Der hat auch Angst

Manchmal, wenn ich unterwegs bin und mich die Angst befällt, schaue ich mir die Menschen in meiner Umgebung an und überlege, dass einige von Ihnen sicher auch Angst und Panikattacken kennen. Das hilft mir.

Dehalb lese ich gerade das „Ich bin mal eben wieder tot – wie ich lernte mit Angst zu leben“ von Nicholas Müller. Nicholas Müller war bis 2014 Frontman der Band Jupiter Jones. Ich finde es immer wieder ausgesprochen mutig, wenn Menschen ihre Angsterkrankung öffentlich machen. Noch mehr als Depression scheint eine Angstneurose ein Tabuthema. Eine Phobie vor Spinnen oder Mäusen oder die Angst Fahrstuhl zu fahren ist vielleicht gesellschaftsfähig. Aber ich eine „ich gehe nicht aus dem Haus-“Angst wie die Agoraphobie unter der ich leide, oder auch die Sozialphobie scheinen in unserer Gesellschaft mit der Anmutung von Schwäche verknüpft. Ich habe das selbst stark internalisiert – d.h. dieser Glaubenssatz hat sich in mir fest gefressen. Ich schäme mich dafür, dass ich es trotz wiederholter Therapien einfach nicht schaffe, die Angst Angst sein zu lassen und trotzdem so zu leben, wie ich es möchte.

Vor lauter Scham habe ich es über die Jahre gelernt, meine Angst und meine diesbezügliche Erkrankung virtous zu verstecken. Ich lasse die meisten Menschen einfach nicht so nah an mich heran, dass sie etwas bemerken können. Sie bemerken nicht, dass ich nur in einem winzigen Radius im Park jogge und niemals allein im anderen Teil des Parks zu sehen bin. Sie wissen nicht, dass ich zu jeden Termin  außerhalb eines vielleicht 1 Kilometer großen Radius eine vertraute Person zur Begleitung brauche. Sie ahnen nicht, dass es Tage gibt, in denen ich nur mit Herzrasen überhaupt vor die Tür treten kann oder sogar hyperventiliere wenn ich einfach nur allein in meiner schönen, sicheren Wohnung sitze. Selbst eine Panikattacke beim Arzt während der Blutdruckmessung blieb unbemerkt – weil mein Blutdruck trotzdem noch im oberen Normbereich war. Ja, ich habe sogar schon mehrfach mit schwerer Panik auf der Bühne gestanden und nach außen souverän meinen Text vortragen können.

Wieviele Lügen ich schon erzählt habe, wieviel Ausreden, warum ich früher gehe oder gar nicht erst irgendwo erscheine. Ich habe es sogar ohne große Verluste geschafft, dass ich nur ca. 2 x im Jahr Kundengespräche führen muss, die nicht in meinem Büro stattfinden. Wenn es doch anders sein muss, nehme ich mir jemanden mit, der mich hinbringt und irgendwo sehr in der Nähe auf mich wartet. Und kämpfe in der Regel dennoch massiv mit Angst. In zwei Tagen ist es wieder soweit und in meiner Tassche leuchten die zwei Tavor Tabletten, die mir der Arzt in der Mutter-Kind-Kur für den Notfall gab. Aber im Grunde traue ich mich noch nicht einmal dieses Medikament zu nehmen. Weil ich nicht weiß, wie ich darauf reagiere. So bleibt auch dieser Ausweg verschlossen.

Und jetzt lese ich das oben genannte Buch und während des Lesens steigt tatsächlich schon wieder Angst in mir hoch. Weil Nicholas Müller irgendwann total zusammengebrochen ist. Und ich Angst vor genau so einem Zusammenbruch habe. Ich bin doch Mutter! Und der Vater ist gerade wegen Depression und Angst in einer Klinik. (Ja, er ist zusammengebrochen. Und das ist auch irgendwie so typisch in dieser Konstellation. Denn ich funktioniere weiter und bin für unser Kind da. Ist das jetzt eine Stärke oder eine Schwäche?). Dennoch tut das Lesen gut. Weil es jemand geschrieben hat, den man kennt. Den ich kenne, weil er in der Öffentlichkeit stand. Und der das zugibt, dieses Angst. Dieses lächerliche Sich-vor-allem-möglichen-ängstigen, während es einem doch eigentlich viel zu gut geht. Herr Müller ist mittlerweile übrigens Schirmherr der DASH – Deutsche Angst-Selbsthilfe. Er hat es geschafft aus seiner Erkrankung etwas Gutes zu ziehen und hilft mit seinen Erfahrungen nun anderen. Ich wünschte, ich könnte das auch. Und ich wünschte, ich könnte auch sagen: Wie ich lernte mit der Angst zu leben. Doch nach mittlerweile 30 oder vielleicht sogar 36 Jahren Angst und Phobie fehlt mir dafür meist die Vorstellungskraft. Leider.

 

 

 

Ich sehne mich nach Leichtigkeit, – zurück ins Licht

Heute Abend übe ich mich in achtsamer Akzeptanz. Vor vier! Monaten habe ich einen Wochenend-Kurs gebucht, Thema: Achtsamkeit. Heute Abend sollte es losgehen. Und nun? Ich kann da unmöglich hingehen. Ich huste und huste, ich würde stören. Außerdem habe ich eine üble Bindehautentzündung, die ja bekanntlich sehr ansteckend ist. Und ganz ehrlich: ich fühle mich auch so elend, dass ich mich gar nicht mehr vom Sofa weg bewegen mag. Das Kleine Wunder freut sich, bei ihrer Lieblingsfreundin schlafen zu können. Ich habe alles super organisiert: wie und vom wem sie vom Hort abgeholt wird, wo sie sich dann aufhalten kann, bis sie um 19 Uhr zur Freundin kann, wo sie dann bis Morgen Abend bleibt, bis der Kurs zu Ende ist. Das war mit Hindernissen verbunden. Die erste Verabredung wurde nämlich spontan heute krank und so mussten mehrere Leute verschiedene Etappen übernehmen. Aber ich habe es dank sehr hilfsbereiter, liebevoller Familien geschafft. Dafür bin ich dankbar. Das ist so toll!

Und nun übe ich mich darin: Kein schlechtes Gewissen zu haben, so viele Leute eingespannt zu haben und dann zu schwächeln. Denn die Realität ist: Ich bin froh, dass das Wunder nicht hier ist und ich mich ausruhen kann. Froh, dass ich sie auf diese Weise weniger wahrscheinlich mit der Bindehautentzündung anstecke. Sie selbst freut sich wie das erste Schneeglöckchen und wird ein wundervolles Wochenende haben.

Es ist schade ums Geld, aber meine Entscheidung ist vernünftig und gut und schützt zudem einige andere Leute davor sich von mir anzustecken. Warum zur Hölle hadere ich dann trotzdem? Es ist mir in den letzten Jahren so verdammt oft passiert, dass ich Karten für eine Veranstaltung hatte, mich zu einem Kurs angemeldet hatte, langwierig verabredet war … und dann krank geworden bin. Das ärgert mich. das schöne Geld! Und dieses Gefühl, nun verschiedenste Leute eingespannt zu haben, nur damit ich den Kurs machen kann, den ich dann gar nicht mache … plejade! Es darf Dir gut gehen. Du darfst für dich sorgen. Du darfst tun was du möchtest und für dich richtig ist. Wann wirst du das verstehen? Und wo verflixt nochmal, ist denn nun diese Leichtigkeit und dieses Licht, nach denen du dich so sehnst???

Leuchtfeuer – Jahresrückblick

Für meinen, mittlerweile ganz schön späten, Jahresrückblick 2017 fand ich hier die passenden Fragen: https://www.zeitblueten.com/

Welche Ereignisse/Erlebnisse haben das vergangene Jahr besonders bereichert?

  • Die Vertiefung einiger Freundschaften, im Grunde ausgelöst durch den Krankheitsschub im Februar
  • Das Bloggen!
  • Die intensivere Beschäftigung mit dem Achtsamkeits-Gedanken. Das Lesen vieler Bücher dazu und auch die praktische Umsetzung von ein paar neuen Gewohnheiten. Kleine Schritte, aber Schritte.
  • Die Einschulung vom Kleinen Wunder, bzw. ihre parallel dazu gemachten Entwicklungsschritte. Wir sind uns so nah wie nie zuvor, – so fühlt es sich zumindest an. Zu sehen, wie gut sie alles meistert, lässt mein Herz leichter schlagen und gibt mir die Gewissheit ein paar grundlegende Sachen im Umgang richtig gemacht zu haben, so viele Zweifel hatte ich.

 

Welches war Ihr schönstes Erlebnis?

  • Spontan und als erstes fällt mir der Ausflug zum Hochseilgarten ein. Das war ein so schöner Tag, an dessen Abend ich mich inmitten einer Phase der Depression tatsächlich glücklich und zufrieden gefühlt habe.

 

Wer hat dazu beigetragen, dass es zum schönsten Erlebnis wurde?

  • Das gute Wetter, meine Freundschaft zu T und vor allem aber auch mein Mut es überhaupt zu tun. Und, dass wir die ganze lange Strecke mit dem Rad gefahren sind.

 

Was erfüllt Sie mit Stolz und Freude?

  • Das Kleine Wunder!
  • Meine gemütliche Wohnung
  • Das ich Joggen kann
  • Meine Arbeit
  • Freundschaften und das ich offensichtlich gemocht und geliebt werde, so wie ich bin. Mit allen Macken, Neurosen und Gebrechen.

 

Was hat Sie besonders berührt (in welcher Form auch immer)?

  • Die Einschulung des Kleinen Wunders und der damit einhergehende (innere) Wachstumsschub.
  • Die Trennung von XY
  • Meine Gefühle für T
  • Viele, viele Blogeinträge von Euch, viele Kommentare zu meinen Einträgen und ganz speziell die Einblicke in das Leben vom rummelschubser und dem monsterherz. Sie waren sehr hilfreich, aufbauend und ein Leuchtfeuer in für mich in diesem Jahr.

 

Was ist Ihnen im Leben wertvoll, was wichtig?

  • Mein liebstes Kleines Wunder
  • Freundschaft und liebevolles Miteinander
  • Meine Gesundheit und mein Wohlbefinden

 

Haben Sie im vergangenen Jahr dem, was Ihnen wertvoll ist, die entsprechende Aufmerksamkeit/Zeit/Priorität gewidmet?

  • Ich habe es tatsächlich geschafft, meine Prioritäten neu zu hinterfragen und anders zu gewichten. Aber ich stehe da noch ziemlich am Anfang. Ich habe mir mehr Regenerationszeit gegeben und auch dem Kleinen Wunder mehr gute Aufmerksamkeit gegeben. Aber mir ist am Ende des Jahres, durch die Hilfe meiner Ergotherapeutin aufgefallen, dass ein wichtiger Punkt oft untergeht: Freizeit. Denn was ich für Freizeit hielt, war oft Regenerationszeit. Vielleicht müsste ich meinen Stundenlohn mal erhöhen …

 

Wenn nein, warum nicht?

  • Ich könnte jetzt schreiben: Weil ich es einfach nicht hinbekommen habe, weil ich zu faul, zu doof, zu dumm, zu eitel, zu … war. aber das ist doch eigentlich nicht wahr. Denn ich habe mein Bestes gegeben. Das was ich konnte: Deshalb lautet die Antwort auf diese Frage:
  • Gut Ding will Weile haben.

 

Was lief nicht so, wie Sie es sich vorgestellt/gewünscht/erwartet haben?

  • Ich hatte mir eine bessere Gesundheit erhofft, die neue Sehnerventzündung hat mich ziemlich kalt erwischt und mir Angst gemacht, vor allem auch, dass sich die Schäden dieses Mal nicht so gut zurück gebildet haben.
  • Ich hatte gehofft, dass es mir viel besser gehen würde 2017, auch seelisch. Selbst die MutterKindKur hat mir nicht so gut getan wie erhofft, weil ich massiv unter Ängsten und Depression gelitten habe.
  • Mit Ende des Sommers bin ich dann endgültig in einer Depression gelandet

 

Und vor allem: Warum lief es nicht so? (Die Beantwortung dieser Frage führt oft zu lehrreichen Erkenntnissen/Einsichten.)

Auf den MS-Schub hatte ich wohl relativ wenig Einfluss. Ja, ich hatte Ende 2016 wirklich sehr viel Stress (vor allem wegen der Arbeit), aber ob das nun den neuerlichen Schub ausgelöst hat, steht in den Sternen. Denn in den Jahren zuvor hatte ich auch oft schlimmen seelischen Stress.

Was die Psyche betrifft, so habe ich vor allem zu lange in ungesunden Mustern und einer ungesunden Beziehung verharrt. Es nützt nichts, mich deswegen nun zu martern, denn auch hier habe ich wirklich das Beste versucht. Meine Absichten waren jedenfalls immer gut, meine Lösungsstrategien aber leider zu konfliktvermeidend

 

Welche Begegnung oder welche Person, die Sie kennengelernt haben, stellt eine große Bereicherung dar?

M scheint eine Bereicherung zu sein. Auch, dass ich J. wieder getroffen habe ist eine Bereicherung, wenn auch nur eine kleine ;o)

Meine Nachbarin J – es ist so schön sich gegenseitig immer mal wieder kleine Freuden zu machen und Präsente vor der Tür zu finden.

 

Welcher Mensch hat Ihnen am meisten geholfen, Sie am meisten unterstützt?

  • Auf einer Ebene sicherlich meine Mutter, denn sie entlastet mich klaglos immer wieder, wenn ich es nicht allein schaffe mit dem Kleinen Wunder. Speziell auch in der Zeit, als ich den Schub hatte.
  • T hat mich psychisch sehr unterstützt, durch sein da-sein und zuhören.
  • Ebenso meine Freundinnen A und N und auch K
  • Auch XY hat mir sehr geholfen, in dem er mich Therapien, Ärzten und zu Kur begleitet hat

 

 

Welcher Abschied ist Ihnen schwergefallen?

  • Der Abschied vom Kindergartenkind hin zum Schulkind
  • Der Abschied von meinem gesunden Sehvermögen in Folge der Sehnerventzündung
  • Die Paar-Beziehung zu XY zu beenden
  • Das N und L aufs Land gezogen sind (für mich nun leider nicht mehr erreichbar)
  • Als A zurück nach Portugal geflogen ist

 

Was haben Sie dazugelernt, welche Fähigkeiten und welches Wissen erworben, das Sie vor einem Jahr noch nicht hatten?

Das kann ich gerade noch schlecht in Worte fassen, aber ich spüre, dass ich gerade in diesem Jahr wahnsinng viel gelernt habe.

 

Was werden Sie, wenn sich die Gelegenheit ergibt, das nächste Mal anders machen?

Ich gehe jetzt viel offener mit meinen Erkrankungen um, das behalte ich auf jeden Fall bei. Ich vertraue dem Kleinen Wunder und seinen Fähigkeiten stärker. Ich gebe jemandem wie XY weniger gut gemeinte Hilfestellung – die aber doch nur dazu führt, dass das Leid länger währt.

Krönchen gerichtet …

… ein klitzeskleines bisschen zumindest. Mein Beitrag heute Morgen war meine ganz erste Reaktion und genau für sowas wollte ich das Blog ja nutzen. Ungefilterte Worte.

Es wurde von Euch gefragt, was er denn schrieb und ob er nicht wertschätzend geschrieben hat. Doch, hat er. Sehr nett und mit herzlichen Grüßen. Das er mich sehr, sehr mag und möchte, dass wir Freunde fürs Leben sind.

Ich habe gerade in der letzten Zeit zum Glück recht viel positives Feedback von Männern bekommen und nehme mich selbst als attraktiv war. Früher habe ich solche positves Feedback glaub ich einfach nicht wahrgenommen, weil ich gar nicht offen dafür war. Weil ich mich selbst so wenig leiden mochte. Früher hätte ich in einer solchen Situation vor allem vermutet, dass ich ihm zu häßlich bin. Da kann ich heute drüber lachen.

Obwohl ich mich schon frage, was für ihn denn eigentlich nicht stimmt. Denn wir verstehen uns tatsächlich gut, lachen viel zusammen, führen tiefsinnige Gespräche und ich bin ein wirklich netter und fürsorglicher Mensch. Möglicherweise die Multiple Sklerose flüstert da etwas. Möglicherweise, weil er keine Lust auf eine Frau mit Kind hat, er hat schon zwei und empfindet da auch vieles als Stress, flüstert es. Ja, möglichwerweise. Aber das ist nicht relevant. An mir ist es jetzt, nicht in Grübelei zu verfallen. Die Grübelei nicht noch weiter zu führen. Gegrübelt hab ich über T und unser Verhältnis schon genug. Die leise Ahnung, dass er einfach zu feige für was Neues ist, bleibt.

Und dann auch eine leise Ahnung, dass ich mir nicht von ungefähr IHN ausgesucht habe, in dieser Phase meines Lebens. Ihn, der sich nicht auf mich einlassen will. Das ist ja dann auch schön ungefährlich für mich … ich habe nämlich eine Scheißangst vor der Liebe mittlerweile.

Und ich hatte schon immer ein Faible für Männer, die aus irgendwelchen Gründen mit verschiedensten Mitteln Distanz aufgebaut haben. Alkohol, andere Frauen, Hochmut, Drogen, Sprachlosigkeit. Und die Angst mir immer wieder den Falschen auszusuchen und damit auf die Nase zu fallen und immer wiederkehrend alte Muster zu wiederholen ist groß. Und vielleicht ist T einfach klüger als ich. Weil wir vielleicht auch gegenseitig ganz gut unsere alten Muster bedienen würden. Ich hatte eine Chance darin gesehen, es dieses Mal anders zu machen, doch eventuell war das nur die feine Stimme meines Coabhängigen Anteils, der mir meine Gefühle schön reden wollte.

Nur wann werde ich mirch jemals in einen Mann verlieben, der wirklich gut für mich ist? Gut nicht im Sinne von Lektionen lernen, gut im Sinne von: Ich habe meine Lektionen gelernt und kann nun echte Beziehung aufbauen.

Und das was ich wollte hab ich ja erreicht: Zu meinen Gefühlen stehen. Doch wenn ich ihm gegenüber treten muss, wird das nochmal richtig schwer für mich: mich so verletzlich gemacht zu haben und dann nicht wieder ins Abblocken und in Kühlheit zu verfallen. Ich fühle mich so furchtbar klein bei dem Gedankena neine Begegnung.

Es wird in den nächsten Tagen / Wochen noch viel Gefühls-Auf- und-Ab geben bei mir.

Immerhin habe ich ihm eine gute Antwort geschickt, denn neben dem bedürftigem Kind gibt es u.a. auch einen richtig erwachsenen Anteil in mir. Einen Anteil, der glaubt, dass das alles seine Richtigkeit hat. Einen Anteil der nicht lange trauert, sondern hinnimmt und annimmt. Denn am Ende haben sich solche Enttäuschungen in meinem Leben meist als Segen heraus gestellt.

 

Brief, überfällig

Lieber T,

was jetzt kommt, ist eventuell so eine Art Belastungserprobung. Für mich auf jeden Fall. Und anstatt lang rumzuschwafeln, falle ich gleich mit der Tür ins Haus. Ich habe Dich einfach in mein Herz geschlossen, und das zu verleugnen wäre eine ziemliche Dummheit. Gefühle die unerwünscht oder unangebracht erscheinen zu verleugnen, wegzudrücken, zu überspielen – mein ganzes Leben lang schon eine meiner leichtesten Übungen. Aber auch eine meiner ungesündesten Angewohnheiten.
„Ich darf es mir erlauben, neue Wege zu gehen.“ – das ist meine aktuelle Affirmation mit der ich arbeite. Vielleicht ist dieser Brief Teil dieser neuen Wege. Ich war schon oft irritiert über Dein Verhalten. Verbindlich – unverbindlich. Distanziert – nah. Das macht es mir noch schwerer, diesen Brief zu schreiben. Aber eigentlich egal, ich kann sowas sowieso nicht gut. Du wünschst Dir einen entspannten Umgang miteinander. Den wünsche ich mir auch. Und zu einer Freundschaft gehört Ehrlichkeit. Und die Wahrheit ist, dass ich Gefühle für Dich habe, die über eine Freundschaft hinaus gehen. Ich wünsche mir mehr Nähe zu Dir.
Und vielleicht ist das ja auch hilfreich für Dich, das zu wissen. Das da ein Mensch ist, der Dich so mag, wie Du bist und der findet, dass all die Gedanken über Unzulänglichkeit unangebracht sind, – weil Du einfach ein toller Mensch bist.
Ich weiß, das dieses Geständnis etwas zwischen uns verändern wird, aber ich hoffe trotzdem Deine Freundin bleiben zu können. Diesen Brief durfte meine Seele schreiben und mein Kopf durfte gerade mal eine Pause machen.
Das ist einfach die Wahrheit und das bin ich. Und bevor mich der Mut verlässt, lasse ich das so stehen und tue es einfach.

In Verbundenheit, plejade

Mein Zögern / Mut sammeln

Ok. Ich habe verstanden.
Menschen bereuen auf dem Sterbebett selten Dinge, die sie getan haben. Vielmehr bereuen sie Dinge die sie nicht getan haben.

T und ich und die Kinder, wir haben in den letzten Wochen so viel Zeit miteinander verbracht. Entspannte Zeit. Gute Zeit. Irgendwie scheint das Aussprechen dessen, das wir nur Freundschaft voneinander wollen etwas (aus-)gelöst zu haben. Ihn scheint das entspannt zu haben. Bei mir hat es eine Welle von Emotionen ausgelöst, die ich aber bisher dennoch ganz gut in Schach halten kann. Wohlwissend, dass dies ein sehr ungesundes Verhalten für mich ist. Ich möchte noch mehr Zeit mit ihm verbringen und ich möchte mehr und andere Nähe. Es wäre gesünder für mich, dies zu fühlen und ihm zu zeigen.

Noch steht mir die Angst im Weg.

Ich habe Angst ihn durch ein Aussprechen davon zu verlieren, weil er dann vielleicht auf Distanz geht.

Ich habe Angst vor einer Absage und was das mit mir machen würde. Wieder: Angst vor Gefühlen.

In etwas mehr als drei Wochen geht er für mindestens sechs Wochen in eine Klinik. Lasse ich ihn bis dahin besser mit meinem Anliegen in Ruhe? Oder ist das Gegenteil der Fall und ich sollte nun schnell handeln? Was ist das für eine blöde Timeline die ich mir selbst damit setze?

Ich denke und denke und denke und vergesse dabei zu leben.

 

Ich habs verstanden. Der für mich richtige Weg ist Ehrlichkeit und Offenheit. Doch ich muss noch Mut sammeln. Noch reicht er nicht.

Und während ich dies schrieb, spülte das Universum diesen Song, den ich komischerweise bisher gar nicht kannte, aus dem www zu mir – kurios!:

(Früher habe ich gerne Mixtapes aufgenommen die durch die Songauswahl geheime Botschaften enthielten. Aber die Jungs haben das nie verstanden. Ich hatte schon in meiner Jugend schlechte Strategien in Liebesdingen 😂)

 

Have you got color in your cheeks‘
Do you ever get the feeling that you can’t shift the tide
That sticks around like something’s in your teeth
And some aces up your sleeve
I had no idea that you’re in deep
I dreamt about you near me every night this week
How many secrets can you keep‘
‚Cause there’s this tune I found that makes me think of you somehow
When I play it on repeat
Until I fall asleep
Spilling drinks on my settee

(Do I wanna know?)
If this feeling flows both ways
(Sad to see you go)
Was sorta hoping that you’d stay
(Baby we both know)
That the nights were mainly made for saying
things that you can’t say tomorrow day

Crawlin‘ back to you.

Ever thought of calling when you’ve had a few?
‚Cause I always do
Maybe I’m too busy being yours to fall for somebody new
Now I’ve thought it through

Crawling back to you

So have you got the guts?
Been wondering if your heart’s still open and
if so I wanna know what time it shuts
Simmer down and pucker up
I’m sorry to interrupt it’s just I’m constantly
on the cusp of trying to kiss you
I don’t know if you feel the same as I do
But we could be together, if you wanted to

(Do I wanna know?)
If this feeling flows both ways
(Sad to see you go)
Was sorta hoping that you’d stay
(Baby we both know)
That the nights were mainly made for saying
things that you can’t say tomorrow day

Crawling back to you

Ever thought of calling when you’ve had a few? (calling when you’ve had a few)
‚Cause I always do (‚cause I always do)
Maybe I’m too busy being yours to fall for somebody new
Now I’ve thought it through

Crawling back to you, (do I wanna know?)
If this feeling flows both ways
(Sad to see you go)
Was sorta hoping that you’d stay
(Baby we both know)
That the nights were mainly made for saying
things that you can’t say tomorrow day

(Do I wanna know?)
Too busy being yours to fall
(Sad to see you go)
Ever thought of calling darling?
(Do I wanna know)
Do you want me crawling back to you?

Unbeholfen

… in Liebesdingen. Ich konnte das noch nie, schon in meiner Jugend wusste ich nicht, wie das geht. Ich kann die Zeichen nicht deuten und ich nicht die richtigen Signale senden. Die Ursache dafür liegt vielleicht in Unsicherheit und Angst vor Abweisung.

Ich brauche von der anderen Seite sehr deutliche Signale. Aber es gibt ja Menschen, die ebenfalls eher etwas subtiler und unsicher unterwegs sind – und in der Regel sind das die mir sympathischeren Menschen.

Seitdem wir das Thema neulich so zaghaft angeschnitten haben, sehen wir uns noch viel öfter / haben mehr Kontakt. Klar, oft auch mit den Kindern und die verstehen sich so gut, dass wir dann entspannte Zeit haben. Ausflüge etc. klappen einfach besser, wenn man nicht nur mit einem Kind unterwegs ist, sondern noch einen Freund oder eine Freundin vom Kind dabei hat. Aber das kann doch nicht der einzige Grund dafür sein, so viel Zeit miteinander zu verbringen!?

Mehrere Menschen haben unabhängig voneinander zu mir gesagt, dass T. mich so ansieht. So wie man jemanden nicht anguckt, wenn man nur Freunde sein will. Eine Freundin meinte, dass er sich vielleicht auch einfach nur nicht traut. Aber er hat doch klipp und klar gesagt, dass er die Freundschaft vorzieht. War das wirklich klipp und klar?

Und ich schwanke zwischen:
„Wenn es sein soll, soll es sein … das eilt ja nicht.“,
„Vielleicht braucht er einfach Zeit.“
„Ich renne dem auf keinen Fall hinterher!“
„Man muss die Dinge angehen, so ist es vertane Zeit.“
„Vielleicht lasse ich da eine Chance verstreichen.“
„Ich will jetzt sofort mehr Nähe und werde ihm das sagen!“
„Die Freundschaft ist mir so wichtig, ich will sie nicht aufs Spiel setzen.“
„Meine Gefühle wetrden wieder vergehen sind vielleicht sowieso nur ein Strohfeuer.“
„Wenn Du es nicht probierst, wirst Du es nie wissen.“
„Er mag Dich, will aber auf keinen Fall mehr Nähe, das hat er ja gesagt.“
„Das werde ich respektieren.“
„Willst Du Dein Leben lang Deinen Ängsten nachgeben, trau Dich einfach!“

… etc. …

Ich glaube, ich brauche Rat.

 

 

 

Angst und Liebe

Mit T verbindet mich eine Freundschaft die in den letzten Wochen und Monaten immer tiefer wurde. Wobei ich mich schon lange gefragt habe, was daraus wird und was eigentlich in seinem Kopf so vorgehen mag bezüglich der Beziehung zu mir. Immerhin sind wir beide alleinerziehende Singles. Bei aller Freundschaft: er ist nicht richtig greifbar für mich und es gibt Themen, die wir nicht ansprechen.

Als wir uns vor 2,5 Jahren kennengelernt haben, war ich von XY getrennt. Aber später bin ich noch ganz schön um und mit ihm rumgeeiert. T habe ich aber immer in dem Glauben gelassen, dass ich Single bin. Anfangs kannten wir uns noch nicht so gut, als das dass überhaupt wichtig gewesen wäre, bzw. wäre es irgendwie unangebracht und zu persönlich gewesen darüber zu sprechen. Dann hatte ich das Gefühl, es sei zu spät ihn darüber aufzuklären. Meine Beziehung zu XY war allerdings auch die ganze Zeit ziemlich distanziert, keine Körperlichkeiten, – eher ein Abwarten, ob sich die Dinge nochmal zum Guten wenden, unter der Überschrift „wir sind zusammen“.

T fand ich ehrlicherweise von Anfang an attraktiv. Zugleich war und bin ich verstört, was Männer betrifft. Ich dachte erst, T trinkt vielleicht auch und habe daher emotional dicht gemacht. Aber seit zwei Jahren laufe ich mit einer Sehnsucht herum. Einer Sehnsucht nach T. Über die ich schon viel gegrübelt habe. Nährt diese Sehnsucht sich davon, dass er mir so wenig greifbar scheint? Will ich etwas, weil ich es nicht haben kann? Bin ich einfach bedürftig und da ist nun ein Mann in meiner Nähe und ich projiiziere meine Sehnsüchte einfach nur auf ihn, weil er sich dafür eignet? Ist das auch coabhängiges Verhalten?

Er hat auch so seine Vergangenheit, traumatisiert aus der Kindheit, kommt – tadaa! – aus einer Alkoholikerfamilie. Will ich ihn etwa retten? Wirkt da einfach nur mein altes Muster?

Mehr und mehr lerne ich ihn schätzen, mehr und mehr wächst meine Sehnsucht. Er weicht Berührungen aus, was mir schon bald als seltsam aufgefallen ist. Ist ja in einer „nur“ guten Freundschaft eigentlich kein Problem.

Vor ein paar Tagen schrieb er mir per Chat, dass er schon oft darüber nachgedacht und in sich hineingefühlt hat, ob wir uns nicht auch nochmal anders annähern sollten, er aber immer wieder zu dem Punkt kommt, lieber bei Freundschaft zu bleiben, um sich diese bloß zu bewahren.

So ähnlich umtreibt mich das seit Wochen, wenn nicht Monaten. Freundschaften sind so wichtig. Mich hat diese Aussage von ihm sehr aufgewühlt. Es ist das erste Mal, dass die Art unserer Beziehung überhaupt mal thematisiert wurde. Bezeichnenderweise im Chat und nicht im Gespräch. Wenn ich da mit Humor drauf gucke, muss ich sehr darüber lachen. Seitdem wüten in mir die Emotionen. Ich kann sie nicht gut deuten, mit Gefühlen hab ich so meine Probleme. Ich bin aufgeregt, seine Nachricht hat mich auf der einen Seite sehr erfreut. Er scheint mich ja auch attraktiv zu finden. Ich habe ihm zurück geschrieben, dass es mir ähnlich geht. Ich aber auch mittlerweile richtig Angst vor der Liebe habe. (Das mit der Freundschaft kann man sich ja auch schön reden, wenn man eigentlich nur zu wenig Mut für eine neue Beziehung hat)

Gestern haben wir uns getroffen um nochmal drüber zu reden. Wir haben aber nur kurz rumgedruckst und uns dann anderen Themen zugewandt. Sein Fazit war aber: Eigentlich haben wir im Chat ja schon alles geklärt, es bleibt bei Freundschaft.

Aber ich kann seit Dienstag nicht mehr schlafen.

Heute nicht, 2

Als wir uns dann schließlich draußen zu B gesellten, gefiel dem Kleinen Wunder der Platz nicht, den er ausgesucht hatte. Wieder jammern und weinen und Unzufriedenheit. Mittlerweile waren wir alle wirklich genervt. Und entschieden dann, die Zelte abzubrechen, da wir ohnehin noch nicht bedient worden waren.

Wir sind dann hier in Kneipenrestaurant gegangen, dass ist der Ort, an dem wir oft mit dem Wunder essen gehen. Hier fühlt sie sich sicher. Ab da klappte dann auch alles gut zwischen uns.

B überredete mich, den Abend mit ihm zu verbringen – es gab einiges an möglichem Programm und ein Teil von mir hatte da auch Lust dazu. Vor allem nach dem für mich stressigem Nachmittag. Ein anderer Teil wollte den Abend mit dem Kleinen Wunder verbringen … vor allem nach dem für uns beide stressigem Nachmittag. Aber ich fragte das Kleine Wunder, ob sie Lust habe, bei Papa zu schlafen. „Ja.“ Ich hatte mit dieser Antwort nicht wirklich gerechnet. Und ihr Papa sagte dann am Telefon, dass er nicht dagegen habe. Auch damit hatte ich nicht wirklich gerechnet.

Also holte er das Wunder später ab und ich bin mit B zu einer Party gegangen. Es war laut und voll und ich traf eine „Freundin“ die ich gar nicht mehr als Freundin sehe. So wechselten wir auch nur wenige Worte. Außerdem traf ich T, der betrunken war. Und auch das hat mich aufgewühlt. Ich kann mich selber nicht verstehen. Ich mag T sehr. Sehr. Er ist ein guter Freund geworden. Aber da ist etwas an ihm, dass mich noch mehr anzieht. Verliebt sein fühlt sich anders an. Und dann stand er vor mir und war nicht wirklich greifbar, weil er eben getrunken hatte. Und diese Distanz zwischen uns, die ist ein so vertrautes Gefühl für mich. Und etwas in mir, will diese Distanz unbedingt aufbrechen und ihm näher sein.

Und dann habe ich darüber nachgedacht, ob er nicht längst ein Alkoholproblem hat. Oder ob ich das überbewerte, weil ich eben die schlimmen Erfahrungen mit dem alkoholkranken XY gemacht habe. Und zugleich ist da diese Sehnsucht nach Nähe und dann waren sie da: Die leisen Gedanken, dass er vielleicht nur trinkt, weil er sich ein bisschen einsam fühlt: Und wenn ich ihm nun deutlich mache, dass ich mir mehr Nähe wünsche, dass er dann aufhören könnte zu trinken, das wir füreinander da sein könnten und alles gut werden würde. So fühlt sich Sucht an, oder? Diese Gedanken kenne ich doch. Diese Gefühle sind mir heimatlich vertraut. Das sind Vorstellungen und Ideen, die mir ein Gefühl von Machbarkeit verleihen. Die meinem Leben einen Sinn geben könnten. Die mich aufwerten. Denn wenn jemand wegen mir schlechte Angwohnheiten fallen lassen würde, – das wäre doch ein Beweis echter Zuneigung.

Aber ich weiß, das es so nicht geht. Jeder Mensch, kann immer nur sich selbst ändern. Es liegt nicht in meiner Macht jemanden zu ändern. Ich bin nur für mich verantwortlich (und für das Wunder natürlich, solange sie klein ist).

Das war der Moment, in dem ich abgewunken habe und die Party verlassen habe. Und mit Tränen in den Augen nach Hause gegangen bin. So überstark war diese Sehnsucht. Am Liebsten hätte ich mich in seine Arme geworfen und ihn um um einen Kuss gebeten. Und so ungesund ist diese Sehnsucht.

So sind die Männer, die mein Interesse wecken. Die Gefühle auslösen. Diese Distanz zieht mich an. Aber genau das ist ab jetzt mein verbotenes Land. Weil in diesem Land nur Krieg und Krise auf mich wartet. Und die Sehnsucht niemals Erfüllung finden wird.

Ich wollte lernen, mich zu zeigen. Aber wenn ich diesem Mann, diese Gefühle zeige ist das brandgefährlich für mich. Und ich brauche Freundschaften. Und vielleicht ist das alles auch nur in meinem Kopf. Ich und Gefühle – das ist und war immer ein Irrgarten der Verwirrung und Angst.

Ich bereue es, überhaupt auf diese Party gegangen zu sein und nicht mit dem Kleinen Wunder zu Hause bei mir geblieben zu sein.