Ein Kreis schließt sich

Wie ich gestern Nacht schon geschrieben habe, war ich gestern in Bremen auf einem Konzert. Als der Krankheitsschub Anfang Februar losging, zählte tatsächlich „Oh nein, das Konzert!“ zu meinen ersten Gedanken. Die Karten hatte ich schon länger auf dem Schreibtisch liegen und die Vorfreude war groß.

Als ich 2013 zu Depeche Mode wollte, hatte ich einen Magen-Darm-Virus. Bei Musée Mécanique war das Kleine Wunder krank. Die We Are Scientists Karte, die ich XY zum Geburtstag geschenkt hatte, verfiel, weil er er an dem Tag plötzlich krank war und ich sie vor Ort auch nicht mehr losgeworden bin. Meinem Vater hatte ich zu Weihnachten Karten für Shadowland II geschenkt – an dem Termin im Januar hatte er die Grippe (verpasst hat er aber nichts weltbewegendes. Ich fand die Show sehr enttäuschend, vor allem bei den Ticketpreisen!). Ich habe zum Glück viele solcher Dinge schon vergessen. Es gab in den letzten Jahren sehr viele Vorhaben, die ich kurzfristig absagen musste, weil ich krank war.

Nun hab ich mich zum Glück wieder fit genug gefühlt für unser Vorhaben nach Bremen zu fahren. Da XY ein Auto hat, ging das auch sehr komfortabel. Eine Fahrt mit Zug und Straßenbahnen und mehrmaligem umsteigen wäre zu anstrengend für mich gewesen. Und XY ist für mich die Begleitung, die mir das größtmögliche Sicherheitsgefühl gibt.

Erstaulicherweise hatte ich unter diesen Bedingungen keinerlei Angst im Vorfeld. Bremen ist so schnuckelig, Freunde von mir und Verwandtschaft von XY wohnen dort – ich kann mich dort relativ wohl fühlen, obwohl Reisen in fremde Städte für mich oft kleine Höllentrips sind. Ich habe in der Nacht zuvor supergut geschlafen, hab nicht über Waswärewenns gegrübelt und war nur insofern aufgeregt, als das ich Vorfreude verspürte.

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Sogar als wir im Stau standen: Keine Angst. Keine Beklemmungen.

Wir waren mit XYs Verwandte zuvor noch essen – auch eine Situation (mit mir nicht so bekannten Menschen in einem Restaurant sitzen), die mich schon oft in Panik versetzt hat – ebenso wie Wege in fremden Städten zu Fuß bewältigen zu müssen, vor allem bei Dunkelheit.

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Im Yalla Yalla im Steintorviertel

Als wir später mit dem Auto auf dem Weg durch die Nacht ins Tivoli waren kamen Angstgefühe in mir hoch – alles wirkte so fremd und bedrohlich. Einer Eingebung folgend bat ich XY mit mir zusammen ein paar OM SHIVA Mantren zu singen: Das hat sofort geholfen! 🙂

Die Location war dann auch noch ziemlich klein und noch nicht einmal voll besucht. Für die Band natürlich schade, für mich eine Erleichterung.

Vom Band liefen die ganzen alten und mir wohlbekannten Indie-Grufti-Songs … Anne Clark, Philip Boa, Dead Can Dance, Kate Bush … dazu umwaberte mich die altbekannte Mischung aus Patchouli-Duft und Schwefel-Nebel. Das war ein Trip zurück in meine späte Jugend. Ein schöner Trip zurück in eine Zeit, in der bei mir Aufbruchsstimmung und Freundschaft und Musik und Vanilletee und Räucherstäbchen und liebevolle Gefühle und Melancholie und Fremdartigkeit und erste Lieben und tiefer Schmerz und Gemeinschaftlichkeit mein Leben bestimmten.

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Vorband Bayuk

Punk 20.30 Uhr ging’s los (sowas kenne ich aus Hannover gar nicht mehr). Mit Bayuk präsentierte sich uns eine großartige und sehr passende Vorband, wirklich richtig gut!

Und Klez.e … was soll ich sagen. Düster, schmerzvoll, politisch, sehend, berührend und bewegend. Ich musste tanzen und weinen und lachen und da sein. Meine müden Beine sind zum Leben erwacht, die Fatigue hat sich schlafen gelegt und meine Seele zog sehnsuchtsvolle Kreise.

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Klez.e

Als ich den Bandmitgliedern hinterher erzählt habe, wie großartig ich ihre Konzerte fand, hat mir Klez.e Sänger Tobias Siebert auch noch angeboten mir einen Gästelistenplatz zu geben für das morgige Konzert in Celle. Glücksgefühl!

❤ ❤ ❤

Nachtrag: Ich bin so unglaublich dankbar, dass mein Körper sich schon wieder so gut erholt hat. Meine Beine tragen mich noch immer. Das ich tanzen kann! Das mir heute mein volles Teeglas mal so eben aus der Hand glitt, weil meine Nerven wohl manchmal nicht merken, wie fest ich zupacken muss … was soll’s? Ich war müde, hatte zu wenig Schlaf auf der Mütze. Dafür. Kann. Ich. Gehen. Und. tanzen. Und. Hüpfen!

3 x dankbar, 05.03.2017

  • Mit dem Kleinen Wunder und ihrem Papa zusammen „Prinzessin auf der Erbse“ nachgespielt. Gleich 3 x. 😀
  • Super leckeren Apfelstrudel gebacken
  • Mein Auge tut nicht mehr weh seit gestern, juhuuu! Jetzt können die Nerven sich an die Reparaturarbeiten machen und dann kann ich bald hoffentlich wieder besser sehen

Rote Tage ohne Gedöns – plastikfreie Mens

So. Nun endlich mal ein kleiner Anfang in Sachen bloggen über Plastik(vermeidung).

Ich war schon immer ein „Öko“, als ich 18 war, wurde ich von manchen Leuten als Ökopunk bezeichnet 😀 – ich fand das ziemlich schmeichelhaft, auch wenn es nicht unbedingt so gemeint war. ;). Also war ich ziemlich eindeutig schon früh verhältnismäßig bewusst unterwegs was den Schutz unserer Mitwelt betrifft – aber es gibt Dinge für die hatte ich lange kein Bewusstsein.

2015 hab ich dann den Film Plastic Planet geguckt – und er hat mein Leben nachhaltig verändert. Ich kann Euch diesen Film nur ans Herz legen, aber richtet Euch drauf ein, dass Ihr danach Euer Verhalten verändern werdet. So war es jedenfalls bei mir. Ich vermeide seitdem Plastik wo es nur geht.

Angefangen habe ich mit der Monatshygiene – das hab ich allerdings schon vor dem Film gemacht – eher aus meiner feministischen Bildung heraus als aus Umweltschutzgründen.

Ich verwende keine Tampons: sie sind teuer, jedes einzelne steckt in einer Plastikhülle, sie bergen das Risiko ein Toxic Shock Syndrom zu erleiden und: sie stecken voller Chemie und trocknen unsere kostbare Vaginalschleimhaut aus. Das will doch eigentlich keine. Deshalb verwende ich schon seit vielen Jahren Mensschwämmchen. Manche eine braucht vielleicht etwas Eingewöhnungszeit weil es ungewohnt ist, mit dem eigenen Blut und Schleim so sehr in Kontakt zu kommen, für mich ist es einfach nur normal. Ist ja mein Blut, so what? Ich bin mir sicher, dass der entspannte Umgang mit der Menstruation langfristig auch zu einem besseren Körpergefühl beiträgt.

Da ich nicht so stark blute, ist das auch unterwegs kein Problem, in der Regel hält das Schwämmchen das Blut lange genug zurück. Ich hörte aber auch schon von Frauen, die zur Not in einer öffentlichen Toilette einfach drauf pinkeln und auf diese Art ausspülen, Urin ist ja steril.

Als Backup und für die Tage an denen ich weniger blute habe ich waschbare Slipeinlagen und Binden aus Baumwolle. Das funktioniert sehr gut und es wäre sicher interessant auszurechnen wieviel Müll ich über die Jahre bereits vermieden habe. Monat für Monat! Und Geld gespart habe ich auch eine Menge.

Wer das Mensschwämmchen nicht mag, kann auch eine Menstruationstasse/ Diva Cup / Moon Cup verwenden. Dazu kann ich nichts weiter sagen, da ich es selbst noch nicht ausprobiert habe, eine Freundin schwört darauf.

P.S.: Im Titel hatte ich erst „Plastikfreie Damenhygiene“ stehen. *lach* Was für ein Quatsch, wie konnte ich das nur so daher tippen? Was für ein beklopptes Wort!

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3 x dankbar

  • Heute Morgen ganz niedlich und sanft vom Kleinen Wunder geweckt worden
  • Eine halbe Stunde auf meiner Balkonliege in der Sonne gelegen!!! 😀
  • Heute war mein energiereichster Tag seit Wochen. Ich habe sogar ein bisschen mit T und den Kindern Fußball auf dem Spielplatz gespielt. Kann es selbst gerade kaum glauben

War ein superschöner Tag, aber jetzt bin ich auch wirklich richtig matt. Gute Nacht!

Die Frau namens Mutter

Die wenigstens erwachsenen Menschen möchten dauernd ihrer Mutter begegnen, oder? Ich hab aber tue es. Die Realität sieht so aus: Ich kann sie schon seit meiner Jugend nicht mehr „Mama“ nennen, das Wort bliebe mir im Halse stecken. Sogar „meine Mutter“ verursacht ungute Gefühle, seit ich ein Kind habe nenne ich sie eigentlich nur noch „die Oma“.

Meine Mutter (ich nenne sie im Folgenden jetzt mal so, damit keine Verwirrung aufkommt) ist überallgegenwärtig. Würde mich jemand fragen, ob ich sie liebe, ich würde schweigen. Wahrscheinlich ist es so, Kinder lieben ja ihre Eltern ziemlich bedingungslos. Ich empfinde das aber nicht. Oftmals empfinde ich dagegen Hass, Aversion und Mitleid. Und ich fühle mich deswegen schlecht. Schlecht, schlecht. Es ist verwerflich seine Mutter zu hassen.

Sie hat mich als Kind vereinnahmt. Es war erdrückend. Als ich mit Mitte 20 meine erste Therapie begonnen habe, war ich noch der Meinung, dass ich nette Eltern habe und meine Kindheit gut war. Obwohl ich mich ja kaum erinnern kann. Aber meine Eltern haben nie was böses gemacht. Einfach harmlos. Heute würde ich das so nicht mehr sagen. Ich würde sagen: Meine Kindheit war bedrückend, voller Angst und Scham.

Wenn ich heute höre, wie sie mit meiner Tochter spricht und umgeht, wird mir vieles klar, obwohl ich weiß, dass sich da schon einiges zum Positiven geändert hat. Und meine Tochter hat nicht nur die Omi. Sie hat mich – vor allem – und ihren Papa, sie hat ihren Kindergarten, die Eltern ihrer Freunde, hatte ihre Krippe, sie trifft durch meine Freundschaften auch andere Erwachsene. Ich war mit meinem Bruder allein mit meiner Mutter, meine Eltern lebten zu der Zeit zwar noch zusammen, aber mein Vater war seltsam abwesend. Ich war weder in einer Krabbelgruppe, noch im Kindergarten. Angeblich, weil ich zu schüchtern war und nicht wollte. Logisch: Ich hatte so gut wie keinen Kontakt zu anderen Kindern, auch mein älterer Bruder war nicht im Kindergarten, – ich konnte mir nullkommanichts darunter vorstellen. Tja, und weil ich keinen Wunsch nach Kindergarten äußerte, blieb ich halt zu Hause. Und meine Mutter war froh darüber. Sie wollte uns nämlich gar nicht abgeben. Und Freunde hatten meine Eltern auch nicht.

Mein Bruder war wild und laut und frech. Ich war das schüchterne Kind. Die Kleine. Das Mädchen, die Zarte. Sensibel und gehemmt. Labil. Ängstlich. So war meine Rolle. Dabei saß in mir immer eine Abenteurerin, eine, die wilde Sachen erleben wollte und allein losziehen wollte. Aber meine Mutter hatte Angst um mich. Und sie wollte mich ganz für sich.

Mein Weg meiner Mutter Loyalität zu erweisen und meine Liebe auszudrücken, war der, mein Selbst aufzugeben. Fortan war ich ängstlich und brav. Die Rebellin ließ ich nur von der Leine, wenn es darum ging Ungerechtigkeiten anzuprangern und für Schwächere zu kämpfen.

Ich hatte es ganz gut geschafft, mich außer Reichweite zu begeben. Bin in eine Großstadt gezogen um zu studieren – dort packte mich die Angst so sehr am Kragen, dass ich mit dem Studium aussetzen und wieder zu Hause einziehen musste, aber ich kämpfte mich wieder nach vorn, beendete mein Studium. Und dann zog meine Mutter hinter mir her – in die gleiche Stadt in der ich nun Fuß gefasst hatte. Ich schaffte es wieder mich trotzdem fern zu halten. Mein Bruder lebte auch in dieser Stadt und sah und sprach sie häufiger als ich. Dann ist er ausgewandert und ihr Auge lag wieder auf mir. es gab Rückschritte, Fortschritte, Rückschritte aber im Großen und Ganzen ging es immer voran.

Aber dann wurde ich selbst Mutter und der dazugehörige Papa Alkoholiker (war er vorher schon, aber das Problem wurde massiver). Ich wurde krank. Und ab da war ich plötzlich auf sie angewiesen. Und bin es noch. Meine Kräfte reichen nicht aus, um dieses Alleinerziehenden-Ding wirklich alleine durch zu ziehen. Und jetzt ist diese Frau wieder allgegenwärtig in meinem Leben. Beobachtet mich. Trägt die gleiche Kleidung wie ich – so wie als ich 16 war und nur noch Schwarz und Lila trug – sie tat das auch. Als ich 14 war trug ich Hippiebunt und jede Menge Schmuck – sie ebenfalls. Und heute verwechseln uns die Leute auf der Straße von Weitem.

Ich. Will. Abstand. Aber ich weiß nicht wie das gehen soll,

 

 

3 x dankbar, 03.03.2017

  • Frühling! Unser Park ist zur Zeit eine riesige, häßliche Baustelle – aber die ersten Frühlingsboten bahnen sich unbeirrbar ihren Weg (siehe Foto).
  • Kurz T mit seiner Tochter auf dem Spielplatz getroffen und mich einfach gefreut die beiden zu sehen. Und das Kleine Wunder hatte auch Spaß.
  • Eine zweite Behandlung bei meinem neuen Ayurveda-Therapeuten. Ich fühle mich jetzt unsagbar entspannt und heller Stimmung :), scheint wirklich ein Glücksgriff zu sein! Diese Nacht habe ich geschlafen wie ein Bär im Winterschlaf – und so ähnlich hatte er mir das auch prophezeit.

3 x dankbar, 02.03.2017

  • Für das überwältigende Gefühl der Liebe, dass mich heute Früh durchströmte, als das Kleine Wunder verträumt auf seinem Bett saß und sagte: „Ich habe eine Pippi Langstrumpffolge nachgespielt.“ (und für das ausgemalte Mandala, das sie mir geschenkt hat – siehe Bild)
  • Dafür diesen Aryurvedatherapeuten gefunden zu haben, der erste Termin heute hat etwas gelöst
  • Dafür, dass ich den Tag nach einer unerholsamen Nacht in Ruhe und Stille verbingen konnte, ich bin zu Recht krank geschrieben und koste es aus

Mein morgiges Frühstück – PPP

Nicht ganz, aber des besseren Effektes wegen.

Den Magenschutz hab ich schon heute Abend eingenommen und auf das Schmerzmittel hoffe ich ja, verzichten zu können. Beim letzten Mal Kortison in dieser Dosis (100mg) hatte ich Mörderkopfschmerzen. Aber das ist schon fünf Jahre her. Heut hab ich noch von 21 Uhr bis 9 Uhr Morgens fest geschlafen, Morgen klingelt der Wecker um 6.45 Uhr – einzig und allein aus dem Grunde, dass ich dann das Kortison einnehmen werde. Vielleicht hilft es ja. Der HNO-Arzt hat grünes Licht gegeben, obwohl ich das Gefühl habe meine Nebenhöhlenentzündung ist noch nicht ganz ausgeheilt. Aber meine Blutwerte sind auch ok. Also!

Das Kleine Wunder schläft seit ein paar Minuten, nachdem es in einem Wutanfall noch anfing mich zu schlagen und hier geht jetzt auch das Licht aus.

Ich hasse es, Medikamente nehmen zu müssen. Ich habe regelrecht Angst davor. Aber da muss ich jetzt durch.

Schollenfilet mit Chinakohlgemüse

Ich habe mal wieder meinen Kühlschrank geplündert und mir spontan ein Gericht ausgedacht. Ich fand mich selbst wagemutig als ich die Dillsenfsauce mit Tomatenmark angedickt habe … Senf und Dill gehören ja zum Fisch klassisch eher in weiße Saucen. Aber es schmeckt wunderbar!

  • Schollenfilets
  • Chinakohl
  • 1 Möhre
  • 1 Petersilienwurzel
  • 4–5 Cherrytomaten
  • eine halbe Mozarellakugel
  • 2–3 TL Tomatenmark
  • 1 Frühlingszwiebel
  • Sesam
  • Senfkörner
  • getrockneter Dill
  • Salz und Pfeffer
  • Bulgur

 

  1. Schollenfilets salzen und scharf anbraten, dann weiter braten bis sie durch sind, danach aus der Pfanne nehmen und auf einem Teller parken
  2. Bulgur mit der doppelten bis dreifachen Menge Wasser kochen, ca. 15 Minuten. Salzen.
  3. In der Fischpfanne (Sud und Öl drin lassen und für die Sauce verwenden) die klein geschnittenen Chinakohlstrünke andünsten.
  4. Kleingeschnittene Möhre und Petersilienwurzel dazu geben. Mit Wasser ablöschen.
  5. Frühlingszwiebel, Senfkörner, Sesamsamen und Tomatenmark dazu geben. Immer wieder etwas Wasser dazu geben, so dass alles leicht köcheln kann.
  6. Wenn die anderen Zutaten fast gar sind die in Streifen geschnittenen Chinakohlblätter dazu geben, unterrühren un dmit köcheln.
  7. Dill einrühren und salzen und pfeffern.
  8. Ein paar Streifen Mozarella und die halbierten Cherrytomaten oben auf die Sauce geben
  9. Wenn der Mozarrella angeschmolzen ist, zusammen mit dem Fisch und Bulgur servieren
  10. Dazu am besten noch einen bunten Salat schnabulieren 🙂