Leuchtfeuer – Jahresrückblick

Für meinen, mittlerweile ganz schön späten, Jahresrückblick 2017 fand ich hier die passenden Fragen: https://www.zeitblueten.com/

Welche Ereignisse/Erlebnisse haben das vergangene Jahr besonders bereichert?

  • Die Vertiefung einiger Freundschaften, im Grunde ausgelöst durch den Krankheitsschub im Februar
  • Das Bloggen!
  • Die intensivere Beschäftigung mit dem Achtsamkeits-Gedanken. Das Lesen vieler Bücher dazu und auch die praktische Umsetzung von ein paar neuen Gewohnheiten. Kleine Schritte, aber Schritte.
  • Die Einschulung vom Kleinen Wunder, bzw. ihre parallel dazu gemachten Entwicklungsschritte. Wir sind uns so nah wie nie zuvor, – so fühlt es sich zumindest an. Zu sehen, wie gut sie alles meistert, lässt mein Herz leichter schlagen und gibt mir die Gewissheit ein paar grundlegende Sachen im Umgang richtig gemacht zu haben, so viele Zweifel hatte ich.

 

Welches war Ihr schönstes Erlebnis?

  • Spontan und als erstes fällt mir der Ausflug zum Hochseilgarten ein. Das war ein so schöner Tag, an dessen Abend ich mich inmitten einer Phase der Depression tatsächlich glücklich und zufrieden gefühlt habe.

 

Wer hat dazu beigetragen, dass es zum schönsten Erlebnis wurde?

  • Das gute Wetter, meine Freundschaft zu T und vor allem aber auch mein Mut es überhaupt zu tun. Und, dass wir die ganze lange Strecke mit dem Rad gefahren sind.

 

Was erfüllt Sie mit Stolz und Freude?

  • Das Kleine Wunder!
  • Meine gemütliche Wohnung
  • Das ich Joggen kann
  • Meine Arbeit
  • Freundschaften und das ich offensichtlich gemocht und geliebt werde, so wie ich bin. Mit allen Macken, Neurosen und Gebrechen.

 

Was hat Sie besonders berührt (in welcher Form auch immer)?

  • Die Einschulung des Kleinen Wunders und der damit einhergehende (innere) Wachstumsschub.
  • Die Trennung von XY
  • Meine Gefühle für T
  • Viele, viele Blogeinträge von Euch, viele Kommentare zu meinen Einträgen und ganz speziell die Einblicke in das Leben vom rummelschubser und dem monsterherz. Sie waren sehr hilfreich, aufbauend und ein Leuchtfeuer in für mich in diesem Jahr.

 

Was ist Ihnen im Leben wertvoll, was wichtig?

  • Mein liebstes Kleines Wunder
  • Freundschaft und liebevolles Miteinander
  • Meine Gesundheit und mein Wohlbefinden

 

Haben Sie im vergangenen Jahr dem, was Ihnen wertvoll ist, die entsprechende Aufmerksamkeit/Zeit/Priorität gewidmet?

  • Ich habe es tatsächlich geschafft, meine Prioritäten neu zu hinterfragen und anders zu gewichten. Aber ich stehe da noch ziemlich am Anfang. Ich habe mir mehr Regenerationszeit gegeben und auch dem Kleinen Wunder mehr gute Aufmerksamkeit gegeben. Aber mir ist am Ende des Jahres, durch die Hilfe meiner Ergotherapeutin aufgefallen, dass ein wichtiger Punkt oft untergeht: Freizeit. Denn was ich für Freizeit hielt, war oft Regenerationszeit. Vielleicht müsste ich meinen Stundenlohn mal erhöhen …

 

Wenn nein, warum nicht?

  • Ich könnte jetzt schreiben: Weil ich es einfach nicht hinbekommen habe, weil ich zu faul, zu doof, zu dumm, zu eitel, zu … war. aber das ist doch eigentlich nicht wahr. Denn ich habe mein Bestes gegeben. Das was ich konnte: Deshalb lautet die Antwort auf diese Frage:
  • Gut Ding will Weile haben.

 

Was lief nicht so, wie Sie es sich vorgestellt/gewünscht/erwartet haben?

  • Ich hatte mir eine bessere Gesundheit erhofft, die neue Sehnerventzündung hat mich ziemlich kalt erwischt und mir Angst gemacht, vor allem auch, dass sich die Schäden dieses Mal nicht so gut zurück gebildet haben.
  • Ich hatte gehofft, dass es mir viel besser gehen würde 2017, auch seelisch. Selbst die MutterKindKur hat mir nicht so gut getan wie erhofft, weil ich massiv unter Ängsten und Depression gelitten habe.
  • Mit Ende des Sommers bin ich dann endgültig in einer Depression gelandet

 

Und vor allem: Warum lief es nicht so? (Die Beantwortung dieser Frage führt oft zu lehrreichen Erkenntnissen/Einsichten.)

Auf den MS-Schub hatte ich wohl relativ wenig Einfluss. Ja, ich hatte Ende 2016 wirklich sehr viel Stress (vor allem wegen der Arbeit), aber ob das nun den neuerlichen Schub ausgelöst hat, steht in den Sternen. Denn in den Jahren zuvor hatte ich auch oft schlimmen seelischen Stress.

Was die Psyche betrifft, so habe ich vor allem zu lange in ungesunden Mustern und einer ungesunden Beziehung verharrt. Es nützt nichts, mich deswegen nun zu martern, denn auch hier habe ich wirklich das Beste versucht. Meine Absichten waren jedenfalls immer gut, meine Lösungsstrategien aber leider zu konfliktvermeidend

 

Welche Begegnung oder welche Person, die Sie kennengelernt haben, stellt eine große Bereicherung dar?

M scheint eine Bereicherung zu sein. Auch, dass ich J. wieder getroffen habe ist eine Bereicherung, wenn auch nur eine kleine ;o)

Meine Nachbarin J – es ist so schön sich gegenseitig immer mal wieder kleine Freuden zu machen und Präsente vor der Tür zu finden.

 

Welcher Mensch hat Ihnen am meisten geholfen, Sie am meisten unterstützt?

  • Auf einer Ebene sicherlich meine Mutter, denn sie entlastet mich klaglos immer wieder, wenn ich es nicht allein schaffe mit dem Kleinen Wunder. Speziell auch in der Zeit, als ich den Schub hatte.
  • T hat mich psychisch sehr unterstützt, durch sein da-sein und zuhören.
  • Ebenso meine Freundinnen A und N und auch K
  • Auch XY hat mir sehr geholfen, in dem er mich Therapien, Ärzten und zu Kur begleitet hat

 

 

Welcher Abschied ist Ihnen schwergefallen?

  • Der Abschied vom Kindergartenkind hin zum Schulkind
  • Der Abschied von meinem gesunden Sehvermögen in Folge der Sehnerventzündung
  • Die Paar-Beziehung zu XY zu beenden
  • Das N und L aufs Land gezogen sind (für mich nun leider nicht mehr erreichbar)
  • Als A zurück nach Portugal geflogen ist

 

Was haben Sie dazugelernt, welche Fähigkeiten und welches Wissen erworben, das Sie vor einem Jahr noch nicht hatten?

Das kann ich gerade noch schlecht in Worte fassen, aber ich spüre, dass ich gerade in diesem Jahr wahnsinng viel gelernt habe.

 

Was werden Sie, wenn sich die Gelegenheit ergibt, das nächste Mal anders machen?

Ich gehe jetzt viel offener mit meinen Erkrankungen um, das behalte ich auf jeden Fall bei. Ich vertraue dem Kleinen Wunder und seinen Fähigkeiten stärker. Ich gebe jemandem wie XY weniger gut gemeinte Hilfestellung – die aber doch nur dazu führt, dass das Leid länger währt.

Krönchen gerichtet …

… ein klitzeskleines bisschen zumindest. Mein Beitrag heute Morgen war meine ganz erste Reaktion und genau für sowas wollte ich das Blog ja nutzen. Ungefilterte Worte.

Es wurde von Euch gefragt, was er denn schrieb und ob er nicht wertschätzend geschrieben hat. Doch, hat er. Sehr nett und mit herzlichen Grüßen. Das er mich sehr, sehr mag und möchte, dass wir Freunde fürs Leben sind.

Ich habe gerade in der letzten Zeit zum Glück recht viel positives Feedback von Männern bekommen und nehme mich selbst als attraktiv war. Früher habe ich solche positves Feedback glaub ich einfach nicht wahrgenommen, weil ich gar nicht offen dafür war. Weil ich mich selbst so wenig leiden mochte. Früher hätte ich in einer solchen Situation vor allem vermutet, dass ich ihm zu häßlich bin. Da kann ich heute drüber lachen.

Obwohl ich mich schon frage, was für ihn denn eigentlich nicht stimmt. Denn wir verstehen uns tatsächlich gut, lachen viel zusammen, führen tiefsinnige Gespräche und ich bin ein wirklich netter und fürsorglicher Mensch. Möglicherweise die Multiple Sklerose flüstert da etwas. Möglicherweise, weil er keine Lust auf eine Frau mit Kind hat, er hat schon zwei und empfindet da auch vieles als Stress, flüstert es. Ja, möglichwerweise. Aber das ist nicht relevant. An mir ist es jetzt, nicht in Grübelei zu verfallen. Die Grübelei nicht noch weiter zu führen. Gegrübelt hab ich über T und unser Verhältnis schon genug. Die leise Ahnung, dass er einfach zu feige für was Neues ist, bleibt.

Und dann auch eine leise Ahnung, dass ich mir nicht von ungefähr IHN ausgesucht habe, in dieser Phase meines Lebens. Ihn, der sich nicht auf mich einlassen will. Das ist ja dann auch schön ungefährlich für mich … ich habe nämlich eine Scheißangst vor der Liebe mittlerweile.

Und ich hatte schon immer ein Faible für Männer, die aus irgendwelchen Gründen mit verschiedensten Mitteln Distanz aufgebaut haben. Alkohol, andere Frauen, Hochmut, Drogen, Sprachlosigkeit. Und die Angst mir immer wieder den Falschen auszusuchen und damit auf die Nase zu fallen und immer wiederkehrend alte Muster zu wiederholen ist groß. Und vielleicht ist T einfach klüger als ich. Weil wir vielleicht auch gegenseitig ganz gut unsere alten Muster bedienen würden. Ich hatte eine Chance darin gesehen, es dieses Mal anders zu machen, doch eventuell war das nur die feine Stimme meines Coabhängigen Anteils, der mir meine Gefühle schön reden wollte.

Nur wann werde ich mirch jemals in einen Mann verlieben, der wirklich gut für mich ist? Gut nicht im Sinne von Lektionen lernen, gut im Sinne von: Ich habe meine Lektionen gelernt und kann nun echte Beziehung aufbauen.

Und das was ich wollte hab ich ja erreicht: Zu meinen Gefühlen stehen. Doch wenn ich ihm gegenüber treten muss, wird das nochmal richtig schwer für mich: mich so verletzlich gemacht zu haben und dann nicht wieder ins Abblocken und in Kühlheit zu verfallen. Ich fühle mich so furchtbar klein bei dem Gedankena neine Begegnung.

Es wird in den nächsten Tagen / Wochen noch viel Gefühls-Auf- und-Ab geben bei mir.

Immerhin habe ich ihm eine gute Antwort geschickt, denn neben dem bedürftigem Kind gibt es u.a. auch einen richtig erwachsenen Anteil in mir. Einen Anteil, der glaubt, dass das alles seine Richtigkeit hat. Einen Anteil der nicht lange trauert, sondern hinnimmt und annimmt. Denn am Ende haben sich solche Enttäuschungen in meinem Leben meist als Segen heraus gestellt.

 

Brief, überfällig

Lieber T,

was jetzt kommt, ist eventuell so eine Art Belastungserprobung. Für mich auf jeden Fall. Und anstatt lang rumzuschwafeln, falle ich gleich mit der Tür ins Haus. Ich habe Dich einfach in mein Herz geschlossen, und das zu verleugnen wäre eine ziemliche Dummheit. Gefühle die unerwünscht oder unangebracht erscheinen zu verleugnen, wegzudrücken, zu überspielen – mein ganzes Leben lang schon eine meiner leichtesten Übungen. Aber auch eine meiner ungesündesten Angewohnheiten.
„Ich darf es mir erlauben, neue Wege zu gehen.“ – das ist meine aktuelle Affirmation mit der ich arbeite. Vielleicht ist dieser Brief Teil dieser neuen Wege. Ich war schon oft irritiert über Dein Verhalten. Verbindlich – unverbindlich. Distanziert – nah. Das macht es mir noch schwerer, diesen Brief zu schreiben. Aber eigentlich egal, ich kann sowas sowieso nicht gut. Du wünschst Dir einen entspannten Umgang miteinander. Den wünsche ich mir auch. Und zu einer Freundschaft gehört Ehrlichkeit. Und die Wahrheit ist, dass ich Gefühle für Dich habe, die über eine Freundschaft hinaus gehen. Ich wünsche mir mehr Nähe zu Dir.
Und vielleicht ist das ja auch hilfreich für Dich, das zu wissen. Das da ein Mensch ist, der Dich so mag, wie Du bist und der findet, dass all die Gedanken über Unzulänglichkeit unangebracht sind, – weil Du einfach ein toller Mensch bist.
Ich weiß, das dieses Geständnis etwas zwischen uns verändern wird, aber ich hoffe trotzdem Deine Freundin bleiben zu können. Diesen Brief durfte meine Seele schreiben und mein Kopf durfte gerade mal eine Pause machen.
Das ist einfach die Wahrheit und das bin ich. Und bevor mich der Mut verlässt, lasse ich das so stehen und tue es einfach.

In Verbundenheit, plejade

3 x dankbar, 29.08.2017

  • Nachmittags auf der Balkonliege einschlummernich war aber auch wieder derartig müde, mir blieb gar nichts anderes übrig als die Arbeit Arbeit sein zu lassen und mich dem hinzugeben
  • Ein sehr schönes abendliches Treffen mit meiner Freundin N – sie ist aufs Land gezogen und wir sehen uns nur noch selten. Jetzt gehts mir wieder besser, den Rest des Tages war ich depressiv, ängstlich und sehr gedämpft unterwegs.
  • Jetzt einfach früh ins Bett gehen und hoffentlich mal gut schlafen – zumindest klingelt der Wecker nicht um 6, wie jetzt an den Schultagen an denen das Kleine Wunder bei mir ist. Selbst das Kleine Wunder sagte heute Morgen »Hör endlich auf zu klingeln, scheiß Wecker! Ich bin doch längst wach!« 😀

Mein Zögern / Mut sammeln

Ok. Ich habe verstanden.
Menschen bereuen auf dem Sterbebett selten Dinge, die sie getan haben. Vielmehr bereuen sie Dinge die sie nicht getan haben.

T und ich und die Kinder, wir haben in den letzten Wochen so viel Zeit miteinander verbracht. Entspannte Zeit. Gute Zeit. Irgendwie scheint das Aussprechen dessen, das wir nur Freundschaft voneinander wollen etwas (aus-)gelöst zu haben. Ihn scheint das entspannt zu haben. Bei mir hat es eine Welle von Emotionen ausgelöst, die ich aber bisher dennoch ganz gut in Schach halten kann. Wohlwissend, dass dies ein sehr ungesundes Verhalten für mich ist. Ich möchte noch mehr Zeit mit ihm verbringen und ich möchte mehr und andere Nähe. Es wäre gesünder für mich, dies zu fühlen und ihm zu zeigen.

Noch steht mir die Angst im Weg.

Ich habe Angst ihn durch ein Aussprechen davon zu verlieren, weil er dann vielleicht auf Distanz geht.

Ich habe Angst vor einer Absage und was das mit mir machen würde. Wieder: Angst vor Gefühlen.

In etwas mehr als drei Wochen geht er für mindestens sechs Wochen in eine Klinik. Lasse ich ihn bis dahin besser mit meinem Anliegen in Ruhe? Oder ist das Gegenteil der Fall und ich sollte nun schnell handeln? Was ist das für eine blöde Timeline die ich mir selbst damit setze?

Ich denke und denke und denke und vergesse dabei zu leben.

 

Ich habs verstanden. Der für mich richtige Weg ist Ehrlichkeit und Offenheit. Doch ich muss noch Mut sammeln. Noch reicht er nicht.

Und während ich dies schrieb, spülte das Universum diesen Song, den ich komischerweise bisher gar nicht kannte, aus dem www zu mir – kurios!:

(Früher habe ich gerne Mixtapes aufgenommen die durch die Songauswahl geheime Botschaften enthielten. Aber die Jungs haben das nie verstanden. Ich hatte schon in meiner Jugend schlechte Strategien in Liebesdingen 😂)

 

Have you got color in your cheeks‘
Do you ever get the feeling that you can’t shift the tide
That sticks around like something’s in your teeth
And some aces up your sleeve
I had no idea that you’re in deep
I dreamt about you near me every night this week
How many secrets can you keep‘
‚Cause there’s this tune I found that makes me think of you somehow
When I play it on repeat
Until I fall asleep
Spilling drinks on my settee

(Do I wanna know?)
If this feeling flows both ways
(Sad to see you go)
Was sorta hoping that you’d stay
(Baby we both know)
That the nights were mainly made for saying
things that you can’t say tomorrow day

Crawlin‘ back to you.

Ever thought of calling when you’ve had a few?
‚Cause I always do
Maybe I’m too busy being yours to fall for somebody new
Now I’ve thought it through

Crawling back to you

So have you got the guts?
Been wondering if your heart’s still open and
if so I wanna know what time it shuts
Simmer down and pucker up
I’m sorry to interrupt it’s just I’m constantly
on the cusp of trying to kiss you
I don’t know if you feel the same as I do
But we could be together, if you wanted to

(Do I wanna know?)
If this feeling flows both ways
(Sad to see you go)
Was sorta hoping that you’d stay
(Baby we both know)
That the nights were mainly made for saying
things that you can’t say tomorrow day

Crawling back to you

Ever thought of calling when you’ve had a few? (calling when you’ve had a few)
‚Cause I always do (‚cause I always do)
Maybe I’m too busy being yours to fall for somebody new
Now I’ve thought it through

Crawling back to you, (do I wanna know?)
If this feeling flows both ways
(Sad to see you go)
Was sorta hoping that you’d stay
(Baby we both know)
That the nights were mainly made for saying
things that you can’t say tomorrow day

(Do I wanna know?)
Too busy being yours to fall
(Sad to see you go)
Ever thought of calling darling?
(Do I wanna know)
Do you want me crawling back to you?

Nach dem Hochseilgarten ist vor dem Hochseilgarten

Gestern war Adrenalin-Tag. Ich wollte es unbedingt tun, doch schon am Morgen nach dem Aufwachen saß mir die Angst in Bauch, Brust und Kehle.

Doch dann sind wir einfach los geradelt, entschieden uns, die Stadtbahn komplett links liegen zu lassen und bei dem schönen Wetter die 10 Kilometer  mit dem Rad zu fahren. Vorteilhaft für mich, weil das wesentlich angstfreier geht. Aber es war ein langer und für mich unbekannter Weg – potentiell also doch eher beängstigend. Aber die Panik hab ich einfach zu Hause gelassen. Vielleicht auch deshalb, weil sie die Angst eher auf unser Ziel fokussiert hat. Und weil ich mich mit T gerade so wohl fühle vermutlich auch.

Im Hochseilgarten angekommen haben wir erstmal unsere mitgebrachten Stullen gemampft und uns mit dem Gelände vertraut gemacht. T hatte auch Angst, aber er war dabei so witzig, dass ich meine fast vergessen konnte. Dann war das Gelände viel kleiner und überschaubarer als ich es mir ausgemalt hatte. Und dann liefen mir S und R in die Arme. Gute Bekannte. S war schon durch, während R noch in den Seilen hing. 😉 Der kämpfte auch deutlich mit Angst, aber das hat mich irgendwie beruhigt. So ein Hochseilgarten ist ein Ort an dem man Angst haben darf. An dem sogar Erwachsene mehr Angst haben dürfen als Kinder. Es ist ganz normal dort. Natürlich darf man überall Angst haben. Aber ein Teil von mir sieht das deutlich anders, es ist der Teil, der sich für Angst so sehr schämt, dass er nach außen meistens schweigt.

Nach der Einweisung mussten wir erstmal ein bisschen den Umgang mit den Karabinerhaken üben – und ich hab mich richtig doof angestellt. 😀 Ich hatte alle Instruktionen zwar gehört, aber dann sofort wieder vergessen. Aber da war ja T, der meine Aufregung gespürt und mir ganz verständnisvoll geholfen hat. Und dann gings los!

Und ich sage Euch, das war der Hammer! Schon der erste, „kleine“ Parcours hatte es für uns in sich. Meine Nebennieren pumpten unaufhörlich Adrenalin in meine Adern. Meine Strategie: Nicht lang fackeln, Augen zu und durch – bloß der aufsteigenden Panik keinen Raum lassen. Ts Strategie, der vor mir ging, war anders: Alles ruhig angehen, auf Sicherheit bedacht und langsam vortasten. Sehr interessant wie unterscheidlich das ist.

Als wir die erste Runde durch hatten fiel T mir in die Arme und bedankte sich dafür, dass ich ihn überredet hatte mitzukommen. 😀 Wieder festen Boden unter den Füßen spürte ich Erleichterung, – aber auch den Mut auch den 2. Parcours anzugehen. Und auch T war überraschenderweise sofort dazu entschieden!

Dieses Mal ging ich vor – wow! Einige Stellen waren wirklich schwierig, manches kostete viel Überwindung, aber als ich erstmal da oben drin war, wusste ich: Für mich würde es kein Zurück geben, ich ziehe das durch. Manches war dann auch leichter als es aussah. An anderen Stellen hab ich mich gefragt, warum ich mir das bloß antue. Aber dann wieder musste ich so viel lachen – auch über unsere Angst.

Als wir durch waren, waren wir  vor allem erstmal eins: Froh. Aber auch stolz und gestärkt.

Den 3. und schwierigsten Parcours haben wir uns für das nächste Mal aufgehoben, denn es wird ganz sicher ein nächstes Mal geben. Für gestern hat’s gereicht und wir wollten die Zeit lieber nutzen um auch den Rückweg mit dem Rad zu fahren, anstatt die Räder mit in die Bahn zu nehmen.

20 Km mit dem Rad, das ist für eine stramme Leistung für mich. Hat gerade irgendwer vergessen, dass ich MS habe? Ich habe es gestern vergessen! Und entgegen meiner Befürchtungen geht es mir heute körperlich gut.

So ein wunderbarer Tag gestern! Und T dabei an meiner Seite zu haben war einfach toll. Man ist ja da oben ganz schön viel mit sich selbst beschäftigt, voller Angst, Mut und sehr konzentriert. Aber wir haben uns gegenseitig unterstützt (ich hoffe, dass sich das für T ebenso gut angefühlt hat wie für mich) und es war für mich ein tolles Gefühl, nicht wie so oft in meinem Leben alles alleine auskämpfen zu müssen, sondern jemanden dabei zu wissen, der ein Auge auf mich hat.

Und wenn das auf Dauer eine Freundschaft bleibt, dann haben wir mit der Aktion gestern einige Grundmauern gefestigt.

Angst und Liebe

Mit T verbindet mich eine Freundschaft die in den letzten Wochen und Monaten immer tiefer wurde. Wobei ich mich schon lange gefragt habe, was daraus wird und was eigentlich in seinem Kopf so vorgehen mag bezüglich der Beziehung zu mir. Immerhin sind wir beide alleinerziehende Singles. Bei aller Freundschaft: er ist nicht richtig greifbar für mich und es gibt Themen, die wir nicht ansprechen.

Als wir uns vor 2,5 Jahren kennengelernt haben, war ich von XY getrennt. Aber später bin ich noch ganz schön um und mit ihm rumgeeiert. T habe ich aber immer in dem Glauben gelassen, dass ich Single bin. Anfangs kannten wir uns noch nicht so gut, als das dass überhaupt wichtig gewesen wäre, bzw. wäre es irgendwie unangebracht und zu persönlich gewesen darüber zu sprechen. Dann hatte ich das Gefühl, es sei zu spät ihn darüber aufzuklären. Meine Beziehung zu XY war allerdings auch die ganze Zeit ziemlich distanziert, keine Körperlichkeiten, – eher ein Abwarten, ob sich die Dinge nochmal zum Guten wenden, unter der Überschrift „wir sind zusammen“.

T fand ich ehrlicherweise von Anfang an attraktiv. Zugleich war und bin ich verstört, was Männer betrifft. Ich dachte erst, T trinkt vielleicht auch und habe daher emotional dicht gemacht. Aber seit zwei Jahren laufe ich mit einer Sehnsucht herum. Einer Sehnsucht nach T. Über die ich schon viel gegrübelt habe. Nährt diese Sehnsucht sich davon, dass er mir so wenig greifbar scheint? Will ich etwas, weil ich es nicht haben kann? Bin ich einfach bedürftig und da ist nun ein Mann in meiner Nähe und ich projiiziere meine Sehnsüchte einfach nur auf ihn, weil er sich dafür eignet? Ist das auch coabhängiges Verhalten?

Er hat auch so seine Vergangenheit, traumatisiert aus der Kindheit, kommt – tadaa! – aus einer Alkoholikerfamilie. Will ich ihn etwa retten? Wirkt da einfach nur mein altes Muster?

Mehr und mehr lerne ich ihn schätzen, mehr und mehr wächst meine Sehnsucht. Er weicht Berührungen aus, was mir schon bald als seltsam aufgefallen ist. Ist ja in einer „nur“ guten Freundschaft eigentlich kein Problem.

Vor ein paar Tagen schrieb er mir per Chat, dass er schon oft darüber nachgedacht und in sich hineingefühlt hat, ob wir uns nicht auch nochmal anders annähern sollten, er aber immer wieder zu dem Punkt kommt, lieber bei Freundschaft zu bleiben, um sich diese bloß zu bewahren.

So ähnlich umtreibt mich das seit Wochen, wenn nicht Monaten. Freundschaften sind so wichtig. Mich hat diese Aussage von ihm sehr aufgewühlt. Es ist das erste Mal, dass die Art unserer Beziehung überhaupt mal thematisiert wurde. Bezeichnenderweise im Chat und nicht im Gespräch. Wenn ich da mit Humor drauf gucke, muss ich sehr darüber lachen. Seitdem wüten in mir die Emotionen. Ich kann sie nicht gut deuten, mit Gefühlen hab ich so meine Probleme. Ich bin aufgeregt, seine Nachricht hat mich auf der einen Seite sehr erfreut. Er scheint mich ja auch attraktiv zu finden. Ich habe ihm zurück geschrieben, dass es mir ähnlich geht. Ich aber auch mittlerweile richtig Angst vor der Liebe habe. (Das mit der Freundschaft kann man sich ja auch schön reden, wenn man eigentlich nur zu wenig Mut für eine neue Beziehung hat)

Gestern haben wir uns getroffen um nochmal drüber zu reden. Wir haben aber nur kurz rumgedruckst und uns dann anderen Themen zugewandt. Sein Fazit war aber: Eigentlich haben wir im Chat ja schon alles geklärt, es bleibt bei Freundschaft.

Aber ich kann seit Dienstag nicht mehr schlafen.

Heute nicht, 2

Als wir uns dann schließlich draußen zu B gesellten, gefiel dem Kleinen Wunder der Platz nicht, den er ausgesucht hatte. Wieder jammern und weinen und Unzufriedenheit. Mittlerweile waren wir alle wirklich genervt. Und entschieden dann, die Zelte abzubrechen, da wir ohnehin noch nicht bedient worden waren.

Wir sind dann hier in Kneipenrestaurant gegangen, dass ist der Ort, an dem wir oft mit dem Wunder essen gehen. Hier fühlt sie sich sicher. Ab da klappte dann auch alles gut zwischen uns.

B überredete mich, den Abend mit ihm zu verbringen – es gab einiges an möglichem Programm und ein Teil von mir hatte da auch Lust dazu. Vor allem nach dem für mich stressigem Nachmittag. Ein anderer Teil wollte den Abend mit dem Kleinen Wunder verbringen … vor allem nach dem für uns beide stressigem Nachmittag. Aber ich fragte das Kleine Wunder, ob sie Lust habe, bei Papa zu schlafen. „Ja.“ Ich hatte mit dieser Antwort nicht wirklich gerechnet. Und ihr Papa sagte dann am Telefon, dass er nicht dagegen habe. Auch damit hatte ich nicht wirklich gerechnet.

Also holte er das Wunder später ab und ich bin mit B zu einer Party gegangen. Es war laut und voll und ich traf eine „Freundin“ die ich gar nicht mehr als Freundin sehe. So wechselten wir auch nur wenige Worte. Außerdem traf ich T, der betrunken war. Und auch das hat mich aufgewühlt. Ich kann mich selber nicht verstehen. Ich mag T sehr. Sehr. Er ist ein guter Freund geworden. Aber da ist etwas an ihm, dass mich noch mehr anzieht. Verliebt sein fühlt sich anders an. Und dann stand er vor mir und war nicht wirklich greifbar, weil er eben getrunken hatte. Und diese Distanz zwischen uns, die ist ein so vertrautes Gefühl für mich. Und etwas in mir, will diese Distanz unbedingt aufbrechen und ihm näher sein.

Und dann habe ich darüber nachgedacht, ob er nicht längst ein Alkoholproblem hat. Oder ob ich das überbewerte, weil ich eben die schlimmen Erfahrungen mit dem alkoholkranken XY gemacht habe. Und zugleich ist da diese Sehnsucht nach Nähe und dann waren sie da: Die leisen Gedanken, dass er vielleicht nur trinkt, weil er sich ein bisschen einsam fühlt: Und wenn ich ihm nun deutlich mache, dass ich mir mehr Nähe wünsche, dass er dann aufhören könnte zu trinken, das wir füreinander da sein könnten und alles gut werden würde. So fühlt sich Sucht an, oder? Diese Gedanken kenne ich doch. Diese Gefühle sind mir heimatlich vertraut. Das sind Vorstellungen und Ideen, die mir ein Gefühl von Machbarkeit verleihen. Die meinem Leben einen Sinn geben könnten. Die mich aufwerten. Denn wenn jemand wegen mir schlechte Angwohnheiten fallen lassen würde, – das wäre doch ein Beweis echter Zuneigung.

Aber ich weiß, das es so nicht geht. Jeder Mensch, kann immer nur sich selbst ändern. Es liegt nicht in meiner Macht jemanden zu ändern. Ich bin nur für mich verantwortlich (und für das Wunder natürlich, solange sie klein ist).

Das war der Moment, in dem ich abgewunken habe und die Party verlassen habe. Und mit Tränen in den Augen nach Hause gegangen bin. So überstark war diese Sehnsucht. Am Liebsten hätte ich mich in seine Arme geworfen und ihn um um einen Kuss gebeten. Und so ungesund ist diese Sehnsucht.

So sind die Männer, die mein Interesse wecken. Die Gefühle auslösen. Diese Distanz zieht mich an. Aber genau das ist ab jetzt mein verbotenes Land. Weil in diesem Land nur Krieg und Krise auf mich wartet. Und die Sehnsucht niemals Erfüllung finden wird.

Ich wollte lernen, mich zu zeigen. Aber wenn ich diesem Mann, diese Gefühle zeige ist das brandgefährlich für mich. Und ich brauche Freundschaften. Und vielleicht ist das alles auch nur in meinem Kopf. Ich und Gefühle – das ist und war immer ein Irrgarten der Verwirrung und Angst.

Ich bereue es, überhaupt auf diese Party gegangen zu sein und nicht mit dem Kleinen Wunder zu Hause bei mir geblieben zu sein.

Heute nicht, 1

Heute schaffe ich es nicht mehr. Ich habe einen Spaziergang mit T gemacht und dann bin ich nach Hause gegangen und nun liege ich mit Wärmflasche im Bett und im Regal steht eine Duftlampe mit einem stimmungsaufhellendem Duft, die ich angezündet habe.

Ich schaffe es heute nicht aufzuräumen, den Haushalt zu machen, eine gute Freundin zu sein. Den geplanten Museumsbesuch mit B habe ich abgesagt. Ich vermisse mein Kind. Sie ist heute mit ihrem Papa unterwegs mit Übernachtung. Ich bin froh, dass sie nicht hier ist und ich mich nur um mich selbst zu kümmern habe. Aber ich vermisse sie dennoch.

Gestern ist es so blöd gelaufen und ich habe heute das Gefühl, alles falsch gemacht zu haben. Eine schlechte Mutter zu sein und auch für mich falsche Entscheidungen getroffen zu haben.

Zuerst:
Das Kleine Wunder hatte sich sehr auf den Ausflug mit B gefreut, weil wir zu einer Pferdekoppel fahren wollten. Sie hat morgens gleich Möhren und Äpfel gewaschen und klein geschnitten und im Halbstunden- (oder auch 5-Minuten-)Takt gefragt, wann es los geht. Weil ich nicht wusste, was genau uns dort erwartet, habe ich ihr gesagt, dass es sein kann, dass wir die Pferde gar nicht füttern dürfen. Sie wollte dann, dass ich B danach frage. Aber er wusste es auch nicht. Und ich habe dann zu ihr gesagt: „Wenn da keine anderen Leute sind, machen wir das einfach!“

Als wir dann ankamen, waren da viele Pferde, aber auch einige Menschen. Und das Wunder, dass doch so voller Vorfreude gewesen war – wollte nicht einmal aus dem Auto aussteigen! „Weil da andere Menschen sind.“ Schüchternheit? Ich sagte ihr, dass die bestimmt freundlich sind, dass wir ja zusammen hingehen und ich bei ihr bin. Das wir das schaffen. Schließlich stieg sie aus dem Auto, denn ich hatte ihr angeboten, erstmal in die andere Richtung zu gehen um zu gucken, ob es dort vielleicht auch noch eine Pferdekoppel gibt. Aber schon nach kurzer Zeit wollte sie nicht weiter. Blieb stehen, hielt mich fest, jammerte, wurde wütend und verzweifelte. Da mit mittlerweile klar war, dass da auch weiter hinten vermutlich keine weiteren Pferde stehen würden, bot ich an umzukehren. B ging ein Stück weiter um herauszufinden, dass das Feld tatsächlich leer war.

Als wir wieder auf der Höhe des Autos waren, wollte sie dort einsteigen. Ich wollte nun aber selbst einmal zu den Pferden und hatte natürlich auch die Hoffnung, dass sie mir folgen würde. Aber sie versteckte sich zwischen den Autos und weinte und schrie. Ihre Begründung war nach wie vor, dass da andere Menschen waren. Also entschlossen wir uns zu einer Koppel zu fahren, die wir auf dem Hinweg gesehen hatten. Dort standen zu zwei Pferde, aber es war weit und breit kein Mensch zu sehen. Aber auch dort wollte das Wunder partout nicht aussteigen und mir auch nicht die Tüte mit dem Pferdefutter geben.

Mission also völlig missglückt. Und ich fühlte mich einfach hilflos. Kind unglücklich, Begleitung / Fahrer genervt und ich fühlte mich auch schlecht. Mittlerweile ist mir klar, dass das alles mit meiner Äußerung „Wenn da keine anderen Leute sind, machen wir das einfach!“ zu tun hatte. Das Wunder wollte sich an die Regeln halten, hatte wohl Angst etwas falsch zu machen.

Eine ähnliche Situation gab es dann noch im Café. Wir wollten draußen sitzen, B suchte einen Platz, während ich mit dem Kleinen Wunder das Café betrat um eine Toilette zu suchen, weil sie Pipi musste.

Mama, wir müssen vorher fragen, ob wir die Toilette benutzen dürfen.“
Ich ging in die Hocke, sah ihr in die Augen und sagte: „Nein, hier müssen wir das nicht. Denn wir wollen hier ja Kaffee trinken. Dann darf man die Toilette ohne zu fragen benutzen.“

Aber auch hier fing das Wunder an zu weinen und an mir zu zerren und wiederholte hartnäckig, dass wir fragen müssen. Ich zog sie dann einfach Richtung Toilette, aber zufrieden waren wir damit beide nicht.

Ich verstehe: Es geht um Regeln, es geht um Sicherheiten und es geht um die Angst, Fehler zu machen. Aber warum vertraut sie mir, ihrer Mama, in so einer Situation nicht und kann sich nicht auf  meine Vorgehensweise einlassen?

Habt Ihr Ideen dazu? Ich seh den Wald vor lauter Bäumen nicht.