Wohin die Reise geht?

Da ist sie wieder, die Angst.

Eine teuflische Unruhe hat sich im letzten Jahr eingeschlichen. Ich fühlte mich immer mehr gehetzt, unter Druck, überfordert. Dann immer mal wieder kurze Phasen der Entspannung und der Gedanke: „Quatsch, schaffst Du schon alles. Schaffen andere ja auch.“. Der Dezember war unglaublich stressig – und ich weiß gar nicht mehr so genau warum. Ich wurde immer fahriger, vergesslicher, hektischer, ungeduldiger, gereizter.

Dann hatte ich drei Wochen frei und es ging mir besser. Schon am 2. Arbeitstag setzte die Unruhe wieder ein. Das Gefühl alles nicht mehr zu schaffen, mit allem überfordert zu sein. Alles zu viel. Von allem. Dann wurde das Kleine Wunder krank und ich fiel aus, dann wurde ich krank. Danach – oder währenddessen – habe ich dann nochmal ein paar Tage gearbeitet. Dann setzte der Schub ein. Irgendwie erwartet. Nun bin ich seit 7 Wochen zu Hause, es ist etwas Ruhe eingekehrt. Nach und nach habe ich wieder angefangen von daheim etwas zu arbeiten und Dinge zu regeln (ALG2 Antrag, Wohngeldantrag, mal wieder zur Therapie fahren, seit 3 Wochen 2x die Woche Physio- und 1x die Woche Yogatherapie, wiede rmehr für das Kleine Wunder da sein, mal wieder richtig aufräumen …) und Zack! die Rastlosigkeit ist wieder da. Überreiztheit.

So langsam stelle ich mir die Frage, ob ich nicht an so etwas wie einem Burn Out leide und der Schub nur eine sichtbare, körperliche Konsequenz davon ist.

Mittwoch auf dem Elternabend Schwindel und Angst, nahe der Panik. Ich fühlte mich seltsam. Anders. Weit weg. Gefährdet. Hoffentlich kann ich bald nach Hause.

Gestern lag ich beim Physiotherapeuten auf der Liege, übernächtigt, weil ich eine unruhige, schlaflose Nacht hinter mir hatte und fühlte mich so außer mir. Ich wartete auf den Therapeuten und war sicher jetzt verrückt zu werden. Wahnvorstellungen zu entwickeln. Ich fühlte mich greifbar bedroht. Die Massage hat mich dann wieder runter gebracht und ich konnte guter Dinge den Tag verbringen.

Heute Morgen packte mich auf dem Radweg mit XY Richtung Neuro-Praxis wieder Angst. Auf dem Rückweg auf der Brücke an der großen Straße mit den Hochhäusern wurde die Angst zur Panik. Atmen. Es geht wieder vorbei. Es geht immer vorbei. Du bist nicht verrückt.

Es steht Kopf. Ich stehe Kopf. Oder liege ich schon am Boden? Ich habe Angst um meinen Körper, um meine Sinne. Ich will nicht, dass mir die Nerven wegbrutzeln. Tun sie aber, die MS ist da.

Es geht nicht so weiter wie bisher. So viel ist klar. Ich kann nicht wieder so einsteigen. Als der Schub los ging, bin ich ausgestiegen. Aus der Nor heraus. Aus Notwendigkeit. Aus Klugheit. Kann ich jetzt so klug sein, nicht wieder einzusteigen? Wie soll das gehen? Das Geld muss verdient werden. Das Kind muss umsorgt werden. Mein Körper muss vielvielviel schlafen –die Tage sind deshalb kurz –, und er braucht Sport und Yoga und Meditation. Ich brauche gutes Essen. Ich vermisse meine Kunst, eine körperlich-schmerzhafte Sehnsucht nach Schaffen. Und Freundschaften, ich brauche Freundschaften und Austausch, viel mehr als das in den letzten Jahren der Fall war.

Wie verdammt nochmal soll das gehen? Es ist zu viel. Und ich sehe keinen Weg der Änderung. Ich sehe ihn einfach nicht, obwohl er vermutlich fett und breit und einladend vor mir liegt. Und ich bleibe seit Jahren an dieser Stelle hier kleben und schlage mich mit XY rum und mit schlechtem Gewissen und Grübeleien, mit Abhängigkeiten und Angst vor Verlust und davor Fehler zu machen und vor Einsamkeit und Vereinsamung.

Des Kleinen Wunders erstes Papa-Wochenende. Nicht.

Ja, tatsächlich. Wir leben seit 31 Monaten getrennt. Nun hat das Kleine Wunder (!) zu Papa gesagt: „Darf ich mal ein ganzes Wochenende bei Dir sein?“ Und mich gefragt:„Mama, ich möchte mal ein Wochenende bei Papa sein. Ein ganzes. Papa hat gesagt, das geht. Darf ich? Bitte!“

Das sie deswegen um Erlaubnis fragt ist irgendwie traurig. Nun gut. Ich habe mich gefreut, dass es nun endlich soweit ist. Da sie Donnerstags sowieso von XY vom Kindergarten abgeholt wird und dort schläft, fing das lange Papa-Wochenende im Prinzip schon gestern an.

Um 21 Uhr ist Papa aufgefallen, dass er vergessen hat, neue Windeln für die Nacht zu kaufen. Kein Ding, Mama hat ja immer welche! (schneidend und mit ironischem Unterton)

Außerdem wurde ich gefragt, ob ich das Wunder am Samstag Nachmittag für ein paar Stunden zu mir nehmen kann, da das Wetter gut wird und XY Straßenmusik machen möchte. Die Enttäuschung des Wunders wäre noch größer, wenn sie satt zu mir, zu Omi müsste in der Zeit. Und XYs Idee, dass Wunder an den trubeligen See mitzunehmen – das könnte ich nur schlecht aushalten, da ich weiß, dass XY dann doch sehr auf sein Musizieren und auf seine Instrumente konzentriert ist.

Heute morgen erreichte mich seine Frage, ob ich das Wunder um 15 Uhr vom Kindergarten abholen kann und für 1–2 Stunden nehmen kann, das Wetter ist auch heute toll: Straßenmusik steht an.

Ohne Worte, oder?

Es macht mir nicht übermäßig viel aus, ich verbringe gerne Zeit mit dem Wunder. Heute wollte ich allerdings in Ruhe etwas arbeiten … na gut, das Wetter ist toll, ein bisschen Spielplatz tut mir auch gut. Da XY heute Morgen etwas wichtiges für mich erledigt hat und mich seit Wochen zu sehr vielen Arzt- und Therapieterminen begleitet, habe ich das Gefühl nicht nein sagen zu können. So gestaltet sich Coabhängigkeit auch. Ich bin wütend, aber ich sage es ihm nicht. Schließlich brauche ich ihn nächste Woche wieder zur Begleitung meiner Termine die ich ohne ihn nicht wahrnehmen kann.

Und ich bin wirklich traurig. Das gerade noch viel mehr. Es tut mir für das Kleine Wunder so leid. Verlässlichkeit ist so wichtig für die Kinder und sie redet seit Wochen von dem bevorstehendem Papa Wochenende. Obwohl: Die Wut ist auch. Eine Löwinnen-Wut, die mein Kind vor Enttäuschungen schützen will.

3 x dankbar, 23.03.2017

  • Bescheid über die Bewilligung des Krankengeldes erhalten, in drei Wochen wird dann ein Betrag ausgezahlt, der lange nicht reicht, aber ganz ok ist – endlich in dem Bereich Klarheit
  • Besuch von Earl Grey am Nachmittag – kleine Teezeremonie mit mir und mir selbst
  • Vergissmeinicht, Narzissen und Hornveilchen auf dem Markt gekauft und Balkon ein bisschen bepflanzt, schön bunt, wenn ich raus gucke 🙂

3 x dankbar, 22.03.2017

  • Yogapraxis vor dem Frühstück – sollte ich viel öfter machen, es tut soo gut!
  • Heute erfahren, dass ein regelmäßiger Auftrag, der auf zuletzt auf der Kippe stand nun erstmal die nächsten Monate weiter läuft – die regelmäßigen Sachen sind einfach schön für ein leichtes Sicherheitsgefühl
  • WooowwMeoww! Ein superleckeres Essen mit der Masala-Mischung vom Bruder meines Ayurveda-Therapeuten gekocht. Und viel zu viel gegessen für die späte Stunde

Achtsam durch den Tag. Die rechte Hand will Chefin bleiben

Vor ein paar Tagen habe ich von einer Entdeckung erzählt. Das Buch (Achtsam durch den Tag von Jan Chozen Bays) soll mich nun mindestens ein Jahr lang begleiten. Durch diesen Artikel angeregt hat ein freundlicher Mensch, eine Frau die mein Blog liest, auch noch beschlossen, mir das Buch, dass ich bisher aus der Bücherei geliehen hatte, zu schenken! Ein kleines Wunder für mich. Ein Wunder, das Licht in mein Herz und meine Seele gebracht hat und mir einfach ein gutes Gefühl gegeben hat. 🙂

Am Sonntag habe ich mit der ersten Achtsamkeitsübung begonnen: Die nicht dominante Hand öfter mal zu benutzen.

Es ist nicht einfach. Ich bin wahnsinnig ungeschickt mit der linken Hand – was mir zeigt, dass es nur hilfreich sein kann, sie öfter zum Einsatz zu bringen und die Nerven in diese Richtung zu trainieren. Nun, am 4. Tag, denke ich schon wesentlich häufiger daran die linke Hand zu benutzen. Aber ich bin ein ungeduldiger Mensch und mit links geht alles so viel langsamer und mühsamer. Argh! Und ich brauche Konzentration dafür und  – huch! – Achtsamkeit. 😀 Immer wieder greift die rechte Hand beherzt und ungeduldig zu und entreißt der linken Hand die Zahnbürste, das Messer, den Pinsel …

Heute Morgen habe ich sogar eine Scheibe Brot mit links abgeschnitten – die Scheibe ist ganz schön dick geworden, aber ich blieb unversehrt. Ein Zeichen meiner Ungeduld ist es auch, dass ich es jetzt schon kaum abwarten kann die nächste Übung zu beginnen. Deshalb bleibe ich eisern und werde erst am Sonntag in dem Buch weiterlesen. Sonst käme ich nämlich nicht umhin einfach parallel schon die zweite Übung zu starten.

3 x dankbar, 21.03.2017

Heute Morgen klingelte der Paketbote und brachte ein Geschenk für mich – ich habe mich so sehr über diese liebe Geste von Weena gefreut, ich danke Dir von Herzen <3! Nun habe ich das Achtsamkeitsbuch auch und muss es nicht immer wieder in der Bibliothek verlängern und neu reservieren. Und überhaupt, es ist einfach eine soo schöne und liebevolle Geste von einem Menschen, den ich gar nicht persönlich kenne!

Gleich nach dem Frühstück ganz allein einen zwanzig minütigen Spaziergang gemacht – nahezu angstfrei. Ich rege mich einfach so über die Zerstörung unseres Parks auf, dass ich vor lauter Wut keine Angst empfinde wenn ich dort bin *lach*

Endlich, endlich, endlich habe ich meinen Gefrierschrank abgetaut und gereinigt!! Ein absolutes Erfolgserlebnis – das war jetzt nämlich das erste Mal seit der Anschaffung vor 5,5 Jahren. Wer aufgepasst hat, weiß, dass das ziemlich genau mit der Geburt meiner Tochter zusammen fiel … beste Ausrede! 🙂