Es gibt kein Zurück

… voller Zweifel und Angst, aber irgendwo ist da auch das Gefühl, das Richtige zu tun. Für mich.

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Brief, überfällig

Lieber T,

was jetzt kommt, ist eventuell so eine Art Belastungserprobung. Für mich auf jeden Fall. Und anstatt lang rumzuschwafeln, falle ich gleich mit der Tür ins Haus. Ich habe Dich einfach in mein Herz geschlossen, und das zu verleugnen wäre eine ziemliche Dummheit. Gefühle die unerwünscht oder unangebracht erscheinen zu verleugnen, wegzudrücken, zu überspielen – mein ganzes Leben lang schon eine meiner leichtesten Übungen. Aber auch eine meiner ungesündesten Angewohnheiten.
„Ich darf es mir erlauben, neue Wege zu gehen.“ – das ist meine aktuelle Affirmation mit der ich arbeite. Vielleicht ist dieser Brief Teil dieser neuen Wege. Ich war schon oft irritiert über Dein Verhalten. Verbindlich – unverbindlich. Distanziert – nah. Das macht es mir noch schwerer, diesen Brief zu schreiben. Aber eigentlich egal, ich kann sowas sowieso nicht gut. Du wünschst Dir einen entspannten Umgang miteinander. Den wünsche ich mir auch. Und zu einer Freundschaft gehört Ehrlichkeit. Und die Wahrheit ist, dass ich Gefühle für Dich habe, die über eine Freundschaft hinaus gehen. Ich wünsche mir mehr Nähe zu Dir.
Und vielleicht ist das ja auch hilfreich für Dich, das zu wissen. Das da ein Mensch ist, der Dich so mag, wie Du bist und der findet, dass all die Gedanken über Unzulänglichkeit unangebracht sind, – weil Du einfach ein toller Mensch bist.
Ich weiß, das dieses Geständnis etwas zwischen uns verändern wird, aber ich hoffe trotzdem Deine Freundin bleiben zu können. Diesen Brief durfte meine Seele schreiben und mein Kopf durfte gerade mal eine Pause machen.
Das ist einfach die Wahrheit und das bin ich. Und bevor mich der Mut verlässt, lasse ich das so stehen und tue es einfach.

In Verbundenheit, plejade

Ich darf es mir erlauben neue Wege zu gehen

– das ist meine Affirmation für die nächsten Wochen. Das flüstere ich mir ein. Klingt so einfach. Ist doch klar, dass das erlaubt ist! Tja, für mich scheinbar nicht. Und das in vielen Aspekten.

Seit heute ist T in der Klinik um seine Depression behandeln zu lassen. Ich war traurig darüber, dass er nun mindestens sechs Wochen weg sein wird. Seine Anwesenheit war in den letzten Wochen auch ein bisschen Halt für mich. Ein Freund, der gleich nebenan in der Straße wohnt. Jemand der irgendwie da ist.
Aber jetzt glaube ich, dass es gut ist. Abstand. Mal mit Abstand auf diese Geschichte blicken. Und momentan hab ich auch eine Wut auf ihn, die ist vielleicht irrational, aber es gibt Gründe dafür. Sich immer rauswinden, auf nichts festlegen, den Weg bestimmen.
Ich achte ein bisschen auf seine Wohnung, gieße Blumen, gucke nach der Post. Und eben war ich zum ersten Mal allein in seiner Wohnung und habe gemerkt, dass das vielleicht auch eine Art Therapie für mich ist. Ich hatte im Geist schon geplant, dass ich zu seiner Rückkehr den Balkon mit schönen Herbstastern bepflanzen will und ungefragt ein paar Sachen einkaufen. Solche Dinge habe ich mir eigentlich schon immer gewünscht für mich. Das jemand auf diese Art für mich da ist. Und dann habe ich eben beschlossen, dass ich lieber meinen eigenen Balkon verschönere. Für mich.

Gestern habe ich ein Päckchen los geschickt, das ihn in den nächsten Tagen in der Klinik erreichen wird. Ein kleines Survivalpaket für die ersten schweren Tage. Schokolade, Tee, ein Notizbuch, eine lustige Karte, ein Foto von unseren Kindern. Auch sowas, was ich für mich schön gefunden hätte bei meinen Klinikaufenthalten, dass jemand auf diese Art an mich denkt. Ich habe das Paket gestern schon mit einem Grummeln im Bauch aufgegeben, aber die Sachen hatte ich ja schon gekauft und ich packe gerne Päckchen, das hat Spaß gemacht. Und ich dachte mir, dass die Welt eher besser davon wird, es trotz meiner wütenden Gefühle abzuschicken. Trotzdem eine Freude machen. Gestern Abend hab ich ihm noch einen Satz geschrieben: „Wünsche Dir eine gute Nacht.“ Die letzte Nacht zu Hause, ich kenne die Aufregeung und Angst vor dem, was da auf einen zukommt. Ich habe noch nicht einmal eine klitzekleine Antwort bekommen.

Eigentlich wollte ich doch …

… noch schreiben, wie die Kur war (im Mai/Juni). Und schreiben, wie es mir geht. Und schreiben, dass ich so langsam glaube, eine Depression zu haben. Aber es ist so viel und so unverständlich für mich, dass ich gar keinen Ansatz dazu gefunden habe.

Die Kur war nicht so toll, wie sie hätte sein dürfen. Nach ca. der Hälfte ging es mir dort richtig schlecht. Angst, Panik, Depression, das volle Programm. Aber es wurde dann wieder besser, einfach weil ich es ausgehalten habe. Denn geholfen wurde mir dort nicht, war ja „nur“ eine Mutter-Kind-Kur und auf solche Krisen sind die dort nicht eingestellt. Und meine Therapeutin (die jetzt nicht mehr meine Therapeutin ist, weil eas die letzte Stunde war in der sie das sagte) meinte: „Toll. Das konnten sie hoffentlich mit nach Hause nehme. Diese Erfahrung, dass die Angst auch wieder nachlässt.“ Und ich sage: „Ja.“

Aber was ich in Wirklichkeit mit nach Hause genommen habe, ist die Erkenntnis (wieder mal), dass die Angst mich überall und immer einholen kann und ich dem kaum etwas entgegensetzen kann wenn es soweit ist. Und die Depression war auch nicht weg mit dem Ende der Kur. Und mit der Depression geht die Angst Hand in Hand spazieren. Oder die Angst schleift die Depression am Halsband hinter sich her. Oder die Depression klammert sich an die Angst. Ich weiß es nicht.

Jedenfalls sind sie beide da. Nicht permanent, ich habe richtig gute Tage zwischendurch. Oder Momente. Oder Abende. Aber sie sind beide so viel häufiger da. Und die Abstände zwischen den Angstgefühlen und zwischen den Panikattacken werden kleiner. Und die Situationen in denen mich die Angst einholt häufiger. Sie greift nach meinem Alltag. So richtig. Ich hatte in den letzten vier Wochen mehr Panik als im ganzen Jahr davor zusammen genommen.

Und in meinem Kopf ist dieser eine Gedanke: Es darf mir nicht so schlecht gehen, es darf auf keinen Fall schlimmer werden, ich muss es schaffen, dass es mir wieder besser geht. Denn ich muss für meine Tochter da sein.

Kleine Nettigkeiten

Sich gegenseitig überraschen, Freude geben, die Welt ein bisschen besser machen. All das ist relativ leicht getan. Mit einem Kompliment, einem Lächeln oder einer kleinen Aufmerksamkeit zum Beispiel. Und damit das Gute immer größere Wellen schlägt, kann man aus der Idee sinnloser Kettenbriefe eine ganz besonders schöne Aktion machen.

Ich mag solche Aktionen und es ist mir unangenehm, dass ich bisher völlig vergessen hatte, Teil einer solchen zu sein.

Folgendes zitiere ich von trienchens Seite, die mir auch so eine große Freude bereitet hat:

Die allgemeinen Spielregeln lauten:“Die ersten drei Menschen, die mir ein Kommentar hinterlassen, erhalten irgendwann dieses Kalenderjahr eine Überraschung von mir. Etwas Gebackenes, Gebasteltes, eine Postkarte oder irgendwas anderes Schönes… Auf jeden Fall etwas, das mit Liebe gemacht oder ausgewählt wurde.  Wann die Überraschung kommt, steht noch nicht fest und wird auch nicht verraten. Nur, dass es dieses Jahr ankommt ist sicher.

Der kleine Haken? Diese drei Leute müssen das gleiche Angebot in ihrem Blog machen. Damit trage ich – und Ihr Gewinnerinnen! – dazu bei, dass 2017 ein bisschen netter wird.

Ich ändere das Kalenderjahr auf den Zeitraum eines Jahres. Dann wird die Überraschung schöner, das Jahr neigt sich ja schon dem Ende. 🙂

Nun bin ich gespannt, wem ich eine Freude machen darf, nur zu! 🙂

Ach Du Schreck! Oh, wie schön!

Was ich heute im Briefkasten fand, waren zwei Briefe wie sie unterschiedlicher nicht sein können.

Zuerst die schlechte Nachricht: Eine Mieterhöhung 😦 – und zwar um satte 18%
Meine Miete für diese schöne Wohnung war bisher vergleichsweise niedrig, das war mir bewusst und ich habe mich darüber immer gefreut. Ich hatte nur irgendwie gehofft, dass der unausweichliche Tag der Mieterhöhung noch weir in der Ferne liegt.

Jetzt die gute Nachricht: Post von trienchen!
trienchen veröffentlichte nämlich im März diesen Beitrag.

Ich hatte überhaupt nicht mehr daran gedacht, und – Asche auf mein Haupt – auch selbst die Aktion gar nicht weiter geführt. Das will ich aber jetzt tun. Worum gehts? Es geht darum, Freude zu bereiten.

Im nächsten Beitrag findet ihr mehr dazu. 🙂

Dieser Beitrag ist nämlich dazu da, meine Freude auszudrücken. Ich war richtig gerührt von Deinem lieben und so persönlich passendem Gruß, trienchen – dazu noch mit der Anspielung auf Das Kleine Wunder. Das Sorgenfresserchen kommt an mein Bett, dann kann ich es abends super füttern. Und die Münze soll von an immer bei mir sein und mich daran erinnern, das die Welt so schlimm nicht ist wie ich sie mir oft ausmale. Das es da draußen viele Menschen mit ähnlichen oder ganz anderen Sorgen gibt. Das das Leben eben so ist wie es ist.

Danke Dir trienchen ❤ 🙂

 

P.S.: Und die Mieterhöhung werde ich auch schon irgendwie noch packen.

Was mir nachts so passiert

Heute Nacht zum Beispiel. Da bin ich aufgewacht, weil ich erkältet bin und husten musste. Und dann wollte ich einen Schluck Wasser trinken und stellte dabei mit Schrecken fest, dass mein linker Arm nicht voll beweglich war. Ich konnte ihn zwar heben, aber nicht so ganz und dann sank er unwillkürlich auch schon wieder herab, weil die Kraft nicht reichte. Schub! Lähmung! das schoss mir gleich in den Sinn, mein Herz raste.

Dann fiel mir ein, dass ich lange schon Probleme mit der linken Schulter habe, total verkrampfte Muskulatur, und wahrscheinlich zusätzlich noch doof drauf gelegen habe. Tatsächlich konnte ich nach ein paar Minuten meinen Arm wieder ganz normal bewegen. Nur ein paar kurze Gedanken, Bewertungen und Körper und Geist sind in Aufruhr.

Heute bin ich wieder ein Stückchen dankbarer dafür, dass ich meine Arme und Beine so wunderbar bewegen kann. Der Körper ist ein Wunderwerk.

Erwachsen?

Da fahre ich voller Angst und Adrenalin mit dem Rad zum 500 Meter entfernten Laden um einzukaufen. Mit dem Rad, weil ich damit schneller bin, zu Fuß noch mehr Panik hätte. Und dann sehe ich Das Kleine Wunder wie es dort entlang tapert. Ganz allein. Auf dem Weg von der Schule zum Hort, sich auf halber Strecke mit dem Erzieher treffend. Mit ihren fünf Jahren, voller Vertrauen diesen Weg meisternd, der viel weiter ist, als der meinige und den ich überhaupt nicht allein bewältigen könnte zu Fuß und allein.

Ich konnte meine Tränen nur mit Mühe zurück halten.

3 x dankbar, 10.09.2017

  • Einfach ein guter Tag für mich, ausgeschlafen, joggen gewesen, Kaffeetrinken in der Sonne, sogar meditiert habe ich – ausnahmsweise mal ein Sonntag ohne das Kleine Wunder
  • In Ruhe kochen können – Sellerieschnitzel mit Tomaten-Zucchini-Sauce und Vollkornreis. Dazu Tomate-Mozarella-Gurkensalat mit leckerstem Senf-Honig-Dressing (fürs Wunder gab es Fischstäbchen, ein Jammer, aber so ist es eben)
  • Am Abend ein gut gelauntes und – trotz beginnender Erkältung – sehr ausgeglichenes Kleines Wunder in Empfang nehmen können