Krönchen gerichtet …

… ein klitzeskleines bisschen zumindest. Mein Beitrag heute Morgen war meine ganz erste Reaktion und genau für sowas wollte ich das Blog ja nutzen. Ungefilterte Worte.

Es wurde von Euch gefragt, was er denn schrieb und ob er nicht wertschätzend geschrieben hat. Doch, hat er. Sehr nett und mit herzlichen Grüßen. Das er mich sehr, sehr mag und möchte, dass wir Freunde fürs Leben sind.

Ich habe gerade in der letzten Zeit zum Glück recht viel positives Feedback von Männern bekommen und nehme mich selbst als attraktiv war. Früher habe ich solche positves Feedback glaub ich einfach nicht wahrgenommen, weil ich gar nicht offen dafür war. Weil ich mich selbst so wenig leiden mochte. Früher hätte ich in einer solchen Situation vor allem vermutet, dass ich ihm zu häßlich bin. Da kann ich heute drüber lachen.

Obwohl ich mich schon frage, was für ihn denn eigentlich nicht stimmt. Denn wir verstehen uns tatsächlich gut, lachen viel zusammen, führen tiefsinnige Gespräche und ich bin ein wirklich netter und fürsorglicher Mensch. Möglicherweise die Multiple Sklerose flüstert da etwas. Möglicherweise, weil er keine Lust auf eine Frau mit Kind hat, er hat schon zwei und empfindet da auch vieles als Stress, flüstert es. Ja, möglichwerweise. Aber das ist nicht relevant. An mir ist es jetzt, nicht in Grübelei zu verfallen. Die Grübelei nicht noch weiter zu führen. Gegrübelt hab ich über T und unser Verhältnis schon genug. Die leise Ahnung, dass er einfach zu feige für was Neues ist, bleibt.

Und dann auch eine leise Ahnung, dass ich mir nicht von ungefähr IHN ausgesucht habe, in dieser Phase meines Lebens. Ihn, der sich nicht auf mich einlassen will. Das ist ja dann auch schön ungefährlich für mich … ich habe nämlich eine Scheißangst vor der Liebe mittlerweile.

Und ich hatte schon immer ein Faible für Männer, die aus irgendwelchen Gründen mit verschiedensten Mitteln Distanz aufgebaut haben. Alkohol, andere Frauen, Hochmut, Drogen, Sprachlosigkeit. Und die Angst mir immer wieder den Falschen auszusuchen und damit auf die Nase zu fallen und immer wiederkehrend alte Muster zu wiederholen ist groß. Und vielleicht ist T einfach klüger als ich. Weil wir vielleicht auch gegenseitig ganz gut unsere alten Muster bedienen würden. Ich hatte eine Chance darin gesehen, es dieses Mal anders zu machen, doch eventuell war das nur die feine Stimme meines Coabhängigen Anteils, der mir meine Gefühle schön reden wollte.

Nur wann werde ich mirch jemals in einen Mann verlieben, der wirklich gut für mich ist? Gut nicht im Sinne von Lektionen lernen, gut im Sinne von: Ich habe meine Lektionen gelernt und kann nun echte Beziehung aufbauen.

Und das was ich wollte hab ich ja erreicht: Zu meinen Gefühlen stehen. Doch wenn ich ihm gegenüber treten muss, wird das nochmal richtig schwer für mich: mich so verletzlich gemacht zu haben und dann nicht wieder ins Abblocken und in Kühlheit zu verfallen. Ich fühle mich so furchtbar klein bei dem Gedankena neine Begegnung.

Es wird in den nächsten Tagen / Wochen noch viel Gefühls-Auf- und-Ab geben bei mir.

Immerhin habe ich ihm eine gute Antwort geschickt, denn neben dem bedürftigem Kind gibt es u.a. auch einen richtig erwachsenen Anteil in mir. Einen Anteil, der glaubt, dass das alles seine Richtigkeit hat. Einen Anteil der nicht lange trauert, sondern hinnimmt und annimmt. Denn am Ende haben sich solche Enttäuschungen in meinem Leben meist als Segen heraus gestellt.

 

3 x dankbar, 05.08.2017

  • Ein fröhliches Kleines Wunder am Morgen nach einer entspannten Nacht, sie hat heute so guter Dinge und fröhlich singend das Haus verlassen, das war echt eine Wonne
  • Einer super wohltuende Yogastunde – danke auch dafür, dass ich mich trotz Angst hin getraut habe
  • Zufällig T getroffen und dann auf seinen Vorschlag hin spontan mit ihm Abendessen gegangen

 

Mein Zögern / Mut sammeln

Ok. Ich habe verstanden.
Menschen bereuen auf dem Sterbebett selten Dinge, die sie getan haben. Vielmehr bereuen sie Dinge die sie nicht getan haben.

T und ich und die Kinder, wir haben in den letzten Wochen so viel Zeit miteinander verbracht. Entspannte Zeit. Gute Zeit. Irgendwie scheint das Aussprechen dessen, das wir nur Freundschaft voneinander wollen etwas (aus-)gelöst zu haben. Ihn scheint das entspannt zu haben. Bei mir hat es eine Welle von Emotionen ausgelöst, die ich aber bisher dennoch ganz gut in Schach halten kann. Wohlwissend, dass dies ein sehr ungesundes Verhalten für mich ist. Ich möchte noch mehr Zeit mit ihm verbringen und ich möchte mehr und andere Nähe. Es wäre gesünder für mich, dies zu fühlen und ihm zu zeigen.

Noch steht mir die Angst im Weg.

Ich habe Angst ihn durch ein Aussprechen davon zu verlieren, weil er dann vielleicht auf Distanz geht.

Ich habe Angst vor einer Absage und was das mit mir machen würde. Wieder: Angst vor Gefühlen.

In etwas mehr als drei Wochen geht er für mindestens sechs Wochen in eine Klinik. Lasse ich ihn bis dahin besser mit meinem Anliegen in Ruhe? Oder ist das Gegenteil der Fall und ich sollte nun schnell handeln? Was ist das für eine blöde Timeline die ich mir selbst damit setze?

Ich denke und denke und denke und vergesse dabei zu leben.

 

Ich habs verstanden. Der für mich richtige Weg ist Ehrlichkeit und Offenheit. Doch ich muss noch Mut sammeln. Noch reicht er nicht.

Und während ich dies schrieb, spülte das Universum diesen Song, den ich komischerweise bisher gar nicht kannte, aus dem www zu mir – kurios!:

(Früher habe ich gerne Mixtapes aufgenommen die durch die Songauswahl geheime Botschaften enthielten. Aber die Jungs haben das nie verstanden. Ich hatte schon in meiner Jugend schlechte Strategien in Liebesdingen 😂)

 

Have you got color in your cheeks‘
Do you ever get the feeling that you can’t shift the tide
That sticks around like something’s in your teeth
And some aces up your sleeve
I had no idea that you’re in deep
I dreamt about you near me every night this week
How many secrets can you keep‘
‚Cause there’s this tune I found that makes me think of you somehow
When I play it on repeat
Until I fall asleep
Spilling drinks on my settee

(Do I wanna know?)
If this feeling flows both ways
(Sad to see you go)
Was sorta hoping that you’d stay
(Baby we both know)
That the nights were mainly made for saying
things that you can’t say tomorrow day

Crawlin‘ back to you.

Ever thought of calling when you’ve had a few?
‚Cause I always do
Maybe I’m too busy being yours to fall for somebody new
Now I’ve thought it through

Crawling back to you

So have you got the guts?
Been wondering if your heart’s still open and
if so I wanna know what time it shuts
Simmer down and pucker up
I’m sorry to interrupt it’s just I’m constantly
on the cusp of trying to kiss you
I don’t know if you feel the same as I do
But we could be together, if you wanted to

(Do I wanna know?)
If this feeling flows both ways
(Sad to see you go)
Was sorta hoping that you’d stay
(Baby we both know)
That the nights were mainly made for saying
things that you can’t say tomorrow day

Crawling back to you

Ever thought of calling when you’ve had a few? (calling when you’ve had a few)
‚Cause I always do (‚cause I always do)
Maybe I’m too busy being yours to fall for somebody new
Now I’ve thought it through

Crawling back to you, (do I wanna know?)
If this feeling flows both ways
(Sad to see you go)
Was sorta hoping that you’d stay
(Baby we both know)
That the nights were mainly made for saying
things that you can’t say tomorrow day

(Do I wanna know?)
Too busy being yours to fall
(Sad to see you go)
Ever thought of calling darling?
(Do I wanna know)
Do you want me crawling back to you?

Die Liebe in Zeiten des Wettbewerbs

Das Kleine Wunder sprach über einen Schulwettbewerb, wie sehr sie will, dass ihre Klasse gewinnt. Das sie sich beim Basteln alle richtig anstrengen müssen, das es einen tollen Preis gibt. Unbedingt gewinnen müssten sie.

Und dann:

»Was red ich eigentlich? Ist doch gar nicht wichtig so ein Wettbewerb! Wichtig ist nur die Liebe.« und dann kam sie zu mir und gab mir einen Kuss. »Wichtig ist nur, dass wir uns lieb haben.«

Whoooosh! ❤

Wie ein Kleines Wunder mich an meine Grenzen bringt

… schnell und einfach schafft sie das. Ein eigenes Kind mag der beste Therapeut / die beste Therapeutin sein – zumindest gibt es ganz viel Konfrontation mit dem eigenen Schatten seitdem ich mit dem Kleinen Wunder lebe.

Gestern trafen wir ihre Lehrerin auf dem Spielplatz und plötzlich klagte das Wunder über Bauchweh und wollte heim – und sie ist kein typisches Bauchweh-Kind. Ich ahnte gleich, dass da irgendwas im Argen liegt. Und wunderte mich ein bisschen, weil das Kleine Wunder bisher so verliebt gewesen ist in die Lehrerin.

Als wir dann abends im Bett lagen sagte sie, dass sie am nächsten Morgen auf keinen Fall zur Schule gehen wird. Huch! Bisher hatte sie sich doch immer gefreut. Sehr vehement war sie. Aber warum sie nicht gehen wollte, das konnte sie mir nicht sagen. Fragen machten sie wütend und verschlossener. Und sie hustete und nieste künstlich ohne auch nur im geringsten krank zu sein.

Heute früh ging es dann nahtlos mit Totalverweigerung weiter. Sie kam nicht aus dem Bett, versteckte sich unter der Bettdecke, wütend und grimmig und verzweifelt auch. Und ich? In mir stiegen Ungeduld und Wut hoch. Der Uhrzeiger tickte unaufhörlich und ich fühlte mich hilflos, weil sie mich mal wieder so gar nicht an sich ranließ.

Erinnerungen kamen hoch, an meine eigene Schulangst, an meine Unfähigkeit diese Angst auch nur ansatzweise auszudrücken. Daran, dass ich einfach brav war und keinen Mucks gesagt habe und voller Angst immer wieder hingegangen bin. Daran, dass meine Eltern davon rein gar nichts bemerkt haben. Wie allein ich mich gefühlt habe. Tränen schossen in mir hoch. Und ich fühlte mich wie eine Versagerin. Als Mutter, als Sorgeberechtige, und wahnsinnig hilflos und ängstlich.

Dann aber konnte ich mit dem Mitgefühl, dass dieser Prozess in mir ausgelöst hat, meine Ungeduld und Wut überwinden und ich machte ihr ein Hörspiel an und brachte ihr das Frühstück ans Bett. Und habe ihr erzählt, dass meine Lehrerin mich in der Grundschule mal ausgeschimpft hat, weil ich zu laut geniest habe und ich das so ungerecht fand, dass ich auch nie wieder in die Schule wollte.

Und als ich das nächste Mal ins Zimmer kam und mich auf ihr Bett setzte, da brach sie in Tränen aus und erzählte von einer Aufgabe, die sie gestern nicht lösen konnte und die sie heute weiter bearbeiten muss und dass sie das nicht hinkriegt und nicht will und das ihr Freund M ihr auch nicht helfen kann, weil der nämlich nicht mehr ihr Freund sein will, seit drei Tagen schon. Und da hab ich sie fest in den Arm genommen und gespürt, wie sie sich entspannte. Da musste ich nicht mehr viel sagen, denn das Reden, das hat ihr schon geholfen. Danach hat sie sich angezogen und wir sind zur Schule gegangen. Und ich habe mich für Ihr Vertrauen bedankt und gesagt, dass ich immer für sie da sein werde. Und das sie Fehler machen darf und nicht alles können muss und dass es mir nicht wichtig ist, dass sie alles richtig macht in der Schule.

Danach saß ich hier auf meinem Sofa und musste erstmal durchatmen. Niemals hätte ich gedacht, dass es so ist, wenn man ein Kind hat. So intensiv. So aufwühlend. Und ich war ein kleines bisscehn stolz auf mich und froh, dass die Situation noch so eine gute Wendung genommen hat – auch wenn ich nicht genau weiß, wo der Knackpunkt lag.

Ich hoffe, sie hatte einen guten Tag heute.

Unbeholfen

… in Liebesdingen. Ich konnte das noch nie, schon in meiner Jugend wusste ich nicht, wie das geht. Ich kann die Zeichen nicht deuten und ich nicht die richtigen Signale senden. Die Ursache dafür liegt vielleicht in Unsicherheit und Angst vor Abweisung.

Ich brauche von der anderen Seite sehr deutliche Signale. Aber es gibt ja Menschen, die ebenfalls eher etwas subtiler und unsicher unterwegs sind – und in der Regel sind das die mir sympathischeren Menschen.

Seitdem wir das Thema neulich so zaghaft angeschnitten haben, sehen wir uns noch viel öfter / haben mehr Kontakt. Klar, oft auch mit den Kindern und die verstehen sich so gut, dass wir dann entspannte Zeit haben. Ausflüge etc. klappen einfach besser, wenn man nicht nur mit einem Kind unterwegs ist, sondern noch einen Freund oder eine Freundin vom Kind dabei hat. Aber das kann doch nicht der einzige Grund dafür sein, so viel Zeit miteinander zu verbringen!?

Mehrere Menschen haben unabhängig voneinander zu mir gesagt, dass T. mich so ansieht. So wie man jemanden nicht anguckt, wenn man nur Freunde sein will. Eine Freundin meinte, dass er sich vielleicht auch einfach nur nicht traut. Aber er hat doch klipp und klar gesagt, dass er die Freundschaft vorzieht. War das wirklich klipp und klar?

Und ich schwanke zwischen:
„Wenn es sein soll, soll es sein … das eilt ja nicht.“,
„Vielleicht braucht er einfach Zeit.“
„Ich renne dem auf keinen Fall hinterher!“
„Man muss die Dinge angehen, so ist es vertane Zeit.“
„Vielleicht lasse ich da eine Chance verstreichen.“
„Ich will jetzt sofort mehr Nähe und werde ihm das sagen!“
„Die Freundschaft ist mir so wichtig, ich will sie nicht aufs Spiel setzen.“
„Meine Gefühle wetrden wieder vergehen sind vielleicht sowieso nur ein Strohfeuer.“
„Wenn Du es nicht probierst, wirst Du es nie wissen.“
„Er mag Dich, will aber auf keinen Fall mehr Nähe, das hat er ja gesagt.“
„Das werde ich respektieren.“
„Willst Du Dein Leben lang Deinen Ängsten nachgeben, trau Dich einfach!“

… etc. …

Ich glaube, ich brauche Rat.

 

 

 

Ich bin nicht unter Dir, ich bin nicht über Dir, ich bin neben Dir

Die Welt braucht mehr Liebe, sagt Arabella von einfaches leben hier und ruft dazu auf, diese Woche Liebeslieder zu posten. Ich kann mich unmöglich auf ein einziges Lied festlegen und poste nun das dritte Liebeslied, dass es in sich hat. Dieser Song von Ton, Steine, Scherben ist auf dem berühmten KEINE MACHT FÜR NIEMAND-Album. Ein wegweisendes und wichtiges Album. Ich mag das Lied wegen des schönen Textes so gern – und weil die Scherben und Rio Reiser einfach toll sind und waren!

Nichts fühlen und alles hinterfragen

Heute hab ich mich mit dem festen Vorhaben ihm von meiner Phobie zu erzählen mit T zu einem Spaziergang verabredet. Ich habe hin und her überlegt wie ich in das Thema einsteigen kann ohne das es zu dramatisch wirkt. Dann erwähnte er, dass er mal eine stationäre Therapie gemacht hat. 😀 Steilvorlage also! Ich habe dann von meiner Reha vor 3 Jahren erzählt und eben auch warum ich die gemacht habe.

Trotz seinem vorherigen „Outing“ ist mir das wahnsinnig schwer gefallen. Die Episoden die er mir aus seiner Kindheit erzählt hat, kamen mir auch schon wieder so viel schwerwiegender vor, als das, was ich erlebt habe. Die Frage, wo meine starken Ängste her kommen – ich kann sie nie wirklich beantworten. Alles was ich dazu zu sagen habe, kommt mir so harmlos vor. So als könne es niemals meine Neurosen in ihrer ganzen schwerwiegenden Tragweite erklären. Und dann komme ich mir doch wieder wie eine vor, die übertreibt, aufbauscht oder einfach nur wehleidig ist. Faktisch weiß er nun also Bescheid. Aber wie immer wenn ich jemandem davon erzähle ist ihm das Ausmaß nicht bewusst. Weil ich eben auch so abgeklärt und vernünftig darüber reden kann als würde ich total drüber stehen.

Seine eigenen Erzählungen waren auch ziemlich heftig und gruseligerweise decken sich manche Erlebnisse und Empfindungen mit dem, was XY in seiner Kindheit so passiert ist. Ich war in der Vergangenheit immer mit Männern zusammen mit denen aus unterschiedlichsten Gründen keine echte Nähe möglich war und bei denen ich die Hoffnung hatte, ihnen „helfen“ zu können. Als ich XY kennenlernte war ich so verliebt und sicher, dass ich dieses Muster endlich durchbrochen habe. Ich war mir wirklich sicher!  – dann stellte sich heraus, dass unsere Beziehung noch einmal einen oben drauf setzte – im negativen Sinne.

Heute denke ich bei jedem Kennenlernen darüber nach was ich fühle, warum ich es fühle und ob ich es mir erlauben darf es zu fühlen. Ich kann nicht einfach jemanden nett finden und unbefangen näher kennenlernen. Ich gucke sofort darauf ob und wieviel Alkohol er trinkt. Ich gucke, wie gut er mir seinem Leben klar zu kommen scheint. Ob er wirklich ehrlich ist. Ich sehe Dinge im Argen liegen, die vielleicht gar nicht so im Argen liegen. Ich habe Angst davor, Gefühle für jemanden zu hegen, der mich wieder in diesen Sog der Co-Abhängigkeit zieht. Deshalb versuche ich vorsichtshalber erstmal nichts zu fühlen. Für niemanden.

Wir waren zwei Stunden spazieren und ich bin jetzt fix und alle, meine Erkältung zieht nochmal alle Register und ich hoffe gerade nur, diese Nacht mal schlafen zu können und das der Husten mich in Ruhe lässt.

Nicht zumutbar

Oftmals fühle ich mich anderen Menschen nicht zumutbar so wie ich bin. Das ist mir im Lauf des letzten Jahres bewusst geworden weil ich viel darüber nachdenke, wie und ob es mit XY weiter gehen kann. XY kennt mich wie ich bin und er nimmt das alles so an. Er verurteilt mich nicht für meine Ängste und bagatellisiert sie auch nicht. Er sagt, er liebt mich. Er ist einer der wenigen Menschen, die in Bezug auf die Ängste und mein Vermeidungsverhalten noch nie zu mir gesagt haben: „Mensch, mach es doch einfach mal.“ oder so etwas in der Art, das mit „wenn Du Dich zusammen reißt, wird es schon gehen.“ übersetzt werden könnte.

Ich trage die Angststörung und die anderen Folgen des emotionalen Missbrauchs in meiner Kindheit (emotionaler Missbrauch!? – das kommt mir noch immer vor, wie eine Lüge. Aber wenn meine Therapeutin es so sieht, wird wohl auch was dran sein) mein ganzes bisheriges Leben lang mit mir rum. Ich habe mich immer dafür geschämt, ich habe mich deshalb immer unzulänglich gefühlt, hilflos und unfähig.

Nun kam vor 5 Jahren noch die Diagnose einer körperlichen Erkrankung dazu, die zudem mit Behinderungen einhergeht. Bisher habe ich nur leichte Einschränkungen durch die Multiple Sklerose. Verhältnismäßig leichte. Denn die Fatigue (starke Erschöpfung und Ermüdung) ist schon sehr beeinträchtigend an vielen Tagen. Aber an manchen Tagen kann ich auch nicht gut gehen. Ich kann immer noch sehr gut gehen, viele Kilometer lang und ich bin dafür sehr dankbar. Nur an manchen Tagen fühlen sich meine Beine steif und schwach an und dann ist ein Spaziergang so anstrengend, dass ich am Ende schlurfe und/oder einknicke und danach schlafen muss.

Auch dass manche Körperempfindungen geschwunden sind, empfinde ich als Behinderung. Es ist schwer zu beschreiben. Ich war schon immer ein empfindsamer Mensch, seelisch und auch körperlich. Und nun sind z.B. meine Bauchreflexe weg. Das ist überhaupt nicht schlimm, es gibt weitaus schlimmere Beeinträchtigungen die die MS hervorrufen kann. Aber es macht mich traurig. Denn es ist ein Verlust. Ich, ich war immer die, die bei jeder Berührung am Bauch sofort zusammenzuckte – ein qualvoll schönes Gefühl. Das ist jetzt weg, das werde ich nie wieder empfinden. Und ich weiß auch nicht genau, wie mein Körper sich in den letzten Jahren bzgl. der sexuellen Empfindsamkeit verändert hat, da ich schon lange keine Gelegenheit mehr hatte, das wirklich zu überprüfen.

Aufgrund meiner Phobie kann ich nur wenige Dinge alleine erledigen. Ich kann nicht alleine zu meinen Fachärzten gehen, nicht zu meinem Physiotherapeuten. Ich kann nicht alleine einen längeren Spaziergang machen. Ich kann meine Tochter bei manchen ihrer Freunde nicht abholen, weil sie ein paar Straßen zu weit entfernt wohnen. Ich kann manches, was beruflich wichtig ist, nicht allein erledigen. Ich kann nur mit mir sehr vertrauten Personen ins Kino gehen, spazieren gehen, Ubahn fahren, Ausflüge machen …

Aufgrund der MS bin ich sehr oft sehr müde. Ich schlafe viel mehr als andere Menschen. Ich gehe nur sehr selten abends weg, meine Kraft reicht nicht dafür. Ich überlege vorher, ob ich mich für Samstag Vormittag auf dem Markt verabrede ODER ob ich am Nachmittag eine Freundin treffe. Für beides reicht – vor allem plus Kind – meine Energie nur selten. Seitdem das Kleine Wunder in die Krippe ging, habe ich ca. alle 1–2 Monate eine Erkältung. Erkältungen spülen längst überwunden geglaubte MS-Symptome wieder nach vorn. Ich muss dann noch mehr schlafen, ausruhen und kann schlechter gehen. Ich habe dann auch noch mehr Angst vor den Wegen draußen, weil Schwindel und Schwäche meine Angst stark triggern.

Ich fühle mich nicht zumutbar.

Mit XY habe ich viel Schlimmes erlebt. Als er noch getrunken hat, gab es einige Situationen, in denen er mich aufs Übelste beschimpft hat – zu Hause oder auch auf offener Straße. Er hat mich belogen, sehr oft belogen. Wegen Alkohol und wegen Geld und ich nehme an, auch wegen anderen Dingen. Ich würde nicht unterschreiben, dass er mir treu war, obwohl er das nach wie vor behauptet.

XY hat auch viele gute Seiten. Es gibt vieles, was uns verbindet. Der Humor zum Beispiel. Unser gemeinsames Kind. Unsere Kunst, wir haben ein gemeinsames Projekt. Er kann weinen und sich entschuldigen – das kenne ich auch anders von meinen Ex-Freunden. Aber wiegt das die Gewalterfahrungen die ich mit ihm machen musste auf? (Nein, es gab keine körperliche Gewalt, aber auch Beschimpfungen sind Gewalt. Und noch heute zeugt eine große Beule in meinem Kühlschrank und ein zerbeulter metallener Aktenschrank von seiner Gewalt. Er hat außerdem meinen Drucker zerschlagen, ein Schränkchen im Bad zertreten und den Tritt des Kleinen Wunders in Stücke gehauen. Alles Dinge, die ich besorgt und bezahlt hatte, die er mir niemals ersetzt hat.) Und auch heute, nach einem Jahr Trockenheit, hat er nach wie vor so seine Ausraster.

Einer Freundin würde ich sagen: „Lass diesen Menschen los. Er hat Dir nicht gut getan und daran wird sich auch in Zukunft nicht allzuviel ändern, auch wenn Du das hoffst und hoffst und hoffst.“

XY ist für mich eigentlich nicht zumutbar. Aber ich weiß, dass ich ihm mich zumuten kann. Und irgendwann im Sommer letzten Jahres als ich ein Date hatte (das sich im Nachhinein als nicht-Date heraus gestellt hat – darauf wurde dann die Freundschaft zu S.) habe ich zum ersten Mal realisiert, für wie wenig zumutbar ich mich halte. Wer will mit so einer Frau zusammen sein? Und bin ich bereit mich nochmal jemandem zu öffnen? All meine Schwächen auszubreiten? Und wie überhaupt? Nach dem 2. Treffen:„Übrigens, ich habe eine unheilbare schwere Nervenerkrankung.“ und beim 3. Treffen: „Ich war zuletzt in einer coabhängigen Beziehung zu einem Alkoholiker und habe es bisher noch nicht geschafft mich daraus wirklich zu lösen.“ und dann beim 4. Treffen: „Übrigens, ich habe eine schwere Angsterkrankung und kann so gut wie nichts alleine bewältgen.“. Beim 5. Treffen kann ich dann noch zugeben, dass ich ein massives Vertrauensproblem habe, weil ich von XY belogen, hintergangen und beschimpft wurde, davor von Mann 4 mehrfach mit verschiedenen Frauen betrogen wurde und Mann 3 mir gegenüber unerwähnt ließ, dass ich eigentlich nur seine Geliebte war und seine Mitbewohnerin nach wie vor seine feste Freundin?

Ich finde T. interessant, schon von Anfang an. Wir kennen uns jetzt seit zwei Jahren. Neuerdings habe ich den Eindruck, er könnte mehr in mir sehen als eine gute Freundin.

Und ich weiß gerade überhaupt nicht damit umzugehen.