschte, ich könnte auch sagen: Wie ich lernte mit der Angst zu leben. Doch nach mittlerweile 30 oder vielleicht sogar 36 Jahren Angst und Phobie fehlt mir dafür meist die Vorstellungskraft. Leider.

 

 

 

Ich sehne mich nach Leichtigkeit, – zurück ins Licht

Heute Abend übe ich mich in achtsamer Akzeptanz. Vor vier! Monaten habe ich einen Wochenend-Kurs gebucht, Thema: Achtsamkeit. Heute Abend sollte es losgehen. Und nun? Ich kann da unmöglich hingehen. Ich huste und huste, ich würde stören. Außerdem habe ich eine üble Bindehautentzündung, die ja bekanntlich sehr ansteckend ist. Und ganz ehrlich: ich fühle mich auch so elend, dass ich mich gar nicht mehr vom Sofa weg bewegen mag. Das Kleine Wunder freut sich, bei ihrer Lieblingsfreundin schlafen zu können. Ich habe alles super organisiert: wie und vom wem sie vom Hort abgeholt wird, wo sie sich dann aufhalten kann, bis sie um 19 Uhr zur Freundin kann, wo sie dann bis Morgen Abend bleibt, bis der Kurs zu Ende ist. Das war mit Hindernissen verbunden. Die erste Verabredung wurde nämlich spontan heute krank und so mussten mehrere Leute verschiedene Etappen übernehmen. Aber ich habe es dank sehr hilfsbereiter, liebevoller Familien geschafft. Dafür bin ich dankbar. Das ist so toll!

Und nun übe ich mich darin: Kein schlechtes Gewissen zu haben, so viele Leute eingespannt zu haben und dann zu schwächeln. Denn die Realität ist: Ich bin froh, dass das Wunder nicht hier ist und ich mich ausruhen kann. Froh, dass ich sie auf diese Weise weniger wahrscheinlich mit der Bindehautentzündung anstecke. Sie selbst freut sich wie das erste Schneeglöckchen und wird ein wundervolles Wochenende haben.

Es ist schade ums Geld, aber meine Entscheidung ist vernünftig und gut und schützt zudem einige andere Leute davor sich von mir anzustecken. Warum zur Hölle hadere ich dann trotzdem? Es ist mir in den letzten Jahren so verdammt oft passiert, dass ich Karten für eine Veranstaltung hatte, mich zu einem Kurs angemeldet hatte, langwierig verabredet war … und dann krank geworden bin. Das ärgert mich. das schöne Geld! Und dieses Gefühl, nun verschiedenste Leute eingespannt zu haben, nur damit ich den Kurs machen kann, den ich dann gar nicht mache … plejade! Es darf Dir gut gehen. Du darfst für dich sorgen. Du darfst tun was du möchtest und für dich richtig ist. Wann wirst du das verstehen? Und wo verflixt nochmal, ist denn nun diese Leichtigkeit und dieses Licht, nach denen du dich so sehnst???

DIE MAGIE EINER AUFSTELLUNG. Oder wie ich erst nichts verleihen wollte, dann gerne geben mochte und zu guter Letzt gar keine Notwendigkeit bestand

Heute wollte XY sich Geld von mir leihen. Eigentlich hatte ich beschlossen, ihm nie wieder etwas zu leihen. Also weder Geld noch sonst irgendwas. Denn allzuoft musste ich den Dingen dann hinterrennen und galt dabei noch als „spießig“ oder „Krämerseele“. Ich beginne gerade erst zu begreifen, dass auch dieser Teil der Geschichte ein Puzzlestück im Leben eines Menschen mit Suchtproblematik ist.

Da das Thema gerade akut war, hab ich es in der Ergotherapie bearbeitet. Wir haben Aufstellungsarbeit gemacht und das war sehr hilfreich. Eine Stunde Ergotherapie und so viele Einblicke. In mir ist ein Gefühl von Zufriedenheit und Stolz.

Die erste Überraschung war für mich, welchen Gegenstand ich mir als Symbol für mich ausgesucht habe: eine brennende Kerze in einem Papierstern. So schön. So eine schöne Vorstellung von mir. Voller Licht und Wärme, in sich ruhend, bewegt und strahlend schön.

Die Fragestellung ob ich ihm das Geld leihen sollte: ja oder nein. Im Grunde erwartete ich eine Bestärkung im Nein-sagen.

Was aber für mich dabei rauskam, war: Ich möchte das Geld gerne leihen, aber nicht als große Gönnerin, die sich dann toll fühlen kann und die diese Entscheidung alleine trifft und die Verantwortung dafür übernimmt. Sondern als Freundin auf Augenhöhe. Zuerst standen dort zwei Symbole auf dem Tisch: ich und das Geld (was dann aber auch gleich zur Symbolfigur von XY wurde – ein kleine Piratenfigur, die mit einem Fuß auf einer Schatzkiste stand), dann gab es Barrieren und es gesellten sich Berater dazu. Außerdem ein Löwe, der als heimlicher Gewinn dieser Situation inter mir stand. Das sah zwischendurch ziemlich unausgewogen aus. Ich riesengroß und hell mit einer Schar Berater (die Barrieren und auch der heimliche Gewinn hatten sich in Berater verwandelt und einen konsprativen Kreis gebildet) um mich. Dem gegenüber XY allein und klein. Da wurde mir klar, was für ein grausames Bild das ist, das ich da mit mir heraum trage.

So bekam XY ein Pferd und wuchs damit, die Figur stand ziemlich wackelig, aber mit viel Geduld stand sie dort auf dem Pferd – wie passend. Er bekam eine Schar Berater an die Seite gestellt und zu guter Letzt noch ein großes strahlendes Glas-Kristall als Ressource.

Meine Lösung: Ja, ich leihe ihm das Geld, möchte aber meinen Monitor und meinen Notenständer zurück haben, die schon ewig bei ihm sind. Und ich möchte mit ihm gemeinsam überlegen, was er mir als Pfand überlassen kann, bis ich das Geld zurück habe.

Der Clou: Er hatte in der Zwischenzeit eine andere, sehr einfache Lösung für das Problem gefunden. Nämlich Ratenzahlung.

Wow!

 

Leuchtfeuer – Jahresrückblick

Für meinen, mittlerweile ganz schön späten, Jahresrückblick 2017 fand ich hier die passenden Fragen: https://www.zeitblueten.com/

Welche Ereignisse/Erlebnisse haben das vergangene Jahr besonders bereichert?

  • Die Vertiefung einiger Freundschaften, im Grunde ausgelöst durch den Krankheitsschub im Februar
  • Das Bloggen!
  • Die intensivere Beschäftigung mit dem Achtsamkeits-Gedanken. Das Lesen vieler Bücher dazu und auch die praktische Umsetzung von ein paar neuen Gewohnheiten. Kleine Schritte, aber Schritte.
  • Die Einschulung vom Kleinen Wunder, bzw. ihre parallel dazu gemachten Entwicklungsschritte. Wir sind uns so nah wie nie zuvor, – so fühlt es sich zumindest an. Zu sehen, wie gut sie alles meistert, lässt mein Herz leichter schlagen und gibt mir die Gewissheit ein paar grundlegende Sachen im Umgang richtig gemacht zu haben, so viele Zweifel hatte ich.

 

Welches war Ihr schönstes Erlebnis?

  • Spontan und als erstes fällt mir der Ausflug zum Hochseilgarten ein. Das war ein so schöner Tag, an dessen Abend ich mich inmitten einer Phase der Depression tatsächlich glücklich und zufrieden gefühlt habe.

 

Wer hat dazu beigetragen, dass es zum schönsten Erlebnis wurde?

  • Das gute Wetter, meine Freundschaft zu T und vor allem aber auch mein Mut es überhaupt zu tun. Und, dass wir die ganze lange Strecke mit dem Rad gefahren sind.

 

Was erfüllt Sie mit Stolz und Freude?

  • Das Kleine Wunder!
  • Meine gemütliche Wohnung
  • Das ich Joggen kann
  • Meine Arbeit
  • Freundschaften und das ich offensichtlich gemocht und geliebt werde, so wie ich bin. Mit allen Macken, Neurosen und Gebrechen.

 

Was hat Sie besonders berührt (in welcher Form auch immer)?

  • Die Einschulung des Kleinen Wunders und der damit einhergehende (innere) Wachstumsschub.
  • Die Trennung von XY
  • Meine Gefühle für T
  • Viele, viele Blogeinträge von Euch, viele Kommentare zu meinen Einträgen und ganz speziell die Einblicke in das Leben vom rummelschubser und dem monsterherz. Sie waren sehr hilfreich, aufbauend und ein Leuchtfeuer in für mich in diesem Jahr.

 

Was ist Ihnen im Leben wertvoll, was wichtig?

  • Mein liebstes Kleines Wunder
  • Freundschaft und liebevolles Miteinander
  • Meine Gesundheit und mein Wohlbefinden

 

Haben Sie im vergangenen Jahr dem, was Ihnen wertvoll ist, die entsprechende Aufmerksamkeit/Zeit/Priorität gewidmet?

  • Ich habe es tatsächlich geschafft, meine Prioritäten neu zu hinterfragen und anders zu gewichten. Aber ich stehe da noch ziemlich am Anfang. Ich habe mir mehr Regenerationszeit gegeben und auch dem Kleinen Wunder mehr gute Aufmerksamkeit gegeben. Aber mir ist am Ende des Jahres, durch die Hilfe meiner Ergotherapeutin aufgefallen, dass ein wichtiger Punkt oft untergeht: Freizeit. Denn was ich für Freizeit hielt, war oft Regenerationszeit. Vielleicht müsste ich meinen Stundenlohn mal erhöhen …

 

Wenn nein, warum nicht?

  • Ich könnte jetzt schreiben: Weil ich es einfach nicht hinbekommen habe, weil ich zu faul, zu doof, zu dumm, zu eitel, zu … war. aber das ist doch eigentlich nicht wahr. Denn ich habe mein Bestes gegeben. Das was ich konnte: Deshalb lautet die Antwort auf diese Frage:
  • Gut Ding will Weile haben.

 

Was lief nicht so, wie Sie es sich vorgestellt/gewünscht/erwartet haben?

  • Ich hatte mir eine bessere Gesundheit erhofft, die neue Sehnerventzündung hat mich ziemlich kalt erwischt und mir Angst gemacht, vor allem auch, dass sich die Schäden dieses Mal nicht so gut zurück gebildet haben.
  • Ich hatte gehofft, dass es mir viel besser gehen würde 2017, auch seelisch. Selbst die MutterKindKur hat mir nicht so gut getan wie erhofft, weil ich massiv unter Ängsten und Depression gelitten habe.
  • Mit Ende des Sommers bin ich dann endgültig in einer Depression gelandet

 

Und vor allem: Warum lief es nicht so? (Die Beantwortung dieser Frage führt oft zu lehrreichen Erkenntnissen/Einsichten.)

Auf den MS-Schub hatte ich wohl relativ wenig Einfluss. Ja, ich hatte Ende 2016 wirklich sehr viel Stress (vor allem wegen der Arbeit), aber ob das nun den neuerlichen Schub ausgelöst hat, steht in den Sternen. Denn in den Jahren zuvor hatte ich auch oft schlimmen seelischen Stress.

Was die Psyche betrifft, so habe ich vor allem zu lange in ungesunden Mustern und einer ungesunden Beziehung verharrt. Es nützt nichts, mich deswegen nun zu martern, denn auch hier habe ich wirklich das Beste versucht. Meine Absichten waren jedenfalls immer gut, meine Lösungsstrategien aber leider zu konfliktvermeidend

 

Welche Begegnung oder welche Person, die Sie kennengelernt haben, stellt eine große Bereicherung dar?

M scheint eine Bereicherung zu sein. Auch, dass ich J. wieder getroffen habe ist eine Bereicherung, wenn auch nur eine kleine ;o)

Meine Nachbarin J – es ist so schön sich gegenseitig immer mal wieder kleine Freuden zu machen und Präsente vor der Tür zu finden.

 

Welcher Mensch hat Ihnen am meisten geholfen, Sie am meisten unterstützt?

  • Auf einer Ebene sicherlich meine Mutter, denn sie entlastet mich klaglos immer wieder, wenn ich es nicht allein schaffe mit dem Kleinen Wunder. Speziell auch in der Zeit, als ich den Schub hatte.
  • T hat mich psychisch sehr unterstützt, durch sein da-sein und zuhören.
  • Ebenso meine Freundinnen A und N und auch K
  • Auch XY hat mir sehr geholfen, in dem er mich Therapien, Ärzten und zu Kur begleitet hat

 

 

Welcher Abschied ist Ihnen schwergefallen?

  • Der Abschied vom Kindergartenkind hin zum Schulkind
  • Der Abschied von meinem gesunden Sehvermögen in Folge der Sehnerventzündung
  • Die Paar-Beziehung zu XY zu beenden
  • Das N und L aufs Land gezogen sind (für mich nun leider nicht mehr erreichbar)
  • Als A zurück nach Portugal geflogen ist

 

Was haben Sie dazugelernt, welche Fähigkeiten und welches Wissen erworben, das Sie vor einem Jahr noch nicht hatten?

Das kann ich gerade noch schlecht in Worte fassen, aber ich spüre, dass ich gerade in diesem Jahr wahnsinng viel gelernt habe.

 

Was werden Sie, wenn sich die Gelegenheit ergibt, das nächste Mal anders machen?

Ich gehe jetzt viel offener mit meinen Erkrankungen um, das behalte ich auf jeden Fall bei. Ich vertraue dem Kleinen Wunder und seinen Fähigkeiten stärker. Ich gebe jemandem wie XY weniger gut gemeinte Hilfestellung – die aber doch nur dazu führt, dass das Leid länger währt.

Endlich Licht

Seit Wochen sitze ich immer wieder vor dem leeren WordPress-Fenster, schreibe ein paar Worte und klappe dann den Monitor wieder zu. Es ist zu viel gewesen.

Seit der Beratung ist XY ziemlich durchgedreht und ich hab mich mit wirbeln lassen. Es gab die ganze Palette. Betteln, beschimpfen, unbegründete Eifersucht, jammern, Mitleid erregen, das Äußern von Suizid-Gedanken, Drohung des Rückfalls in die Alkoholabhängigkeit, Unzuverlässigkeit bzgl. der Termine mit dem Kleinen Wunder und zuletzt auch noch nicht kindgerechte Erklärungen ihr gegenüber.

Ich bin bedient. Mitgefühl bis Mitleid, Sorge, Angst, Hilflosigkeit, Schuldgefühle, Zweifel (ja, auch die haben sich leider wieder mal gemeldet), Zorn, Traurigkeit – all das hat mich bewegt.

Mehrfach musste das Kleine Wunder spontan dann zu mir, an anderen Tagen rief er an, ich solle sie holen, dann doch nicht, dann doch, dann doch wieder nicht.

XY war verzweifelt. Äußerte Suzid-Gedanken. Er tat mir leid. Ich habe viel Energie aufgewendet, um ihm zu helfen. Telefonnummern für Hilfe recherchiert, mit ihm geredet, mich immer wieder auf Gespräche eingelassen. Letzte Woche wollte er sich einweisen lassen. Ich habe alles umorganisiert, weil er Das Kleine Wunder eigentlich hätte nehmen müssen an dem Tag. Hab sogar einen (Neu-)Kunden sitzen lassen, von dem ich in dem ganzen Chaos vergessen hatte mir die Kontaktdaten zu notieren.

Dann hat er sich umentschieden und zudem auch noch entschieden, dass Das Wunder doch zu ihm kann. Während meine Mutter schon mit ihr auf dem Weg war um sie vom Hort zu mir zu bringen. Vor dem Kleinen Wunder dann mit meiner Mutter gestritten, weil er nun doch …

An dem Abend war mir klar: Das war das letzte Mal, dass ich drauf eingestiegen bin. Ab jetzt muss er sich selbst helfen. Oder jedenfalls: Ich stehe dafür nicht mehr zur Verfügung.

In der Woche drauf folgte dann noch ein Drama, an dem aber das Wunder im Mittelpunkt stand.
„Papa soll bei uns übernachten! Papa hat nichts dagegen. Und Du, Mama?“
Mama hatte was dagegen …
da fing das Kleine Wunder an zu weinen: „Ich möchte, dass wir alle wieder zusammen ziehen. Papa möchte das auch. Nur Du willst das nicht. Weil Du Papa nicht mehr traust. Obwohl er doch gar nicht mehr so ist wie er war und sich verändert hat. Du traust ihm nicht mehr.“
Sie war sehr zornig. Verständlich.

Ratet, wer noch zornig war. Ich. XY stritt ab, dass er ihr das gesagt hat. Doch so etwas überlegt sich eine 6jährige nicht selbst. Zumal es genau sein Wortlaut war.

Das Kleine Wunder war so wütend auf mich, so traurig, dass es die Hosen runterzog und in mein Wohnzimmer pinkelte.

Wir leben seit 3 Jahren getrennt. Aber erst jetzt wird mir wirklich klar, was ich die ganze Zeit mit mir habe veranstalten lassen, wie wenig ich mir selbst wert war. Nicht der Alkohol war das Problem. XYs Sucht war nur ein Symptom. Ich öffne die Augen.

Ich habe Angst vor der Zukunft und was da noch kommen mag. Ich habe Angst, wie XY reagiert, wenn er mich mal mit einem anderen Mann sehen wird. Ich habe Angst davor, was er dem Kleinen Wunder zukünftig erzählen wird und vor weiteren schlimmen Konflikten rund um Das Kleine Wunder und was das mit ihr machen wird.

Aber doch ist da zum ersten Mal seit Jahren das Gefühl, das ab jetzt alles besser werden kann. Für mich. Und auch für Das Kleine Wunder.

 

tindernisse

Was für ein Tag schon wieder. Morgens ein Frühstücksdate. Ja, ich gebe zu, ich gucke manchmal auf dem unsäglichen tinder und hatte schon zwei Dates, eines sterbenslangweilig, das andere so lala, daraus könnte mit etwas Mühe eine Freundschaft werden.

Heute bin ich erwartungslos dort hin. Und dann sah der Typ freundlicher aus als auf dem Bild. Das war wirklich nett. Ich war sehr überrascht. Endlich mal wieder jemand, der in einer ähnlichen Realität wie ich lebt. Danach bin ich ziemlich aufgedreht zur Arbeit, weil mich sowas eben aufdreht.

Und genau in dem Moment kam eine Mail von T, der sich die letzten drei Tage nicht gemeldet hatte. Genau dann als ich mal davon abgelenkt war und mich gefreut habe. Da ist wieder das Drehbuch zum französischen Film am Werke, oder?

Er hatte sich verkrochen, weil es ihm so mies ging. Und dann haben wir telefoniert und es ist wirklich nicht einfach für mich, mit diesem Gefühlswirrwarr klar zu kommen. Für Sonntag hat er eine Einladung aufs Land und will mich und das Kleine Wunder gern mitnehmen zu deiner guten Freundin zum Kaffee trinken und spazieren gehen. Jaja, … passt alles nicht zusammen und ist ziemlich sicher auch nicht gut für mich. Auf der anderen Seite wäre es sicher schön und für die Kinder auch toll und es gäbe viel zu lachen. Zwei Depressive die zusammen lachen können, das ist doch was!

Das mit dem Loslassen ist echt einfach nicht so mein Ding :/

Ich meditiere weiter …

Tag ohne Farben

Traurig, sehr traurig ins Bett gegangen, unruhig geschlafen, deprimiert aufgewacht. Froh, heute meine monatliche Therapiestunde zu haben und dann war es so zäh. Die Therapeutin meinte irgendwann, sie hätte jetzt Watte im Kopf. Hatte ich schon vorher. Und hinterher. Und jetzt.

Und neben mir liegt eine Packung Antidepressiva, die mir der Schmerztherapeut, neben Ergotherapie, am Montag verschrieben hat. Heute erst hab ich das Rezept eingelöst. Unentschlossen. Ich hatte darauf gehofft, dass er mir was verschreibt. Und nun überwiegt die Angst vor Nebenwirkungen. Was, wenn alles nur noch schlimmer wird? Panikattacken und Unruhe als Nebenwirkung. Dankeschön. Absetzsyndrom. Toll. Schaffe ich es nicht doch besser ohne Medikamente? Wird mein Körper es mir nicht viel eher danken, wenn ich es ohne hinkriege? Das Gefühl von Depersonalisation, das ebenfalls als Nebenwirkung auftreten kann, kenne ich doch nur zu gut, es ist einer meiner schlimmsten Angsttrigger. Blutungsneigung, Übelkeit, Erbrechen (Ey, ich habe eine Emetophobie! Also Angst vor dem Erbrechen). Schlimmer gehts auch noch. Aber das ist dann nur selten der Fall.

Aber es soll langfristig gegen die Schmerzen helfen, gegen dieses lähmende Gefühl der Depression, gegen Angstgefühle. Das wäre ja ein Traum! Lande ich damit im Paradies der Leichtigkeit? Unwahrscheinlich. Aber ein bisschen mehr Licht wäre schon gut.

Ich fühle mich gerade jetzt überhaupt gar nicht in der Lage eine Entscheidung zu treffen. Es ist schon schwer genug, zu entscheiden, was ich Morgens anziehe, damit ich mich einigermaßen wohl fühle.

Ich vermisse T. Würde ihn gerne anrufen und mit ihm darüber sprechen. Aber da er sich nicht meldet, lasse ich es auch. Ich kenne das Gefühl, wenn jemand Gefühle für mich hat, die ich nicht habe. Das kann auch leicht mal nerven,

3 x dankbar, 29.08.2017

  • Nachmittags auf der Balkonliege einschlummernich war aber auch wieder derartig müde, mir blieb gar nichts anderes übrig als die Arbeit Arbeit sein zu lassen und mich dem hinzugeben
  • Ein sehr schönes abendliches Treffen mit meiner Freundin N – sie ist aufs Land gezogen und wir sehen uns nur noch selten. Jetzt gehts mir wieder besser, den Rest des Tages war ich depressiv, ängstlich und sehr gedämpft unterwegs.
  • Jetzt einfach früh ins Bett gehen und hoffentlich mal gut schlafen – zumindest klingelt der Wecker nicht um 6, wie jetzt an den Schultagen an denen das Kleine Wunder bei mir ist. Selbst das Kleine Wunder sagte heute Morgen »Hör endlich auf zu klingeln, scheiß Wecker! Ich bin doch längst wach!« 😀

Ich bin noch da

… aber ich arbeite wieder ganz normal. Wobei es „normal“ in meinem Leben gar nicht gibt. Aber ich arbeite eben so viel wie ich es schaffe zu arbeiten, ohne dabei komplett auszubrennen. Und das heißt, dass ich viel vor dem Computer sitze. Und das wiederrum heißt, dass ich wenig Lust habe, dies in meiner Freizeit dann auch noch zu tun um zum Beispiel Blogeintröge zu verfassen. Das ist traurig und doof, zumal ich eigentlich viel inneren Schreibbedarf habe, besonders zur Zeit. Ich weiß abe rnicht, wie ich es momentan ändern soll.

Dabei weiß ich, DASS ich etwas ändern MUSS, damit es mir gut gehen kann. Da hake ich seit Monaten dran. Und es wird nicht besser. Ich sehe gerade ein, dass ich eine Depression entwickle, oder habe? Aber keine Therapie mehr. Außerdem leide ich unter chronischen Schmerzen, habe aber bisher den Weg zum Schmerzarzt gescheut, weil dies wohl regelmäßige Termine nach sich ziehen würde. Das würde noch mehr Stress verursachen. Und ich wüsste auch gar nicht, wie ich das machen sollte. Ich bräuchte jedes Mal Begleitung zu den Terminen wegen dieser meiner verf*ten Agoraphobie. Ich habe aber keine Begleitung. Meine Mutter würde das machen. Aber das wäre so dermaßen ungesund für mich, dass es mir dann eher noch schlechter gehen würde. Von XY habe ich mich endlich getrennt.

Bis bald, ich gehe jetzt heim und mache Dehnungsübungen gegen die Rückenschmerzen.

3 x dankbar, 24.04.2017

  • Heute wollte kein Kunde was von mir – und das könnte mir Sorge bereiten, aber ich bin einfach nur dankbar dafür heute. Ich hab mich immer noch so antriebslos und depressiv und müde gefühlt, mich hätte jede Kundenanfrage gestresst
  • Der Typ, der Interesse an meinen Vinylscheiben hatte war heute da und fast alle gekauft. Ich habe ungefähr 100 Schallplatten aus meiner Sammlung frei gegeben. Einen Teil hatte ich schon vor 3 Jahren verkauft und einzelne immer wieder auf Flohmärkten. Jetzt habe ich noch rund 100 Stück, die ich auch erstmal nicht (niemals, niemals) hergeben werde. Es war ein hartes Stück Arbeit für mich. Die Platten standen schon lange im Keller. Aber ich konnte sie nicht loslassen. Ich habe mir jetzt immer wieder aufgesagt, dass sie leben sollen und geliebt und gehört werden wollen. Und der Typ hat sich einen Ast abgefreut, weil er damit einen riesigen Schnapper gemacht hat, wenn ich die einzeln verkauft hätte, hätte ich ein vielfaches daran verdienen können. Mir blutet das Herz, aber ich verbuche es als gute Tat und übe Loslassen. Ein bisschen muss ich noch trauern, aber ich bin sicher, die Entscheidung nicht zu bereuen. Und nun hab ich das Geld um meine Zuzahlung zur anstehenden Mutter-Kind-Kur leisten zu können und für das Kleine Wunder kann ich außerdem noch einen Ponyritt buchen. 😀
  • Eben eine ganz wunderbar wohltuende Behandlung gehabt und danach eine sehr schöne und entspannende Yoga-Stunde. Es geht mir so viel besser jetzt.